Freitag, 31. Dezember 2010

Zottiger Zuckerzimtzwerg

Der Ohrenbär bestellt die Zutaten für sein Weihnachtsgebäck sinnvollerweise beim Zottigen Zuckerzimtzwerg. Dies weiß nun der ganze Rätselnorden, denn das Adventsrätsel des NDR ist gelöst.
Auch große Leute wie wir hören den Ohrenbär - die Radiogeschichten für kleine Leute allabendlich gerne. Jahraus, jahrein. E-[erwachsene] Hörer dürfen miträtseln, müssen aber fairerweise zum A [Alter] stehen.
Schon letztes Jahr brachte mir der Briefträger am letzten Tag des Jahres Gewinnerpost vom Ohrenbär. Dieses Jahr habe ich wieder gewonnen: eine Kuschelantje. Auf dem Bild zu sehen mit Schlüter (dem gelben Fisch) auf Lignitz (dem hundertjährigen Klavier).

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Rosenkohl-Curry-Suppe mit Zimtsahne

Zimt ist kommunikationsfördernd, sagt unsere Biokiste, und liefert zum Jahresende zwei Zimtrezepte. Eines koche ich auf der Stelle:
Ein halbes Kilo Rosenkohl, ein halbes Kilo Kartoffeln putzen, schälen, Kartoffeln würfeln, in einer Schüssel mit 2 Esslöffel Curry bestäuben. Stehen lassen. Derweil Öl im Topf erhitzen, eine kleingeschnippelte Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, ein bisschen frischen Ingwer darin anschwitzen, Rosenkohl und Kartoffeln zugeben, mit 800 ml Gemüsebrühe auffüllen, weichkochen. ein paar Rosenkohlköpfe herausnehmen, den Rest pürieren. 2 EL Crème fraiche unterrühren, 1 EL Rohrohrzucker zugeben, mit Pfeffer, Salz und Muskat abschmecken. Die restlichen Rosenkohlköpfe als Einlage in die Suppe geben. 1 Becher Sahne steif schlafen. Suppe portionieren, auf jeden Teller einen Löffel Sahne geben und mit Zimt bestäuben. Schmeckt himmlisch!
Ich habe ein paar Maronen aus eigener Ernte mitgekocht, vor dem Pürieren beiseite gelegt und mit den ganzen Rosenköhlchen als Einlage auf die Teller verteilt. Schmeckt noch himmlischer!

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Rotkohlcrèmesuppe mit glasierten Maronen

Zur Feier des Tages fing ich mit der heutigen Suppe schon gestern an. Der geraspelte Rotkohl (1 kleiner Kopf) muss nämlich mit einem Apfel und einer Zwiebel, mit Wacholderbeeren, Lorbeerblättern und Gewürznelken mindestens 12 Stunden in Rotwein (eine ganze Flasche) und Rotweinessig (4 EL) marinieren. Abgedeckt und kühl gestellt.
Butter in einem großen Topf schmelzen, das abgetropfte Gemüse darin andünsten, dann Weinsud wieder dazugeben, mit 1 Liter Gemüsebrühe auffüllen und eineinhalb Stunden köcheln lassen. Dann die Suppe pürieren.
50 gr Zucker mit etwas Wasser in einem kleinen Topf karamelisieren, nacheinander 3-4 Schöpfkellen er Suppe schnell unterrühren, damit es keine Klumpen gibt. Mischung zu der Suppe geben, 250 ml Sahne einrühren und mit einigen Spritzern Balsamico abschmecken.
Maronen in Zucker karamelisieren. Suppe auf Teller verteilen, die Maronen in der Mitte platzieren, so dass sie noch zu sehen sind. Den Rest Karamell als Deko auf die Teller verteilen.

Eine aufwändige ZwischenDenTagenSuppe. Das Karamelisieren muss ich noch weiter perfektionieren.

Samstag, 25. Dezember 2010

Heller Tag

Sonne und klirrende Kälte über der Feldmark. Alle Wege führen irgendwann schnurstracks nach Meldorf. Wir wünschen warme Weihnachten!

Freitag, 24. Dezember 2010

Stille Nacht

Ich musste dem Christkind den Zugang zur blauen Tonne freischaufeln sowie deren Deckel von der Schneelast befreien. Damit das Christkind überflüssige Verpackungen unserer Umwelt gerecht entsorgen kann und nicht seine himmlischen Sphären (oder die finnischen Wälder?) damit vollmüllen muss.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Stillleben mit Papiertonne

Starker Schneefall und Schneeverwehungen verwehren mir den Zugang zur Garage und meiner Lieblingsmülltonne.
Kann sein, dass bis das Christkind kommt, vom Blau nichts mehr zu sehen ist. Der scharfe Ostwind fegt weiterhin alles pulvrige Weiß um die eine Hausecke. Und Frau Holle ...

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Dienstag, 21. Dezember 2010

Sikkation

Sikkation ist eine künstliche Reifesteuerung und kommt besonders bei Kartoffeln zur Anwendung. Wochen vor der Ernte wird das Feld mit Chemikalien besprüht, die das Kartoffelkraut absterben lassen. Dadurch werden die Schalen fester und es kommt zu geringeren Schäden durch die Erntemaschinen, die Kartoffeln sind besser lagerbar, die Größe der Knollen kann reguliert werden, was wichtig ist bei der Pflanzkartoffelherstellung. Also nur ökonomische Vorteile.
Kritiker wenden ein, dass sikkierte Kartoffeln anders schmecken. Und fragen nach den Folgen für im Boden lebende Organismen. Und ob die Stoffe (das einzig von der EU zugelassene Sikkationspestizid ist Glyphosat) nicht ins Grundwasser gelangen können, beispielsweise wenn die Erntemaschinen gereinigt werden.
Die Dithmarscher Bauern winken ab. Die Sikkation mache gerade bei den häufig nassen Böden am Wattenmeer die Ernte einfacher, denn sie entferne größere Blätter und Unkraut an den Pflanzen. Und: mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gehe man verantwortungsbewusst um. Sikkationsmittel würden nur auf die grünen Pflanzenteile der Kartoffel wirken, also nicht auf die Knolle, die wir essen. Außerdem: waschen würden sie Erntemaschinen nie.

Montag, 20. Dezember 2010

N Y L O N

Vor 75 Jahren wurde das Nylongarn erfunden. Nylon war die erste synthetische Faser, die vollkommen synthetisch hergestellt wurde. Nämlich aus Kohlenstoff, Wasser und Luft. Chemisch: Polyhexamethylenadipinsäureamid. Unaussprechlich für die Nylonstrumpfträgerinnen. No-Run war eine der Alternativen. Es sollte ein griffiger Name sein und verheißen: Keine Rennerei mehr (von Laufmaschen, nicht Füßen). Aber die Hersteller fürchteten gerichtliche Auseinandersetzungen, falls no run sich nicht bewährte. Also erfolgte die Metamorphose von Norun über Nuron, Niron bis Nylon.
Angeblich soll Nylon auch nichts mit NY-LON (der Abkürzung für ein Lebensgefühl, das sich zwischen New York und London abspielt) zu tun haben. Auch die Schadenfreude, die der Nylon-Erfinder Wallace Carothers empfunden haben mag, als er endlich das Konkurrenzprodukt zur japanischen Kunstseide auf den Markt werfen konnte, ist nicht verbürgt. Denn die Faser erhielt den Namen N-Y-L-O-N (Now, You Lousy Old Nipponites! Oder alternativ: Now, You Look Old Nippon!) erst nach Carothers' Tod.
Übrigens wurde Nylon zuerst nur für Zahnbürsten verwendet und hatte keine Berührung mit Damenbeinen.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Wicki 2

Das Klappmützenrobbenmädchen ist wohlauf. Es hat keine Staupe und durfte von der Quarantänestation ins Aufzuchtbecken umziehen. Dort treiben, dem Winter in Dithmarschen sei Dank, Eisschollen und nehmen der Klappmütze im Jungtierfell das Heimweh.
Immer wieder Sonntags kann Wicki jetzt besucht und besichtigt werden. Allerdings nur um 11 Uhr und 14.30 Uhr, und nur über die Kameras vom Aussichtsturm oder durch die Fenster des Informationszentrums der Seehundstation in Friedrichskoog.

Samstag, 18. Dezember 2010

Der Wutbürger

Der Wutbürger ist das Wort des Jahres 2010, teilt die Gesellschaft für deutsche Sprache mit. Die Auszeichnung begründet die Gesellschaft so: der Wutbürger stehe für die Empörung in der Gesellschaft, dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden.
Auf Platz 2 folgt "Stuttgart 21", auf Platz 3 "Sarrazin-Gen".
Wieder reibe ich mir verwundert die Augen. Und greife zur Schneeschaufel. Die regt zum positiven Denken an. Keines der drei topgesetzten Wörter ist für mich ein Wort. Eher eine Chiffre. Oder ein offener Geheimcode. Eine Zustandsbestimmung. Die Fiebermesseranzeige einer Gesellschaft.

Freitag, 17. Dezember 2010

Die Klimareserve

Wir sind bis über die Nasenspitzen eingeschneit. In der Zeitung lese ich, dass jedes Jahr eine Million Kubikmeter Sand an die Westküste Sylts gekippt wird. Damit die Nordsee sich diese Sandauf- oder -vorspülungen wieder abholt. Damit die Sturmflut etwas zu fressen hat, und nicht den Badegästen vor Westerland den schönen Sand unter dem Hintern wegreißt und hinterhältigerweise auf Amrum wieder an Land wirft. So wird auf Sylt der status quo erhalten: mit 6,2 Mio Euro nur für flüchtigen Sand.
An der übrigen Wattenmeerküste werden Deiche verstärkt, breiter gebaut, weniger stark geneigt, erhöht. So dass sie, wie die Umweltministerin von Schleswig-Holstein sagt, eine "Klimareserve von einem Meter beinhalten." Der Weltklimarat prognostiziert einen Meeresspiegelanstieg von ca. 3 Millimeter jährlich. Also bis zum Jahr 2100 insgesamt 20 bis 60 Zentimeter. Da wirkt ein Meter irgendwie elefantös. Außerdem, meint die Ministerin, könnten künftige Generationen, sollte die Höhe wider Erwarten nicht ausreichen, den Deichen mit wenig Aufwand noch eine "Kappe" aufsetzen. Und so "zusätzlich Sicherheit" gewinnen.
Ich reibe mir die Augen. Sicherheit? Zusätzlich? Vorsätzllich? Keuchend schaufle ich einen halben Meter Gehweg rund ums Haus frei. Wir sind bis über die Nasenspitzen eingeschneit. Mein Nachbar sagt, so etwas habe er seiner Lebtag noch nicht erlebt. Alle unsere Nachbarn leben von jeher hier.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Der Seegang

Der Seegang besteht aus Windwellen und Dünung und ist für die flachen Wattenmeerküsten schwer vorhersagbar. Neben Gezeiten, Sturmflutwasserständen und küstennahen Strömungen ist der Seegang eine weitere Eingangsgröße für Küstenschutzmessungen.
Küstenschutzmessungen werden während der Sturmflutsaison (von Oktober bis März) verstärkt. In großen Wattströmen mit mehr als zehn Metern Wassertiefe registrieren Wellenmessbojen alle Bewegungen der Wasseroberfläche. In flachen Küstenbereichen dokumentieren Sensoren den Druck der Wassersäule. Alle Geräte verfügen über einen integrierten Datenspeicher. An zwei Stationen wird zudem der Wellenauflauf direkt am Deich gemessen.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Die Vega

Die Vega ist keinesweg nur ein Stern am Himmel.
Die Vega oder Der Braune Auenboden, international Fluvic Cambisol oder verkürzt Fluvisol, ist der Boden des Jahres 2011.
Jedes Jahr findet Anfang Dezember der Weltbodentag statt, eine Initiative der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft und des Bundesverbandes Boden. Am Weltbodentag wird der Boden des Jahres für das folgende Jahr präsentiert. 2010 war der Boden des Jahres der Stadtboden, 2009 war es die Kalkmarsch.
Im nächsten Jahr sind es die Vegen, braune, fruchtbare Böden im Überflutungsbereich von Flüssen. Es gibt sie überall auf der Welt entlang großer Flusssysteme. Also am Po, am Rhein, an der Weichsel, der Donau usw. Aber auch an kleineren und mittleren Flüssen, in erosionsanfälligen Lösslandschaften oder anderen hügeligen Regionen mit Bodenverlagerung durch Wassererosion.

Dienstag, 14. Dezember 2010

business as usual

Der Schnee ist zurück. Die Kälte ist zurück. Eine eiskalte Sonne um die Mittagszeit ist zurück.
In der Gazety Wyborcza lese ich, dass Kaczyński den dritten Weltkrieg anzetteln will. In einem Interview mit "Newsweek" hatte der einsame Zwilling sich am Wochenende damit gebrüstet, dass er - im Gegensatz zum polnischen Premierminister Tusk - die Kondolenzbekundungen des russischen Premierministers Putin an der Absturzstelle in Smolensk nicht angenommen habe. Und: der britische Premierminister Cameron habe ihm zu dieser Haltung gratuliert.
Heute nun das Dementi aus London. Zwar gab es eine Begegnung Kaczyński - Cameron, bei der auch des toten Zwillingsbruders und polnischen Präsidenten gedacht wurde. Aber nix weiter. Und sofort wuchern die Spekulationen in Warschau. Kaczyński, geübter Provokateur, notorischer Lügner, wolle das nicht gerade gute Verhältnis zwischen Großbritannien und Russland weiter vergiften. Um in die Weltgeschichte einzugehen. Als internationaler Brandstifter.

Die Rolle des nationalen Brandstifters ist ihm nicht mehr gut genug ...

Montag, 13. Dezember 2010

Vor 29 Jahren ...

... verhängte General Jaruzelski über die Volksrepublik Polen das Kriegsrecht. Und ließ in den frühen Morgenstunden den einen und anderen Solidarność-Aktivisten verhaften. Unter anderen den heutigen Präsidenten der Republik Polen, Bronisław Komorowski.

Da Komorowski kürzlich alle noch lebenden Amtsvorgänger zu einem informellen Gespräch in den Präsidentenpalast geladen hatte, auch den über 80-jährigen Jaruzelski (er war der letzte militärische Herrscher der Volksrepublik und der erste demokratisch gewählte Präsident der Republik Polen), wirft ihm Oppositionsführer und "Präsidentenzwillingswitwer" Jarosław Kaczyński einmal mehr vor, Land+Leute zu verraten und mit den Russen unter einer Decke zu stecken.

Heute Abend finden wie jedes Jahr vor Jaruzelskis Villa in Warschau Kundgebungen statt. Im Umkehrschluss neu sind die Transparente: "Komorowski verhängte das Kriegsrecht".

Sonntag, 12. Dezember 2010

Aperwind

Der Sonntag hat angefangen und der Schnee ist weg. Seit gestern saust uns der Sturm um die Ohren und die Temperaturen steigen kontinuierlich. Im Glarnerland würde man vom Aperwind sprechen, aber der ist erst im Frühjahr an der Reihe. Im Tal der Linth heißt er Schneefresser, weil er den Schnee von den Hängen frisst. Ihm die Ruhe stiehlt. Ihn aufwirbelt und austrocknet.
Genau dies geschah vor meinem Fenster mit dem Schnee von gestern. Obwohl es hier weder Hügel noch Gipfel gibt.

Eigentlich ist der Aperwind einfach ein Föhnwind. Ein warmer Kopfweh- und Schneeschmelzwind. Und etymologisch geht sein Name auf lateinisch "apertus" = offen zurück. Der Aperwind hinterlässt also offene (schneefreie) Flächen unter dem Himmel. Egal ob mit oder ohne Erhebungen.

Samstag, 11. Dezember 2010

"Nichts."

In der Sonnabendstory auf NDRKultur wird Dürrenmatts Erzählung "Der Tunnel" gelesen. Aus fast aktuellem Anlass. Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990, also vor fast 20 Jahren. Und Dürrenmatt schrieb den "Tunnel" 1952, also vor mehr als einem halben Jahrhundert.
Der Text ist älter als wir. Und doch so jung.
Früher, als ich noch ab und zu von Basel über Olten nach Fribourg fuhr, oder später über Langenthal in die Zentralschweiz, dachte ich jedesmal an Dürrenmatts Tunnel, wenn der Zug im Baselbiet in den Tunnel durch den Unteren Hauenstein eintauchte, aus dem er erst kurz vor Olten wieder auftauchte. Fast immer war das Wetter am Ende des Tunnels schlechter als an seinem Anfang.

Im Radio heute früh um 09.00, also vor einer knappen Viertelstunde, endet der Text über eine Zugfahrt in einem Schweizerischen Eisenbahntunnel, an dem nichts besonderes ist, "außer natürlich, dass er nicht aufhört", mit der "unbarmherzigen" Antwort des Passagiers auf die Frage des Zugführers:
"Was sollen wir tun?" schrie der Zugführer durch das Tosen der ihnen entgegenschnellenden Tunnelwände hindurch ...
"Nichts" antwortete der andere unbarmherzig, ohne sein Gesicht vom tödlichen Schauspiel abzuwenden ... "Nichts."

In meinem Kopf endet der Text, seit ich ihn kenne, anders. So wie jede Zugfahrt durch den Hauenstein anders endet. An den Wortlaut kann ich mich nicht erinnern. Ich stehe auf und suche unsere Bücherregale ab. Bis ich das Ende von Dürrenmatts Erzählung schwarz auf weiß vor mir sehe: "Nichts. Gott ließ uns fallen und so stürzen wir denn auf ihn zu."

Freitag, 10. Dezember 2010

Mit 17 ...

... hat man noch Träume. Auf die Minute genau vor 17 Jahren stapften wir durch matschigen Schnee zum Warschauer Standesamt Nr. 1 und gaben uns nicht das "ja"-Wort, weder in deutsch noch in polnisch. Sondern ein sprachlich kompliziertes, ausführliches, gegenseitiges und simultan übersetztes Versprechen.
W. behauptet noch heute, "nichts" zu wissen, "nichts" verstanden zu haben.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Eisbäume

Seit gestern sind die Bäume gefroren. Am frühen Morgen ist noch einmal unglaublich viel nasser Schnee gefallen. Am frühen Nachmittag fahren wir bei unglaublich schönem Wetter nach Hamburg. Alle Bäume in Dithmarschen sind gefroren. Keiner lässt sich von der gleißenden Sonne beeindrucken. Wir kommen an und es wird dunkel. So kurz sind die Tage schon.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Wicki, das Klappmützenrobbenmächen

Eine etwa einjährige arktische Klappmützenrobbe wird derzeit im Quarantänebecken der Seehundstation in Friedrichskoog aufgepäppelt. Das junge Weibchen hat sich, niemand weiß warum, aus dem nördlichen Eismeer ins nordfriesische Wattenmeer verirrt. Vor Föhr wurde die einsame Dame vom ablaufenden Wasser überrascht. So etwas gibt es bei ihr zu Hause nicht. Zudem hatte offenbar jemand versucht, sie ins Wasser zurückzutreiben. Auch so etwas gibt es bei ihr zu Hause nicht. Rabiate Menschen. Da sie wahrscheinlich den Worten des Mannes nicht glauben wollte, griff der zum Stock.
Dann schickte man einen Seehundjäger los und der brachte das erschöpfte Jungtier in die Station Dagebüll. Der dortige Tierarzt schloss zwar eine Schädelverletzung aus, empfahl jedoch aufgrund des schlechten Zustandes des Sorgenkindes eine Verlegung nach Friedrichskoog.
Sie hat bereits einen Kosenamen bekommen: Wicki. Sobald Wicki sich erholt hat, wird Wicki wieder ausgewildert. Den Wulst auf Stirn und Nase, der dieser Robbenart den winterlichen Klappmützennamen verliehen haben, kann man in Friedrichskoog leider nicht bewundern. Nur Männchen entwickeln den Wulst, denn nur Männchen brauchen etwas Aufblasbares für ihr Liebeswerben. Sie blasen den Wulst auf der Nase auf wie einen Luftballon, um die Weibchen zu beeindrucken. Oder um Nebenbuhler zu vertreiben.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Winterlist

Ich wollte bloß Äpfel holen in der ganzen Garage. Zwei waren frisch angebissen.
Ich wundere mich nicht. Und räume gedankenlos, wenn ich schon hier stehe, endlich die Kiste mit Schwiegervaters Zimmermannswerkzeug weg, die ich kürzlich am Boden hatte stehen lassen. Ich hatte eine seiner Holzraspeln gebraucht. Und dann kam der Baumfäller und ich musste in Eile das Bambuswindspiel vom Vogelbeerbaum herunter holen und legte es kurzerhand auf die Zimmermannswerkzeugkiste am Boden.
Bevor ich also die Kiste an ihren Platz hieven kann, muss ich das Windspiel hochheben. Aus den einzelnen Bambusröhren rieseln meine getrockneten Kürbiskerne vom letzten Jahr, die ich im Frühjahr nicht in die Erde gesetzt hatte. Nun wundere ich mich. Zuerst über das Geräusch, dann über die Bescherung am Boden. Von wegen Nikolaus, Stiefel vor der Tür, Überraschungseier. Die Kürbiskerne (ich habe immer Unmengen davon) lagen seit dem letzten Herbst in einer Plastikschale auf dem Weinregal, das wir vom Vorbesitzer geerbt haben und seither zweckentfremden. Die Schale ist leer. Das ist doch sehr verwunderlich. Denke ich plötzlich laut. Auch die diversen kleinen Blumentöpfchen, in denen ich diverse Samen aus dem Garten gesammelt und im ehemaligen Weinregal zum Trocknen aufgebahrt hatte, sind leer. Wunder über Wunder im Winter. Jemand hat nicht nur unsere Äpfel angeknabbert, sondern Hamsterverstecke angelegt. Wo allerdings die Malven-, Mohn- oder Wickensamen hingekommen sind, sehe ich auf den ersten Blick nicht.
Welches hungrige Tier am Wattenmeer ist so klein, dass es bei geschlossenen Türen und Toren in unsere Garage hineinkommt - und wieder hinaus, oder hockt es vielleicht irgendwo unter den Gartenstühlen, den Liegestühlen, den Gartentischen, zwischen der Gartengrillkohle oder hinter den alten Fahrrädern, dem Rasenmäher, dem Vertikutierer, und beobachtet still mein Wundern?
Welches hungrige kleine Tier am Wattenmeer ist so schlau, getrocknete Kürbiskerne in Bambusröhren zu verstecken?
Auf einem Weinregal herumliegende Äpfel anzubeißen, ist keine große Kunst. Die würde ich jeder grauen Wühlmaus zutrauen.
Aber Kürbiskerne von eben diesem Regal von Menschenbrusthöhe herunterzuholen, keinerlei verräterische Spuren zu hinterlassen, sie in den einzelnen Holzröhren eines mächtigen Bambuswindspiels zu verstauen, das nicht mehr im Sturm am Baum klappert, sondern vollkommen unnütz auf einer Kiste voller Zimmermannswerkzeug am Boden einer ganzen Garage liegt, in der trotzdem kein Platz mehr für ein Auto ist ...

Montag, 6. Dezember 2010

Blitzeis

Die Welt am Wattenmeer ist spiegelglatt. Über Nacht ist alles gefroren. Mein Achillessehnengeplagter Professor hat einen Termin beim Chirurgen und zerbricht sich nun den Kopf, wie er mit heilen Knochen an die Oesterstraße kommen soll. Sogar Nikolaus weigert sich heute, seinen Dienst anzutreten.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Frühlingsgefühle

In der Nacht fiel nochmals soviel Schnee, dass ich ihm nicht mehr Herr werde. Gegen Mittag fängt es an zu regnen und zu tauen. Es tropft von allen Seiten, aus allen Richtungen. In der Dämmerung schaufle ich einen Kanal frei zu den zwei Gullys, den einen bei den kahlen Ahornbäumen, den andern an der Ecke unseres Eckgrundstücks. Damit das Wasser ablaufen kann, eh es wieder gefriert. Und laufe dann selbst mit dem Salzeimer in der Hand den Bürgersteig auf und wieder ab.

Samstag, 4. Dezember 2010

Schneedach 6

Weil's so schön ist und ich wieder einen Schritt nach draußen wage: Unser Schneedach zum Sechsten!
Der blanke Himmel trügt.
Für den Abend sind weitere Schneefälle, Schneestürme, Schneeverwehungen, Windböen mit Geschwindigkeiten bis 70 km/h (Bft 8) aus Südwest bis Süd angesagt.

Freitag, 3. Dezember 2010

Herbstfrüchte

Wir sind eingeschneit. Schnaufend, schwitzend schaufle ich die paar Meter von der Haustür bis zum blauen Gartentor frei. Nur für den Briefträger. Heute beneide ich ihn nicht. Der Professor hat von der letzten Dienstreise wandernde Schmerzen in Wade und Ferse (Achillodynie) mitgebracht. Auch ihn beneide ich nicht. Keiner von uns verlässt das Haus.
Ich taue eine Portion Maronen auf und rasple 2 Möhren, schneide das Innere des Wirsings klein, brate alles mit Zwiebeln und Tofu an, blanchiere derweil die großen Wirsingblätter in Salzwasser, breite sie anschließend auf einem Holzbrett aus, lasse sie auskühlen, fülle sie mit der Maronen-Gemüsemasse, rolle sie auf, lege sie behutsam wie rohe Eier in eine gebutterte Auflaufform und schiebe sie in den Ofen neben den Kartoffelgratin, der schon eine halbe Stunde vor sich hin schmort.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Schnee in allen Stockwerken

Es schneit den ganzen Tag. Niemand wagt sich auf die Straße. Kein Hund, kein Besen, kein Handschuh. Mindestens 25 Zentimeter Neuschnee sind schon aus dem bleischweren Himmel gefallen. Das Baumhaus ist luftig, dachlos und im Winter unbewohnt. Jedes Stockwerk hat nur die Aufgabe, Schnee aufzunehmen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

flateratelabern

Noch ein Jugendwort, das zur Auswahl stand dieses Jahr: flateratelabern. Bitte so (nicht anders, nämlich: flatratelabern) geschrieben. Noch ein eingedeutschtes Kunstwort, das mir nur wegen der unkompliziert friedlichen Koexistenz fremder Sprachen in der Schreibweise so gut gefällt. Man könnte sich nämlich auch einfach auf das Deutsche und die Deutsche Leitkultur berufen und lesen: FLATE-RATE-LABERN. Dann müsste man sich allerdings fragen, wo denn hier der Tippfehler herkommt, was für eine flate (vielleicht flaute? oder flache? faire?) Rate da gemeint ist. Statt neudeutsch stotternd sich die Zunge zu brechen: FLÄT-REIT-LABERN. Labern ist klar wie Kloßbrühe. Aber der Rest? Umsonst und draußen. Quasseln ohn' Unterlass. Quasseln ohn' Punkt und Komma.

Dienstag, 30. November 2010

Niveaulimbo

Die Langenscheidt-Jury kürte heute das deutsche Jugendwort des Jahres 2010: Niveaulimbo.

Die deutschsprechenden Schweizer setzen sich sofort davon ab. Sie habe ihre eigene Sprache und wählen ihre eigenen Wörter und lassen sich gewohnheitsmäßig mehr Zeit für alles. Eine auf Jugendsprache von Frauen spezialisierte Sprachwissenschaftlerin aus Zürich äußert ihre Zweifel an der Alltagstauglichkeit von Niveaulimbo. Denn sie bekennt: "Gehört habe ich es noch nie."

Die Langenscheidt-Jury traf ihre Wahl aus folgenden Top 5 (in alphabetischer Reihenfolge): Arschfax, egosurfen, Niveaulimbo, n1 [sprich: nice one] und Speckbarbie.
Niveaulimbo meint das "ständige Absinken des Niveaus" - und wird von den deutschen Jugendlichen v.a. im Kontext von TV- und Partywelt benutzt. Also ein überaus treffender Ausdruck. Und eine positive mediale Sensibilisierung Heranwachsender. Die mögen sich offenbar nicht grenzenlos verblöden lassen von gängigen TV-Formaten. Das bedeutet: wir (meine Generation) werden noch das Ende des Fernsehens erleben. Dafür bin ich den Jugendlichen dankbar. Dafür, dass sie Wörter kreieren, die etwas bewirken.

Montag, 29. November 2010

Grenzenloses Wohlwollen 2

Das Abstimmungswochenende ist vorbei und ich melde mich, wie versprochen. Das Schweizer Stimmvolk hat sich gegen herrschendes Völkerrecht entschieden. Gegen die europäische Menschenrechtskonvention. Gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Gegen das Freizügigkeitsabkommen mit der EU.
Quo Vadis, Helvetia?

Freitag, 26. November 2010

Schneedach 5: grenzenloses Wohlwollen

fertig schneelustig!
Der Tag (das Tageslicht) geht zu Ende in Heide. Eine Stunde Einbürgerungstest. Selbst meine blocherfreie Basellandschaftliche Zeitung berichtete kürzlich von einer "Einbürgerungswelle im grossen Kanton" (sic!): 1466 Schweizer besitzen mittlerweile den deutschen Pass. Gegenüber 2006 habe sich die Zahl der einbürgerungswilligen Schweizer mehr als verzehnfacht. Und wörtlich: "Die Schweizer im Deutschen Exil erfahren das, was den Deutschen in der Schweiz oft verweigert wird: grenzenloses Wohlwollen."
Dieses "grenzenlose Wohlwollen" wird nicht nur den Deutschen in der Schweiz verweigert, sondern grundsätzlich und aus Prinzip allen fremden Fötzeln. Ich melde mich wieder nach dem nächsten Abstimmungswochenende.

Schneedach 4

splendid blue sky - und die tibetischen Windpferde liebkosen mein Dach!

Schneedach 3

Als ob ich nichts anderes zu tun hätte, verlasse ich in regelmäßigen Abständen meinen Schreibtisch.


Schneedach 2


Neu: meine unglaubliche Faszination von Hausdächern!

Schneedach

Ich habe eine Stunde Schnee gefegt rund ums Haus und nun tritt die Sonne aus dem Nebel.
5 bis 7 Zentimeter schöner pulvriger Neuschnee fielen am Wattenmeer einen Monat früher als letztes Jahr.





Donnerstag, 25. November 2010

Die Entkaczyńskisierung 2

Ergebnisse der Kommunalwahlen 2006 und 2010

Gelb = PO, Partei des seit 2007 amtierenden Premierministers Donald Tusk
Blau = PiS, Partei der Kaczyński-Zwillinge
Grün = PSL, Bauernpartei von Waldemar Pawlak, Koalitionspartner der PO auf Landesebene

Nach der gestern geschlossenen Koalitionsvereinbarung in der Wojewodschaft Podkarpackie (um Rzeszów) müsste nun auch noch der südwestlichste Zipfel gelb angepinselt werden.

Der Ausgang der Wahlen wurde von den Parteivorsitzenden unterschiedlich bewertet. Donald Tusk verstand sie als Bestätigung seiner Regierungsarbeit - Jarosław Kaczyński als Beweis für den beginnenden Niedergang der Regierungspartei - und Waldemar Pawlak verschlug es vor Freude die Sprache. Seine bereits totgeglaubte Partei ist drittstärkste Kraft im Lande geworden.

Mittwoch, 24. November 2010

Die Entkaczyńskisierung

Noch ist Polen nicht verloren.
Denn: Am Wochenende wählten die Warschauer u.a. Krystian Legierski in ihren Stadtrat. Legierski ist der erste bekennende Homosexuelle in ganz Polen, der nun ein öffentliches Amt bekleidet. Der verstorbene Staatspräsident Lech Kaczyński hatte in seiner Funktion als Warschauer Stadtpräsident wiederholt die Schwulen- und Lesbenparaden in der Stadt verboten. 2006 ließ er den Schwulen- und Lesbenklub Le Madame in Warschau schließen.
Wohlbemerkt: Le Madame betrieb bis zur Schließung Krystian Legierski.
Und: PO, PSL und SLD koalieren in der Wojewodschaft Podkarpackie (der südlichste Westen Polens), die immer als uneinnehmbare PiS-Hochburg im Lande galt. PiS erhielt aber nur 15 Sitze und hätte nicht mehr allein regieren können. Da Jarosław Kaczyński im Wahlkampf wiederholt die Zusammenarbeit mit "allen" anderen ausgeschlossen hatte, arbeiten nun vernünftigerweise "alle" anderen (7 PO, 7 PSL und 4 SLD = 18 Sitze) zusammen.

Dienstag, 23. November 2010

Der erste Schnee und der letzte Schrei

Es schneit den ganzen Tag. Ein sanftes, lockeres aber unaufhörliches Gestöber vor meinem Fenster. Jetzt ist es dunkel und ich sehe nicht mehr, was draußen vor sich geht.
Solang es hell war, hörte ich, was drinnen vorging. Der Elektriker installierte die Wechselrichter für unsere netzgekoppelte Photovoltaik-Anlage. Verlegte Kabel, ließ den Lehrling mehrere Außen- und Innenwände durchbohren, schloss die neue Anlage an den bereits vorhandenen Stromzähler für die alte Anlage an. Und: wechselte auf meinen besonderen Wunsch den Lichtschalter und die dazugehörende Steckdose in der zur Sauna umgebauten halben Garage aus.
Während der Lehrling den Bohrstaub aus allen Ecken saugte, erklärte mir der Elektriker, dass mir diese Steckdose, hätte ich sie in Berührung mit einem metallenen Stecker gebracht, einen tüchtigen Stromschlag versetzt hätte. Zwar gibt es kaum noch metallene Stecker, denn fast alle Kabel sind heutzutage mit Plastik ummantelt. Aber trotzdem. Sagte der Elektriker, der sozusagen alle Photovoltaik-Anlagen in Dithmarschen elektrotechnisch versorgt. Das war richtig gefährlich. Die Metallteile der Steckdose standen unter Strom, da ein Kabel falsch eingefädelt war.
Ich atme tief durch. Das hoffentlich letzte Geschenk des Saunabauers.

Montag, 22. November 2010

Zwergfledermäuse und Kleinwindkraftanlagen

In St. Michaelisdonn (eine Bahnstation südlich von Meldorf) soll im Bereich des Klärwerks ein Testfeld für Kleinwindkraftanlagen gebaut werden. Das rund einen Hektar große Gebiet ist keine Windeignungsfläche, deshalb muss das Land den Flächennutzungsplan ändern, sprich einem Zielabweichungsverfahren zustimmen.
Alle Wörter getreu der heutigen Ausgabe der Dithmarscher Landeszeitung entnommen!
Zum Flächennutzungsplan gehört u.a. ein Gutachten über die Gewohnheiten der unter Naturschutz stehenden Zwergfledermaus. Die Zwergfledermaus ist vier Zentimeter groß und so schwer, wie ein Eckchen Toblerone, als Jagdgebiet bevorzugt sie in Dithmarschen die Feuchtgebiete am Klev. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass durch die Kleinwindkraftanlage keine Beeinträchtigung dieser Tiere zu erwarten sei. Während des ganzen Sommers habe man lediglich 6 Zwergfledermäuse im Gebiet der Kläranlage beobachtet. Die Flügel der Kleinwindkraftanlage dürfen höchstens 30 Meter hoch sein. Sogar Vogelschützer vermuten, dass sie also keine Gefahr für die Zwergfledermäuse darstellen könnten, da diese "wegen ihres Ultraschalls" nicht dagegen fliegen würden.

Freitag, 19. November 2010

Blocher ist nicht zu stoppen

Die Basler Zeitung gehört wahrscheinlich längst Herrn Blocher - nur hat es noch keiner gemerkt. Bereits im Februar 2010 wurde die Basler Zeitung Medien verkauft. Ab 2011 soll sie einen Gewinn von 10 % des Umsatzes abwerfen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, schlossen die neuen Besitzer (offiziell: der Financier Tito Tettamanti 75%, der Basler Medienanwalt Martin Wagner 25%) einen Beratungsvertrag mit der Firma Robinvest ab.
Verwaltungsratspräsident der Firma Robinvest (ich weiss nicht warum, aber mich erinnert dieser Name - sorry! - an Robidog: das absolut saubere Hundetoilettensystem) ist Christoph Blocher. Der Verwaltungsrat der Firma Robinvest hat ein einziges Mitglied, nämlich Christoph Blochers Tochter Rahel Blocher. Seit Anfang September ist der Blocher-Biograph und ehemalige Weltwoche-Vize Markus Somm Chefredaktor bei der Basler Zeitung. Seit kurzem hat die Holding der Basler Zeitung Medien einen neuen Sitz: gleich um die Ecke (war's früher der Barfi oder der Aeschenplatz?), nämlich in Zug in der Anwaltskanzlei Brandenberg. Der Sohn des Kanzleiinhabers Ernst Brandenberg leitet die SVP der Stadt Zug und sitzt für sie im Zuger Gemeinderat.
Christoph Blocher ließ verlauten, dass er "Tettamanti zum Dank verpflichtet" sei. Etwa, weil der als "Financier" sein (Herrn Blochers) Geld sinnstiftend investiert? Nein, weil dieser Financier "unabhängige Medien ermögliche". Und so manch einer der helvetischen Kommentatoren im Netz zeigt sich höchst erfreut, dass endlich "die linke Sauce" aus der Pressewelt verschwindet. Na bitte!

Donnerstag, 18. November 2010

Unser Dach im Regen

Die letzte Platte kam heute Nachmittag. Das Dach ist nun vollständig in seiner einzigartigen Pracht. Statt der 7 alten Module hätten 15 neue Platz. Der Vorbesitzer war einer der ersten, der sich so etwas aufs Dach bauen ließ. Ein Pionier sozusagen. Vor neun Jahren schwatzte man diesen mutigen Erstkunden noch kleine, vom Design eher an ein Fenster als an eine flächendeckende Photovoltaikanlage erinnernde Formen auf. Außerdem hatte der Vorbesitzer dieser Haushälfte auch nur diese Dachhälfte zur Verfügung. Der Vertrag für die alte Anlage läuft noch 11 Jahre. Danach sehen wir weiter. Vorläufig regnet es.

Mittwoch, 17. November 2010

Der Koog, die Köge

In der Zeitung war ein Foto vom Tümlauer Koog. Weil mir das Wort gefiel, guckte ich auf meine Seehkarte und suchte es.
Der Tümlauer Koog liegt in Nordfriesland. An der Tümlauer Bucht, nördlich von St. Peter-Ording, auf der Halbinsel Eiderstedt. Eingedeicht wurde er 1935 und bekam den Namen Hermann-Göring-Koog. Zwei Jahre später wurde nordwestlich davon der Horst-Wessel-Koog (heute Norderheverkoog - zwischen Westerhever und Osterhever) eröffnet.
Und natürlich - wen wundert's - gab es den Adolf-Hitler-Koog (heute Dieksanderkoog). Er liegt bei uns in Dithmarschen. Südlich von Friedrichskoog. Am 29. August 1935 wurde er mit nationalsozialistischen Pomp 93 ausgewählten Siedlern übergeben. Das war der Vorzeigekoog an der Westküste, die Koog-Gemeinschaft sollte ein Symbol der NS-Volksgemeinschaft abgeben.
Insgesamt sollten innerhalb von 100 Jahren 43 Köge gewonnen werden, um zusätzlichen Raum für rund 14.000 Siedler zu schaffen. Die Pläne dazu waren bereits in der Weimarer Republik entstanden, was die Nationalsozialisten tunlichst verschwiegen. Sie gaben das Projekt als eigene Idee aus, brachen das Vorhaben aber trotzdem 1938 ab. Der finanzielle und zeitliche Aufwand bei der Landgewinnung war zu groß. Ausserdem öffneten sich mit Beginn des zweiten Weltkriegs riesige Gebiete in Osteuropa. Und gegen die erschienen die Vorzeigeköge an der schleswig-holsteinischen Wattenmeerküste verschwindend klein.
Umbenannt wurden die drei Köge 1945.
Grammatikalisch ist das völlig korrekt: Singular der Koog, Plural die Köge.

Dienstag, 16. November 2010

RETTET BASEL - STOPPT BLOCHER

Folgender Aufruf erreicht mich aus Basel, wo für Pressefreiheit und Medienvielfalt gekämpft wird. Der Aufruf soll innerhalb weniger Stunden von 4000 Personen unterschrieben worden sein - wer mag, kann dies auch tun auf http://www.rettet-basel.ch/

AKTION STOPP-BLOCHER-BAZ!

Liebe alle
Es geht was! Diese STOPP BLOCHER-BAZ AKTION wurde eben gerade im Netz aufgeschaltet (siehe Link unten).
Man muss keineswegs BaZ-AbonnentIn sein, um daran teilzunehmen (siehe Kurzinfo auf der Website).
Bitte leitet den Link auf jeden Fall möglichst schnell und breit weiter, damit ein deutliches Zeichen gesetzt werden kann.
Mit herzlichem Dank und Gruss!
Alfred Schlienger

Zur Website:
http://www.rettet-basel.ch/pagina.php?0,501,

PS: Die Website wird derzeit (17 Uhr am Wattenmeer) gewartet wegen Überlastung und Hackerangriffen. Sie soll nach 18 Uhr MEZ wieder erreichbar sein.

Haus vor dem Haus

Wie versprochen: schraube ich heute früh als erstes, kaum ist es Tag geworden, die Winterfuttervilla für meine hungrigen Gartenbewohner auf den abgesägten Vogelbeerbaumstamm. Wie versprochen: sobald Ruhe am Dach eingekehrt ist, keine Eichhörnchen mehr auf den Ziegeln herumturnen, keine gelben Plastikeimer mehr Wörter in den Himmel schreien und alle schweren Eisenstangen unsere Terrasse verlassen haben. Wie versprochen. Montiere ich die Vogelfuttervilla. Sturmfest. Und vertröste die Amsel, die mir wie immer, kaum bin ich außerhalb des Hauses zugange, auf Schritt und Tritt folgt. Neugierig, ob ich nicht irgendwo für sie einen Regenwurm aus der Erde locke. Das Futtersilo, erkläre ich ihr, ist kaschiert als ordinärer Kamin. Aber - ich hebe warnend den Zeigefinger wie der Liebe Gott Höchstpersönlich - auffüllen werde ich es erst, wenn die Zeit dazu reif ist.

Montag, 15. November 2010

Unser entrüstetes Haus ...

... steht zufrieden da, als wär' nie 'was gewesen.
Vom Himmel fallen die ersten schweren Tropfen.
Die Männer klopften rechtzeitig alles auseinander und luden Stangen und Gitter auf den Anhänger. Sie waren schneller als der Regen.

Unser behütetes Süddach 7

Eine Platte ist defekt ab Hersteller und muss nachbestellt werden. Siehe unten rechts. Das Gerüst wird dennoch abgebaut. Die fehlende Platte kann vom Dach der halben Garage aus aufmontiert werden.

Unser behütetes Süddach 6

Die Arbeiten an unserem Süddach gehen dem Ende entgegen.
Der Himmel verdüstert sich.

Unser behütetes Süddach 5

Nach der Mittagspause. Wetter weitgehend unverändert. Arbeitsteilung dito.
"sto" sagt der sonnenblumengelbe Eimer am Gerüst in der Bildmitte unmissverständlich. Dazu gehört das unsichtbare Wort "lat" auf dem unteren Eimer, der auf unserem Sommergartentisch steht. "sto lat" singen die Polen, wenn jemand Geburtstag hat. sto lat = hundert Jahre. Auf ein langes Leben. Hundert und mehr.

Unser behütetes Süddach 4

3 Männer, 2 gelbe Eimer, 1 blaue Werkzeugkiste, 37 Solarplatten zu je etwa 20 Kilo.
Zwei der Männer klettern oben wie Eichhörnchen über die Ziegel hinauf und wieder hinunter. Der dritte lädt unten die Platten ab, trägt sie durch den feuchten Rasen und reicht sie hoch auf die Zwischenbühne.

Unser behütetes Süddach 3

Die Sonne scheint. Seit einer Stunde wird an unserem Süddach wieder gearbeitet.

Sonntag, 14. November 2010

Die letzte Umzugskiste

Es regnet immer noch oh'n Unterlass. Der Wind hat nachgelassen. Im Garten kommt es wieder zu diversen konspirativen Wasseransammlungen.
Es ist Sonntag, W. ist gestern Abend nach Hause gekommen. Wir räumen auf. Ich packe die allerletzte Umzugskiste aus. Nach drei Jahren, zwei Monaten und vier Tagen. Seide, lauter leuchtende chinesische Seide kommt zum Vorschein. Ich stelle das letzte leere Berliner Zapfungetüm an den Flensburger Straßenrand. Regen hin oder her. Nur Wind kann einen hier hindern, etwas zu tun. Morgen ist Montag und laut Abfuhrplan wird die grüne (Bio) und die blaue (Papier) Tonne geleert.

Samstag, 13. November 2010

Landunter - Meerüber

Die nordfriesischen Halligen melden "Land unter", auch Hooge erlebt die erste richtige Sturmflut in diesem Herbst. Die Kühe sind längst auf dem Festland, so wie wir auch. Alle anderen Halligbewohner bleiben auf den Warften und warten.

Freitag, 12. November 2010

Sturmflutwarnung

Ein Orkantief zieht heute über das Skagerrak nach Mittelschweden. Es gestaltet das Wetter in Dithmarschen wechselhaft und stürmisch, aber mild. Das Nachmittags- und Abendhochwasser von der Elbe bis zur Nordfriesischen Küste tritt eineinhalb bis zwei Meter höher ein als das Mittlere Hochwasser. Um 16.39 wird der Höchstpunkt in der Meldorfer Bucht erreicht sein, danach fließt das Wasser wieder ab und die Deichläufer können Deichschäden aufnehmen. Der Wind kommt steif aus Südwest, schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 90 und 100 km/h (Bft 10) fegen übers flache Land und donnern an das Fenster über meinem Schreibtisch. An meine eh schon ramponierten Gedanken. In exponierten Stellen sind orkanartige Böen um 110 km/h (Bft 11) möglich. Ich stehe im Wohnzimmer und sehe zu, wie der Brombeerzaun zerfetzt wird. Regen klatscht an meine Nase, die ich von innen an die Scheibe drücke. Gerade flog die Latte mit dem Wort "rettet" durch die Luft.
Zum Abend sollen Wind und Starkregen allmählich nachlassen.
Unser Süddach bleibt vorläufig, wie es ist. Behütet von Alu-Profilschienen und Dachhaken. Und einem wind- und wetterfesten Gerüst.
Schietwedder (siehe Lektion 6) nennen die echten Norddeutschen das, was sich gerade über unseren Köpfen abspielt.

Donnerstag, 11. November 2010

Herbstdeichschau

Alle Deiche in Dithmarschen, lese ich in der Zeitung, seien in einem guten Zustand. Überschwemmungen ganzer Landstriche nach Starkregen beschäftigen den Deich- und Hauptsielverband seit Jahren. Eile sei nicht geboten, betonen die Verantwortlichen (etwa zu der Forderung, das Steertlochsiel durch den Bau eines Schöpfwerkes zu entlasten). Die Entwässerungssituation habe sich "auf hohen Niveau stabilisiert".
Der Deich der Zukunft ist in Friedrichkoogspitze zu beschauen: mit Profilangleichung, mit Sicherung des Wellenüberschlags, mit Treibselabfuhrweg sowie mit flacherer, der See zugewandter Böschung.

Mittwoch, 10. November 2010

Unser behütetes Süddach 2

Genau einen Arbeitstag lang brauchte die Sonne, bis sie sich wieder auf unserem entschatteten Süddach zeigen mochte. Sie wirft nun, man schaue nur ganz genau hin, den Schatten des Standplatzes für die Vogelfuttervilla an die Hauswand.
Die Unterkonstruktion liegt. Alle bewegten Dachziegel sind wieder zur Ruhe gekommen. Auch die trampelnden Füße und scharrenden Hände über meinem Schreibtisch (die Dachluke musste ausgebaut und die Öffnung durch normale Ziegel geschlossen werden). Auf dem Dachboden - ich bin von innen aufgestiegen, um es zu überprüfen - ist es um diese Tageszeit nicht weniger hell als vorher.

Dienstag, 9. November 2010

Unser behütetes Süddach

Seit heute Mittag steht das Gerüst. Die beiden Dachkletterer hämmerten, bohrten, sägten den ganzen Nachmittag über meinem Kopf, als wollten sie dem Haus das Dach abnehmen. Zu sehen ist aber von ihrer Arbeit so gut wie gar nichts.
Hingegen ist in der Bildmitte deutlich zu sehen der Standplatz für eine Krähensichere Amsel-Drossel-Meisen-Finken-Zilpzalp-Winterfuttervilla: der auf Brusthöhe abgesägte linke Stamm des Vogelbeerbaumes. Sobald die lärmenden Dachziegelverschieber mit ihren Utensilien wieder abgezogen sind, schreite ich zur Tat.

Porzellansonnenblumenkerneproduktion

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat in London in der Tate Modern 150 Tonnen Porzellansonnenblumenkerne ausgeschüttet. Geplant war, dass die Besucher auf dem "Sonnenblumenkerneteppich" herumlaufen können und sollen, sich bücken, eine Handvoll aufheben und, je nach Lust und Laune, in den Mund oder in die Hosentasche stecken. Dies wurde nun von der britischen Health Authority gestoppt. Beim Herumlaufen würde durch Druck und Reibung Feinstaub aufgewirbelt, der die Atemwegsorgane der Museumsmitarbeiter beeinträchtigen könnte. Also dürfen Besucher ab sofort nur noch von weitem gucken, nicht mehr laufen.

Gucken kann man auch hier: Wo die Sonnenblumenkerne herkommen. Wie sie naturgetreu hergestellt wurden. Ob und wieviel Gift sie möglicherweise enthalten. Englisch/chinesisch, mit englischen Untertiteln und schönen Bildern, die ganz ohne Wörter für sich sprechen:
http://link.brightcove.com/services/player/bcpid42529797001?bctid=627303062001

Montag, 8. November 2010

Strohwitwe mit Hirschhornwegerich

Früher aß ich Nudeln, wenn ich allein war. Spaghetti mit selbstgekochtem Sugo und selbstgeriebenem Pecorino. Heute sind meine Schatzkisten vielfältiger.
Ich bin allein und W. mag keine Hirse. Also greife ich zum Goldhirsekuchen mit Ricotta und Kürbis, gewürzt mit Paprika, Thymian und Koriander, geschärft mit Ingwer und Chili, bestreut mit Sonnenblumenkernen. Die mag der Professor auch nicht. Dazu die Wildsalatmischung, die sich heute Nachmittag überraschend vor der Haustür einfand: Hirschhornwegerich (schöne Form, interessanter Geschmack, soll reinigende Wirkung auf Blut und Verdauungsorgane haben), Beta-Salat (attraktiv rot geaderte Blätter), Picanto-Salat (sein scharfes Aroma erinnert an Senf!) und Mizuna Rübstiel (ostasiatisches Salatgewächs, geschmacklich zwischen Broccoli und Rucola zu Hause, hoher Vitamin C-Gehalt).

Sonntag, 7. November 2010

Lahnungsfelder vor Helmsand

Sonntagsausflug an den Novemberstrand. Blick nach Süden: Lahnungsfelder, Schlickgras, Schüttsteine, ablaufendes Wasser. Himmel. Viel Himmel über Helmsand.

Anlandung am Kronenloch

Sonntagsausflug an den Novemberstrand. Blick nach Norden: grüner Strand, Schafe, ein einsames Fahrrad, kein Mensch weit und breit, im Hintergrund das Hochhaus von Büsum, die Mole und der Hafen, gerade beginnendes ablaufendes Wasser, vereinzelt kreischende Lachmöwen, massenhaft horstbildendes Schlickgras. Nicht einmal der Schatten der Betrachterin fällt ins Bild.
Kurz vor Helmsand, am Kronenloch.
Hier ist die Anlandung entlang der Schüttsteine am unteren Rand des Deiches sowie im rechten Winkel dazu entlang der Begrenzung des Lahnungskarrees voll im Gange.

Samstag, 6. November 2010

Unser entschattetes Hausdach

Heute um die Mittagszeit. Die Sonne steht tief, aber kein Schatten fällt auf die Südseite unseres Daches. Der Regen wollte die ganze Woche nicht aufhören, begleitet von orkanartigen Sturmböen. Ein schönes Duo. Nun trocknen allmählich die Füße. Niemand konnte draußen arbeiten.

Freitag, 5. November 2010

Die Füße der Felsenbirne

Auch die Felsenbirne hat nasse Füße. Das Efeu wächst trotzig weiter. Die halbe Garage steht ganz unter Wasser.
Die andere Hälfte ist Feuchtigkeitsresistent, von Kopf bis Fuß gefliest und zur Sauna umgebaut.

Mein persönliches Reisfeld

Das war einmal mein Gemüsebeet - jetzt ist es abgeerntet, bereinigt und überflutet. Die Steine markieren die Grenze zum Nachbargrundstück. Einen Zaun wollen weder wir noch die Nachbarn errichten, geschweige denn eine Mauer. Die Zypressen holte vor ein paar Tagen der Schornsteinfeger fürs Maifeuer in Tensbüttel ab. Die Zierrosen grub ich danach eigenhändig aus und setzte sie vor dem Haus in den Windschatten wieder ein.
Nach dem ausdauernden Starkregen der letzten Tage und Nächte steht mein Beet nun unter Wasser. Im nächsten Jahr werde ich Reis anpflanzen.

Donnerstag, 4. November 2010

Die Meldorfer Königsbäume

Auch in Meldorf stehen Bäume. Und in Meldorf werden noch Bäume gepflanzt. Jeder Bürgergildekönig ist verpflichtet, im neuen Gildetal (liegt auf unserem Heimweg, wir durchschreiten es bei jedem Wetter täglich) unter dem Sprung über die Bahn (normalerweise für Fahrräder und Fußgänger gesperrte Autobrücke über die Bahngeleise) einen Baum zu pflanzen. Die Bürgergilde ermittelt ihren König jedes Jahr aufs neue auf dem Gildefest beim Gildeadlerschießen.
Vor ein paar Tagen wurden gleich fünf Königsbäume gepflanzt, da einige der in den letzten Jahren angepflanzten im Sommer eingegangen waren.
Dokumentation vom diesjährigen Königsbaumpflanzen mit Lokalkolorit siehe hier:
http://www.meldorfer-buergergilde.de/fest2009/baum/album/slides/P1000417.html

Mittwoch, 3. November 2010

Die Schafstedter Stieleiche

Dithmarschen ist eine Insel. Dithmarschen wird von Wasser umgeben: von der Nordsee im Westen, der Elbe im Süden, dem Nordostseekanal im Osten, der Eider im Norden. Dithmarschen ist ein eher baumarmer Kreis in Schleswig-Holstein, sein westlicher Teil besteht hauptsächlich aus eingedeichtem Marschland, erst im Landesinnern (etwa mit unserem Haus) beginnt die Geest. Wald gibt es nur bei Burg und dieser Ort gilt denn auch als Luftkurort. Der älteste Baum Dithmarschens, eine knorrige Stieleiche, ist rund 350 Jahre alt und steht standsicher in Schafstedt. Nach einer umfassenden Kronenpflege im Frühjahr hat sie sich im Sommer regeneriert und ist bruchsicher. Die Krone wurde unter Einsatz von Kettensäge und Astschere entholzt, von der Last toter Äste und überschüssiger Triebe befreit. Besonders bruchgefährdete Äste befestigten die Gärtner mit Gurten am Stamm.

Dienstag, 2. November 2010

Das Heider Sauerteighaus

Unser Dithmarscher Mühlen Bäcker expandiert. Er baut ein Haus in Heide. Ein eigenes Haus nur für den Sauerteig. Sauerteigbrot, sagt der Bäcker, habe eine jahrtausendealte Tradition. Sauerteig, erklärt er, bestehe aus Mehl, Wasser, gesunden Bakterien und Hefen, die den Teig in Gärung halten müssen. Dazu braucht der Sauerteig Zeit, Ruhe und eine konstante Temperatur. Im Sauerteighaus bekommt er all das. Das Sauerteighaus hat Zimmer, Fenster und Türen und wird wie jedes bewohnte Haus im Winter beheizt. Zeit bekommt der Sauerteig unter dem Dach, Ruhe im Reiferaum, die ausgeglichene Temperatur im Thermostat.
Sauerteigbrot, sagt er Sauerteighausbauer, sei besonders gesund. Deshalb bäckt er es gerne und baut sogar ein extra Haus in Heide für den Teig. Sauerteigbrot, erklärt er, sei gut verdaulich und helfe dem Körper, die im Getreide enthaltenen Mineralstoffe wie Magnesium und Zink besser aufzunehmen.

Montag, 1. November 2010

Zurück am heimischen Herd

Am Mittag wage ich einen kurzen Spaziergang durch den Garten und wate in knöcheltiefem Laub. Ich werfe einen Blick über die Ligusterhecke auf den Bürgersteig. Nein, Laub fegen werde ich heute nicht. Dazu bin ich noch zu schwach auf den Beinen. Am Schreibtisch sitzen kann ich auch nicht. Dazu ist mein Kopf noch zu benommen. In der Küche finde ich eine Schale frischen Ingwer und drei Bioorangen. Also koche ich daraus Gelee. Schön scharf und vorsorglich gegen den nächsten Schnupfen.
Am Nachmittag kommt die Biokiste und in ihr liegt eine Steckrübe. Also gibt es Steckrübeneintopf mit Maronen: 200 g Maronen (vorgekocht), 500 g Steckrüben, 400 g Kartoffeln, 200 g Möhren, 4 Stängel Bohnenkraut, 600 ml Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer, frischer Thymian
Ich schäle Steckrübe, Kartoffeln, Möhren und würfle alles. Das Bohnenkraut hole ich aus dem Kräuterbeet, brause es ab und schüttle es trocken. Erhitze die Brühe, koche darin Steckrüben, Kartoffeln und Möhren etwa 20 Minuten lang gar, gebe die Maronen dazu und lasse alles 5 Minuten weiter köcheln. Statt mit Mehl zu binden, dicke ich mit 1 EL Polenta ein. Schmecke mit Pfeffer und Thymian ab. Warte auf W.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Der erste Augenschein

Ich konnte eine Stunde länger schlafen und darf das Bett verlassen. Betrachte die Bescherung. Schon im Bad eröffnet sich eine neue Perspektive auf die massive Hecke, die in der Achse der früheren Grenze durch unseren Garten die Grundstücke der Nachbarn auf der anderen Straßenseite teilt. Ins Wohnzimmer fällt jetzt auch bei Herbstnebel deutlich mehr Licht. Noch mehr Licht. Und beim Teekochen erscheint mir nun der graue Himmel noch größer. Noch viel größer. Vor der halben Garage liegt ein beachtlicher Haufen gefällter Schattenspender und Blickversteller. Sowie die in handliche Teile zersägten Gegenstücke zum schwimmenden Oval.

Samstag, 30. Oktober 2010

Das Alter der gefällten Pappel

Der Baumfäller kommt um acht. Es wird gerade hell, aber W. erlaubte mir nicht, das Haus zu verlassen. Im Garten sei es nass und kalt. Er bringt mir das Foto der gefällten Pappel ans Bett und fragt mich, wie alt sie war.
Ich kann nicht zählen, wundere mich aber über den Querschnitt. Der Baum vor etwa zwanzig Jahren als kugelrunder dünner Stamm angefangen zu wachsen und endete in einem schwimmenden Oval.

Freitag, 29. Oktober 2010

Der dritte Tag im Bett

Ich habe nun auch noch die Stimme verloren. Meinen Auftritt am Ersten Mindener Literaturfest musste ich absagen.
Hier kann man im Programmheft blättern und sich im Geiste vorstellen, was man alles nicht hört:
http://www.buezminden.de/index.php?option=com_content&view=article&id=386:fr-2910-0111-1-mindener-literaturfestival&catid=5:literatur&Itemid=10

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Der erste Tag im Bett

Am Nachmittag wurden meine Knie weich und ich begann zu zittern vor Kälte. Hab mir zwei Wärmflaschen gemacht und bin unter drei Decken gekrochen. W. kam, tröstete und kochte Tee.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Das erste Kratzen

Das erste Kratzen im Hals am Morgen verheißt nichts Gutes. Da die Sonne den ganzen Tag schien und der Wind nach den Anstrengungen der letzten Tage endlich seines Tobens müde geworden war, füllte ich mindestens ein halbes Dutzend Laubsäcke. Dabei schwitzte und fror ich abwechselnd. Zwischendurch kam der Baumfäller und begutachtete die Bäume, die Schatten auf das Dach werfen. Um den Vogelbeerbaum tut es mir Leid, sagte ich schniefend. Die Nase läuft seit dem Nachmittag. Auch das verheißt nichts Gutes.

Montag, 25. Oktober 2010

Gartenrotschwanz

NABU und LBV haben den Gartenrotschwanz zum Vogel des Jahres 2011 gekürt. NABU gilt im deutschen Volksmund als Abkürzung für Naturschutzbund, geht aber eigentlich auf die englische Nature And Biodiversity Conservation Union zurück. LBV heißt der Landesbund für Vogelschutz in Bayern. In unserem unaufgeräumten Garten zeigten sich im Sommer vereinzelte Gartenrotschwänze. Meist Männchen streckten unvermutet und neugierig vor meinem Küchenfenster ihre kohlrabenschwarze Köpfe mit dem schneeweissen Überaugenstreif aus der Koniferenhecke. Und das war es dann schon. Zum Brüten konnte ich die unscheinbareren Weibchen nicht überreden. Ich werde mir über den kalten Winter weitere Listen aushecken müssen, um sie anzulocken.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Weissstorchenbesenderung

Wenn einer - oder zwei, oder drei, vier, fünf, sechs ... - eine Weissstorchenreise unternimmt:
Unsere Dithmarscher Störche Hobor (Sommerquartier: Pahlkrug), Helmut (Eddelak), Romy (Kuden), Gustav und Anni (Pahlen) sowie Michael (Bargen) sind unterwegs in ihr warmes Winterquartier. Sie können nicht schreiben, aber fliegen und senden. Hier ist ihr Reisetagebuch:
http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/weissstorchbesenderung/tagebuch/

Samstag, 23. Oktober 2010

Der Preis des Glücks

100 Gramm frische Maronen aus Frankreich kosten zur Zeit in Meldorf 63 Eurocent. Ein Kilo also 6 Euro 30 Cent. Zu verzehren innerhalb einer Woche. Dazu müssen sie so behandelt werden wie die Maronen von W's Edelkastanie in unserem Garten: Einweichen. Kreuzweise einritzen. Blanchieren im Kochtopf oder Backen im Backofen. Pellen. Dabei wandert ein Drittel des Gewichts in den Kompost. Pro Zweihundert Gramm rechne ich insgesamt mit einer Stunde Arbeitsaufwand.
300 Gramm vorgekochte, gepellte Maronen aus Frankreich, vakuumverpackt und zwei Jahre haltbar, also jederzeit im Vorratsschrank ohne weiteren Gewicht- oder Zeitverlust griffbereit, kosten in Meldorf 3 Euro 40 Cent.

Freitag, 22. Oktober 2010

Lektion 8: Döör

Obwohl es eine große Dialektvielfalt aber offiziell keine geregelte Rechtschreibung für das Plattdeutsche gibt, haben nun die Ostfriesen die Schreibweise ihrer Sprache dem Plattdeutschen der übrigen norddeutschen Regionen angepasst.
An der Rechtschreibreform des ostfriesischen Niederdeutschen arbeitete zwei Jahre lang eine Kommission, die sich zusammensetzte aus Jungen und Alten, Lehrern und Schülern sowie den Plattdeutsch-Beauftragten der einzelnen Kommunen. Ihr Ergebnis findet Platz auf 24 A5-Seiten. Den Weg frei für die plattdeutsche Einheit in Norddeutschland macht ausgerechnet das Wort Döör (Tür). Alle Plattsnacker schreiben Döör mit doppeltem Umlaut, ab heute auch die Ostfriesen. Ein anderes Beispiele für eine Vokalverdoppelung ist moi (schön) - neu mooi. Auch bei Filaper (Schmetterling) wird der Vokal neu in die Länge gezogen: Fielaper. Und Plattdüüts wird natürlich nun auch mit zwei "üü" geschrieben. Und auf "-schk", die verschwindende Aussprache am Ende eines Wortes, wird aus gutem Grund verzichtet. Früher Minsk (Mensch -nicht Stadt in Weißrussland) darf nun unmissverständlich Minsch geschrieben werden.

Ik kann Platt und wies dat.
Ik kann ok Hoogdüüts (bisher Hoogdütsk).

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Der erste Schnee

Es wird hell am Horizont und ich sehe es deutlich: Auf unserem Dach liegen Schneereste, auf dem Dach des Nachbarn auch. Obwohl er sich bereits unwillig (wohl vom unablässigen Regen dazu gezwungen) in die unterste Ziegelreihe über der Regenrinne verzogen hat.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Der erste Regenbogen

Wetter wie im April. Regen, Sonne, Sturmböen. Als ich am Mittag nach Hause komme, steht im Westen ein riesiger Regenbogen, verbindet den Himmel über der Küste mit dem Fenster vor meinem Schreibtisch.

Zur Feier des Tages koche ich eine leichte Kürbissuppe (ohne Sahne für W.) mit Maronen. Zutaten fast nur aus meinem Garten:

1 Zwiebeln (eine rote runde, eine weiße runde, eine rosa längliche), 700 g Kürbisfleisch (gemischt grüner und roter Hokkaido), 2 mittelgroße Kartoffeln, 150 g Maronen, 1 Apfel, ein Daumenlanges Stück frischen Ingwer, 750 ml Brühe, 1 TL Zitronenpfeffer, 1 EL Honig, Saft einer ½ Zitrone, Salz, Muskat, eine gute Prise Cayennepfeffer, Petersilie gehackt.

Gehackte Zwiebeln in heißem Öl anrösten, in grobe Würfel geschnittenes Kürbisfleisch, Kartoffeln und vorgekochte Maronen sowie den geraspelten Ingwer zugeben. Mit Brühe auffüllen und ca. 25 Minuten köcheln lassen. Mit dem Pürierstab grob pürieren. Mit Zitronensaft, Honig, Salz, Zitronenpfeffer, Cayennepfeffer und Muskat abschmecken.

Wenn der Professor nach Hause komme, streusle ich die gehackte Petersilie darüber.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Das erste Ausschaffungsland

Nach Ansicht der Schweizerischen Volkspartei kann das schöne Heidiland nur schönes Heidliand bleiben, wenn es alles Unschöne jenseits seiner Grenzen schafft. Am 28. November dürfen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die "Ausschaffungsinitiative" abstimmen.

Ich verbreite hier (dies ist mein letzter Dienst an Helvetien) den Appell an die Vernunft einiger meiner Kollegen im Wortlaut:

"Gegen die Ausschaffungsinitiative haben nun der Regisseur Micha Lewinsky und der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart drei kurze Spots für Kunst + Politik gedreht, die in verschiedenen Kinos der Schweiz gezeigt und übers Internet verbreitet werden. Wir möchten Euch sehr herzlich bitten uns zu helfen, indem Ihr:
Siehe auch:
http://www.ausschaffungsinitiative-2xnein.ch/

Montag, 18. Oktober 2010

Die letzte Sauerampfersuppe

Auch die letzten Sauerampferblätter rettete ich rechtzeitig vor dem Bodenfrost. Also koche ich die letzte Sauerampfersuppe:
Dünste eine klein gehackte Zwiebel und die in Streifen geschnittenen Sauerampferblätter in etwas Butter an, reibe eine rohe Kartoffel darüber, lösche mit einem Liter Gemüsebrühe ab, lasse das Ganze etwa 20 Minuten leicht köcheln. Püriere es dann (der Farbe, nicht der Konsistenz wegen - so wird die Suppe grün wie eine Alpwiese), schlage ein ganzes Ei rein (nach Rezept nur das Eigelb - aber was mach ich dann mit dem Eiweiß?) und die Sahne steif. Rühre alles unter, brösle etwas Petersilie darüber und ein paar verbliebene Sauerampferblättchen. Röste, da mir noch Zeit bleibt, ein paar Brotwürfel.

"Leckaaa ...", brummt mein Professor, als er endlich nach Hause kommt.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Der erste Frost

Ein klarer Himmel in der Nacht. Der erste Frost am frühen Morgen. Was ich konnte, brachte ich gestern in Sicherheit.

Samstag, 16. Oktober 2010

Die erste Maronensuppe

Kastaniensuppe mit Reis - eine einfache bäuerliche Suppe

200 g frische Esskastanien, 1 Zwiebel, 1 Stange Lauch, 1 Möhre, 200 g grüne Bohnen, 4 Zweige Thymian, 1 EL Butter, 100 g Risottoreis, 100 ml Milch, Salz, Pfeffer

Ich gare die vorgekochten (siehe Eintrag von gestern) Kastanien in einem halben Liter Wasser bei schwacher Hitze etwa eine Stunde lang. Dann zerdrücke ich sie mit dem Kartoffelstampfer.
Derweil schnippel ich die Zwiebel, wasche den Lauch, schneide ihn in feine Ringe, schäle die Möhre und würfle sie, wasche und putze die Bohnen, schneide sie in 1 cm lange Stücke. Hole eine Handvoll Thymian aus dem Garten, waschen die Zweige, streife die Blättchen ab.
Dann erhitze ich die Butter im größten Topf, den wir besitzen. Dünste Zwiebel, Gemüse und Thymian darin an. Gebe Reis und die zerdrückten Kastanien dazu, gieße die aufgeschäumte Milch (Rest vom Nachmittagskaffee - unerwarteter Geheimtipp) dazu und lasse alles bei schwacher Hitze etwa 20 Min. kochen. Gemüse und Reis sollen bissfest sein. Schmecke mit Salz und Pfeffer ab, gebe ein bisschen Cayennepfeffer dazu und was mir sonst noch so in die Hand fällt.

W. strahlt.

Freitag, 15. Oktober 2010

Maronen: Strafe Gottes

Wer an den delikaten Kern der stachligen Frucht kommen will, muss wahrlich Strafarbeit leisten. Hier meine Anleitung zum Unglücklichsein:

  • Maronen in kaltem Wasser etwa eine Stunde einweichen, dann kreuzweise mit einem scharfen Messer (besser geht es wahrscheinlich mit einer professionellen Maronieinkerbzange -fehlt leider in meinem Haushalt) an der nach außen gewölbten Fläche einritzen. Nicht nur die Schale, sondern unbedingt auch das darunter liegende braune Häutchen, aber möglichst den Kern nicht verletzen.
  • Dann: Entweder in kaltem Wasser aufsetzen und ab Siedepunkt 4 Minuten blanchieren. Abschütten und Pellen
  • Oder: Im auf 220° vorgeheizten Backofen auf einem Backblech 20-25 Minuten bei nur noch 200° backen. Eine Schüssel Wasser auf den Rost unter das Blech stellen. Erleichtert das Pellen erheblich, die Unterhaut, die oft so nervt, geht in den meisten Fällen deutlich besser ab! Werden die heißen Maronen auf dem Blech mit einem ganz nassen Geschirrtuch kurz bedeckt, zischt es wunderbar. Aber vor allem springt durch die Schocktherapie die Schale noch mehr auf.

Pellen ist leichter gesagt als getan. Ich schäle an meinen 2 Kilo Maronen gute 10 Stunden. Friere 6 Tütchen zu je 200 gr ein. Behalte die restlichen etwa 300 gr zur freien weiteren frischen Verwendung. Und sammle täglich neue glänzende Esskastanien ein!

Fazit: Meine rechte Hand ist steif. Am Zeigefinger bilden sich mehrere Blasen. Der Kopf läuft sturm. Die Rhizarthrose ist brüllend aktiv. Ich schlafe nach Monaten wieder mit der Orthese.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Ballerina to go

In München wurde der weltweit erste Schuhautomat in Betrieb genommen. Die Erfindung einer Frau, die nicht mehr zusehen wollte, wie viele ihrer Geschlechtsgenossinnen abends in ihren highheels Qualen litten oder Parties vorzeitig auf bloßen Füßen verlassen mussten.
"Ballerina to go" heißt die bayerische Version der Vending machine, die bequeme Schlärpli in vier Farben und vier Größen gegen 7 Euro ausspuckt. In einem Paket, das nicht größer als eine Getränkedose sein soll.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Maronen: Königin der Schöpfung

Ich habe mich, glaube ich, schon letztes Jahr darüber gewundert, warum Esskastanien weich in Samt und Seide gebettet heranreifen. So wie andere Kreaturen, Menschen zum Beispiel, zu Grabe getragen werden. Und wozu Esskastanien einen Stachelpanzer brauchen. Wer würde sie denn vorzeitig (unausgereift) angreifen wollen? Weder Hunde, Vögel noch Katzen machen sich in unserem Garten über die gefallenen Früchte her, auch den Fasan beeindrucken sie nicht. Er stolziert seiner Wege. Und ich meiner. Wate allmorgendlich mit festen Schuhen durch das Laub unter W's Kastanienbaum. Sammle die reifen Früchte auf. Weiche den aufgeplatzen Schalen aus. Drücke mit den Gummisohlen noch intakte Panzer gnadenlos auf. Ich habe letzten Herbst gelernt, dass es besser ist, die Schalen nicht anzufassen. Auch mit dicken Gartenhandschuhen nicht. Die Stacheln arbeiten sich erst nach Wochen wieder aus der Haut der Fingerkuppen heraus. In wunderlicher Form.

Dann greife ich zum Rechen. Schiebe Laub und Stacheln routiniert an den Rand des Rasens. Verkeile sie zu einem Haufen, an dem auch der Wind nicht mehr zu rütteln vermag.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Die erste Kürbissuppe

Die Suppensaison fängt an. Man kann auch mit ungebrochenem Kiefer wärmende Flüssignahrung zu sich nehmen. Gestern gab es Kohlrabisuppe, heute Kürbissuppe.

Montag, 11. Oktober 2010

Marroniernte

Wieder zu Hause. Das Laub fällt. Die Sonne steht tief. Die stachligen Maronenhüllen fallen. Die Maronen fallen. Reife und unreife. Ungenießbare und geniessbare.
Ich habe allein heute mindestens zwei Kilo pralle Esskastanien eingesammelt, zwei Laubhaufen angelegt und mehrere Laubsäcke gefüllt. Das Leben ist unerzählbar schön.

Sonntag, 10. Oktober 2010

10. Oktober 2

My Personal Golden Week findet ihr letztes Ende in der Flensburger Küche.
Kurz vor Mitternacht reißen wir die alten Kalenderblätter ab. Dann legen wir uns schlafen.

10. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 7 Ende.

Sonntag auf Hooge, die Sonne scheint den ganzen Tag. Wir marschieren noch einmal über die fast menschenleere Hallig, gehen in die Kirche, essen Suppe, trinken Pharisäer, packen im Hus Klaar Kimming unsere Siebenmeilenstiefel.

Die Golden Week ist eine Erfindung der Japaner. 1999 wurde sie auch in China eingeführt, um den Privatkonsum anzukurbeln. Die Leute sollten im Lande herumreisen, um Geld auszugeben und Stolz auf ihr Vaterland zu entwickeln. Bis 2009 gab es in China drei Golden Weeks: im Februar/März zum chinesischen Neujahrsfest (das die kommunistische Partei Chinas hartnäckig Frühlingsfest nennt), die erste Maiwoche zum Internationalen Tag der Arbeit sowie die erste Oktoberwoche anlässlich des Gründungsfeiertages am 1.10.
Im vergangenen Jahr wurde die auf die alten sozialistischen Ideale bezogene Maiwoche abgeschafft und durch mehrere traditionelle Feiertage wie dem Drachenbootfest oder dem Mittherbstfest ersetzt. In jeder Golden Week reisen Hundertfünfzig Millionen Chinesen gleichzeitig durch das Land. Alle sind in diesen Tagen genervt und gestresst, aber so lange es in China keinen bezahlten Urlaub gibt, werden die beiden Golden Weeks erhalten bleiben.

My Personal Golden Week ist eine einmalige Sache (Geburtstag, Namenstag, Hochzeitstag sowie Oktoberbeginn, Herbstsonne und erste Sturmwinde) und findet ihren Abschluss in der Einsamkeit der Hallig Hooge.

Salzwiesen

My Personal Golden Week: Tag 7 ff

Sonntag, späterer Nachmittag auf Hooge, die Sonne scheint auf die Salzwiese mit Erika.

Lahnungsfelder

My Personal Golden Week: Tag 7 ff

Sonntagnachmittag auf der Hallig Hooge, die Sonne scheint.
Letzter Spaziergang der Halligkante entlang. Neue Lahnungsfelder sowie künstliche Sandaufschüttung im Hintergrund. Vorne bereits eingedeichtes Land, auf dem die Salzwiese sich fleißig entwickelt.

202 Monate

My Personal Golden Week: Tag 7

Sonntagmittag in der Küche von Hus Klaar Kimming, die Sonne scheint seit dem frühen Morgen. Der Wind hat nachgelassen. Die Gänse sind noch da.
Zum Kaffee gibt es Erdbeerkuchen und statt Kaffee Heidsieck Monopole zu Ehren unseres zweihundertundzweiten Ehemonats.

Samstag, 9. Oktober 2010

Gänse und Kühe 2

My Personal Golden Week: Tag 6, ff

Samstag, die Sonne geht über Hooge unter. Die Ringelgänse sammeln sich am wolkenlosen Himmel und unternehmen über den Kuhweiden Formationsflugübungen.

Hanswarft

My Personal Golden Week: Tag 6, ff

Samstag, die Sonne scheint. Blick von links nach rechts: auf die Hanswarft, Kirchwarft (Kirche, Pastorat, Friedhof), Backenswarft und Anlegestelle. Im Vordergrund: Fussball des Nachbarjungen, Ockenswarft.

9. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 6

Samstag, die Sonne geht über der Ockenswarft auf. Ostwind, Stärke 3, also schwache Brise, im Gesicht spürbar, in den Bäumen sichtbar, auf der See vereinzelte Schaumköpfe. Oktobermilde 11 °, die im Laufe des Tages bis auf 16° ansteigen wollen.
Für den Nachmittag ist steifer Wind aus Ost mit vereinzelten Böen angesagt, das Gehen gegen den Wind wird beschwerlich. Nach dem Frühstück brechen wir zum täglichen Halligrundgang auf. Wir beginnen am Landsende und marschieren mit den Gezeiten (auflaufendes Wasser), aber gegen die Uhrzeiger.

Freitag, 8. Oktober 2010

Hallig Hooge

My Personal Golden Week: Tag 5, ff
Die Sonne ist aufgegangen, auf den Sandbänken im Wattenmeer tummeln sich Lachmöven, wir kommen trotz Niedrigwasser auf der Hallig an. Auch hier: Scharen von hungrigen Ringelgänsen zwischen den Kühen, die auch saisonbedingt bald wieder abreisen.

8. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 5

Freitag, die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Wir eilen zum Zug, zum Bus, zum Schiff. Wir fahren auf die Hallig Hooge.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

7. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 4
Donnerstag, die Sonne scheint. Ich ernte meine Kürbisse. Zwanzigmal soviel wie letztes Jahr.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

6. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 3

Mittwoch, die Sonne scheint. Wir ernten unsere Äpfel. Magere 70 Stück, drei Viertel davon wurmstichig, der Rest noch grün, aber schon von den Vögeln angepickt. Am Abend kommt Herr Winter und sagt, alle Kraft des Baumes sei in die Triebe gegangen, statt in die Früchte. Die letzten drei Ernten fielen im Durchschnitt etwa um das Fünffache besser aus .

Dienstag, 5. Oktober 2010

5. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 2

Dienstag, die Sonne scheint. Wir sprechen bei unserer Hausbank vor und erteilen unserer Solartechnikfirma den Auftrag, die Südseite unseres Hausdaches komplett mit REC Solarmodulen zu belegen. Ich freue mich, denn das Aufdach-Montage-System beinhaltet Wörter aus dem Zimmermannsalphabet. Dachhaken, Dachpfannen, Sechskant-Holzschrauben, Hammerkopfschrauben, Wellplatten, Trapezbleche usw. Aber auch Wörter aus anderen Alphabeten wie Wechselrichter oder Kupplungstecker, Wechselspannseitige Installation. Auch Wörter aus der Grammatik der Zukunft wie der Netzübergabepunkt oder die Netzanschlussfrage.

Montag, 4. Oktober 2010

4. Oktober

My Personal Golden Week: Tag 1

Montag, die Sonne scheint. Ich arbeite den ganzen Tag am Schreibtisch.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Verzehrkino 2

Zum zweiten Mal zeigt das Meldorfer Verzehrkino einen Film, den ich sehen mag. In drei Jahren zwei Kinogänge mit jeweils einem Glas Pinot Grigio. Wir werden alt und treuherzig. Ich wählerisch. Ich mag nur noch Filme von Absolventen der Meldorfer Gelehrtenschule sehen. Nach dem "Schimmelreiter" (siehe Eintrag 7. Juni 2009) nun die "Hochzeitspolka" von Lars Jessen: http://www.hochzeitspolka.x-verleih.de/

Samstag, 2. Oktober 2010

Himmelsbesen

Wer Wind und Wetter mit Leib und Seele ausgesetzt ist, wird kreativ im Bennenen von Temperaturstürzen, Winddriften, Reifbringern oder Kaltluftfallböen.
Im südlichen Afghanistan soll es einen Wind geben, der „Wind der 120 Tage" genannt wird - weil er an fast jedem der einhundertzwanzig Sommertagen weht. Ein Sommerwind also. Er bringt aus Nordnordwest heiße Luft, entwickelt oft orkanartige Stärke und wirbelt einigen Staub auf. An der Samlandküste (Ostsee, Exklave Kaliningrad, zwischen Kurischem und Friesischem Haff) gilt abflauender, auflandiger Nordwestwind als "Bernsteinwind". Weil er das Bernsteinkraut Richtung Küste treibt, wo es in Reichweite von gierigen Menschenhänden liegenbleibt, sobald die Ebbe einsetzt. Einen "Seufzer am Himmel" hingegen vernehmen die Chinesen, wenn ihnen eine schwache, sanfte Brise durchs Haar streicht. Und als "Himmelsbesen" bezeichnen Seeleute den Nordweststurm, der mit seiner schneidenden Polarluft jede Wolkendecke aufschlitzt und nicht ruht, bis der Himmel rein ist.

Freitag, 1. Oktober 2010

Oktoberanfang

Heute beginnt der schwierigste Monat des Jahres. Das war nicht immer so. In meiner Kindheit begann der Oktober meist sonnig und unzimperlich. Seit ich in Deutschland lebe, wird er von Jahr zu Jahr kälter und rührseliger.
Also schweife ich ab in meine Lieblingswelt der Schuhe.
"Unser Horizont erweitert sich nicht nur in die Ferne." Mit diesem Spruch wirbt eine Bequemschuhfirma für ihre neuesten Modelle. Dieser Satz könnte auch heißen: "Unser Horizont erweitert sich nicht nur in die Ferse." Er würde genauso viel Sinn hergeben. Und ich könnte über einen einzigen auswechselbaren Buchstaben sinnieren. Über das Glück der deutschen Sprache, in der das Gute doch immer noch so nahe liegt: nach der Ferne [sowie unzähligen, ja unerträglichen Komposita] nennt die alphabetische Ordnung des Dudens die Ferse! Sowie über das Glück globalisierter Schuhsohlen. Vor ein paar Jahren landete der Werbespruch derselben Firma in englisch in meinem Briefkasten. "Time is only generous to those who are generous to time." Wo sie recht haben, haben sie recht, die SchuhMacher.
Mit solchen Sätzen versorgt mich übrigens meine umsichtige SchuhFrau. Sie schickt nicht nur gute Schuhe auf die Straßen der Welt. Sondern auch gute Sätze in die Köpfe der Menschen.
Ich pinne den SchuhSinn an unsere Küchenwand und bereite zum ersten Mal in meinem Leben Spitzkohlblätterteigtaschen zu.

Donnerstag, 30. September 2010

Windrekord 3

Zum glücklichen Monats- und Quartalsabschluss: die stärkste Böe in Deutschland wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze gemessen: 335 km/h.
Erstaunlicherweise war sie nur geringfügig mächtiger als die weltweit stärkste "Flachlandböe".

Mittwoch, 29. September 2010

Windrekord 2

Zum Vergleich: die weltweit stärkste sogenannte "Flachlandböe" wurde am 8. März 1972 in Thule (Grönland, nicht im sagenhaften Königreich von Prinz Eisenherz) gemessen. Sie war mit 333 Sachen unterwegs.

Dienstag, 28. September 2010

Windrekord

Staunend lese ich, dass Glarus einen Windrekord verzeichnet: die stärkste sogenannte "Flachlandböe" der Schweiz tollte am 15. Juli 1985 mit 190 Stundenkilometern durch Glarus und löste sich danach wahrscheinlich mit rapide abnehmender Geschwindigkeit auf über dem Tal der Linth, dem Walensee zu.
Zwei Fragen beschäftigen mich nun:
1. Warum gilt in dieser Windrekordliste Glarus als "Flachland"?
Glarus - mein Heimatort und die "kleinste Hauptstadt" der Schweiz - liegt in einem typischen Hochgebirgskanton. Eingekerkert und im Schatten von mehreren Dreitausendern.
2. Ist diese Windrekordliste noch aktuell? Hat in den letzten 15 Jahren in der Schweiz jemand eine "Flachlandböe" gesehen, gespürt, gemessen, die stärker war?

Montag, 27. September 2010

Lektion 7

daken plattdeutsch heißt "sich legen", wird aber nur für hochstehendes Getreide auf dem Feld benützt. Ungefähr dann, wenn der Septembersturm hineinfährt und es umlegt.

daken holländisch ist ein Plural und meint Dächer, Hausdächer. Also das, was über den Menschen liegt und sie schützt vor den Elementen. Das, was sesshaftes Leben besiegelt und ungestörten Schlaf oder wohlverdienten Feierabend garantiert.

Sonntag, 26. September 2010

Lektion 6

Die Sommerferien sind zu Ende. Zeit für die nächste Lektion Plattdüütsch: Schietwedder und Sünnschien.

Die Vokabeln vorneweg :
  • Regenwedder, Schuerwedder, Schietwedder (Regenwetter, Schauerwetter, Scheißwetter)
  • de Sünn schient (die Sonne scheint)
  • Regendruppen, gütt, dat pladderd (Regentropfen, heftiger Regen 2 x)
  • dat kloort up (es klart auf)
  • Hitten (Hitze)
  • luurige Luft (feuchte Luft)
  • de Luft ward bruddig (die Luft wird schwül)
  • de Daag ward körter, Storm gifft ok (die Tage werden kürzer, Sturm gibt es auch).
Die plattdeutsche Lebensweisheit hinterher:

Dat schall ober ok Minschen geben, de dat Stormwedder besonners geern möögt. De föhrt in Harvst an de See un freut sik wennt so richdig störmt un jüm de stiebe Wind um de Ohrn haut. "Siech Wedder gifft at nich," seggt se, "over falsche Kledaasch." Am schönsten is dat over obends in'e warme Bood. Wenn dat Holt in Kamin knostert un de Norwest um de Kate huult, föhlt man sik so rech tofreden. Un wenn denn noch's poor nördliche Grogs mit wenig Woter achter de Binn kippt ward, kennt nich mehr schöner warrn.

Samstag, 25. September 2010

Am Meer

Herbststrand. Keine Schafe, keine Schwimmer, keine Sonnenanbeter. Nur wir, der Wind und das Wasser, das wie immer schneller aufläuft, als der Mensch denken kann.

Freitag, 24. September 2010

Daken

Herbst in Dithmarschen: Morgennebel am Horizont. Schwarzweiße Kühe, fressend, stehend, staunend, abgewandt, zugewandt, liegend, schlafend, wiederkäuend auf einer schon müden Weide. Kein Mensch weit und breit. Keine Erhebung, so weit das Auge reicht, weder eine natürliche noch eine unnatürliche. Nur schwarz auf weiß ragt ein einziges, unmissverständliches Wort in den Himmel: Daken.

Donnerstag, 23. September 2010

double bite drumbeat

Der Merz, sagen die Macher und Könner, boxe beim Bündnerfleischrap ein double bite drumbeat. Siehe und staune und höre hier:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=87bc4f90-912d-4012-b854-79e859ddc6f7

Heiße Füße

Zum Aufwärmen der kalten Füße hier der "Bündnerfleischrap" von Hans-Rudolf Merz, ehemals Schweizer Finanzminister, heute Altbundesrat.
Noch im Amt beantwortete Bundesrat Merz vorgestern in der Fragestunde im Nationalrat eine Anfrage des Waadtländer SVP-Politikers Jean-Pierre Grin. Dieser äußerte sich besorgt darüber, dass die Schweiz in der ersten Jahreshälfte 815 Tonnen gepfeffertes Fleisch eingeführt habe, bereits fast so viel wie im gesamten Jahr 2009. Solches Fleisch dürfe zu einem sehr tiefen Satz verzollt werden, weshalb, nach Ansicht von Herrn Grin, der «Preisdruck auf einheimisches Fleisch inakzeptable Ausmasse» erreiche.
Als sich der Finanzminister wieder im Griff hatte, konnte er seine Antwort nüchtern abschließen: Angesichts des gesamtschweizerischen Fleischkonsums von jährlich 112‘000 Tonnen fielen die paar hundert Tonnen Pfefferfleisch nicht so ins Gewicht.

Video: Auch für Vegetarier geeignet.
Offizieller Name: «Merz-Rap» von Knackeboul
Quelle: DRS Virus

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=c382bde0-ead9-4f77-bc9c-43a53c461f74

Mittwoch, 22. September 2010

Kalte Füße

Ich grabe Kartoffeln aus. Diesmal werden wir mindestens einen Monat lang von meiner Ernte essen können. Die Erde ist schwer und nass. Die Füße kalt. Meine und die der Kartoffeln. Auf den Rasen, der mittlerweile Ähnlichkeiten mit einem struppigen See aufweist, hat sich ein winziger Frosch verirrt. Ich kann ihm nicht helfen. Rede ihm aber gut zu. Er muss selber dorthin zurück finden, woher er zu mir zu Besuch kam.
Ich sortiere meine Kartoffeln auf dem Gartentisch. Ich habe große (erstaunlich große!) aus dem Boden gezogen. Kleine, mittlere, knubblige, rechteckige, handliche, anschmiegsame. Freundliche. Lachende. Weinende. Verletzte. Missachtete. Angefaulte und zerschnittene - leider, da in meinem Beet keine strenge Ordnung herrscht. Sondern chaotische Zustände. Ein wildes Durcheinander. Ein völlig durchnässter Boden. Alles wächst, wie und wo es kann. Hoch lebe der winzige Frosch auf meiner Wiese!

Dienstag, 21. September 2010

Nasse Füße

W. kam heute mit dem Fahrrad nach Hause. Von Heide nach Meldorf führt sein Weg durch ein kurzes Stück Moorlandschaft. Nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage ist es überschwemmt und gesperrt.
W. hatte keine Zeit, zurückzufahren, den nächsten Zug zu nehmen oder das unter Wasser stehende Gebiet großräumig zu umfahren. Die Sonne wäre unwiderruflich untergegangen und mit ihr das Tageslicht. W. wäre womöglich irgendwo in der Feldmark untergegangen. In der Dunkelheit steckengeblieben.
Also fuhr W. tapfer durch das knietiefe Wasser. Er habe treten müssen, beteuert er. Immer wieder mit einem Fuß in das morastige Wasser tauchen. Dann mit dem anderen. Sonst wäre er nicht vorwärts gekommen.
Zu Fuß wäre er auch nicht weit gekommen. Es lagen noch mindestens 12 Kilometer vor ihm. Die Sonne hing knapp über dem Horizont. Der Wind wurde schärfer und kälter.
Die Situation war nicht ausweglos.
W. kam heute mit dem Fahrrad nach Hause. Mit nassen Rädern, nassen Pedalen, nassen Füßen, nassen Socken, nassen Schuhen, nassen Hosenbeinen und nassem Gepäck.

Samstag, 18. September 2010

Nordseefüße

Was machen zwei - wie es heißt: "abgetrennte" - menschliche Füße, ein linker und ein rechter an zwei Enden der Welt? Auf ungefähr demselben Breitengrad an zwei Ufern, am westlichen und am östlichen, der südlichen Nordsee?
Die englische Nordseestadt Hull liegt auf 53° 45' N, die westfriesische Insel Terschelling auf 53° 24' N.

Was macht die Nordsee mit Menschenfüßen?
Warum konnten die Schuhe eindeutig als Paar erkannt werden - nicht aber die Füße. Ganz zu schweigen von den Socken.
Ist Leder salzresistenter als Fleisch, Muskeln, Selbstgestricktes?
Steckten die Menschenfüße in Baumwolle oder Regenstiefeln?

Und was machte der Mensch zu Fuß auf der Nordsee?
Vielleicht liegen seine Arme ausgebreitet auf dem Ärmelkanal.
Möglicherweise könnte dann die Staatsangehörigkeit der Füße und Arme festgestellt werden.

Freitag, 17. September 2010

Der linke Fuß

Was sagt der linke Fuß eines Menschen?
Nichts, denn er kann nicht sprechen.
Was tut der linke Fuß eines Menschen?
Nichts, denn er kann weder gehen noch schwimmen.
Ordentlich angezogen, mit Socke und Schuh, fanden ihn vor ein paar Tagen Spaziergänger am Strand der westfriesischen Insel Terschelling.
Die niederländischen Gerichtsmediziner versuchen nun, die DNA des Fußes zu bestimmen sowie das Geschlecht des Menschen, zu dem der Fuß einmal gehört haben muss.
Im Rahmen der Ermittlungen nehmen Polizeibeamte Kontakt auf mit dem Hersteller des Schuhs. Dabei stellt sich heraus, dass eine verblüffend ähnliche Anfrage bereits vorliegt. So kommt der linke Fuß zum rechten Fuß. Über die Schuhe.
Die Schuhe beweisen, dass die Füße zusammen und einem Menschen gehören.

Donnerstag, 16. September 2010

Der rechte Fuß

Was sagt der rechte Fuß eines Menschen?
Nichts, denn er kann nicht sprechen.
Was tut der rechte Fuß eines Menschen?
Nichts, denn er kann weder gehen noch schwimmen.
Ordentlich angezogen, mit Socke und Schuh, wurde er vor ein paar Wochen in der Stadt Hull an der englischen Nordseeküste angespült.
Britischen Gerichtsmedizinern gelang es nicht, die DNA des Fußes zu bestimmen, noch das Geschlecht des Menschen, zu dem der Fuß einmal gehört haben muss.
Im Rahmen der Ermittlungen nahmen Polizeibeamte Kontakt auf mit dem Hersteller des Schuhs.

Mittwoch, 15. September 2010

Mittwoch, der Fünfzehnte

Ich habe mich vollständig eingesammelt und aufgelistet: alle meine Namen, alle meine Geburtsorte, Heimatorte, Wohnorte, Aufenthaltsorte, Meldeadressen im In- und Ausland. Ich habe ein aktuelles Foto von mir machen, meinen aktuellen Hauptwohnsitz bestätigen und den letzten Steuerbescheid kopieren lassen.
Dann bin ich nach Heide gefahren, zum Kreishaus gelaufen und habe mein Einbürgerungsgesuch im richtigen Zimmer vorgelegt, unterschrieben und abgegeben.
Dann bin ich nach Hause gefahren und habe mich wieder an meinen Schreibtisch gesetzt. Geändert hat sich an meinem Leben gar nichts. Es hat nur noch einmal auf einem Formular vollständig Platz gefunden.

Montag, 13. September 2010

Montag, der Dreizehnte

Die Sonne scheint am Nachmittag fast ununterbrochen. Ich mähe Rasen und veranstalte einen Riesenlärm mit dem Vertikutierer. Noch nie in diesem Jahr hatte ich soviel Schnitt. Das Gras scheint nach dem Dauerregen der letzten zwei, drei Wochen endlich erwacht zu sein. Und die Erde riecht schon schön nach Herbst.

Samstag, 11. September 2010

Schusterjunge

für Anton, den Jüngeren
zum 90. Geburtstag mit den allerbesten Wünschen!

Dieser Schusterjunge sitzt seit 1984 in seiner bronzenen Schuhmacherschürze, mit dem bronzenen Schuhmacherhammer in der bronzenen Hand und einem bronzenem Stiefel kopfüber bzw. sohlenauf zwischen den bronzenen Knien auf einem bronzenem Schuhmacherstuhl am Schuhmacherort in Heide.
Heute ist dieser Ort eine sogenannte "Gastromeile". Immer schon war dieser Ort eine Straße. Früher eine Handwerkerstraße. Hier arbeiteten Schuhmacher und Gerber.
1846 - da lebte noch keiner der Schweizer Antons, weder der Ältere noch der Jüngere - gab es in Heide 158 Schuhmachermeister mit 166 Schuhmachergesellen.
Der Schusterjunge von 1984 ist das Werk des Bildhauers Siegfried J. Assmann.