Sonntag, 31. August 2014

Das Tonband

Für Gerald Eckert ist das Tonband ein "Instrument" - gleichberechtigt steht es zB neben Violoncello, Flöte oder Stimme. Aux mains de l'espace komponierte er "für 4-(2)-Kanal-Tonband". Manchmal nennt er das Tonband (das Wort wirkt sehr altertümlich) auch Tonspur. NEN IV komponierte er "für Tonband". NEN VII (von dem noch die Rede sein wird) hingegen "für Flöte, Violoncello und Tonband".
Ich suche nach einem literarischen Pendant zu Eckerts musikalischem "Tonband".

Samstag, 30. August 2014

Die Ausschnittswirklichkeit

Noch einmal Gerald Eckert: NEN IV (2004/11) für Tonband.
NEN sei ein "zeitloser Moment", die "Nichtabgeschlossenheit" sagt die Ausführung im Programmheft. NEN IV beschreibe 312 Sekunden lang eine "fragmentartige Klangfaktur", entspreche kompositorisch einer fotografischen Ausschnittswirklichkeit (siehe zB mein pointilistisches Südwandbild von gestern). Also dem zeitlosen oder unüberschaubaren Jetzt. Das abgeschlossene Vorher und da unbekannte Nachher bleibt im Dunkeln. Aber, sagt Eckert, das Abwesende sei zugleich Teil des Ganzen.
Das müsste doch Literatur, ein Text auch leisten können und dürfen?

Freitag, 29. August 2014

Tomatenausbeute

Wenn ich in der Literatur nichts Revolutionäres zustande bringe - so vielleicht an meiner Südwand: ein pointilistisches Kunstwerk. Die diesjährige Tomatenausbeute. Vor einem Jahr fingen die Pflanzen zu dieser Zeit gerade erst zu blühen an, die wenigsten Früchte hatten eine Chance, reif und rot zu werden. Die ersten und letzten erntete ich im Oktober ...

Donnerstag, 28. August 2014

Hustenfrei

Der Husten ist weg. Die Kaltwasserschocktherapie hat gewirkt. Aber das Halsweh ist nicht nur geblieben, sondern stärker geworden. Ich fahre wieder. Es ist warm und mild, ich schwimme zwanzig Minuten und liege eine halbe Stunde auf dem Deich neben der Windschutzmuschel.

Mittwoch, 27. August 2014

16 °

Trotz Husten. Und zum ersten Mal seit dem 14. August. Fahre ich ans Meer. Das Wasser ist eiskalt. Aber wohltuend. Kühlt das innere Fieber. Zudem lädt mich John in seine Windschutzmuschel ein und es ist herrlich wie im Alten Rom.

Dienstag, 26. August 2014

Aisthanomenon

Gestern abend war ich in Heide zum Konzert. Ganz Dithmarschen versammelte sich in Meldorf zum Konzert. Zum letzten Sommerkonzert im Dom. Mit dem Bassbariton Klaus Mertens, dem Trompeter Joachim Pliquett und dem Organisten Arvid Gast. Bach, Händel, das Übliche. Sicherlich schön. Und umsonst. Ich hätte zwei Karten haben können.
Gegendämmerung
© Sigi Schoop
Aber ich eilte in die mickrige St. Jürgen Kirche nach Heide, zu Guillaume de Machaut und Gerald Eckert, zu "La Messe de Nostre Dame" von ungefähr 1360, gesungen vom ensembleVOCESberlin. Und zu zeitgenössischen Kompositionen für Violoncello, Tonband, Flöte und Stimme(n), ausgeführt vom Duo Reflexion K. Grandios die "Gegendämmerung" mit Beatrix Wagner (Flöte) und Katja Kanowski (Stimme). Geheimnisvoll das "Aisthanomenon" für Violoncello und Tonband von Gerald Eckert selbst aufgeführt. Ich zitiere aus dem Programmheft: "Aisthanomenon ist ein Begriff aus der Philosophie Platos und bedeutet in etwa die Projektion von Sein, die vom Menschen wahrgenommen werden kann." Großartig das Zusammenspiel, der Wechsel, die Synergie von alt und neu.
Und wie immer, wenn mich zeitgenössische Musik wie der Donner durchfährt. Balsam auf meine Seele! Wache ich am nächsten Morgen auf. Ernüchtert und verstimmt: Warum bringt die Literatur seit Jahrhunderten nichts Neues zustande?

Montag, 25. August 2014

Sonntag, 24. August 2014

Wortstreit

Der Wortstreit hat auch etwas Harmonisches an sich, mit der Konsonantenhäufung -rtstr- in der Mitte und einem einzigen zentralen s. Da soll noch einer sagen, das Deutsche kenne - etwa im Gegensatz zu den slavischen Sprachen - keine Konsonantenberge, Konsonantenmatterhörner oder Konsonantentitlisse. Ich bin im übrigen nicht nur wortkarg, sondern auch wortlos. Pflücke im Regen Salbei und koche daraus Tee. Ich habe einen Garten und die Stimme verloren.

Samstag, 23. August 2014

Worttrophäe

"Fuchs, du hast die Gans gestohlen ..." - hier ist die Gans die Trophäe des Fuchses. In Pahlkrug (Dithmarschen) verlor ein Gänsezüchter in einer einzigen Julinacht 22 Junggänse an einen Fuchs. Wobei der Fuchs die zarten Gänse nicht alle auffraß, sondern sie im Jagdtrieb tötete. Töten musste. Töten konnte. In Emsdetten (NRW) hingegen töteten brütende Höcker- und Kanadagänse einen Fuchs, um ihr Gelege zu schützen.

Freitag, 22. August 2014

Worttriumph

Ein Worttriumph erster Klasse ist der langsame Schlurfschritt, mit dem eine Gänseherde an ihren neuen Standort getrieben wird. Zum Übernachten beispielsweise in ein mit Elektronetz gesichertes Areal. Zum Schutz vor Füchsen. Im Neufelder Vorland. Und so weiter.  
Das Wort Triumph (nicht der Worttriumph) gehört laut Duden zu den "rechtschreiblich schwierigen Wörter". Aber dieser Liste befinden sich ... aber das wird mein Spiel für September! Das Wort Trumpf (nicht der Worttrumpf) befindet sich nicht auf dieser Liste. Obwohl, immer noch nach Duden, der Trumpf ursprünglich eine volkstümliche Vereinfachung von Triumph unter Einfluss von französisch triomphe sein soll.

Donnerstag, 21. August 2014

Worttrumpf

Wenn ich wüsste, was das ist, hätte ich meinen Worttrumpf sicherlich längst gezogen. Gestochen. Gespielt. Oder, wer weiß, für schlechte Zeiten behalten.

Mittwoch, 20. August 2014

Worttrennung

Ich habe angefangen, eine Geschichte zu schreiben und bin als erstes auf die Worttrennung gestoßen. Ein Wort, das von seiner inneren Harmonie zeugt. Noch schöner wäre das sinnentleerte Verb worttrennen (nicht zu verwechseln mit dem sinnenfrohen Wortrennen).
Die Worttrennung beheimatet die Trennung auf hohem Niveau. Im Baugerüst sozusagen. Mit dem Doppel-t und dem voraustrabenden bzw. nachtretenden r. Um eine Stufe symmetrischer - erweitert um das kugelrunde o - wäre natürlich der Worttrost.

Dienstag, 19. August 2014

Die dritte Luisa

Die Moderatorin Margrit Mohr fragte Silke Scheuermann auf der WortWärts-Bühne in Nürnberg, ob es eine "dritte Luisa" in ihrem Werk geben werde (nach Luisa, der Ich-Erzählerin + Assistentin im Roman "Shanghai Performance" und Luisa, der Protagonistin im Roman "Die Häuser der anderen"). Die Autorin schien ehrlich erstaunt. Darüber habe sie sich noch nie Gedanken gemacht, sagte sie. Beide Luisas, jede in ihrer eigenen fiktiven Welt, gehören dem Kunstbetrieb an. Ihre Lektorin habe ihr geraten, sagt Silke Scheuermann, es nun gut sein zu lassen mit der "Kunst" in ihren Romanen. Sie schreibe jetzt etwas über ihre Kindheit. Verblüfft hat mich die Naivheit, mit der diese Antwort daher kam. Die unreflektierte Offenheit. Das unbedarfte Plappern. Dabei enthüllte sie, was keineswegs neu ist. Die moderne Sklaverei. Erfolgreiche AutorInnen schreiben das, was ihnen zum weiteren Erfolg verhilft. Was Lektoren vorschlagen. Was Verleger verkaufen (wollen, können). Verblüfft hat mich die Gedankenlosigkeit dieser eigentlich schlagfertig und selbstbewusst wirkenden jungen Frau. Hat sie tatsächlich nie darüber nachgedacht, weshalb sie zweimal eine Frauenfigur mit demselben Vornamen ausstattet? Ist sie wirklich nie ins Grübeln gekommen, ob er, der literarisch duplizierte Name, nicht verpflichtet? Hat sie keine schlaflosen Nächte, weil Luisa ihr Recht einfordert?

Montag, 18. August 2014

173. Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg.

Ich mache mich auf den Heimweg aus dem Frankenland. 

Sonntag, 17. August 2014

WortWärts 2




WortWärts

Heute: Literaturfest WortWärts in Nürnberg, Literaturzentrum Nord, Wurzelbauerstr. 29.
Judith Arlt liest von 15:00 bis 15:40 Uhr aus ihrem neuen Roman “Die Welt war schneller als die Worte”.
Auf der WortWärts-Lesebühne treten außerdem auf:
Rolf-Bernhard Essig, Matthias Kröner, Horst Prosch, Silke Scheuermann, Ulrike Sosnitza sowie die drei Preisträger des 26. Literaturpreises der Nürnberger Kulturläden Lukas Spranger, Katharina Robitzkat und Jule Weber (angefragt).
Das detaillierte Programm gibt es hier: 

http://www.kultur-nord.org/litfest.html

Samstag, 16. August 2014

Der Aussichtsturm

Ich steige auf den Zirndorfer Aussichtsturm. Die Stufen zähle ich nicht, es ist ein solider Sandsteinturm. Sommer im Frankenland:

Freitag, 15. August 2014

Zirndorf

Marion erwartet mich kurz vor Mitternacht am Bahnhof in Fürth. Bei ihr zu Hause angekommen, trinken wir ein Gläschen Listkówka - von Kasper in Kwiatonowice aus den jungen Blättern der Schwarzen Johannisbeere gebrautes Elixier.

Donnerstag, 14. August 2014

Die Regenpause

Es schüttet ziemlich gnadenlos vom Himmel. Aber zur Flut klart es auf und ich fahre ans Meer. Muttersselenallein springe ich ins Wasser.

Mittwoch, 13. August 2014

Der Dreizehnte

Meine Badestelle in der Meldorfer Bucht, heute, bei bereits ablaufendem Wasser, eine Stunde nach Höchststand, also 16:34 Uhr. Das Ende der Treppe ist noch immer nicht zu sehen. Und schon auf der untersten Stufe kann ich kaum noch stehen.
Sturmböen aus Südwest, etwas schwächer als gestern. Das Wasser lief mindestens einen Meter höher auf als durchschnittlich. Ich war zweimal drin. Wunderbar!
Für Maria K. zum Dreizehnten August Zweitausendvierzehn

Dienstag, 12. August 2014

Der Linksschnitt

Heidi kämmte und schnitt mir den Pony nach links. Sie versprach, so würden die Haare halten. Denn nun lägen sie richtig. Im Einklang mit der Natur. Mit meinen diversen Wirbeln am Vorder- und Hinterkopf.
Das war vor einer Woche. Seither hat die Frisur schon den einen und anderen Sturm erlebt. Heute zum Beispiel bei Windstärke 5 dem Deich entgegen. Und in der Nordsee an der Meldorfer Bucht bei mindestens Windstärke 8. Auflandig. Aber die Himmelsrichtung ist den Wirbeln egal. Die Haare halten tatsächlich. Links. Warum ist in einem halben Jahrhundert keine andere Frisöse mit ihrer Schere auf diesen simplen Trick gekommen?

Montag, 11. August 2014

Sonntag, 10. August 2014

Drei Handbreit Regen

Die Nacht war kühl. Die Regentonne ist übergelaufen. Die Korksohle der alten Sandalen aufgequollen. Ich habe sie vor der Tür vergessen. An Dithmarschens Küste sollen am Vormittag Windböen aufkommen und am Nachmittag übers Land heftige Gewitter niedergehen.

Samstag, 9. August 2014

Erika

In allen Geschichten, die sie seit drei, vier, fünf Jahren erzählte, war Erika unschlagbar. Zuerst ging es "nur" um die Küche. Um die ihr vertraute Welt. Kartoffelnschälen. Kochkünste. Kuchenrezepte. Dann um die Pflege. Ihr angelerntes Wissen. Sie hatte schließlich eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht. Ihre Emanzipation. Als die Söhne selbständig waren, der Ältere Handwerker, der Jüngere auf dem Gymnasium. In ihren Geschichten erweiterte sie das Wissen und die eigene Erfahrung. Die Medizin kam dazu. Sie lebte eine Zeitlang ohne Herz, weil ihr eigenes gerade geparkt war. Sozusagen in der Aufladestation. Der Wald kam dazu. Begegnungen mit dem Wolf. Dem Löwen. Sie wusste sich immer zu helfen und zu retten.
Bis heute früh. Erika, meine so erzählfreudige Schwiegermutter wachte nicht mehr auf. Meinen Schwager, ihren Erstgeborenen hatte sie gestern abend stumm verabschiedet. Mit einer leichten Handbewegung. Ihren Zweitgeborenen vor ein paar Tagen mit nochmals einer Geschichte voller Wunder.

Freitag, 8. August 2014

Der Kopfkissentraum

Ich träumte die zweite Nacht in Folge den selben Traum. Mit den selben Akteuren, den selben Requisiten. Und wachte mit dem selben Gefühl der Verwunderung auf.
Nun verstört mich, dass ich nicht sicher bin, ob ich den Traum wirklich zweimal hintereinander geträumt habe. In der Endlosschleife. Oder ob ich mir das nur einbilde. Einrede. Einfalte.

Donnerstag, 7. August 2014

Eine Handbreit Regen

Gestern abend erbarmte ich mich meines Gartens. Die Regentonne ist trocken. Also ging ich mit dem Gartenschlauch zu Werke. Sogar den alten Rhododendron wässerte ich, der an der Hausecke gegenüber vom Baumhaus mächtig gewachsen ist - vor allem in diesem Jahr. Er bekommt mehr Licht, seit die Stadtgärtner die drei Ahornbäume an der Strasse gefällt haben. Aber noch nie, seit wir hier sind, habe ich dem Rhododendron Wasser gegeben. Gestern abend zielte ich mit dem Schlauch an die Stämme. Es sind drei Rhododendren, nicht nur einer. Und heute geht zum ersten Mal seit langem, langem die Sonne nicht auf. Aus den Wolken fällt eine Handbreit Regen. In meine Regentonne.

Mittwoch, 6. August 2014

Gartenarbeit

Morgenhochwasser 8:15, Abendhochwasser 20:49. No way. Am Morgen zu früh, am Abend zu spät. Kein Bad in der Nordsee heute. Tagsüber ist es so heiß, dass ich das Haus nicht verlasse. Ab 17 Uhr Gartenarbeit. Bis gerade eben. Sonnenuntergang 21:13.

Dienstag, 5. August 2014

Die Kälte zur Nacht

Zum ersten Mal friere ich am Deich und kann nicht auf dem feuchten Handtuch sitzen bleiben. Die Luft ist kälter als das Wasser. Kein Regen weit und breit. Keine Gewitterneigung. Nur eine wunderbar friedliche Nordsee. Und einige wenige Schwimmer. 
Maria K. fragte mich kürzlich, wieso ich in der Meldorfer Bucht schwimmen kann und sie im Urlaub auf der Halbinsel Butjadingen nicht schwimmen konnte. Ihr habe das Wasser höchstens bis zu den Waden gereicht. Bei mir aber, kochana Mario! steigt das Wasser mindestens bis zum Busen! In der Meldorfer Bucht können wir bequem schwimmen bei auflaufendem Wasser etwa eine Stunde vor Erreichen des Wasserhöchststandes, und entsprechend bei ablaufendem Wasser etwa eine Stunde danach. Mit etwas goodwill sogar noch jeweils eine halbe Stunde darüber hinaus. Also plus minus drei Stunden täglich. Denn wenn die eine Flut des Tages im Hellen stattfindet, dann die zweite sicher in der Dunkelheit.

Montag, 4. August 2014

Sonntag, 3. August 2014

Kronenloch

Das Kronenloch am Abend, auf dem Heimweg vom Schwimmen. Das Wasser kommt täglich später, also auch die Menschen. Hunderte von Graugänsen, Grünschenkeln, Rotschenkeln sowie Dutzende Kraniche gesichtet.

Samstag, 2. August 2014

Rochade

Noch ein bisschen Helvetismus, das Alphorn klingt noch nach, die Alpen glühen bis in den hellen Vormittag: Der Duden sagt, die Rochade (zu rochieren) bezeichne in der Schweiz, aber nur dort, auch einen [Ämter]tausch.
Und ich dachte, eine Rochade sei immer ein Tausch der Position, des Standorts, des Felds, auf dem man sich gerade tummelt.

Freitag, 1. August 2014

Alphorn

Das letzte A in diesem Jahr, der August fängt immer noch mit Alphorn an. Heimat? Nein!
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Aber mit Dank (und guten Erinnerungen) an © Thomas Reck, Zürich
Quelle Musik: Anfangstakte mit Alphorn, komponiert von Sandra Reck für die Fahnenschwinger-Sendung "bi dä Lüüt", SRF