Mittwoch, 31. Dezember 2014

zurzeit

Eines der letzten rechtschreiblich schwierigen Wörter im Alphabet laut Duden. Zurzeit - darf am Satzanfang wohl doch groß geschrieben werden? Denn sogar die Abkürzungen zz. oder zzt. sollen mit Punkt immer klein sein. Synonym zu im Augenblick, im Moment, zur Stunde, augenblicklich, jetzt, noch, soeben, weiterhin, gegenwärtig, heute, gerade [eben] oder umgangssprachlich grad [eben], landschaftlich bislang, schweizerisch bis anhin (einer meiner meist verwendeten Helvetismen), veraltet dermalen.
Nun denn - ab ins Neue Jahr!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Sonnenaufgang

An der Weichsel wird es eine Stunde früher hell als am Wattenmeer. Dafür geht die Sonne auch schon eine Stunde früher unter. Klirrende Kälte. Trocken. Minus 10° mindestens. 

Montag, 29. Dezember 2014

192. Mahnwache in Meldorf

Heute abend, 18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Und Ich mache mich jetzt schon auf den Weg nach Warschau.

Samstag, 27. Dezember 2014

Exodus

Konzert anl. Kilars 80. Geburtstag 2012 - Jahres-Endzeit-Musik? Abschiedsmusik für Stanisław Barańczak (gestern im Alter von erst 68 Jahren gestorben) und für alle der letzten Tage und Wochen, Krauze, Laskowski, Semkow, Sławiński ...

Freitag, 26. Dezember 2014

Orawa


Wojciech Kilar - vor fast genau einem Jahr gestorben: Orawa. Läuft jetzt auf NDR-Kultur. Echos von den Karpaten. Von den Streichern konsequent gestrichen. Was für eine Energie in Struktur, in Regelmäßigkeit, in Wiederholung!
Aufgezeichnet in der Turbinenhalle des Kraftwerks in Peenemünde am 20. September.
http://www.texthalde.ch/Texthalde/Kilar_Orawa.html

Sonnenaufgang

Mein Himmel über Meldorf, zwei Minuten vor Sonnenaufgang.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachtssinfonie

Krzysztof Pendereckis Zweite Sinfonie, komponiert 1979, hat den Namen Weihnachtssinfonie bekommen. Sie habe aber nichts mit Weihnachten zu tun, sagt der Komponist. Er habe nur dreimal den ersten Takt von "Stille Nacht" eingebaut. Und: er beginne immer 24. Dezember mit der Komposition eines neuen Werks.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Kragenplatzen

Mein Leserbrief an die DLZ:


MED, BBZ und wo bleibt das WO?

Am 3. Advent wurde in St. Jürgen in Heide Bachs Weihnachtsoratorium (WO) aufgeführt. Die Kirche war zum Bersten voll. Es sangen international renommierte Solisten und die Heider Kantorei, begleitet von der Camerata Flensburg. Sorgfältig einstudiert und geleitet von Sebastian Schwarze-Wunderlich. Es war in ganz Dithmarschen die einzige Gelegenheit in diesem Jahr, das WO zu hören. Der DLZ ist dies keine Zeile wert. Mit Verwunderung beobachte ich (Zugezogene mit Migrationshintergrund), dass die DLZ alle kulturellen und musikalischen Veranstaltungen in St. Jürgen seit Jahren konsequent boykottiert. Hingegen wird jedes Konzert im Meldorfer Dom gebührend gewürdigt. Zu Recht natürlich. Statt aber auch über ein wichtiges, die Menschen beglückendes musikalisches Ereignis in der Vorweihnachtszeit zu berichten, wurde auf den Dithmarschen-Seiten an jedem Tag zwischen dem dritten und vierten Advent mit Inbrunst an alten Gräben gemeißelt. Obwohl schon am Montag klar war, dass sowohl MED wie auch die bisherigen drei BBZ-Standorte im Kreistag durchkommen würden, versuchte die Redaktion der DLZ offensichtlich die Stimmung im Volk anzuheizen. Ohne Erfolg, Gottseidank. Da halfen weder Leserbriefe noch die erhobenen Zeigefinger von Wirtschafts- und anderen Weisen. „So ist nun einmal Demokratie“, wurde am Freitag endlich Landrat Dr. Klimant zitiert. Die sogenannte „Kupon-Aktion“ zeigte bloß, wie sehr es den MED-Gegnern an Argumenten fehlt. Dabei hätte man aktuell Anlass gehabt, auch einmal über etwas die Menschen Verbindendes – Musik! Kultur! – zu berichten, statt ständig das Trennende zu beschwören. Die Heider brauchen sich nicht zu wundern, dass die Meldorfer sich nun diebisch über „52 Zentimeter Blech“, das MED am Auto freuen. Die statements der „Kupon-Aktion“ machen deutlich, dass dies als späte Genugtuung für so manche Demütigung durch die „schlitzohrige“ Kreisstadt empfunden wird. Den Ruf dieser Stadt prägt u.a. leider auch die DLZ als einzige Meinungsbildnerin in Dithmarschen. Auf der Internetseite von Boyens Medien stehen zB die „Serien“ „Raubmord in Heide“ und „Brandserie in Heide“ zur Verfügung. Kein Wort von Kultur. Von dem Schönen und Positiven, das unser Leben begleitet und prägt. Nirgends. Schade!
Dr. Judith Arlt, Meldorf

Montag, 22. Dezember 2014

191. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg. 

Wintersonnenwende. Todestag von Lina Bögli, der heimlichen Geliebten des Generals, von dessen Porträt gestern die Rede war.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Lob der Torheit

Vor über neun Jahren stellte ich in meinem blog eine Frage. Kürzlich kam die Antwort. Eine Polin mit einem Allerweltsnamen wie bei uns Meier oder Müller schreibt lapidar, mit dem Gemälde, das ich suche, sei sie aufgewachsen. Es hänge in der Wohnung ihrer Eltern in Krakau. Den Straßennamen liefert sie gleich mit, die Hausnummer auch.
Es handelt sich um die "furchterregende Stilisierung" Malczewskis, um sein Porträt des polnischen Generals Bijak. Mein Gott! Und Pani A. erklärt auch den "furchterregenden" Blick des Generals, der offensichtlich keine Erfindung des Malers ist. Als Kind habe sie sich immer vor dem Blick des Onkelgenerals gefürchtet, schreibt sie. In der Familie sei dazu die Anekdote erzählt worden, dass Bijak, als er zu Beginn des ersten Weltkriegs am Bein verwundet und unfähig, sich zu bewegen, in einem Wald im Osten Galiziens lag, nur dank dieses seines so besonderen Blicks überlebt habe. Russische Soldaten hätten nämlich den österreichischen Verwundeten den Todesstoß gegeben, um an deren gute Kleidung und Schuhe zu kommen, Bijak habe aber den Russen, der sich mit einem Säbel auf ihn stürzen wollte, so finster angesehen, dass dieser sich bekreuzigt und unverrichteter Dinge das Weite gesucht habe ...

Samstag, 20. Dezember 2014

Schwere Sturmböen

Schwere Sturmböen ziehen schon die ganze Nacht über mein Dach. Mitten durch meine Träume. Aus dem Radio kommt die Sturmflutwarnung, das Vormittagshochwasser an der Nordsee wird eineinhalb bis zwei Meter höher auflaufen als das mittlere Hochwasser. Die Fährverbindungen zu den Halligen sind eingestellt. Landunter vor der Tür.

Freitag, 19. Dezember 2014

Sturmböen

Die ganze Nacht fegte der Wind von Südwest über meinen Kopf. Sprühregen immer noch. Sturmtief Engel mit Azorenluft. Das Thermometer sagt: Außentemperatur 11,2°. Plus natürlich. Es ist über Nacht wärmer geworden.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Sprühregen

Noch immer steigen die Temperaturen. Seit dem frühen Abend sind sie zweistellig. Der Wind nimmt zu. Ist das unser Weg auf die Wintersonnenwende?

Montag, 15. Dezember 2014

Sonntag, 14. Dezember 2014

Weihnachtsoratorium

Die einzige Gelegenheit, Bachs Weihnachtsoratorium, Kantaten I - III, in diesem Jahr in Dithmarschen zu erleben in einer erstklassigen Besetzung.
Heute 17 Uhr, St. Jürgen Heide, einige wenige Restkarten sind an der Abendkasse noch erhältlich.

Samstag, 13. Dezember 2014

Generalprobe



So bunt ist die Welt des Musizierens vor dem Konzert! Weihnachtsoratorium. St. Jürgen. Heider Kantorei. Wir sind zu 18:15 bestellt, die Solisten und das Orchester absolvieren ihre Parts vorher. Die Generalprobe ist bis 21:45 angesetzt. Um 20 Uhr guckt der Dirigent verdutzt auf die Uhr. So etwas ist ihm noch nie passiert. Wir sind durch und werden nach Hause entlassen.

Freitag, 12. Dezember 2014

Orkantief Billie

wütet übers Land. Das einzige Opfer in unserem Garten: Schwiegervaters Vogelfutterhäuschen. Es wird vom Apfelbaum gefegt. Liegt kopfüber im Gras. Weich gelandet, ganz geblieben. Nur die Amseln verstehen die Welt nicht mehr. Und stochern verdutzt am Blechdach.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Sonnenaufgangssimulationsfunktion

Ich bin gestern zum ersten Mal mit Sonnenuntergangssimulation eingeschlafen und heute früh zum ersten Mal mit Sonnenaufgangssimulation aufgewacht. Es gibt  Lichtwecker, die diese Funktionen haben. Angeblich wirken sie sich positiv auf das Allgemeinbefinden aus. Mein Tag bricht jetzt am Wattenmeer auch zur dunklen Jahreszeit um halb fünf Uhr morgens an wie im Hochsommer.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Das Gesicht Meldorfs 2










Heute 14:47 Uhr, der erste doppelte Winterregenbogen, ein gespenstisches Licht, der Backstein brennt, kurz vor oder nach dem Schneegewitter, Starkwind und so weiter. Sowie meine längst kahlgefegte Edelkastanie.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Gesicht Meldorfs









"Du und dein (W)Ort" - Die alternative Weihnachts- und Neujahrskarte ist zum Preis von 2 Euro pro Stück erhältlich im Rathaus bei Frau Suhr (Vorzimmer unserer Bürgermeisterin, 1. Stock am Ende des Ganges, nur vormittags). Format A5, S. 1: Porträts, S. 2: Ausstellungshinweis, S. 3: leer - für individuelle Grüße in die ganze Welt, S. 4: Logo zum 750- Jahr-Jubiläum der Stadt Meldorf.
Die Porträts sind im April diesen Jahres auf dem Meldorfer Rathausplatz entstanden - im Rahmen des Kunstprojekts "Du und dein (W)Ort - Porträts grenzenlos" des Künstlerpaars Ann-Kristin Jahrmann und Laurenz-Alexander Schettler. Die beiden fotografieren Menschen in verschiedenen Städten, mit einem Gegenstand, der ihre Beziehung zu ihrem Ort symbolisiert. Auf der Meldorfkarte sind einige dieser Gegenstände zu erkennen. Die Porträts im Format A0 mit einem aufgedruckten Wort-Zitat der Fotografierten werden vom 22.1. - 15.2.2015 im Dithmarscher Landesmuseum gezeigt und sollen danach, bis zum offiziellen Festakt zum 750-Jahr-Jubiläum, an verschiedenen Stellen der Stadt ausgehängt werden. Als Nebenprodukt ist die Klappkarte entstanden - mit deren Kauf kann man das Projekt direkt unterstützen, Werbung für Meldorf machen, frische Grüße versenden sowie Freunde, Bekannte und Verwandte zu einer der vielen Veranstaltungen, die ihm Rahmen des Jubiläums stattfinden werden, nach Meldorf einladen.

Montag, 8. Dezember 2014

189. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Heute mit Glühwein zum Aufwärmen!

Sonntag, 7. Dezember 2014

Nach Nikolaus

Beginnt der Winter. Zum Trost zum zweiten Advent ein Adventslied. Kein Kitsch. Kein Ohrwurm. Balsam auf die geplagte Seele: "Veni, veni Emmanuel":


Samstag, 6. Dezember 2014

Nikolaus

Nikolaus kann wieder. Vor einem Jahr hinderte ihn Xaver. Heute ist Milde angesagt. Fast gar kein Wind. Nur Sonne. Der letzte Vollmond des Jahres. Ich fahre ans Meer.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Nativity Carol

John Rutter (eigentlich der Hofkomponist des britischen Könighauses) und die ungeschriebene Geschichte einer seiner ersten Kompositionen (auch Künstler von königlichen Ehren mussten mal zehn Jahre auf Erfolg warten):
 

Dienstag, 2. Dezember 2014

Singen erhöht die Immunabwehr

Der unverwüstliche Ranga Yogeshwar weiss zu allem was zu sagen, aber wo er recht hat, hat er recht:

Montag, 1. Dezember 2014

Sonntag, 30. November 2014

Die Seele muss vom Reittier steigen

Der Schweizer Komponist Klaus Huber, der als 15-Jähriger dank seinen Komponistenvaters die Uraufführung von Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug mit Béla Bartók am einen, seiner Frau Ditta Pásztory am anderen Klavier, leibhaftig miterlebt hatte, wird heute 90 Jahre alt.
Polykulturelle Musik schreibt er, der versierte Geiger, sagt man. Komponieren sei für ihn, sagt er selber, "ein Akt der Befreiung, immer auf die Zukunft gerichtet". Er musste sich aus einer "störungsanfälligen Konstellation" zu seinem Schul- und Kirchenmusikervater befreien. Die Wörter sind wundersam. "Zwergenmenuett" heißt ein uveröffentlichtes Jugendwerk. Alle großen Künstler haben unveröffentlichte Werke. Er hänge "schief in der Zeit" bezeugen ihm die Manager des Avantgarde-Betriebs. Er begibt sich in die innere Emigration, inszeniert verbraucht geltende Intervalle, monumentale Oktaven, Terzenstudien. Später fügt er Dritteltöne und Vierteltöne ein, entdeckt konstruktive und expressive Möglichkeiten. Im Alter erforscht er die arabische Musik, verleibt sie sich ein. 
Heute sagt die Fachwelt, sein Kammerkonzert aus dem Jahr 2002 "Die Seele muss vom Reittier steigen" könnte als sein Vermächtnis gelten. Eine Metapher für die Komplexität polykulturellen Zusammenlebens, jenseitS von Exotismus und Effekt.

Samstag, 29. November 2014

"Birkenstockrassisten"

In Bern ist es am Tag vor der Ecopop-Abstimmung alles andere als gemütlich. Nach einem Gang durchs Schweizerische Literaturarchiv und einem Besuch beim Bleistiftmeister Robert Walser, ziehe ich von dannen. Lasse die Birkenstockrassisten (s.u.) ihr Werk vollenden und eile mit Kandahars an den Füßen, den wärmsten Schuhen überhaupt (swissmade, ich bin die wandelnde Inkonsequenz), zurück ans Wattenmeer.

http://www.n-tv.de/politik/Birkenstockrassisten-machen-dicht-article14045501.html

Freitag, 28. November 2014

Schweren Herzens ...

... mache ich mich auf den Weg, verlasse die neuen Fenster, die wieder hergestellte Ordnung, den besseren Durchblick, am ersten wirklich frostigen Meldorfer Morgen. Und begebe mich in eine windstille Welt. Nach Bern. Denn "Bern ist überall" (Spoken Word Performance). Zum Festakt 40 Jahre ch Reihe. Mit u.a. einer szenischen Aufführung von Franz Hohles “Totenmügerli” in vier Sprachen. Und einem Apéritif dînatoire.

Donnerstag, 27. November 2014

Rückkehr

Bis wieder Ruhe eingekehrt in ein Haus, dessen obere Etage drei Tage lang den Tischlern gehörte. Und Ordnung. Bis alles wieder an seinem Platz ist, ich am Schreibtisch und die Gedanken sortiert. Heute war der Heizungsmonteur da. Der ist vergleichsweise still wieder gegangen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Montag, 24. November 2014

187. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Im Norden Naganos bebt die Erde mit 6,8.

Samstag, 22. November 2014

III: Allegro non troppo

Bartók und Pásztorny spielen Bartók - Das Klavier ein Schlaginstrument. "Der dritte Satz in C stellt eine Verbindung der Rondo- mit der Sonatenform dar (…) Mit der im Pianissimo verhallenden Coda schließen der Satz und das Werk.”

III. Allegro non troppo. Béla Bartók, Ditta Pásztory, pianos. Henry Baker, Edward Rubsam, percussion. Recorded 11/1940, New York

Freitag, 21. November 2014

November, endlich

Erschrocken sehe ich aus dem Fenster. Heute kein Bartók. Die Welt ist undurchsichtig, tropft zu Boden, der Rasen weiß. Morgenfrost? Die Lachen auf dem Garagendach des Nachbarn sind gefroren. Amseln spielen Schlittschuhlaufen.
Gegen Mittag hole ich die zweite Ernte ein, den letzten Mangold, Ruccola, der wie wild wieder und wieder sprießt. Und eine Handvoll höllisch scharfe Peperoncini.

Donnerstag, 20. November 2014

II: Lento, ma non troppe

Bartók und Pásztorny spielen Bartók. "Der zweite Satz hat die schlichte Liedform ab a." 
II. Lento, ma non troppo. Béla Bartók und Ditta Pásztory, Klavier. Henry Baker, Edward Rubsam, percussion. Recorded 11/1940, New York

Mittwoch, 19. November 2014

Das Klavier - ein Schlaginstrument

Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug Sz 110 

I. Assai lento -- Allegro molto. Béla Bartók, Ditta Pásztory, pianos. Henry Baker, Edward Rubsam, percussion. Recorded 11/1940, New York

“Vier Pianistenhände in vollem Einsatz rufen wieder einmal in Erinnerung, dass das Klavier im Grunde genommen nichts als ein Schlaginstrument ist.” (Patrick Gale) - Dieser Satz klingt wie die Fortsetzung von Gabryelskis Krakauer Lichtmessrede von 1892 aus meinem Roman!
Ich hätte nicht gedacht, dass es heute noch einen Menschen gibt, der die Uraufführung von Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug in Basel am 16. Januar 1939 leibhaftig miterlebt hat. An einem Klavier saß der Komponist höchstselbst, am anderen seine Frau. Bartók schrieb das Werk im Auftrag von Paul Sacher zum 10-jährigen Bestehen der Ortsgruppe Basel in der Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Er ergriff die Chance und verwirklichte eine Idee, die ihn schon längerer Zeit beschäftigte: „Ich hatte schon seit Jahren die Absicht, ein Werk für Klavier und Schlagzeug zu schreiben. Allmählich verstärkte sich in mir indessen die Überzeugung, dass ein Klavier gegen Schlaginstrumente keine befriedigende Balance ergibt. Infolgedessen änderte sich der Plan insofern, als zwei Klaviere statt einem dem Schlagzeug gegenüberstehen.“
Nach Basel berichtete Bartók vom Fortschreiten seiner Arbeit: “Es ist in 3 Sätzen (…). Zeitdauer wahrscheinlich etwas über 20 Minuten (…). Der Klavierteil ist keinesfalls schwieriger als die Klavierstimme meiner Klavier-Violin-Sonaten; Paukenstimme ungefähr wie im vorjährigen Stück, Xylophon aber etwas schwieriger, jedoch auch nicht besonders schwer (…). Die Klavierspieler müssen freilich gut sein; und der Xylophonspieler muss halt seine Partie schön üben.”
Bei der Basler Uraufführung saßen die beiden Pianisten mit dem Rücken zum Publikum im Vordergrund, im Mittelgrund rechts die Pauken, links die Xylophone und die Bass Drum, im Hintergrund Triangel, Tam Tam und Cymbals.
In seiner Einführung schreibt Bartók: “Zum formalen Aufbau ist Folgendes zu sagen: Der erste Satz hebt mit einer langsamen Einleitung an, die ein Motiv des Allegrosatzes vorwegnimmt. Der Allegrosatz selber steht in C und hat Sonatenform …".
Zum zweiten Satz, siehe morgen.
Leibhaftig dabei war bei der Uraufführung 1939 in Basel der 15-jährige Klaus Huber. Zu ihm demnächst mehr an dieser Stelle.

Dienstag, 18. November 2014

Zahnarzt

Zum Zahnarzt gehe ich in Meldorf immer wie nach Hause. Auch dies ein Merkmal der cittàslow oder zu deutsch (nicht adäquat!) der lebenswerten Stadt. Ich fahre übern Domhügel oder außen rum durch die Feldmark und biege dann in die Hafenchaussee ein. Rieche am Horizont die Nordsee. Und kehre ein. Respektive heim. Bevor mich die Sehnsucht packt und ich weiter geradeaus radle, immer weiter, bis ich ins Watt falle.

Montag, 17. November 2014

186. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Zur dunklen Jahreszeit ein bisschen Licht, Van Gogh und die Solarpower: http://thebrushstroke.com/van-gogh-inspired-solar-powered-glow-dark-bike-path/

Samstag, 15. November 2014

Bäumepflanzen

Heute entsteht in Nordhastedt in einer "Mitmach-Aktion" des Landjugendverbands, der Stiftung Klimawald und der moslemischen Glaubensrichtung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMI) ein neuer Wald. Ein Bürgerwald. Ein Begehwald. Ein Verweilwald. Ein weiterer Klimawald in Dithmarschen. Ein Toleranzwald aus Rotbuchen, Eichen, Schlehen sowie diversen Büschen und mehreren hundert Metern Wildzaun gegen hungrige Rehe und Hasen. Muslime aus ganz Dithmarschen reisen an, der Imam aus Kiel wird erwartet sowie Vertreter der Glaubensgemeinschaft aus Hamburg und Frankfurt.
Auf der rund 2,4 ha großen Fläche an der Straße Op'n Barg im Ortsteil Osterwohld werden ab 9 Uhr bis es dunkel wird, wenn alles gut geht, 15 000 Bäume gepflanzt.
Jeder darf mitmachen beim Bäumepflanzen, einfach Gummistiefel anziehen und einen Spaten mitbringen.

Freitag, 14. November 2014

Klangfrosch

Auch der Klangfrosch gehört zu den Schrapinstrumenten - wie die Ratschgurke von letzter Nacht, die eigentlich Güiro oder Guiro heißt, auch Flaschenkürbis oder Fisch genannt wird. Die Namen sind so vielfältig wie die Töne dieser Selbstklinger, die schrapen, schnarren, rasseln und so weiter. Sie gelten auch als Lärminstrumente. Der Güiro unterscheidet sich von der Güira im Material. Die Güira ist aus Metall gefertigt und heißt auch Torpedo, der Güiro wird traditionell aus einer Kalebasse hergestellt oder aus Holz, neuerdings auch aus Fiberglas. Bei der frühmorgendlichen Erklärungs- und Deutungssuche ist mir aufgefallen, das der Name des Dirigenten Sir Simon Rattle ein ebensolches Idiophon meint: Rätsche, Rassel, Klapper, Schnarre, Karre oder das entsprechende Verb dazu. Ein Effektinstrument also. 

Donnerstag, 13. November 2014

Ratschgurke

König der Nacht - von Jan Müller-Wieland.  Eben begeistert die Live-Übertragung der Uraufführung im Radio gehört.
Für seine "All- und Ohnmachtsfantasie von Hiob, der jeder sein könnte", hat Jan Müller-Wieland die große biblische Erzählung von Hiob mit modernen Textzusätzen von Nelly Sachs und Pia Tafdrup collageartig ergänzt. Klaus Maria Brandauer verkörpert in der Partie des einsam verzweifelten "Königs der Nacht" sowohl Hiob, Satan als auch Jahwe.
"Drei Damen (aus der Zauberflöte) oder drei Hexen (aus Macbeth) umgeben ihn singend, wachend und im Traum", so Müller-Wieland weiter, dessen kompositorisches Credo im Übrigen von großer Traditionsverbundenheit zeugt: "Mich interessiert Musik, die durch den Rückblick vorausschaut. Zukunft ohne Vergangenheit ist für mich unvorstellbar."

Drama für Sprecher, drei Sängerinnen, großes Orchester und Zuspielelektronik
(Uraufführung, Auftragswerk des NDR)
Sarah Maria Sun und Susanne Leitz-Lorey, Sopran
Truike van der Poel, Mezzosopran
Klaus Maria Brandauer, Sprecher
NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Hengelbrock

Mit so viel Blechinstrumenten, dass der Moderator nicht in der Lage war, sie alle aufzuzählen. Eine oder mehrere Ratschgurken waren dabei!

Mehr Infos im Programmheft:
http://www.ndr.de/orchester_chor/sinfonieorchester/konzerte/programmheft708.pdf

Mittwoch, 12. November 2014

Café Katulki


Foto 
"Kto nie jadł katulki, nic nie wie o życiu'' - 
''Chi non ha mai assaggiato i katulki, non sa niente della vita'' 
Tomasz Różycki

Mittagessenszeit. Café Katulki in Berlin (Friedelstr. 40) - benannt nach einem Satz aus Tomasz Różyckis Elegie "Dwanaście stacji" (dt. Zwöf Stationen). Leider ist der Satz aus der deutschen Übersetzung unbrauchbar (sorry Olaf). Die italienische Überschrift von der Internetseite des Cafés trifft es hingegen auf den Punkt.

http://katulki.wordpress.com/co-to-za-katulka/

Dienstag, 11. November 2014

Wasserschlauch

Der Wasserschlauch ist in diesem Text kein Gartenutensil sondern eine Pflanze, eine fleischfressende - die im Zuge von Renaturierung, Flurbereinigung und Moorvernässung in Offenbüttel neu gedeiht. Eine 260 Hektar große Moorkuhle ist wieder mit Wasser voll und bietet Lebensraum für Moorfrösche, Moorlibellen, Kreuzotter, Kraniche, für Wollgras und Torfmoos sowie für die grasgrünen Wasserschläuche.
Insgesamt soll in den nächsten Jahren eine Fläche etwa 1300 Hektar der Natur zurückgegeben werden, dh wiedervernässt, nachdem sie durch landwirtschaftliche Nutzung und Drainagen jahrzehntelang trockengelegt worden war.

Sonntag, 9. November 2014

Die erste Schwetzinger Buchmesse II

Wer hätte gedacht, dass ich je nach Schwetzingen komme ... am Tag 2 im Mozartsaal:

12.45 Uhr bis 13.15 Uhr: Judith Arlt liest aus ihrem neuen Roman: "Die Welt war schneller als die Worte (Achter Verlag)

Samstag, 8. November 2014

Die erste Schwetzinger Buchmesse

Der südliche Zirkelbau von Schloss Schwetzingen präsentiert sich heute und morgen zum ersten Mal als Messehalle für Bücher und Schriftstücke. 20 Verlage - darunter der Achter Verlag! - präsentieren ihre Neuerscheinungen.
In den repräsentativen Räumen des Zirkelbaus mit Blick in den Schlossgarten finden Bücherfreunde Belletristik, Krimis, historische Romane, Werke zur Wissenschaftsgeschichte, Kunstbände sowie Kinder- und Jugendliteratur. Im Mozartsaal können die Besucher verschiedenen Lesungen lauschen. In einer Schreibstube lernen Kinder, mit Federkiel und Tinte umzugehen. Eine Buchbinderei zeigt, wie aus Blättern ein Buch wird. Mitten drin: die kostümierten Gäste des kurfürstlichen Hofstaates.

Der Besuch der Buchmesse bietet auch die Gelegenheit, durch die einzigartige barocke Parkanlage zu spazieren. Zu entdecken sind etwa die Gartenmoschee, das Heckentheater, der Apollotempel und mehr.

Im Mozartsaal stellt von 14.30 Uhr bis 15.00 Uhr Wolfgang Orians den ersten Band der "Bibliothek der unbekannten Länder" vor: Republik Moldau (Achter Verlag).

Donnerstag, 6. November 2014

Vollmond

Die Nacht ist heller als der Tag. Die Nacht ist kälter als der Tag. Weil der Himmel in der Nacht sternenklar ist. 

Mittwoch, 5. November 2014

Steuerhinterziehungshelfer

Gegen die UBS wird mittlerweile nicht nur in Amerika und Deutschland, sondern auch in Israel, Frankreich, Belgien und ... und ... und ... ermittelt.
Die ganze Welt gegen eine saubere Schweiz.
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Ermittler-schlagen-auch-in-Israel-zu-article13909586.html

Dienstag, 4. November 2014

Von Mäusen und Menschen

Das Landestheater in der Erheiterung. Spielt Steinbecks amerikanischen Klassiker. Eine Handvoll Schauspieler und eine Schauspielerin teilen sich die Rollen und die Aufgabe des Erzählers. Ungewöhnlich, für ein Theaterstück, die vielen poetischen Landschaftsbeschreibungen, das Auffliegen von Vögeln, das Untergehen der Sonne über den Getreidefeldern. Originell das Verwandeln des jeweiligen Erzählers in die Figur, am drastischsten am Beispiel des Schwarzen, der sich auf der Bühne soviel Pech ins Gesicht schmierte, dass es den Damen im Publikum in der Seele weh tat, als er sich mit den schmutzigen Händen die Hose anzog.

Sonntag, 2. November 2014

Allerseelenablass

Auf Allerheiligen folgt Allerseelen. An Allerheiligen gedenken Katholiken aller Heiligen, auch derer, die noch nicht heilig gesprochen sind oder von denen niemand weiß. Und an Allerseelen beten die Katholiken für alle armen Seelen, die im Fegefeuer schmoren. Es gibt heute noch den Allerseelenablass, den die katholische Kirche den Gläubigen zugesteht, die einmal während der Seelenwoche (vom 30.10. bis 8.11) einen Friedhof in frommer Gesinnung besuchen und "wenigstens im Geiste" für die Verstorbenen beten. Der Allerseelenablass oder vollkommene Ablass kann nur "läuterungsbedürftigen" Seelen zugewendet werden und nur in der Zeit zwischen dem 1. und 8. November. An allen anderen Tagen des Jahres steht bloß ein Teilablass zur Verfügung. Himmelnochmal! Und die Orthodoxen gedenken aller Seelen am Samstag vor Pfingsten, die Protestanten am Ewigkeits- oder Totensonntag (letzter Sonntag vor dem ersten Adventssonntag). Die Bauernregel hingegen sagt: "Um Allerseelen kalt und klar, macht auf Weihnacht alles starr". Mein Himmel über dem Wattenmeer war heute wolkenlos, die Sonne wärmte den Tag ungehindert wie im Frühling auf 17°. Ich gehe an Weihnachten in der Nordsee baden! 

Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen, der einen Friedhof in frommer Gesinnung besucht und wenigstens im Geiste für die Verstorbenen betet, einen Ablass. Dieser Ablass kann nur den läuterungsbedürftigen Seelen zugewendet werden, und zwar in der Zeit vom 1. bis 8. November als vollkommener Ablass, an jedem anderen Tag des Jahres als Teilablass.
Ein vollkommener Ablass, der jedoch nur den läuterungsbedürftigen Seelen zugewendet werden kann, wird denjenigen Gläubigen gewährt, die am Allerseelentag eine Kirche oder eine Kapelle mit frommer Gesinnung besuchen. Dieser Ablass kann - nach Verfügung des Ordinarius - auch am Sonntag vor oder nach Allerseelen oder an Allerheiligen gewonnen werden. Dabei sind beim Kirchenbesuch das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis (Pater noster und Credo) zu sprechen
Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen, der einen Friedhof in frommer Gesinnung besucht und wenigstens im Geiste für die Verstorbenen betet, einen Ablass. Dieser Ablass kann nur den läuterungsbedürftigen Seelen zugewendet werden, und zwar in der Zeit vom 1. bis 8. November als vollkommener Ablass, an jedem anderen Tag des Jahres als Teilablass.
Ein vollkommener Ablass, der jedoch nur den läuterungsbedürftigen Seelen zugewendet werden kann, wird denjenigen Gläubigen gewährt, die am Allerseelentag eine Kirche oder eine Kapelle mit frommer Gesinnung besuchen. Dieser Ablass kann - nach Verfügung des Ordinarius - auch am Sonntag vor oder nach Allerseelen oder an Allerheiligen gewonnen werden. Dabei sind beim Kirchenbesuch das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis (Pater noster und Credo) zu sprechen.

Samstag, 1. November 2014

25 Jahre Peter Panter Buchladen in Meldorf


Coverbild
Das Buch zum Geburtstag:
Der Peter Panter Buchladen
Autoren/Herausgeber: Jan Klabunde, Alexander Kühnl (Hrsg.)

ISBN/EAN: 9783924691974
Seitenzahl: 136
Preis: 12 Euro
erhältlich im Peter Panter Buchladen in Meldorf oder hier
https://www.buchhandel.de/buch/Der-Peter-Panter-Buchladen-9783924691974



Freitag, 31. Oktober 2014

"Fluss ohne Ufer"

Zufällig höre ich im Radio "Fluss ohne Ufer" für großes Orchester von Detlef Glanert. Die sinfonische Vorstudie zum Operneinakter "Das Holzschiff" (2009). Ich wusste nicht, dass es einen - diesen! - Hans Henny Jahnn-Vertoner gibt. Glanert scheint überhaupt ein literarischer Musiker zu sein. Vor zwei Jahren komponierte er die Science-Fiction Oper "Solaris" (nach dem gleichnamigen Roman von Stanisław Lem).
Zu "Fluss ohne Ufer" sagt das Programmheft des Konzerts, dessen Aufzeichnung das Radio heute ausstrahlt: 
"Ausgehend von acht leisen Glockenschlägen entwickelt sich ein üppiges Klangszenario mit viel Blech und Schlagzeug, das die drastischsten Szenen der literarischen Vorlage - die Ermordung Ellenas, der Verlobten, und den Untergang des Schiffes - in starken Farben malt und körperlich spürbar werden lässt. Neben diesen klanggewaltigen, dissonanten Passagen gibt Glanert aber auch Raum für schweigende Streicherkantilenen." Das macht unverhofft Lust auf Lesen. Ich hole mir Hans Henny Jahnn ans Bett.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Daseinsvorsorge

Donnerstag und die Daseinsvorsorge. Wieder ein Wort, das ich überhaupt nicht verstehe. Warum heißt es nicht Daseinsversorgung? Wie kann für das Dasein, das per definitionem (oder irre ich mich?) gegenwärtig ist, noch vorgesorgt werden? In meine Kopf stellt sich hier die Sprache selbst ein Bein und die Zeit, die Philosophie, die Existenz, das Universum ... überhaupt alles gerät ins Stolpern!
Der ehemalige Praktikant des Peter Panter Buchladens schreibt in seinem Praktikumsbericht: "Der Peter Panter Buchladen leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Daseinsvorsorge in Meldorf". Politisch und grammatikalisch ist das korrekt. Aber ich fände sicherlich eine schönere Formulierung für das, was unsere beiden Buchhändler für Meldorf und Dithmarschen und die ganze Welt leisten.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Attraktivitätsoffensive

Das Mittwochswort kommt im Bad aus dem Radio. Die Attraktivitätsoffensive der Bundeswehr oder der Verteidigungsministerin. Das ist nicht einfach zu unterscheiden. Seit die Frau im Amt ist, geht es nur noch um Kindergarten. Ich schalte ab und gehe an mein polnisches Manuskript.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Fiktionsbescheinigung

Das Dienst-Tags-Wort - die Fiktionsbescheinigung. Stammt leider nicht aus meiner Fachbibliothek (zB Sachwörterbuch der Literatur). Nein, ein Roman braucht keine Fiktionsbescheinigung, auch die Literaturwissenschaft nicht, weder eine Doktorarbeit noch die Habilitationsschrift. Nein, die Fiktionsbescheinigung ist ein Begriff aus dem deutschen Ausländer- und Flüchtlingsrecht und betrifft Personen, die keine europarechtliche Freizügigkeit genießen. Es gibt auch die Erlaubnisfiktion. Und Positivstaater (Personen, die ohne Visum einreisen dürfen) und Negativstaater (Personen, die nur mit Visum einreisen dürfen). Die Fiktionsbescheinigung, lese ich und reibe mir die Augen, wird für den Zeitraum erteilt, in dem die Ausländerbehörde den gestellten Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis prüft. Guten Morgen!

Montag, 27. Oktober 2014

Sonntag, 26. Oktober 2014

Winterzeit

Zeit zum Arbeiten. Ab sofort zu Hause und zweigleisig. Schreiben. Am frühen Morgen polnisch, am späten Abend deutsch. Dazwischen durchkommen. Haarewaschen. Teetrinken. Durchkommen. Durch das Licht, die Töne matter Nachtigallen. Durchkommen. Durch das Schweigen, Luftholen. Auch der Garten gibt nun Ruhe. Nur die Not der Nachbarn besteht noch, bis der erste Frost das letzte Laub vom Maronenbaum fegt. Wenn das kein Morgengebet ist!

Freitag, 24. Oktober 2014

Angekommen

Mich erwartet ungemähtes Gras. Immergrün. Noch einmal hochgeschossen. Unsortiertes Laub. Ungewaschene Wäsche. Ungeernteter Salbei. Und ein milder Wind. Mildes Wetter. Farblos zwar, aber Regen erst am Abend.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Abflug

06:40 check in, 7:20 take off - kein Streik, kein Gonzalo. Ich fliege nach Hause!

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Abschlusslesung

Station 9: 19:00 Uhr Abschlusslesung im Atelier - Editions FANAL, unter den Dächern der alten Papiermühle, St Alban-Tal 39, 4052 Basel
Ich werde den schweißtreibenden Aufstieg Carolinas auf den größten schlafenden Vulkan der Erde, den Haleakala auf der Insel Maui lesen sowie die Annäherung der polnischen Emigrantin aus Paris an Basel:
Dann erteilt sie mir den Auftrag, vor dem Sektempfang rheinabwärts zu schwimmen. Von der Wettsteinbrücke bis zur Dreirosenbrücke. Am linken Ufer befänden sich sichere Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten. Ich müsse mich von der Strömung duch das ganze Rheinknie treiben lassen. Mit allen Fasern des Körpers. Untertauchen. Dies sei ein Ritual. Damit würde ich ankommen im mittelalterlichen Panorama. Wie früher die Hexen.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Aufschnaufen im Poetennest

Ein freier Tag. Ich verbringe ihn in der SBB nach Basel. Und Liestal. Aufgrund einer defekten Lokomotive mit 17 Minuten Verspätung. Auf dem Weg in die Brunnmatt hält ein Auto neben mir, unten am Orisbach, an der Allee, an der Seestrasse. Der Fahrer kurbelt sein Fenster herunter und sagt mir, der Fußgängerin, er suche einen Parkplatz, er müsse zur Kirche. Tatsächlich läuten am hellen Nachmittag die Kirchenglocken wie wild. Aber was will der fremde Mensch mit fremdem Dialekt von mir mitten in einer verwinkelten alten Stadt? Ich bin auf dem Weg ins Dichter- und Stadtmuseum, in den Pfauenhof, auf den Friedhof. Überall gibt es Parkplätze. Aber das sage ich nicht, sondern: ich bin nicht von hier! 

Montag, 20. Oktober 2014

Lese-Marathon 8

Station 8
20:15 Schulhaus Oschwand.
Ich stelle meinen Roman “Die Welt war schneller als die Worte” an einem weiteren symbolträchtigen Ort vor und trage die Textstelle vor, die beschreibt wie Carolina (die Figur, welche der authentischen Lina Bögli nachgebildet wurde) im Februar 1892 in Krakau den polnischen Offizier Julian Bijak kennen lernt - sowie die zentrale Stelle, eine Traumsequenz, welche beide Handlungsebenen, die historische der Carolina und die moderne der Irena verbindet.
Die Veranstaltung wird organisiert von der Gemeinnützigen Berggesellschaft Wäckerschwend (GBGW), vor der Lina Bögli selbst auch Vorträge gehalten hatte.
Im Schulhaus von Oschwand besuchte Lina Bögli (1858-1941) nur wenige Jahre den Unterricht, da sie nach dem Tod der Mutter, mit nur 12 Jahren, aus der  Schule genommen und als Kindermädchen zu einer Bauernfamilie in den Jura geschickt wurde.
Auf Lina Böglis Wunsch wurde nach ihrem Tod der Sarg in der Schulstube aufgebahrt. Den Grabstein hatte sie selbst entworfen, und das Leichenmahl im Wirtshaus gegenüber dem Schulhaus im voraus bezahlt. Ihr Grab existiert heute nicht mehr, aber der Grabstein hat seinen Ehrenplatz im Schulhausgarten gefunden.
http://ochlenberg.ch/assets/Uploads/Dokumente/Lesung-Judit-Arlt-2.pdf

Lese-Marathon 7

Station 7:
09:30 Uhr Lesung aus “Die Welt war schneller als die Worte” in der Reihe Generation plus in der Regionalbibliothek Langenthal,Turnhallenstr. 22, 4900 Langenthal.
Vorgetragen wird der Aufbruch Carolinas von Friedrichshafen im Jahr 1910, der Beginn der Reise nach Asien, sowie natürlich am genius loci eine Bibliotheksszene aus der Jagiellonenbibliothek in Krakau, wo Irena nach ihrem Urgroßvater forscht.


http://www.bibliothek-langenthal.ch/de/aktuell/kalender/?action=showevent&event_id=115456

182. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Und ich?
Station 7 und 8 meines Lesemarathons (siehe weiter posts)


Sonntag, 19. Oktober 2014

Sonntag im Fölmliland

Laubarbeit, Waschküchenarbeit, Liegestuhlarbeit. Die Schriftstellerin am Ende ihrer Kräfte im Garten der Schuhmacherin. Unter einem wolkenlosen Himmel. Im Fölmliland.


Samstag, 18. Oktober 2014

Lese-Marathon 6

Station 6:
12:00 Uhr gangart frieda fölmli, Willisauerstr. 7, Menznau

Schweizer Premiere von “Die Welt war schneller als die Worte”, Teil 2: Literarische Matinee.


Judith Arlt liest Bergsequenzen aus ihrem Roman “Die Welt war schneller als die Worte”. Während der Arbeit trug der Text den Titel “Zu Fuß auf den Haleakala”, weil die Protagonistin Carolina im letzten Kapitel auf der Insel Maui den größten schlafenden Vulkan der Erde zu Fuß besteigt. Lina Bögli, das authentische Vorbild dieser literarischen Figur, hat tatsächlich am 17. Juli 1897 als erste Frau den Kraterrand des Haleakala zu Fuß erreicht.
Frieda Fölmli präsentiert die neue Kollektion an warmen und bequemen Winterschuhen.

Freitag, 17. Oktober 2014

Lese-Marathon 5

Station 5:
19:00 Uhr gangart frieda fölmli, Willisauerstr. 7, Menznau

Schweizer Premiere von “Die Welt war schneller als die Worte” 
In den Räumen, in denen alle drei Generationen der Schuhmacherfamile Fölmli ihr Handwerk verrichteten und noch verrichten, stellt Judith Arlt ihren neuen Roman zum ersten Mal in der Schweiz vor.
Das Crispinhaus im Fölmliland, die Antons und Friedas sowie alle anderen kleinen und großen Bewohner hat Judith Arlt in ihrem 2009 zum Hundertjährigen Bestehen der Schuhmacherwerkstatt erschienenen Roman “Die Fölmlis” bereits unsterblich gemacht.
Nun präsentiert sie im Schuhhaus eine weitere literarische Bearbeitung einer authentischen Schweizerin: der Sprachlehrerin, Weltreisenden und Reiseschriftstellerin Lina Bögli. Das Bögliland, Oberaargau, Oschwand, Herzogenbuchsee ist nicht weit entfernt vom Fölmliland – aber die arme Bauerntochter Lina Bögli hat einen ganz anderen Weg beschritten als der arme Bauernsohn Anton Fölmli.
Mit Schuhverkostung – die neue Winterkollektion an warmen Bequemschuhen ist da! – fachfraulicher Beratung und Apéro.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Lese-Marathon 4

Station 4: Die Wohnzimmerlesung
20:00 Uhr Achter Verlag, Klosterhofstr. 24, 69469 Weinheim

Vorgetragen wird bei der “Wohnzimmerlesung” im Achter Verlag die “meisterhaft erzählte erotische Szene, in der Eros und Literatur sich nichts rauben sondern alles geben” (German Ritz) – sowie ein Teil der nun erfolgreichen Suche Irenas nach ihrem Urgroßvater in der Jagiellonenbibliothek in Krakau.

Mit Verkostung einheimischer Weine und Würste.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Lese-Marathon 3

Station 3:
20 Uhr, Café Filsbach, J6, 1-2 68159 Mannheim
Heute wird einerseits die musikalische Seite des Reisens betont: Motive aus Puccinis Oper “Manon Lescaut” und Schönbergs “Unvollendete 26 Takte” erklingen in der Transsibirischen Bahn.

Andererseits begleiten wir Irena und ihre Freundin Elle zur Einkehr in ein buddhistische Kloster in den Unteren Beskiden: “Unser akustisches Gedächtnis ist ausgelöscht. Die Hörrinde in der oberen Schläfenwindung hat alle Erinnerungsbilder für Sprache während der ersten Nacht abgestoßen. Dies hilft uns, das Schweigegelübde einzuhalten und uns auf die Sehfurche zu konzentrieren.”

Dienstag, 14. Oktober 2014

Lese-Marathon 2

Station 2:
19:30 Uhr Buchhandlung Gansler, Rathausstraße 2, 68766 Hockenheim


full house 
Heute sind wir mit Carolina nach Harbin unterwegs und entdecken aus dem fahrenden Zug heraus die Stelle in der Landschaft, die dem Roman den Titel verliehen hat.  Irena hingegen genießt nach einer Theateraufführung am Badischen Bahnhof in Basel Mineralwasser aus einer Quelle des Oberbaselbiets.

Montag, 13. Oktober 2014

181. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Und ich mache mich auf den Weg. Heute beginnt mein Lese-Marathon.
Station 1: Karlsruhe, KOHI-Kulturraum, Werderstr. 47, 76137 Karlsruhe
Der Kleine Buch Verlag und Achter Verlag präsentieren um 20 Uhr:
Judith Arlt “Die Welt war schneller als die Worte”.
Die Reise durch den Roman beginnt mit einem Flug nach Basel im Jahr 1996.  Die Protagonistin Irène ist 45 Jahre alt und besteigt zum ersten Mal in ihrem Leben ein Flugzeug. Die historische Figur hingegen, die Schweizerin Carolina, reist 1910 mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Osten. Am Baikalsee schreibt sie in ihr Notizbuch: “Wären da nicht die mongolischen Menschentypen, die ich der Bahn entlang sehe, könnte ich mich beinahe in der Heimat glauben.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Der Beethoven-Code

Während ich gestern abend doppelt so viele Maronen verarbeitete wie bisher, mit halb so viel Kraftaufwand, ganz ohne Schmerzen und Blasen, hörte ich Beethoven.
Zuerst viel Gerede um Tempi, Metronomzahlen, die wenig hilfreich sind, weil vom Komponisten oft "willkürlich und extrem", absichtlich zu schnell oder zu langsam angegeben sind. Der niederländische Dirigent Harke de Roos behauptet, man müsse sie als "kunstvolles Rätsel" begreifen, als listiges Spiel mit der für die damalige Zeit - neuen Technik und deren Erfinder. Hier zum Nachhören:
http://www.ndr.de/ndrkultur/Prisma-Musik-11102014-audio-fuer-Internet,audio218600.html

Dann die höchst erstaunliche Aufführung von Beethovens 7. Sinfonie und seines Violinkonzerts. Mit der Wiener Kammerphilharmonie unter Harke de Roos und der französischen Geigenvirtuosin Fanny Clamagirand. Ein Lob der Langsamkeit. Kommt mir sehr gelegen beim geduldigen Maronenschälen. Bin bei 3 Kilogramm netto angekommen.

Samstag, 11. Oktober 2014

Maronenzange

Rechtzeitig vor meiner Abreise eingetroffen:
Hässlich, aber effektiv: Die Maronenzange oder der Maronenschneider. Gestern habe ich in meiner Verzweiflung angefangen, meinen Maronensegen auf die Nachbarn zu verteilen und heute beim Rasenmähen dafür einen Blumenstrauß bekommen. Aber tatsächliche Abhilfe schafft erst die Briefträgerin. Mit einem kleinen, federleichten braunen Plastikteil in einem riesigen Paket.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Dienstag, 7. Oktober 2014

Sängerinnenalphabet

Beim Einsingen kommt das U vor dem A. Anders als im Alphabet. Denn die Stimmlippen wollen mit geschlossenen Vokalen warm werden. Finger hingegen, die die Tastatur bewegen? Keine Ahnung! Hier liegt das U im Bereich der Stärke (des rechten Zeigefingers), das A hingegen am linken äußeren Rand. Wie auch immer. Die Chorprobe in Heide beginnt immer mit "einmal raus mit der Luft" und einem Seufzer auf U. Das ist das Allerschönste am Montagabend. Ein umgestülptes Sprachverständnis.

Montag, 6. Oktober 2014

Sonntag, 5. Oktober 2014

Erntedank

Maronen am Wattenmeer, prall und in Mengen wie noch nie.
Es sind noch viele oben. Am Baum.


Und dies die Kehrseite des Segens.





Samstag, 4. Oktober 2014

Nomade

Das Buch habe ich in Heidelberg geschenkt bekommen. Danke, Regina! Ein Roman, sagt der Umschlag - "Eine Novelle in der Stadt", der Untertitel. "Nomade" von Youssouf Amine Elalamy. Ein Text, den man über sich ergehen lassen soll, empfahl der Lektor auf der Liselotte. Ich ließ ihn über mich ergehen auf der Rückreise. In Itzehoe auf dem Bahnsteig, als ich auf den Anschluss nach Hause wartete. Ein poetisches Traktat über das Schreiben, die Liebe, das Leben, über die Möglichkeitsform (es ist ganz viel von "wäre" und "hätte" die Rede, aber auch zB die sicherlich bei vielen Lesern vollkommen in Vergessen geratene Form "begrübe"), über die Schwierigkeit des Bewahrens. "Wenn du dir diese Frau bewahren willst", sagt der Vater zu Taschfin, dem Protagonisten, der die Wüste verlassen muss, "musst du sie mit Tinte niederschreiben. Nur so findest die sie jederzeit wieder, und immer so jung und so schön wie einst. Ich werde dich lehren, Weiß mit Schwarz zu bedecken, so wie die Nacht den Tag bedeckt." Aber: die Geschichte ist mit "blankem Wasser" geschrieben. Auf weißes Papier, "weiß die Schrift, weiß die Seiten". Einer (irgendeiner) "hätte erklärt, das Buch, das er in den Händen hielt, sei leer. Doch hätte man ihn, Taschfin, danach gefragt, so hätte der erklärt, es sei doch einfach weiß."
Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Danke!

Freitag, 3. Oktober 2014

Hieronymus zum Dritten

Hieronymus ist nicht nur der Patron der Übersetzer - sondern auch der Schüler, Studenten, Lehrer, Gelehrten, Theologen, Korrektoren,  der wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften und Asketen. Außerdem ist er der Patron von Dalmatien und Lyon. Und, last but not least: gegen Augenleiden!
von Dalmatien und Lyon; der Schüler, Studenten, Lehrer, Gelehrten, Theologen, Übersetzer, Korrektoren; der theologischen Fakultäten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften und Asketen; gegen Augenle
von Dalmatien und Lyon; der Schüler, Studenten, Lehrer, Gelehrten, Theologen, Übersetzer, Korrektoren; der theologischen Fakultäten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften und Asketen; gegen Augenleiden
von Dalmatien und Lyon; der Schüler, Studenten, Lehrer, Gelehrten, Theologen, Übersetzer, Korrektoren; der theologischen Fakultäten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften und Asketen; gegen Augenleiden

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Namen 2

Hieronymus Löwe lässt mir seit zwei Tagen keine Ruhe. Auf der Liselotte stand er als Plüschtier neben der Leselampe auf dem Lesepult:








Eine ästhetisch fragwürdige Umsetzung der Legende. Die wie jede ihrer Art auch Fragen aufwirft. Angeblich heilte  Hieronymus einen Löwen, der trotz Verletzung (Dorn in der Pfote) und hinkend die Mönche in die Flucht jagte. Hieronymus entfernte das störende Element, als Dank blieb der Löwe bei ihm als Haustier. Die Legende geht noch weiter, aber das ist nicht mehr wichtig. Die Löwen-Legende wird identisch auch Gerasimos vom Jordan zugeschrieben. Und es wird vermutet, dass der Löwe zu Hieronymus kam durch einen Schreibfehler, eine schnöde Namensverwechslung: Hieronymus (Gieronimus) und Gerasimos.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

ade

Heidelberg, Neckar, Liselotte von der Pfalz, Heiliger Hieronymus mit dem Löwen ... ade!

Dienstag, 30. September 2014

Hieronymustag

Weltlesebühne Heidelberg - Weltübersetzertag 2014: Auf dem Heidelberger Neckarfährschiff Liselotte feiern wir den Namenstag des Heiligen Hieronymus, des Schutzpatrons der Übersetzer.
Das detaillierte Tages-Programm gibt es hier: http://www.weltlesebuehne.de/index.php/heidelberg.html 
Ich und meine Welt, die schneller ist als die Worte, füllen den Abend:

19:00 – 21:00 Abendveranstaltung auf der Liselotte (Heidelberg – Hirschhorn – Heidelberg, Abfahrt und Ankunft: Stadthalle Heidelberg)
“Die Welt war schneller als die Worte”
Mit Judith Arlt und Helga Pfetsch
Moderation: Regina Keil-Sagawe

Montag, 29. September 2014

179. Mahnwache in Meldorf

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Heute ohne mich, ich sitze dann im ICE, irgendwo zwischen Hamburg und Frankfurt a.M.

Sonntag, 28. September 2014

Apfelernte

Äpfel haben wir für die nächsten Monate ... aber die leuchtenden Hokkaidos, alle drei oder sogar vier, die ich gestern im Garten gesehen habe und heute ernten wollte, sind spurlos verschwunden. Gestohlen. Vögel fressen sowas nicht restlos weg, Mäuse auch nicht, Katzen schon gar. Menschen schon!

Samstag, 27. September 2014

Zielkes Missa brevis

Heute, 18 Uhr Meldorfer Dom: Alle Sängerinnen und Sänger der fünf Dithmarscher Kantoreien (in alphabetischer Reihenfolge: Brunsbüttel, Heide, Marne, Meldorf, Wesselburen) versammeln sich und singen die Missa Apostolica von Walter F. Zielke (komponiert 2012). Das Sopran-Solo übernimmt die Meldorferin (!) Milena Juhl. Begleitet werden wir von Pauken und Harfe sowie der Orgel (Organist: der Komponist selbst). Dirigiert werden wir von den fünf Chorleitern im Wechsel, also Agnes Farkas, Sebastian Schwarze-Wunderlich, Peter Heeren, Paul Nacekievill, Gunnar Sunndebo.
Der Eintritt ist frei, das Ganze dauert höchstens eine Stunde, kommt alle!

Freitag, 26. September 2014

Katzenhai

Es regnet ununterbrochen. Der Katzenhai hat mit dem Kaninchen das gemeinsam, dass der Duden sie beide unter dem Buchstaben K auf der Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter aufführt. Aber weder die Katze ist dort (unter K) noch der Hai (unter H) zu finden. Seltsam. Unter K steht aber der Kai, sowie unter H (mit erstaunlich wenigen Einträgen) Hals über Kopf. Aber nicht der Handstand. Und nicht der Höchststand. Dafür das Hobby. Ich verstehe diese Liste nicht.

Donnerstag, 25. September 2014

eigentlich

eigentlich ist sowohl als Adverb, wie als Adjektiv oder als Partikel rechtschreiblich schwierig. Mein Deutschschüler, ein afghanischer Arzt, wollte wissen, was "bald" ist und ob man es steigern kann. Ich war ziemlich perplex. "Bald" ist ein Adverb, wird gesteigert mit "eher", "am ehesten" und gehört zum Wortschatz des Zertifikats Deutsch. Muss ich das wissen? Eigentlich nicht.

Mittwoch, 24. September 2014

Verwandtschaft

Es sollte der Monat der schwierigen Wörter werden, aber das Reisen in andere Sprachen hat mich in andere Regeln geführt. Eine Sprache mit Vokativ, zum Beispiel, ist etwas ganz anderes als eine Sprache ohne Vokativ! Do widzenia Warszawo! Die Verwandtschaft aber gehört unter anderen zu den nach Duden rechtschreiblich schwierigen Wörtern. Verwandtschaftlich, vielleicht, von klein auf, vor allem, vermeintlich, voraussichtlich, verpönt ... ein Versepos ließe sich daraus kitten!

Dienstag, 23. September 2014

Der letzte Augustsprung

Äquinoktium! In einer Sekunde fängt der Herbst an und vorher muss ich auf den letzten Augustsprung zurückkommen (der wann stattgefunden hat? An einem der letzten Augusttage!). Der Konsonantenhäufung wegen. -stspr- Egal wohin der Sprung damals zielte, der ja an und für sich eine mittönende Anlautsanmassung ist - er wird nur vom ersten, letzten, dritten oder fünfundzwanzigsten Herbstsprung übertroffen! -rbstspr-



Montag, 22. September 2014

Sonntag, 21. September 2014

Meldorf

Sturm im Garten. Der Kastanienbaum schlägt mit seinen schweren Früchten ans Haus. Der Apfelbaum sieht aus wie auf Pani Danutas Zeichnung (siehe hier: http://przywattach.blogspot.de/2014/09/swierszczyki.html). Das Gras ist hochaufgeschossen und grasgrün. Wie sonst? Ein zweiter Frühling?

Samstag, 20. September 2014

Hopfingerbräu

Halbzeit. Rhea ist von Maui zurück und ich von Warschau. Wir treffen uns - same procedure ... same place ... - traditionsgemäß auf eine Dreiviertelstunde im Hopfingerbräu am Berliner Hauptbahnhof. Es gibt Hauptstädter, die finden diesen Ort nie im Leben. Und es gibt Weitgereiste, die landen dort im Schlaf, im Traum, mit oder ohne Jetlag. Bahnhöfe sind nicht für Sesshafte gemacht.

Freitag, 19. September 2014

Der letzte Tag

In Warschau. Mit meinem Meister. Und den bunten Bildern in einem Museum für Kinderbücher. Auch eine vollkommen anachronistische Welt. Von der Nowy Swiat, über die Weichsel, an der Brechtstrasse vorbei zum Hallerplatz. Etwa so wie das Gespräch von Strauß und Pinguin (im Original gereimt):
Strauß: Herr Pinguin, kennen Sie ein Mittel gegen Angina?
Pinguin: Ich behandle Angina mit Eis. Mit einer riesengroßen Dosis. Am besten dreimal täglich einen ganzen Eisberg löffeln.
Strauß: Danke. Leider ist das nichts für mich, denn - erstens - esse ich kein Eis, und zweitens ... Woher einen Eisberg nehmen? Jetzt! Im Mai! Im Zoo! Sie haben Ideen ...

mit freundlicher Genehmigung von Maria Konwicka

Donnerstag, 18. September 2014

Namen

Im Nachgang zum Goethe-Stammtisch ein inoffizielles Treffen mit dem Übersetzer in einer Warschauer Kneipe. Was machen mit vollkommen veralteten Namen wie Prosimir und Chwalimir, die ich mir am Schreibtisch ausgedacht habe, weil sie lexikalisch zur dritten weiblichen Hauptfigur, Mira (Kurzform von Mirosława - die den Frieden preist, wie man Gott preist), passen müssen? Prosimir - der, der den Frieden aushandelt (zu prosić - bitten und mir - Frieden). Chwalimir - der, der den Frieden lobt oder für den Frieden dankt (zu chwalić - loben). Andere anachronistische Elemente hat die deutsche Lektorin aus dem Text verbannt, die für deutsche Ohren absonderlichen Namen aber sind geblieben, weil deutsche Leser sie in ihrer Bedeutung weder zerbröseln können noch müssen.

Mittwoch, 17. September 2014

Grillen

Ich verbringe die ganze Woche in mitten von bunten oder schwarzweißen Kinderzeichnungen von Danuta Konwicka:

Ende Juni 1983, fröhliche Kinder, die mit bunten Schultaschen am Ende des Schuljahres das Schulhaus verlassen. Auf den Seitenrippen eines grünen Blattes. Eines nicht näher benannten Baumes.
Hübsch. Das wahre Leben im Land sah damals gerade sehr viel düsterer aus (Kriegsrecht!). Ein halbes Jahrhundert lang wurde die Phantasie mehrerer Generationen polnischer Kinder Woche für Woche mit den farbigen Buchstaben im Titel der Zeitschrift "świerszczyk" (Grillchen) angeregt, die Realität auszublenden. Zu Beginn der Sommerferien also: "Do widzenia szkoło!" Auf Wiedersehen Schule! Die Schule (szkoła) im Vokativ (szkoło!), als ob sie ein Mensch wäre, vertraut, nah, autoritär ...  
mit freundlicher Genehmigung von Maria Konwicka

Dienstag, 16. September 2014