Samstag, 31. Juli 2010

Freilebender Leguan

Von der Halbinsel Yucatán erreicht mich das Foto eines freilebenden Leguans. Der Fotograf bedauert, den Pelikan, der am Morgen neben ihm in den salzigen Wellen des Karibischen Meeres gelandet sei, nicht ins Bild bekommen zu haben.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Blaualgenteppich

Der WWF teilt mit, dass sich in der Ostsee ein mehr als 300.000 Quadratmeter großer Blaualgenfilm gebildet habe, der dem Wasser gefährlich viel Sauerstoff entziehen könnte.

Algenblüten sind ein natürliches Phänomen. Aufgrund des hohen Nährstoffgehalts in der Ostsee vermehren sich die Algen jedoch explosionsartig, erklärt der Leiter des WWF-Ostseebüros. Sterben die Pflanzen ab, bilden sich am Meeresgrund "regelrechte Todeszonen ohne Sauerstoff". Zudem werde giftiger Schwefelwasserstoff freigesetzt, der allen Organismen schade.
Einen Grund für das Massenwachstum der Blaualgen sieht der WWF in den Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. In Mecklenburg-Vorpommern sei etwa das Landeswassergesetz so geändert worden, dass anstatt bis auf sieben Meter jetzt bis auf einen Meter an Gräben und Bäche heran gedüngt und gespritzt werden dürfe.

Nach Angaben des schleswigholsteinischen Gesundheitsministeriums sind die Küsten des Landes noch algenfrei und die Qualität der Badegewässer nicht beeinträchtigt. An der Polnischen Ostseeküste sind bereits Badeverbote ausgesprochen worden.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Grottenolm

Bei Amphibien, sagen die Biologen, steigt die Lebenserwartung mit dem Körpergewicht. Der Grottenolm (Proteus anguinus) aber wiegt höchstens 20 Gramm und wird vorsichtigen Schätzungen zufolge trotzdem über 102 Jahre alt. Französische Forscher starteten 1952 ein Experiment und siedelten in einer Grotte im Moulis Grottenolme für ein Zuchtprogramm an. Alle Geburten und Todefälle wurde registriert und heute leben über 400 Tiere in der Grotte. Die ältesten Olme sind inzwischen mindestens 48 Jahre alt und zeigen den Forschern zufolge keine Anzeichen von Alterung. Bis zu einem Alter von sechs Jahren sind die Überlebenschancen der Olme schlecht, aber danach haben sie eine Lebenserwartung von 68,5 Jahren. Etwa ein Viertel der Olme im Moulis wird ein Alter von 85 Jahren überschreiten, prognostizieren die Forscher.

Was aber hält den Alterungsprozess auf? Für ihr Gewicht von maximal 20 Gramm werden die Grottenolme viel zu alt. Auch weist der Stoffwechsel des Tieres keine Besonderheiten auf. Langlebige Spezies sollen besonders gut Sauerstoffradikale bekämpfen können. Diese werden bei normalen Stoffwechselvorgängen gebildet und schädigen Erbgut, Proteine und Fette. Doch auch in dieser Beziehung erweist sich der Grottenolm nicht als Sonderfall, schreiben die Forscher weiter.

Fazit: Der Grottenolm sei ein vielversprechendes Modell, um Mechanismen zu beschreiben, die Alterungsprozesse bei Wirbeltieren aufhalten

Dienstag, 27. Juli 2010

Haarnasenotter

Im Deramakot Forest Reserve auf der Insel Borneo wurde gestern nach über einhundert Jahren wieder ein Exemplar der Otterart Lutra sumatrana mit der stark behaarten Schnauze gesichtet.

Haarnasenotter leben in Sumpfwäldern und Mangrovengebieten Asiens und haben nichts mit meinem Wattenmeer zu tun. Oder doch? Gerade nämlich lese ich, dass ein Wattenmeer, wie wir es an der Nordseeküste haben, weltweit einmalig sei. Und weiter: einmalige Erscheinungen beruhten auf einmaligen Ursachen. Oder eher auf einer Kombination einmaliger Ursachen. Eine der (zugegeben nicht sehr einmaligen) Ursachen für die Entstehung und die Erhaltung des Wattenmeers ist das gemäßigte Klima. In den Tropen würden, lese ich, unter ähnlichen Bedingungen Mangrovenwälder entstehen.

Und in diesen Mangrovenwäldern könnte sich dann der seltene, bedrohte, beinahe ausgestorbene Haarnasenotter wieder ansiedeln.

Montag, 26. Juli 2010

Hasenmaulfledermaus

Bei Versuchen mit der Kleinen Hasenmaulfledermaus fand eine Verhaltensbiologin heraus, dass die Tiere einander zum Gruß "anhupen". Dass Fledermäuse mit einem Echolot navigieren und so treffsicher Beute aufspüren, ist längst bekannt. Die Begrüßung von Artgenossen unterscheidet sich von der Jagdnavigation nur durch die Klangmelodie. Die Wellen der abgesonderten Laute sind vergleichbar, unterscheiden sich aber durch die abfallende Kontur sowie vergleichsweise "harmonische" Frequenzen.

Umgewandelt in den für Menschen hörbaren Bereich, klingen diese Ultraschalllaute wie eine Autohupe.

Mit besonders lautem Hupen reagierten die Kleinen Hasenmaulfledermäuse in den Versuchen auf Rufe von Fledermäusen, die sie noch nicht kennen. Es sei wie bei den Menschen, erklärt die Verhaltensbiologin. Freunden brauche man sich nicht vorstellen, Fremden schon.

Sonntag, 25. Juli 2010

monmariamoi

Mein eigener Ehemann (mon mari à moi - exactement! ganz ohne "e") fliegt von Hamburg über Amsterdam, Havanna nach Cancun und kommt heute Abend noch an, während bei mir schon wieder morgen ist.

Samstag, 24. Juli 2010

Frühstücksrätsel

W. holt Brötchen und die Zeitung, wirft einen Blick hinein und fragt im Garten im Schatten: was ist zwölf Zentimeter lang, vier Millimeter dick und hat sich seit 75 Jahren nicht verändert?
Der Erstbiss muss knusprig sein, die Enden geschlossen, die Farbe rehbraun. Salzkörner sollen in regelmäßigen Abständen darauf verteilt sein. Sie tragen zur Erholung des Mineralienhaushaltes bei. Trotzdem sind die Ernährungseigenschaften umstritten. Die Unterseite weist dunkle Abdrucke der Gitterstäbe aus dem Ofen auf. Ein hocherhitztes Hefegebäck. Laugenteig. Kaum Fett. Und doch 350 Kilokalorien pro 100 Gramm. Hoher Anteil an weißem Mehl. Kann den Blutzuckerspiegel blitzartig in die Höhe treiben.
Ich errate es: die Salzstange.

Freitag, 23. Juli 2010

macourgettamoi

Ich ernte die erste Zucchini. Ma courgette à moi. Meine eigene Zucchini. Ich teile sie morgen mit dem Professor. Zu beachten ist, dass ein "e" verloren geht in der Schreibweise, sobald ich die Waadtländer Kuhleasingsprache nachahme.

Dieses Jahr wuchert ein ganzes Zucchinifeld in meinem Garten. Selbst gezogene Pflanzen aus Samen, die ich letzten Herbst vom Brentakanal sorgsam nach Hause trug. Gute italienische Ware. Trägt reiche Früchte sogar auf unserem kargen norddeutschen Geestboden.

Mittwoch, 21. Juli 2010

mavachamoi

Auch das eine Sommerlochmeldung?

Auf La Lecherette oder in La Comballaz können Bergfreunde, Tierliebhaber oder Alpentouristen im Sommer Kühe monateweise sponsern. "Sponsern" heißt in diesem Fall (vielleicht handelt es sich um ein Übersetzungsproblem?): das Recht erwerben, die Kuh zu besuchen, am Leben auf dem Bergbauernhof teilzunehmen und Alpkäse zum Vorzugspreis einzukaufen.

Auf La Lecherette stehen diesen Sommer 20 Kühe zur Verfügung, in La Comballaz 16.
180 Schweizer Franken kostet "die Reservierung" einer Kuh für einen Monat im Sommer. Länger ist billiger. Das "Leasing" für die ganze Saison kostet 380 Franken. Ilda, Rosette, Tola, Ursula, Usine und Quenele waren vor zwei Tagen noch zu haben, alle anderen sollen bereits gebucht sein.

"Patenschaften übernehmen" ist eine alternative Übersetzung. Die Kuhpatenschaften rief vor fünf Jahren der Älpler Michel Izoz ins Leben. Die meisten Patenschaften, sagt er, werden verschenkt und sind vor allem bei jungen Städtern sehr beliebt. Die könnten den Kontrast der "stressigen Stadtwelt mit dem harten Leben in den Bergen" erleben. Vor allem Rinder mit Hörnern seien begehrt, sagt Izoz, weil sie "authentischer aussehen". Seine Kuhpaten müssen einen Arbeitseinsatz von mindestens vier Stunden absolvieren: die Herde zusammentreiben, Holz hacken oder bei der Käseherstellung helfen. Selbst Schweizer Kinder würden dabei staunend entdecken, dass die Milch nicht aus der Packung kommt.

Siehe http://www.mavachamoi.ch/
Das kommt von "ma vache à moi" und ist französisch. Deutsch übersetzt: "Meine eigene Kuh".

Dienstag, 20. Juli 2010

Sommerloch oder Treppenwitz?


Sommerlochmeldung oder der nächste Treppenwitz der "Schweizer extremen Rechten" (wie polnische Tageszeitungen titeln: Szwajcarska skrajna prawica)?
Die Polen bedauern, dass sie zu weit weg sind. Viele würden stante pede herbeilaufen und die Hand zum Rütlischwur erheben. Man stelle sich bloß vor: Großhelvetien würde von Altbundesrat Christoph Blocher und Expremierminister Jarosław Kaczyński regiert ...
Karte: Tagesanzeiger vom 11.6.2010 (ist leider nicht ganz korrekt, Baden-Württemberg und Österreich bzw. Vorarlberg haben keine gemeinsame Grenze, dazwischen liegt ein Stück von Bayern, bzw. Allgäu: am östlichen Ende des Bodensees um Lindau herum. Wer annektieren will, sollte sich zuerst schlau machen, was er annektieren will).

Montag, 19. Juli 2010

Eichelwurm

Seit zehn Jahren schon dauert die bisher größte wissenschafliche Volkszählung in den Meeren an. Nun wurden entlang des Mittelatlantischen Rückens zwischen Island und den Azoren drei neue Spezies von Enteropneusten oder Eichelwürmern entdeckt. Diese dreigegliederten Lebewesen haben weder Augen noch Gehirn, beherrschen aber rudimentäre Schwimmbewegungen, kommen in auffällig unterschiedlichen Gestalten in violett, rosa oder weiß vor, weiden den Meeresboden ab und hinterlassen dabei Spuren in Form von Spiralen.

Freitag, 16. Juli 2010

Storchenstatistik der Nachbarkreise

Der Kreis Nordfriesland meldet zehn Horstpaare mit 19 Jungstörchen.
Der Kreis Schleswig-Flensburg meldet 36 Storchenpaare mit 74 Jungstörchen.
Im Storchendorf Bergenhusen ziehen 15 Storcheneltern 30 Jungstörche auf.
Insgesamt gibt es in diesem Jahr in Schleswig Holstein 207 Storchenpaare.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Bruterfolg im nördlichen Dithmarschen

Im nördlichen Dithmarschen wachsen in diesem Jahr 28 Jungstörche heran:
Vier in Glüsing, zwei in Heide-Süderholm, zwei in Hennstedt-Horst, vier in Kleve, fünf in Linden-Pahlkrug, vier in Pahlen-Schwimmbad, drei in Tellingstedt, vier in Tielenhemme.

Keinen Nachwuchs gab es in Delve. Das Storchenpaar brütete nach acht Wochen immer noch, die drei Eier im Nest waren entweder nicht befruchtet oder abgestorben. Storchenbeobachter vermuten, dass die Störche das Gelege zu lange allein ließen, weil in der Nähe eine Photovoltaikanlage gebaut wurde. In der Dorfmitte von Linden war nach über 30-jähriger Unterbrechung das Storchennest wieder besetzt. Das neue Paar baute eifrig am Horst und war seit Mitte Mai ständig präsent. Nachwuchs gab es trotzdem keinen. Bei der Eiderlandbäckerei in Pahlen wurde zunächst das Vorjahrespaar auf dem Horst gesichtet. Dann verschwand das Storchenweibchen, es siedelte zu einem anderen Partner nach Schafstedt um. Der verlassene Storchenmann blieb sechs Wochen lang allein, bis sich ein neues Weibchen zu ihm gesellte. Für Nachwuchs war es aber offenbar zu spät. Und die in Wiemerstedt seit Jahren überwinternden Störche verloren bei einem heftigen Herbststurm ihren mehrere Tonnen schweren Horst. Sie bauten sofort ein neues Nest. Die Brut verlief im Frühjahr normal - bis Anwohner beobacheten, dass einer der Altstörche die eigenen Jungen fraß. Seither pendelt das jungenlose Storchenpaar ruhelos zwischen seinem Althorst in Wiemerstedt und dem Neuhorst in Fedderingen.

Trotz dieser Storchenschicksalsschläge entwickelt sich der Bestand im nördlichen Dithmarschen erfreulich, im letzten Jahr gab es nur 13 Jungstörche.

Süderdithmarscher Brutergebnis

Bald sind sie wieder weg. Die Störche in Süderdithmarschen. In diesem Jahr gibt es sieben Storchenpaare. Eines blieb ohne Nachwuchs. In Burg, Eddelak, Hochdonn, Schafstedt, Dückerswisch und Nordhastedt ziehen sechs Paare insgesamt 16 Jungstörche auf. In Kuden lebt ein Einzelstorch ohne Partnerin.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Sandklaffmuscheln

Sandklaffmuscheln sind die häufigsten Muscheln im Wattenmeer. Sie können handtellergroß werden und graben sich tief in den Wattboden ein. Durch einen langen Schnorchel sind sie mit der Wattoberfläche verbunden. Sie filtern das Wasser, so erhalten sie Nahrung und Sauerstoff. Kein Vogel kann ihnen mit seinem Schnabel gefährlich werden.
Sandklaffmuscheln sind im tiefen Watt zwar gut geborgen, aber wenig mobil. Werden sie von der Flut freigespült, können sie sich nicht mehr eingraben. Ihre großen Schalen finden man vor allem an Rand von Prielen, deren Verlauf der Wechsel von Ebbe und Flut verändert hat.

Dienstag, 13. Juli 2010

Schweiz ade

Dienstag, der Dreizehnte: Ich fordere das Antragsformular für die Einbürgerung bei der für mich zuständigen Behörde, der Dithmarscher Kreisverwaltung in Heide an.

Montag, 12. Juli 2010

free Polanski

Polanski ist ein freier Mann. Die Schweiz liefert ihren prominentesten Häftling nicht an die USA aus. Die "freiheitsbeschränkenden Maßnahmen" gegen Polanski seien aufgehoben, heißt es von allerhöchster Stelle. Die elektronische Fußfessel abgenommen, sämtliche Ausweispapiere ausgehändigt, die Kaution in Höhe von 4,5 Millionen Franken werde zurückerstattet. Polanski hat das Recht, die Schweiz auf Schadenersatz zu verklagen, muss aber einen Schaden geltend machen können, der nicht durch ihn selbst mitbeeinflusst worden ist.

Mangelnde Kooperation ist das Zauberwort der zuständigen Magistratin. Mangelnde Kooperation der amerikanischen Justizbehörden. Ein entscheidendes Protokoll sei nicht übermittelt worden. Ein Dokument, das vom Bundesamt für Justiz kürzlich noch als "wenig relevant" bezeichnet worden war, soll jetzt eine "endgültige Klärung des Sachverhalts" (ob zB Polanski seine Strafe bereits vollumfänglich verbüßt habe) verunmöglicht haben.
Und es wird plötzlich mit einem internationalen «Ordre public» argumentiert, einer Rechtsauslegung nach Treu und Glauben. Polanski habe als Hauseigentümer und regelmäßiger Besucher der Schweiz damit rechnen können, dass ihm aus der Einreise kein Nachteil entstehe. Ein Rechtsgutachten kam zum Schluss, dass die Schweiz Polanski nicht ausliefern dürfe, weil er in den Jahren vor der Verhaftung problemlos in die Schweiz ein- und ausreisen konnte.

Um zu diesem Schluss zu kommen, brauchten Schweizer Juristen zehn Monate.
Warum also durfte Polanski am 26. September 2009 am Flughafen Zürich verhaftet werden?
Damals verkündete dieselbe Bundesrätin, die heute Polanski aus seinem Gstaader Hausarrest entlassen hat: "Die Verhaftung war rechtsstaatlich der einzig mögliche Weg." (Siehe meine Blogeinträge vom 27.9. und 2.10.2009)

Und wo sitzt mittlerweile jener Kantonspolizist, einer dieser "pflichtversessenen" Saubermänner, mit denen dieses Land so gesegnet ist, der den Amerikanern den entscheidenden Tipp gegeben hatte - dass Polanski als Ehrengast am 5. Zurich Film Festival erwartet werde, wo er das "Goldene Auge" für sein Lebenswerk verliehen bekomme ... ?

Samstag, 10. Juli 2010

Frequenzen

Samstag und kaum der Rede wert: wir sind heute 199 Monate verheiratet. Die Hitze plagt alle Meldorfer den ganzen Tag. Bis spät in den Abend. Den Professor plagen zusätzlich die Zeitzonen, die er kürzlich viel zu schnell überflogen hat. Ans Meer zu fahren, schaffen wir beide heute nicht. Aber am Abend zeigen wir uns auf dem Meldorfer Rathausplatz zum open air, dem kulturellen Höhepunkt des Jahres, den diesjährigen Frequenzen (http://www.frequenzen-festival.de/) bzw. im globalen Dorf. Heute mit Marycones (aus Deutschland), Östblocket (aus Schweden) und Mdungu (aus den Niederlanden). Das Plakat gestaltete Roman Klonek (aus Polen).

Freitag, 9. Juli 2010

Lektion 5

Spijöök. Dieses Wort ist kürzlich zum schönsten plattdeutschen Wort des Jahres gekürt worden. Auch das gibt es. Das plattdeutsche Wort des Jahres. Wo Sprache, dort Wörter. Und Auszeichnungen.
Spijöök steht für Spaß, Flunkerei.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Schädlinge

Einer unserer Biobauern heißt Schädlich.
Nun ist ausgerechnet sein Salat massiv von Eulen- und Spannerraupen befallen, teilt mir der Brief in unserer Biokiste mit, so dass Herr Schädlich den Salat "komplett unterfräsen" muss. Für drei Wochen gibt es keinen Salat.
Unser Ölweide ist auch befallen, obwohl sie freundlich von weitem grüßt. Ich weiß nicht, wovon. Erbsengroße Ausbuchtungen zeigen sich eingeschlossen in den Blättern, die dann allmählich zusammenwachsen (oder sich im Innern der Blätter näher aneinander fressen) - und aussehen wie eine vielgliedrige Raupe. Aber im Blatt drin. Unter der Oberfläche und über der Unterfläche. Bilder folgen.
Der Kirschbaum hingegen ist bereits kahl. Seine Früchte haben unsere tanzenden Hausamseln restlos aufgefressen.
Und wir haben das Nachsehen. Kein Salat, keine Kirschen, kein Olivenhain. Aber viele zufriedene Parasiten.

Dienstag, 6. Juli 2010

Das Dritte Haus

Hier wohne ich, wenn es in den anderen Häusern eng wird. Wenn ich hier wohne, kann ich fliegen und nicht mehr gehen.

Hier jage ich, wenn bei Springtide die Jungmuscheln wandern. Wenn ich hier jage, kaut mein Magen und nicht mein Mund.

Hier schlafe ich, wenn es in den kurzen Nächten trocken bleibt.
Wenn ich hier schlafe, kann ich klar sehen und muss nicht mehr träumen.

Montag, 5. Juli 2010

Lektion 4

Die Polen haben gewählt - das Land ist gespalten. Kaczyński 2 war für eine knappe Stunde rund um Mitternacht, nach Auszählung der guten Hälfte der Stimmen, Staatspräsident. Seit dem Morgengrauen ist es aber unwiderruflich Komorowski. Mittlerweile steht das amtliche Endergebnis fest: Bronisław Komorowski 53,01%, Jarosław Kaczyński 46,99%, Wahlbeteiligung 55,31%.

Die Geschichte zeigt: die katholische Kirche ist kein Garant für Demokratie. Nie gewesen, nirgends, weder in Warschau, Rom oder Bayern. Auch nicht in den irischen "Häusern des Horrors". Komorowski wurde in Predigten von polnischen Priestern als "Satan" verflucht. Noch und besonders am Wahlsonntag - an dem Wahlruhe herrscht, wie es die polnische Verfassung aus gutem Grunde festgeschrieben hat - wurde innerhalb der Kirchenmauern agitiert. Wie zu guten alten sozialistischen Zeiten. Nur der Sender Radio Maryja wisse, dröhnte es nicht nur von einer Kanzel, wer der richtige Kandidat sei. Und: wer den falschen Kandidaten wähle, versündige sich.

Nun hat sich ein gutes Viertel der Polen (die gute Hälfte der 55,31 % der Bevölkerung, die gestern von ihrem Wahlrecht Gebrauch machte) versündigt.
Oder: das Ende der christlichen Moralapostel ist auch in Polen angekommen.

Ein nüchterner Politologe stellte heute früh fest: Die Stimmen der Linken verhalfen Komorowski zu seiner hauchdünnen Mehrheit. Denn: in Polen sind die linken Wähler im Gegensatz zu den rechten Wählern "selbstbewusst, unabhängig, brauchen keine Ratschläge und Predigten von der Kanzel."

(W związku z tym wyraźnie i zdecydowanie można powiedzieć, że Komorowski wygrał dzięki głosom Napieralskiego" - uznał Kik. "Elektorat lewicy jest - w odróżnieniu od elektoratu prawicy - świadomy, samodzielny, nie potrzebuje wskazówek i kazań z ambony" - powiedział Kik.)
mehr po polsku: http://wyborcza.pl/1,75248,8099756,Polacy_uwierzyli_w_metamorfoze_Kaczynskiego___analizuja.html

Lektion 3

Seit 1999 wird Plattdeutsch als Kulturerbe von der europäischen Sprachenkarta geschützt:
Plattdüütsch in de europäische Sprakencharta.

1994 beriet der Hamburger Senat über einen Antrag auf Annahme des Plattdeutschen in die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen - natürlich "op Platt". Selten, so heißt es, sei bei einer Politikerdebatte so gelacht worden wie an jenem Abend, schenkelklopfend feixten die Abgeordneten um Beiträge wie "De Hamborger Senoot un sien Beamten sitt dor mit 'n breden Moors un kiekt nur to" [Der Hamburger Senat und seine Beamten sitzen auf ihrem breiten Arsch und gucken nur zu]. Der Sitzungspräsident mahnte zur Ordnung: "Moors, dat geiht nich!" [Arsch, das geht nicht!]. Der Sprecher verbesserte sich: "Denn segg ik Achtersteven." [Dann sag ich Hinterteil].
Auch der Bundestag behandelte das Thema - in der gleichen Sprache: "över Platt op Platt". Das war ungewöhnlich, die Geschäftsordnung des Bundestages erlaubt nur Hochdeutsch als Debattiersprache. Frau Süßmuth machte eine Ausnahme: " Uns Spraak döf nich koppheister gohn ... Plattdütsch in Deel dree, at anners gifft at nicht. Sonst möt dat Utwartige Amt oder de Binnenminister sik noch warm antreken." [Unsere Sprache darf nicht verloren (wörtlich + anschaulich: kopfüber) gehen. ... Plattdeutsch in Teil drei (der Charta), etwas anderes gibt es nicht. Sonst müssen das Auswärtige Amt und der Innenminister sich warm anziehen.]

Sonntag, 4. Juli 2010

Sonntagsgeschichte

Am liebsten hätte ich nach dem Gewitter im Garten geschlafen. Aber es regnete immer wieder, kurz und heftig. Die Seehunde im Wattenmeer, lese ich, schlafen im Wasser und kommen in regelmäßigen Abständen zum Atmen an die Oberfläche. W. schläft immer noch in Hotels. Jede Nacht in einem anderen. Immer an einem anderen Ort. Jeden Tag verbringt W. eine paar Stunden in einem Flugzeug. Im Juli werden die meisten Seehundkinder geboren. Auf den Sandbänken vor Amrum. Da diese meist von der nächsten Flut überspült werden, müssen Seehundbabys Schwimmkenntnisse mit auf die Welt bringen. Und einen strömungsgünstigen Schwimmanzug, das feste, glatte Fell. Den Wollpelz stoßen sie noch vor der Geburt im Mutterleib ab. Man nennt die jungen Seehunde Heuler, weil sie, sobald sie sich von der Seehundmutter alleingelassen fühlen, jämmerlich zu heulen anfangen.

Samstag, 3. Juli 2010

Samstagsgeschichte

Im Sommer ist die gesamte Nordsee thermisch geschichtet. Über einer tiefen kalten und daher spezifisch schweren Wasserschicht liegt ein leichter Warmwasserkörper.
So sind wahrscheinlich die Unterschiede in den tagesaktuellen Wassertemperaturangaben zu erklären, wie ich sie von der Schiefertafel vor der Aufsichtshütte der DLRG in der Meldorfer Bucht ablese, bzw. zu Hause am Schreibtisch den Internetlisten des BSH entnehme.
Wenn sich das BSH auf Satellitendaten stützt - genauer: auf die Messwerte der Radiometer an Bord des NOAA-(National Oceanic and Atmospheric Administration-)Satelliten - dann gibt es die SST-(Sea Surface Temperatures-)Werte an, also die Temperatur der Meeresoberfläche. Diese Werte beziehen sich "streng genommen" nur auf eine weniger als einen Millimeter dicke Oberflächenschicht (Prognose für heute Abend, 19 Uhr: 26°).
Die DLRG hingegen misst traditionell. Vor Ort, mit den Füßen im Wasser und einem Badewannenthermometer in der Hand, das bei Hochwasser an einer Schnur bis zu einem Meter tief ins Wasser hinunter gelassen wird und dort ein paar Minuten verweilen darf (Gestern: 20°).

Abgesehen von den Satelliten, die in etwa 850 Kilometer über der Erdpolen kreisen, und den Schiefertafeln, die während der Sommersaison an der Wattenmeerküste von den Lebensrettern auf mehr oder weniger Normallnull täglich neu beschrieben werden, können derzeit die Badenden in der Meldorfer Bucht bei Hochwasser Unterschiede von 6° Celsius und mehr am eigenen Körper erfahren. Bei Niedrigwasser speichert nämlich das trockenfallende Watt sehr viel von der hochsommerlichen Hitze und gibt sie bei der nächsten Flut wieder an das Wasser ab. Da derzeit so etwas wie Windstau herrscht, bleibt das Wasser tatsächlich thermisch geschichtet. Aber die Temperaturunterschiede sind nicht nur beim Stehen im Wasser in den Fersen und an der Nasenspitze zu spüren, sondern auch beim Liegen, bzw. Schwimmen. Das Wasser ist nicht nur geschichtet von oben nach unten, sondern auch gewürfelt von Küstennah zu Küstenfern. Wie ein riesiger Rubik's Cube, den kein Mensch je lösen kann.

Freitag, 2. Juli 2010

Freitagsgeschichte

Mein erster Tag ohne Antibiotika. Ich fühle mich leer und haltlos. Horche misstrauisch auf meinen hinterlistigen Backenzahn mit der provisorischen Krone. Noch ist er nicht König.

Der Tag verspricht, was er hält: hochsommerliche Hitze. Gegen Abend werde ich ans Meer fahren auf der Suche nach der Welt hinter (oder vor? unter?) den Wörtern. Ob es mir zum Beispiel gelingt, ein Exemplar des Vielborstlers Spiophanes bombyx zu sehen? Dieser Wurm, eine Pionierart, soll heute die häufigste Tierart der Nordsee sein.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Donnerstagsgeschichte

Quallen, lese ich, stellen eine ökologische Sackgasse dar. Denn: "Diese werden nicht von anderen Organismen gefressen, ihre übermäßige Entwicklung blockiert also die Weitergabe von Material und Energie im Nahrungsnetz."
Die Nordsee ist eines der fruchtbarsten Meeresgebiete der Erde, lese ich weiter. Energie liefert die Sonne, das Licht befördert das Algenwachstum. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich das Phytoplankton in der Deutschen Bucht fast verdoppelt, was den Geißelalgen, insbesondere aber der Schaumalge Phaeocystis zu verdanken ist. Verblüht das Plankton, entlässt es viel gelöstes, organisches Material ins Wasser. Diese Nährstoffe werden von den Geißeltierchen gefressen. Und die Geißeltierchen werden von Wimpertierchen vertilgt. Und so weiter. Bis hin zu Ruderfußkrebsen, den Nährtieren vieler Fische wie junger Plattfische, junger Heringe oder junger Steinbutte. Für diese Fische ist das Watt eine Art Kinderstube, hier fressen sie sich groß und wandern dann in die offene Nordsee ab. Aber auch Saisongäste wie die Dicklippige Meeräsche, Aale, Wittlinge, Dorsche oder Kliesche halten sich vorübergehend gerne im Watt auf. Solange die Lebensbedingungen günstig sind. Sobald die sich verschlechtern, verlassen sie uns wieder.