Dienstag, 15. August 2017

erwischt

Die Ameisen fliegen. Und Tausende Lach- oder Sturmmöwen. Über den Salzwiesen versuchen sie in wundersamen Kunstflügen mit vorgereckten Hälsen und in seltsamen Verrenkungen die Paarungsbereiten auf dem Hochzeitsflug zu erwischen. Und zu fressen. An der Vermehrung zu hindern. Den eigenen Hunger zu stillen. Wieviele Ameisen muss eine Möwe erwischen, um satt zu werden?
Wir baden kurz nach Sonnenaufgang auf der Höhe des Angelteichs. Und lassen uns auf dem Grasdeich trocknen. Kopulierende Jungköniginnen nutzen unsere Haut sofort als abwaschbare Unterlage. 

Montag, 14. August 2017

Sonntag, 13. August 2017

erhaben

Zur Erbauung meiner armen Seele lese ich auf dem Badewannenrand Josef Freiher von Eichendorff. Ahnung und Gegenwart. "So hatte auch heute Friedrich den ganzen Tee versalzen. Keiner konnte das künstlerische Weberschiffchen, das sonst, fein im Takte, so zarte ästhetische Abende wob, wieder in Gang bringen. Die meisten wurden mißlaunig, keiner konnte oder mochte, wie beim babylonischen Baue, des anderen Wortgepräng verstehen, und so beleidigte einer den anderen in der gänzlichen Verwirrung."

Samstag, 12. August 2017

enthoben

Im Mittelhochdeutschen bedeutete entheben befreien. Des Amtes enthoben oder von einer Aufgabe/Verpflichtung/Bedrohung (?) befreit. Der Nordsee enthoben. Niemand braucht hier übers Wasser gehen zu können. Ich sitze im Trockenen. Und warte, bis die Sonne aufgeht. In einer knapp 38 Quadratkilometergroßen Badewanne ohne Wasser. Ungefähr einen Meter unter Normalnull. Ein 8 Meter hoher Deich schützt mich und die andern vor dem natürlichen Untergang. Wenn ich baden will - es ist gerade Morgenhochwasser - muss ich über den Badewannenrand klettern.

Freitag, 11. August 2017

entfernt

Ich entferne mich (klingt absurd, ist aber grammatikalisch korrekt) und fahre auf die Insel, für die ich noch nicht reif bin. Meine Birnen faulen am Baum, eh sie reifen können. Schorf, sagt mein Gärtner des Vertrauens. Pilzsporen. Wahrscheinlich eine Folge der Witterung. Und empfiehlt: abpflücken und vernichten. Also auch entfernen.

Donnerstag, 10. August 2017

erschossen

Das war schon. Übrig bleiben Leichen. Berge. Dolche. Meuchelmörder. Die Niederungen der menschlichen Natur. Erschossen. Erdolcht. Erstickt. Erwürgt. Erdrosselt. Erhängt. Erledigt (war auch schon). Oder: verschossen. Farblos oder rot über beide Ohren. Oder geschossen. Das Foto. Verwackelt oder scharf. Mit Zoom gezielt. Das Zielfernrohr. Getroffen oder nicht. "Frank oder frei" - ging die Rede im GG, lese ich in einem furchtbaren Buch. Die Abrechnung von Niklas Frank mit seinem Vater. Jeden Tag eine halbe Stunde auf dem Deich nach dem Schwimmen. Zum Trocknen. Mehr geht nicht.

Dienstag, 8. August 2017

entrückt

Noch so ein Wort zum Verrücktwerden: entrückt. Abwesend. Gedankenverloren. Weltvergessen. Wohin en-trücken, ver-rücken, wenn der Himmel tatsächlich endlos ist und die Nordsee hoffnungslos zerwühlt?

Montag, 7. August 2017

entschieden: Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Danach wird der Mond voll und geht bei uns um 21:00 etwas "angeknabbert" auf, wie die Himmelsbeobachter voraussagen. Eine partielle Mondfinsternis findet statt, die leider auch bei klarem Himmel über Dithmarschen kaum zu sehen ist, da der Mond bei uns zu spät übern Horizont kommt. Um 21:18 tritt er bereits wieder aus dem Kernschatten der Erde, da steigt er gerade schräg vor meinem Fenster im Südosten über die Dächer der Nachbarn.
Die alles entscheidende Montagsfrage: Lohnt es sich, zum Sonnenuntergang resp. Mondaufgang an Deich fahren, um das schnelle Verschwinden eines Schattens am Himmel zu beobachten?

Sonntag, 6. August 2017

entledigt

Ich bin erledigt, aber nicht entledigt. Ich entledige mich einer Sache, eines Auftrags, meiner Sorgen usw. Meiner alten Schuhe oder einer von Läusen befallenen Zimmerpflanze.
Ich entledige mich eines Mitwissers oder einer Mitwisserin - oder ich erledige einen Mitwisser, eine Mitwisserin. Erfordert beides raffinierte, intrigante oder eben kriminelle Energie.
Bevor ich das Duell mit dem steifen Wind von West aufnehme, gucke ich in den  Duden: entledigen hat etymologisch tatsächlich mit ledig zu tun; erledigen is slightly different (if you know what I mean). Mittelhochdeutsch geht erledigen (= frei machen, in Freiheit setzen) ebenso wie entledigen (= frei machen) auf ledig zurück: einer Sache oder einer Person ledig sein = frei von etwas, besonders von Verantwortung oder von jemandem sein. Ledig sein oder bleiben. Jemanden seiner Sünden ledig sprechen. Usw.
mhd ledic ist etymologisch wahrscheinlich (sagt immer noch der Duden) verwandt mit Glied und bedeutet also eigentlich gelenkig. Flexibel würde man heute sagen. Ledig = flexibel. Es ist Zeit für mich und mein täglich Bad in der Nordsee.

Samstag, 5. August 2017

erledigt

Es gibt dumme und dümmere Sprüche. Deutschlernende haben den Vorteil, dass sie unbedarft an die ihnen fremde Sprache herangehen. Das geht anderen nicht anders mit anderen Sprachen. Risiken und Nebenwirkungen sind bekannt. Hier ein Paradebeispiel:
"Wenn man jemanden, der nicht verheiratet ist, ledig nennt, nennt man dann einen Verheirateten erledigt?" (Zitat von fb, Deutsch mit Spaß - Hervorhebung von mir, ebenso Korrektur der Grammatik.)

Donnerstag, 3. August 2017

Ergebnis

Die Ausbeute vom letzten Samstag: MEIN NAME!
ARLT als Kompilation von ART und ALPHABET!

Mittwoch, 2. August 2017

erschließen

Morgenschwimmen. Es gibt immer einen Tag in der Woche, an dem das Ritual kippt. Wenn die Flut am Abend zu spät aufläuft, kommt sie am Morgen zum Zug. Für die Tagesschwimmerinnen. Eine Frau fragt heute morgen besorgt, ob ich gestern abend wirklich ganz alleine da war: "Du könntest ja gestohlen werden ..."
Ich kann nicht gestohlen werden.
Ich kann nicht einmal ertrinken.
Der Unterschied von verbaler und nonverbaler Kunst erschließt sich mir, wenn ich die "Wort-Vitrine" love letters (2001) von Bethan Huws und das "gemalte Video" The Greeting (1996) von Bill Viola vergleiche: love letters (2001) spielt höchstens noch mit der Bedeutung des englischen Wortes "letter" (= Buchstabe oder Brief) - und hält ansonsten die Buchstaben des Alphabet hinter Glas unter Verschluss. The Greeting präsentiert die wortlose Begegnung dreier Frauen (inspiriert von Pontormos Heimsuchung Mariä aus dem Jahr 1529). Die in der realen Welt 45 Sekunden dauernde Szene hat Viola auf 10 tonlose Minuten aufgebläht. Im wahrsten Sinne des Wortes! Wir sehen die Figuren sprechen, hören sie aber nicht. Wir erfahren aus ihren Blicken und Gesten viel mehr als uns ihre Worte je vermitteln könnten. "Die genaue Bedeutung des Geschehens kreist als mehrdeutige, spekulative Geste im Raum" (Bill Viola).

Hier ein Auszug, 27 Sekunden der 10 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=Dg0IyGUVXaQ

Dienstag, 1. August 2017

ertrinken

Abendschwimmen. Seit ich die Videos von Bill Viola, va Surrender (2001), und The Messenger (1996) in den Deichtorhallen gesehen habe, gehe ich anders in die Nordsee. Heute bin ich um diese Zeit ganz allein. Seit ich gelesen habe - im Erklärungstext zu The Messenger, dass Bill Viola als Sechsjähriger fast ertrunken wäre, erschließt sich mir die Omnipräsenz, ja die Auto-, Monothematik des Wassers in seiner Kunst neu. Anders. Die "Nahtoderfahrung" soll "durchaus nicht nur schreckliche" sondern auch "unglaublich schöne" Momente enthalten haben. Die offenbar nachwirken. Durch das ganze Leben. Und das ganze Werk.

Montag, 31. Juli 2017

Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 30. Juli 2017

Der Y-Überschuss

6x7=42.
Bethan Huws, untiteld.

Das Gefängnis

Statt Sonntagspredigt. Bethan Huws (*1961 in Wales), love letters. Das Gefängnis der Buchstaben (ließ sich leider nur schlecht fotografieren, da in einem Raum mit diversen Lichtquellen hinter Glas aufgehängt an einer weißen Wand). Niemand, der schreibt, gelangt über diesen mit einem Schlüssel abgeschlossenen Setzkastenrahmen hinaus.

Freitag, 28. Juli 2017

Ausflug

Ich fahre mit der Bahn eine Stunde nach Norden - nach Bredstedt. Und am Abend eine Stunde zurück nach Süden - nach Meldorf.
Die Pfuhlschnepfen, die mit Satelliten-Sendern ausgestattet sind, fliegen fast fünf Tausend Kilometer, meist non-stop, von der sibirischen Tundra bis nach Dithmarschen. Manche legen eine Pause an der Eismeerküste ein, auf der Halbinsel Taymir. Und dann 70 Stunden mit einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von 60 km/h. Die Auswerter der Daten haben auch herausgefunden, dass die Vögel im Mai auf dem Hinflug in die Brutgebiete, erstmal eine Schleife nach Osten drehten, südlich von Moskau über den Ural flogen und erst mit der Schneeschmelze den Weg nach Norden nahmen. Rückzu ist der Weg um ca 1000 Kilometer kürzer.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Dickkopffalter

Nach wie vor liebe ich Konsonantenhäufungen. Mehr als Blaubeeren. Bei Sonne baden zu gehen, ist keine große Kunst. Bei jedem anderen Wind und Wetter aber ... trifft man am Deich nur gutgelaunte Menschen, die den Ort zur Zeit des Hochwassers immer zu genießen wissen. Wolken und Regen sind im Hochsommer an der Nordsee höchst willkommene Abwechslungen! Allein deshalb lohnt es sich immer wieder, den Speicherkoog zu durchqueren. Oder der Pfuhlschnepfen wegen, die gerade einfliegen. Des blühenden Strandflieders wegen und der Dickkopffalter, die sich dort tummeln. Es gibt Rostfarbene, Gelbwürfelige, Schwarzgrauer oder Graumelierter, Steppensommer oder Spätsommer Würfel- und Komma-Dickkopffalter. Konsonantenhäufungen liebe ich mehr als jeden Punkt oder Strich, gebogen oder gerade gezogen.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Dienstag, 25. Juli 2017

Blutpflaumenmarmelade

Dienstag. Ergiebiger Dauerregen. Statt Nachmittagsschlaf (was soll man bei dem Wetter sonst machen?) verkoche ich die gestern in der Abendsonne geernteten Blutpflaumen (Prunus cerasifera) zu Marmelade. Meine erste üppige Ernte. Letztes Jahr war keine/r da, die Früchte zu pflücken. Und davor war der Baum noch zu jung. Die hungrigen Amseleltern haben sich nur über die noch unreifen Früchte hergemacht und versuchten sie ihren auf wackeligen Beinchen unter dem Baum herumhüpfenden Nachkommen in den Schnabel zu stopfen. Aber die Jungvögel spuckten alles wieder aus. Seit die Früchte dunkelrot sind (= einen hohen Anteil an Farbstoffen mit antioxidativer Wirkung haben), interessieren sich die Viecher für Anderes. Meine Gartenvögel sind überdurchschnittlich gefräßig in diesem Jahr. Von den Kirschen, Felsenbirnen, Stachelbeeren ist gar nichts übrig geblieben.
Nach der Theorie von Herrn Bach (Bachblütentherapie) soll die Pflanzenessenz der Blutpflaume uns zur Gelassenheit und Entspannung zurückführen. Nun denn. Ich diene dem Tag. Während ergiebiger Dauerregen niedergeht.

Montag, 24. Juli 2017

2/3 VETO

Pulse of Europe: Ein vorläufiger Erfolg der vielen polnischen und nicht nur polnischen Spaziergänger während der letzten Tage und Nächte europaweit:
http://www.bbc.com/news/world-europe-40703909

Hier die Erklärung des Präsidenten aus der heutigen Pressekonferenz im Original - 1 Gesetz wird/will er unterschreiben, zwei nicht:
http://wyborcza.pl/7,75398,22140423,andrzej-duda-zawetuje-ustawy-o-sadzie-najwyzszym-i-krs.html?disableRedirects=true

Mahnwachen

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

und seit gestern Abend europaweit Pulse of Europe:

Europaweite Mahnwachen für Polen am Wochenende! Alle Europa-AktivistInnen sind aufgerufen!
Sonntag, 19 Uhr und zu weiteren Zeiten, vor polnischen Konsulaten und an weiteren Orten in vielen europäischen Städten.
Mit einer spontanen Sonderaktion reagiert die Bürgerbewegung #PulseofEurope auf die massive Einschränkung der Gewaltenteilung und der bürgerlichen Freiheitsrechte durch die polnische Regierung. Vor den diplomatischen Vertretungen des Landes werden Mahnwachen auf die neuerliche Verschärfung hinweisen, mit der Warschau die Justiz“reform“ fortführt und die Gefahren für den Rechtsstaat enorm erhöht hat.
Solidarität mit der polnischen Zivilgesellschaft zeigen an diesem Wochenende viele Pulse of Europe-Orte. Mehr Infos folgen auf Facebook und Twitter.
Pulse of Europe steht für ein demokratisches, friedliches und freies Europa. Wir unterstützen die Menschen, die in diesen Zeiten friedlich für Demokratie in #Polen einstehen. Wir sind ein Europa, wir teilen alle die selben Grundwerte und Rechte. Wer die Demokratie in einem EU-Mitgliedsland angreifen will, greift uns alle an.
#ŁańcuchŚwiatła = „#ChainOfLights
#WolneSady = „#FreeCourts
#ChcemyWeta = „#WeWantaVeto


Sonntag, 23. Juli 2017

Neumond

Konfuzius zum wievielten? Zum dritten:
Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag.

Und weil Sonntag ist und es in Strömen regnet, die Straßenbeleuchtung nach zwei Nächten Totalausfall nun, als müsste sie etwas aufholen, wieder Tag und Nacht brennt, noch eine Zugabe:
"Der Herrscher muss ein Herrscher, der Minister ein Minister, der Vater ein Vater und der Sohn ein Sohn sein." 

Samstag, 22. Juli 2017

Der 22. Juli

Die Tragik historischer Daten II: vor 65 Jahren verabschiedete das polnische Parlament die Verfassung der "Volksrepublik Polen". Sie trug die Handschrift Stalins. Der 22. Juli war bis 1989 volkspolnischer "Nationalfeiertag".
Heute Nacht beschloss nach dem Sejm auch der Senat die als Justizreform die getarnte Abschaffung der unabhängigen Gerichte. Nun fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten - dann werden alle amtierenden Richter entlassen und ersetzt durch vom Justizminister ernannte Genossen der Partei, die in ihrem Namen die Wörter "Recht und Gerechtigkeit" führt.
Déjà-vu?
Am Abend hört der Regen auf und wir fahren nach Wesselburen zum Konzert der Gregorian Voices. Das sind zwar auch nur Schauspieler - oder Sänger - aus Bulgarien, die vorgeben, Mönche zu sein. Im ersten Teil singen sie wahrhaft zu Herzen gehende "einstimmige, meditative Liturgiegesänge". Im zweiten Teil sind einige in den Kirchenbänken schon etwas angetrunken und fühlen sich ermuntert, bei den "Klassikern der Popmusik" mitzumachen. Na ja. Den Sängern hätte es gut getan, in der Pause die Mönchskutten abzulegen.

Freitag, 21. Juli 2017

Der 21. Juli

Sonne. Ich erledige ein paar wichtige Dinge und fahre zur Mittagsflut an den Deich. Auf dem Rückweg kaufe ich bei Nilsson einen Gummi-Stecker IP44 schwarz. Zu Hause angekommen, stelle ich damit auf der Gartenbank ein drittes Kabel her. Heute vor einem Jahr wurde DT von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidaten gekürt.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Der 20. Juli

Die Tragik historischer Daten. In Polen beginnen die abendlichen "Spaziergänge" Hunderttausender. Lichterketten rund um die Gerichtsgebäude landesweit. In Meldorf Regen.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Nilsson

Das Morgenhochwasser läuft einen halben Meter weniger hoch auf als normal. Wir, eine Handvoll Tagesschwimmerinnen, planschen im nur knietiefen Wasser herum und fahren trotzdem erfrischt wieder nach Hause. Der Ostwind hat mich in phänomenalen 32 Minuten an den Deich gepustet, und plagt mich entsprechend auf der Rückfahrt. Pause bei meinem Lieblingsladen: Nilsson verkauft mir eine Gummi-Kupplung IP 44 schwarz und ich repariere zu Hause im Garten beide am Samstag zerschnittenen Kabel. Sie sind nun etwas kürzer, aber aus dem einen abgeschnittenen Teil wird noch ein drittes werden. Aus zwei mach drei. Ich muss nur noch einmal zu Nilsson.

Montag, 17. Juli 2017

Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

danach: "Hooger Nüsse" in Heide. Nicht öffentliche Lesung.

Sonntag, 16. Juli 2017

Kater

Muskelkater nach dem gestrigen Gartentag. Sommerregen in Meldorf. Ich verbringe den Sonntag im Bett und pflege meinen Schmerz. In Polen protestieren Tausende. In allen Städten. Mit jedem Tag, den die PIS länger an der Macht ist, verliere ich mehr Freunde in Polen. Das ist eine seltsame mathematische Gleichung, ohne Weltbewegende Bedeutung. Sie trifft nur meinen wunden Punkt. Nach Einbruch der Dunkelheit Kerzenketten. In Warschau rund um das Oberste Gericht. Aber auch in Bydgoszcz, Poznań, Gdynia ... und wahrscheinlich, so meine Hoffnung, an vielen anderen Orten, von denen ich nichts weiß. Hier die ersten Bilder: http://wiadomosci.gazeta.pl/wiadomosci/56,114944,22102952,lancuch-swiatla-w-calej-polsce-tysiace-osob-protestuja,,12.html

Samstag, 15. Juli 2017

Das Spiel mit dem Feuer

Ich schneide die Hecke. Schon nach 5 Minuten ist das erste Kabel durch und die Sicherung raus. Das zweite Kabel hält etwas länger, immerhin fast 3 Stunden. Die Sicherung fliegt nochmals raus, diesmal die andere, da ich rund ums Haus mehrmals das Kabel neu einstecken muss. Den Rest erledige ich mit einem Kabel des Nachbarn in panischer Angst.
Dabei hätte ich so schön nach Sylt fahren können: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Nostalgiefahrt-Mit-der-Reichsbahn-nach-Sylt,shmag47442.html

Donnerstag, 13. Juli 2017

Auto, Fleisch, Flugzeug, Kind

In alphabetischer Reihenfolge sind dies laut einer neuesten Studie die 4 Wege (wir erinnern uns an Futsi I) für jede/n Einzelne/n, ihren/seinen Anteil zur Verringerung des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes beizutragen - sprich: das Klima zu retten oder zumindest retten zu wollen:
  • nicht Auto fahren, 
  • kein Fleisch (genauer: nur Produkte pflanzlichen Ursprungs) verzehren
  • nicht fliegen
  • keine Kinder zeugen
Da komme ich persönlich ziemlich gut weg und kann guten Gewissens jetzt allein zum schwimmen aus eigener Kraft durch den Speicherkoog zum Elpersbütteler Badestrand radeln.
http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa7541

Mittwoch, 12. Juli 2017

Die Joldelunder Margarethe

Regen über Meldorf wie in Macondo ... Einsamkeit wie in der Weltliteratur. Der "Margarethenberg" zwischen Bordelum und Sönnebüll und Dörpum, den ich kürzlich auf meinem Fußmarsch links liegen ließ, ist überhaupt kein Berg. Es gibt keine Berge in Nordfriesland. Früher, als es die Todesstrafe noch gab, war dort eine Hinrichtungsstätte. Wie der Hügel damals hieß, weiß ich nicht. Den heutigen Namen bekam er seltsamerweise von der Margarethe, der Letzten, die dort öffentlich enthauptet wurde. Die Margarethe kam aus Joldelund - deshalb fasziniert sie mich! Sie war eine unbescholtene Magd, bis sie in Addebüll bei einem "Vollhufner" in Dienst trat, der sie schamlos benützte.
Und das Ende vom Lied? Sie wurde rechtmäßig als Mörderin verurteilt, denn sie hatte tatsächlich im Liebesrausch oder vor Eifersucht ganz von Sinnen der zweiten Ehefrau des Vollhufners die Kehle durchgeschnitten. Er kam ungeschoren davon. Der einzige Trost: Sein Name kennt heute niemand mehr (außer mir). Und ihr Name ist aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken.

Montag, 10. Juli 2017

Sonntag, 9. Juli 2017

孔子

Sonntagsvollmond. Die Sonne ist eben untergegangen und der Mond steht pünktlich vor meinem Fenster. Ich nehme den Mund voll. Ich bin heißhungrig. Seit der Raum wieder aufgetan ist und ich jeden Tag in der Nordsee bade. Mittlerweile schätze ich die zwölfeinhalb Kilometer, die ich hin, und die zwölfeinhalb Kilometer, die ich zurück radle. Die Fahrzeit addiert sich immer auf das mehr oder weniger selbe eindeutige Resultat: ich brauche seit Tagen, Wochen zwischen 1:06:00 und 1:18:00. Gegen- und Rückenwind heben sich in dieser Rechnung restlos auf und es ist vollkommen überflüssig, sich über Böen zu beschweren. Der Weg ist das Ziel (Konfuzius) - diese DenkArt war mir auf Hooge abhanden gekommen, ohne dass ich es gemerkt hätte. Auf der Hallig ist kein Platz für Wege. Heute habe ich unverhofft ein großes Stück geistiger Gelassenheit zurückgewonnen - so unverhofft, wie zuweilen ein Regenschauer über einen kommt - und erst in dem Moment, als die Schädeldecke sich hob und das Hirn sich die Unendlichkeit zurückholen konnte, wurde ich gewahr, was mir fast zwei Jahre lang gefehlt hatte! 孔子- Fuzzi! Der Weg ist das Ziel! Ungewollt und absichtslos. Auf halbem Weg zum bereits aufgelaufenen Wasser, ungefähr auf der Höhe des Kronenlochs. Ein Geschenk der Speicherkoogtrolle.
Der verschwundene oder "wie eine Brausetablette" aufgelöste Weg in einer zu winzig geratenen Welt bedeutet nicht, dass das Ziel vor Augen läge und mit Händen zu greifen wäre. Oh nein! Ganz im Gegenteil, es ist das Dilemma aller Schurken und Diebe, aller Ehrlosen und Gottlosen, aller Gewissenlosen und Sprachlosen, die sich in der Sackgasse um den Trugschluss, angekommen zu sein, versammeln - und weinen.

Samstag, 8. Juli 2017

"das hätte ich Dir auch erklären können"

Das sind die Kommentare, die wir lieben: sie kommen per mail und wissen immer alles besser. Niemand muss meinem lyrischen und eindeutig beschränkten Ich hier irgendetwas erklären. Ich (das andere, unpoetische, das raffiniert berechnend auf der anderen Seite des Spiegels steht) bestimme, wann es was und warum - oder warum nicht! - erfährt.
Da lob ich mir meinen Helden ohne jeden Charakter (Hervorhebungen von mir): "Am nächsten Tag sprang Macunaíma früh in die Piroge und ruderte bis zur Quelle des Rio Negro, um sein Gewissen auf der Insel Marapatá zu lassen. Er ließ es genau auf der Spitze eines zehn Meter hohen Kaktus, damit es nicht von den Blattschneiderameisen gefressen würde." (op. cit. S. 32)

Freitag, 7. Juli 2017

Dämmerungsphasen

Es gibt, was ich bis eben nicht wusste, drei "Dämmerungszeiten", oder - je nach Standpunkt - Dämmerungsphasen: die bürgerliche, die nautische und die astronomische. Die gelten - jeweils in umgekehrter Reihenfolge - sowohl für die Morgendämmerung wie für die Abenddämmerung. Die bürgerliche (oder "zivile") Dämmerung hat natürlich mit dem Bürgertum (oder der Zivilisation) zu tun: Laut Definition kann der Mensch während der bürgerlichen Dämmerung im Freien noch lesen! Sie dauert in Deutschland durchschnittlich 39 Minuten - in Meldorf heute Abend aber fast eine Stunde. Das reicht für 12 Kapitel Macunaíma auf der Gartenbank.
Die nautische oder mittlere Dämmerung setzt am Abend später ein und dauert noch länger, in ihrem Verlauf kann die Höhe der Sterne über dem Horizont bestimmt werden. Die Linie zwischen Meer und Himmel ist der "nautische Horizont" und heißt - was ich ebenfalls nicht wusste - Kimm.
Die astronomische Abenddämmerung von heute endet erst morgen - Um 1 Uhr in der Nacht. Da beginnt schon wieder die astronomische Morgendämmerung des nächsten Tages. Das ist das Geheimnis der weißen Nächte!

Donnerstag, 6. Juli 2017

"niemand wusste von nichts"

Ich greife ein Buch, klein und handlich, das ich mitnehmen kann an die Meldorfer Bucht, um darin zu lesen, wenn ich nach dem Schwimmen zehn Minuten zum Trocknen auf dem grünen Deich sitze. Macunaíma. Der Held ohne jeden Charakter. Und wieviele wunderliche Wörter und Tiere gibt es darin:
"Sie fragten alle Lebewesen, die großen Süßwasserschildkröten Mulitagürteltiere Erd- und Baumheuschrecken, die Tapiucaba-Wespen Feldschwalben Sumpfspottdrosseln Klopfspechte Hokko-Hühner, den Japu-Stärling und seine Gevatterin die Hummel, die mannstolle Schabe, den Vogel, der "Taám!" schreit, und seine Gefährtin, die "Taím!" antwortet, die Mauereidechse, die Katz spielt mit der Maus, die Tambaquis, Tucunarés, Pirarucu-Krötenfische, die Curimatás des Flusses, die Pecaís, Tapicuru-Bäume, die Iererês des Strandes, all diese Lebewesen, aber niemand hatte etwas gesehen, niemand wusste von nichts."  (Originalsatzzeichensetzung; Mário de Andrade, Macunaíma. Der Held ohne jeden Charakter. Aus dem brasilianischen Portugiesisch und mit einem Nachwort und Glossar versehen von Curt Meyer-Clason, suhrkamp tb 3198, S. 29)

Mittwoch, 5. Juli 2017

Eurydike

Ich bin allein am Meer. Eine Meerassel, lese ich nach dem Schwimmen, sei derzeit unterwegs, die einen beim Baden schon mal stecken oder pieksen kann. Ganze 5 Millimeter lang und doch frech, vorwitzig, witzig. Sucht auch nur das Überleben. Also Futter. Von meinem Zeh wird sie nicht satt, denn der muss ja für die Assel so etwas wie das Matterhorn oder der Zauberberg sein. Sie ist blind und hungrig und ungefährlich. Im Volksmund heißt sie Schöne Eurydike, weil sie schnell ermüdet und kraftlos von der Wasseroberfläche in die Tiefe sinkt.

Dienstag, 4. Juli 2017

Erdbeersegen

Der Wind ist immer noch heftig und in Böen abschreckend. Die Sonne unbeständig. Es ist eher kalt als warm. Ich fahre trotzdem. Die Flut hat eine Tageszeit erreicht, die mir zuträglich ist. Außer den Dauercampern kein Mensch weit und breit. Der Deichabschnitt "Badestrand" wurde gemäht und die Schafe sind nach wie vor ausgesperrt. Auf dem Rückweg mache ich Halt beim Kartoffelautomaten und kaufe Dithmarscher Erdbeeren. Diese kleine Verzögerung reicht aus und ich gerate auf den letzten Metern in den Regen.

Montag, 3. Juli 2017

Sonntag, 2. Juli 2017

Luftkurort

Sonntagsausflug: Petri-Kirche in Burg in Dithmarschen. Burg ist ein Luftkurort, das wird jedem Bahnreisenden durch den entsprechenden herrlich altmodischen Schriftzug am Bahnhof im fahrenden Zug klar. Ganz egal, ob er aussteigt oder nur durchfährt. Ich steige aus. Und besuche die Ulme im Windschatten der Kirche. Die Kirche - die älteste Kirche Schleswig-Holsteins! - ist eine Sühnekirche! Erbaut als Sühneleistung für den Mord am Landesherrn, dem Stader Grafen Rudolf II. Die Burger Bauern erschlugen ihn im Jahr 1145 aus Not auf seiner stolzen Böckelnburg, weil er ungeachtet schlechter Erntejahre den (das?) Zinskorn unerbittlich eintrieb. Rudolfs Bruder Hartwig, der spätere Erzbischof von Bremen, ordnete im Rahmen eines Rachefeldzugs den Bau der Sühnekapelle auf einer Anhöhe am Rand der Süderdithmarscher Geest an. Im Schatten der Kirche wächst unbeeindruckt von Legenden und Schietwetter ein Naturdenkmal. Die Feldulme - Ulmus minor. Im Gegensatz zur Flatterulme (Ulmus laevis) oder Bergulme (Ulmus montana oder U. scabra). Ulmen sind seit 100 Jahren durch das Ulmensterben bedroht, aber die Burger Ulme im Schatten der Petri-Sühnekirche steht! Ulme ist die Bezeichnung nur für den lebendigen Baum, das Holz einer gefällten Ulme heißt Rüster. Oder Rusten. Die Ulme, wenn sie denn gesund bleibt, ist ein Kernreifholzbaum. Die Informationstafel klärt die Baumbesucherin über die Krankheit auf: "Der Ulmensplintkäfer überträgt eine aus Ostasien eingeschleppte Pilzerkrankung. Dabei werden die Wasserleitbahnen verstopft und der Baum vertrocknet." Sanfter Landregen fällt unaufhörlich über Süderdithmarschen.

Samstag, 1. Juli 2017

Halbzeiten

Der Starkregen hat aufgehört. Gegen Abend wird der Himmel wie so oft sauber und klar. Das Tagewerk ist getan, die zweite Jahreshälfte hat angefangen und der Mond steht genauso halb und blass bereits im strahlenden Blau. Ich kämpfe mich bei steifem Nordwest an die Meldorfer Bucht, ziehe mich im Windschatten eines verlassenen Strandkorbs aus und springe in die wilden Fluten. Kein Mensch weit und breit, nur auf der Nordermeldorfer Seite des Hafens leuchten die bunten Segel der Kitesurfer. Soviel Wind war schon lange nicht mehr. Und sogar am Finanzamt weht eine deutsche Fahne auf Halbmast.

Freitag, 30. Juni 2017

Starkregen

Berlin steht unter Wasser. Die Videos im Netz sind erschreckend. Landunter! Oder eher: Stadtunter. Da schwimmt schon mal einer unter der S-Bahnbrücke Yorckstrasse. Sportlich. Nur mit Badehose bekleidet. Und wir an der Nordsee halten uns still, hocken zu Hause und betrachten unsere trockenen Füße.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Schwachregen

Ich komme nicht mehr rechtzeitig ans Wasser. Fürchte, auf dem Rückweg vom Regen erfasst zu werden. Im wahrsten Sinne des Wortes! Ich räume also derweil rund ums Haus herum alles auf, was wegfliegen oder wegschwimmen könnte.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Konstrast

Manchmal entstehen durch reine Tippfehler neue wunderbare semantische Welten: Kontrastmusik wollte ich schreiben, als ich den Probenbericht zu Bachs Kantate "Schwingt freudig euch empor" verfasste - der Chorleiter verlangt beim ersten Notentextstudium, dass die Betonung auf "euch" fällt, nicht, wie im mündlichen Sprachgebrauch üblich, auf "freudig" - und dabei eine Radiosendung über das Jodeln im Muotatal hörte. Da wurde dann Konstrastmusik daraus. Und niemand meckerte. Kein Mensch. Kein Programm. Kein Duden. Denn Konstrast ist das Verschmelzen, der Zusammenzug von Konstruktion und Kontrast. Konstruierte Musik. Kontrastmusik. Konstruierte Kontrastmusik. Konstrastmusik. Dafür kennen die Linguisten bestimmt einen terminus technicus, denn sowas passiert ja ständig in der Entwicklung der Sprache. Kontraktion? Synäresis?
Bleibt für mich nur noch die Frage nach dem grammatikalischen Geschlecht: die Konstrast? der Konstrast? das Konstrast?
Beim Kompositum besteht kein Zweifel: die Konstrastmusik! Bestimmend ist hier, wie immer, der zweite Teil des Wortes. Vgl. zB. Der Musiklehrer. Die Kaffeemühle. Das Gartenhaus.

Dienstag, 27. Juni 2017

Jubilate 2

Am Sonntag traten alle Dithmarscher Kantoreien mit allen Dithmarscher Kantoren im Meldorfer Dom auf. Davor fand am Mittag, fast unbemerkt und im Schlagschatten anderer Ereignisse, die letzte Orgelmatinée im Rahmen des Bewerbungsverfahrens um die Nachfolge von KMD Paul Nancekievill statt. In den nächsten Tagen wird der Meldorfer Kirchengemeinderat in einer nicht öffentlicher Sitzung wahrscheinlich seine Entscheidung treffen, wer diese Nachfolge im nächsten Frühjahr antritt.
Wie dem Programm des Jubilate-Konzerts zu entnehmen war, gibt es im Kirchenkreis Dithmarschen eine einzige weibliche Kantorin neben fünf männlichen Kantoren. Dieses Missverhältnis würde durch die Wahl einer Nachfolgerin weder aufgelöst noch könnte sie Parität schaffen. Aber es wäre jetzt immerhin möglich, ein Ein-Zweidrittel-Verhältnis herzustellen. Nun denn, frischauf!

Montag, 26. Juni 2017

Meldorfer Mahnwache

Heute: 18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Gestern: "KettenreAktion Tihange". Organisiert von belgischen, niederländischen und deutschen Anti-Atom-Initiativen bildeten 50.000 Menschen Hand in Hand ein Band des Protestes über 90 Kilometer quer durch drei Länder.
Zum Namen der Aktion: Tihange 2 und Doel 3 sind belgische "Riss-Reaktoren", die eine handfeste atomare Bedrohung darstellen.
https://www.ausgestrahlt.de/mitmachen/tihange-menschenkette/

Samstag, 24. Juni 2017

Neumond

Gestern kam der Mond wieder in Erdnähe - was aber nichts daran ändert, dass wir ihn heute Nacht nicht sehen. Unabhöngig von der Wolkendecke. Wieder singen wir. Heute Nachmittag Monster-Generalprobe mit Tutti (= ca 150 Sängerinnen und Sänger aus ganz Dithmarschen und 1 Chorleiterin und 3 Chorleitern - da kann jede/r wieder einmal für sich deutlich spüren, welches ihr/sein Lieblingskantor ist).
Der Mond aber hatte uns am 9. Juni die kürzeste Vollmondnacht beschert, weil er damals mit 406.400 Kilometern die größte Erdentfernung überhaupt erreicht hatte. Nun ist er wieder näher herangerückt, immerhin auf 357.940 Kilometer, und erreicht in dieser Minute die Neumondposition. Das (oder Der oder Die) Neue ist erstmal nicht sichtbar.

Freitag, 23. Juni 2017

Hufe

Der Huf. Die Hufe. Laut Duden "dicke Hornschickt an den Zehenenden der Huftiere".
Aber: Die Hufe. Die ganze Hufe oder Vollhufe, die geteilte Hufe durch fortschreitende Halbierung. Die Viertelhufe. Usw. Der Bauer war der Hüfner. Vollhüfner oder Vollhufner war ein Ganzbauer. Der Halbhüfner oder Halfhufner eine Halbbauer. Es kam vor, dass es zwei Halbhüfner auf einer Hufe gab, oder einen Zweihüfner, Dreihüfner ...
Diese Hufe ist ein Flächenmaß. Ein Ackermaß. Letztlich auch ein Steuermaß. Eine Hufe Land sollte, je nach Bodengüte, eine Bauernfamilie ernähren können. Es war so viel Land, wie der Bauer mit einem Gespann Pferde jährlich bestellen konnte. Da gibt es so wunderliche Wörter wie Hakenhufe, Dorfhufe, Tripelhufe, Heierhufe, Stückhufe, Rittehufe aber auch Freihufe, Marschhufe, Moorhufe, Waldhufe, Waldsiedelhufe, Wasserhufe oder Schattenhufe - das waren fingierte Hufen für Besitzlose, die keine Realhufe besaßen!
Die enumeratio ist auch eine rhetorische Figur. Das "erschöpfende Aufzählen" oder endlose Aneinanderreihen (accumulatio) von Teilen eines übergeordneten Begriffs. Jedes Ganze wird durch fortschreitende Halbierung unendlich.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Gewitter

Der erste Sommertag. Mein Meister wäre heute 91 Jahre alt geworden. Auf fb ist ein schönes neues altes Foto aufgetaucht. Rauchende Literaten! Szymborska sagte, sie könne ohne Zigaretten keine Gedichte schreiben. Und Konwicki sagte, er rauche nur im Sitzen. Die meisten Raucher tun es heutzutage im Stehen. Im Gehen. Gehetzt vor die Tür. Mein Meister setzte sich auf eine Parkbank, nachdem das Rauchen in allen öffentlichen Innenräumen verboten war. In der wirklichen Welt Starkregen, Blitz und Donner, Sirenen und am Nachmittag schon wieder drückende Hitze. Aber da ist das Wasser in der Meldorfer Bucht bereits wieder weg.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Sonnenwende

Der längste Tag hebt an und mich versetzt mein wichtiges Werkzeug. Der Rechner blockiert meinen Schreibbeginn um fast zwei Stunden mit einem update. Und dann muss ich zum Schwimmen. Weil die Meldorfer Bucht vollläuft. Und danach das Wasser wieder weg ist. So komme ich nicht zum Arbeiten aber an die frische Luft, an einen menschen- und schafleeren grünen Deichabschnitt und in die kalte Nordsee.

Dienstag, 20. Juni 2017

Sommer

Jeder Satz hier ist gemacht. Jedes Wort Literatur und unverbindlich. Wertlos. Sinn- und Sonnenentleert. Ich fabriziere hier eine Kunstfigur und lauter Fakenews. "Ich entnehme Deinem blog, dass ..." ist absoluter nonsense. Aber solche Sätze erreichen mich immer wieder. Mündlich. Schriftlich. Zum Beispiel "... Du gut aus Warschau zurückgekommen bist." Als ob ich hier meine Gefühle auskippen und meine Gedanken aufstapeln würde.

Montag, 19. Juni 2017

Meldorfer Mahnwache

wie immer montags:
18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 18. Juni 2017

Sonntagsmatinée

Ich wurde vorhin im Dom gefragt, ob ich im blog etwas über die Orgelmatinée schreiben werde. Natürlich nicht. Nicht so, wie das der Fragende sich vielleicht wünschte oder vorstellte. Rusinek unterscheidet in seinem Buch über Szymborska das Aristotelische Verständnis von Literatur vom Platonischen. Das eine (das letztere) ist zweckgebunden in Bezug auf die Wirklichkeit, das andere ist frei von jeglichem realitätsnahen Zwang. Natürlich ist seine Chefin, vor allem im Alter, immer wieder kritisiert worden, sie sei kindlich, oder kindisch. Lange vor dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine warf ihr eine Kritikerin vor, ihr Gedicht "Identyfikacja" (Identifizierung) sei unglaubwürdig, denn wen würde schon das Schicksal ereilen, einen seiner Nächsten bei einem Flugzeugabsturz zu verlieren? Dies sei reine mediale Exotik! Nun, die Realität hat in diesem Falle das Gedicht eingeholt. Ohne die Poetin um Erlaubnis zu bitten. 
Also: Anne Michael spielte heute eine wunderbare Orgelmatinée. Von Bach bis Elgar. Sie ist eine der Bewerberinnen für die Nachfolge des noch amtierenden Meldorfer KMD und - ich gestehe es hier unumwunden - meine höchstpersönliche Favoritin für dieses Amt. Punkt. Ihre Mitbewerberin, Vera Klaiber, die vor einer Woche die sonntägliche Orgelmatinée im Dom  bestritt, ist auch ok. Fachlich wie menschlich. Aber der große Unterschied zwischen den beiden Musikerinnen ist das Kreative. Die Lust am Spiel. Der Wind! Der Mut zu einem großen oder kleinen Wurf. Wie sagte heute eine Zuhörerin: "Ich wusste gar nicht, dass die Orgel solche Töne von sich geben kann". Voilà! That's it. Die Überraschung. Etwas zu hören (oder zu sehen, zu fühlen, zu lesen ...), was man noch nicht kannte. Die Erweiterung unseres so unendlichen Horizonts über Dithmarschen.

Samstag, 17. Juni 2017

Samstag vor dem Sonntag

Wer wissen will, wie eine poetische Seele im Alltag funktioniert, dem sei das Buch des Ersten Sekretärs (einen Zweiten gab es nie!) der polnischen Nobelpreisträgerin (vor ihr gab es einen Ersten, einen Zweiten, einen Dritten, sie ist die Vierte und die Erste Frau) Wisława Szymborska empfohlen, leider derzeit nur polnisch erhältlich: Michał Rusinek, Nic zwyczajnego. O Wisławie Szymborskiej". Allein die Tatsache, dass Rusinek das Buch erst 4 Jahre nach dem Tod seiner Chefin veröffentlichte, verdient höchsten Respekt.

Freitag, 16. Juni 2017

Freitag vor dem Sturm

Die amtlichen Warnungen vor Windböen überschlagen sich. Ich habe einen neuen Gast im Garten: Bachstelzen (musste natürlich nachgucken). Vielleicht nistet sie (oder nistete) tatsächlich in meiner Halbhöhle, die seit Jahren, wie ich meinte, unbeachtet von der Vogelwelt in der Edelkastanie auf hängt. Sie trippelt im Gras herum, ziemlich aufgeregt oder unruhig, wippt ständig mit dem langen Schwanz. Schwarzes Lätzchen, vornehme Gestalt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Donnerstag davor

Ich bete um Regen. Aber natürlich erst nach der Flut. Und die kommt erst am Abend. Das neue Vordach muss abgespült werden. Ich lese am Deich im Wolkenschatten. Andern Schatten gibt es nicht. Die Haut hat sich beruhigt. Das Wasser ist nicht wärmer als die Luft, weil die Luft zu heiß ist. Szymborska unterschied zwischen Einsamkeit (samotność) und Vereinsamung (osamotnienie). Wer tut es nicht. Das eine ist ein Substantiv. Eine Tatsache. Das andere ein Verbalsubstantiv. Eine Entwicklung. Das eine ist selbstgewählt. Das andere kommt von oben. Das eine ist eine Gnade. Für uns Schreibende. Das andere ein Joch. Für alle andern. Das Gewitter kommt, der Wolkenbruch von oben, erst, als ich wieder zu Hause bin. Die Gnade. Mit Buch im Trockenen.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Mittwoch

Der Mittwoch ist immer in der Mitte. Also davor und danach gleichzeitig. Der Sommer kommt zurück. Die Handwerker werden nicht fertig. Ich schaffe es nicht zum Wasser.

Dienstag, 13. Juni 2017

Dienstag danach

Dienstag der Dreizehnte. Am Sonntag holte ich mir einen Sonnenbrand am Deich. Gestern Abend stand ich nach der Chorprobe schlotternd auf dem Heider Bahnhof. Der Wind ist bissig. Heute immer noch. Und der Regen kommt im schönen Wechsel. Mit der Sonne. Die Tischler sind da und bauen neue Fenster ein. Für den besseren Durchblick. In zwei Küchen drei Fenster. Ich schreibe über dem Klopfen und Poltern und Schleifen an meinem Bäcker. Nicht: an meinen Bäcker.

Montag, 12. Juni 2017

Montag danach

Unvernünftigerweise las ich gestern am Deich (FKK Strandabschnitt) ein polnisches Buch: Nic zwyczajnego. O Wisławie Szymborskiej - von Michał Rusinek. Darüber vergaß ich Zeit, Sprache, Sonne und überhaupt alles. Nun brennt die Haut an ziemlich allen Stellen.
Heute nicht vergessen:

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonntag danach

Wir haben gestern 3 geschlagene Stunden gesungen. Und dazwischen geplappert. So dass 4 Stunden zusammenkamen. Ich habe die ganze Woche nur gesungen. Aber gestern mit Neulingen. Mit den zwei potentiellen Nachfolgerinnen und dem einen potentiellen Nachfolger des Meldorfer KMD, der aus Altersgründen sein Amt aufgeben wird. Das Verdikt der Anwesenden Sängerinnen und Sänger war eindeutig. Die Performances hätten unterschiedlicher nicht sein können. Erschreckend für mich war der Geschlechterunterschied. Wie blutjunge Leute, die noch nicht ihr Studium abgeschlossen haben, auf einen eingeschworenen Chor stoßen. Heute ist schweigen angesagt. Orgelmatinée. Und danach schwimmen. Sonne. Spargel. Auflaufendes Wasser zur besten Tageszeit. Was will ich mehr?

Samstag, 10. Juni 2017

Warschauer Nachwehen

Wer noch nie einen ersten Geiger dirigieren gesehen hat, kann ihn hier kurz erleben: Stefan Plewniak führt mit Geige und ohne Geige, traditionell mit den Händen. Der Chor ist mit seiner Körpersprache einmalig auf den Dirigenten eingestimmt. Unter ferner liefen, dh unter den übrigen Geigerinnen, spielt meine Freundin Kamila Guz. Die Solistin in rot, Natalia Kawałek, sang bei der Warschauer Juditha-Aufführung in der Kreuzkirche die Titelrolle, allerdings war sie dort golden gekleidet und hochschwanger! Dieser besondere Umstand verlieh der Juditha noch mehr weibliche Macht und Dominanz.

Freitag, 9. Juni 2017

Vollmondnachtkonzert

Die kürzeste Vollmondnacht des Jahres und Nacht der offene Kirchen. Wir laden ein zum Premieren-Konzert um 18 Uhr in die St. Jürgen Kirche, Heide:

Motetten von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein.
Mit einführenden Texten und Intermezzi auf der Orgel von Sebastian Schwarze-Wunderlich.
Es singt die neu gegründete Camerata Vocale Heide unter Leitung von Sebastian Schwarze-Wunderlich.
Eintritt frei

Danach, wenn es irgendwann dunkel wird und die Wolken wider Erwarten aufreißen, bestaunen wir die kleinste Vollmondscheibe des Jahres, den sogenannten Erdbeer-Mini-Mond. Der Mond ist auf seiner einsamen Bahn gerade am weitesten entfernt von der Erde und erreicht die geringste Höhe über dem Südhorizont.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Juditha Triumphans

Juditha Triumphans devicta Holofernis barberie - die über die Barberei des Holofernes triumphierende Judith. Dafür hat sich die Reise nach Warschau gelohnt. Um Vivaldis Oratorium live zu hören mit der excellenten Cappella dell'Ospedale della Pietà, unter der Leitung des ersten Geigers Stefan Plewniak. Auch das eine Erleuchtung (ich berichtete po polsku): das Dirigat mit dem Geigenbogen. Und: Plewniak hat vor ein paar Jahren die Capella reaktiviert, für die Vivaldi sein Werk geschrieben hat. Ich zitiere: "Vivaldi komponierte dieses Werk 1716 für die Elevinnen des Ospedale della Pietà. Deshalb sind alle Rollen, selbst die des Machos Holofernes, mit weiblichen Stimmen besetzt – und auch der Chor und das Orchester konstituierten sich damals ganz aus den Reihen der Waisenmädchen." Hier eine Aufnahme, die nicht die diabolische Energie der Warschauer Aufführung hat, aber hörbar ist:

Mittwoch, 7. Juni 2017

Regen

Lange nicht gehabt: Regen ohn Unterlass. Sturm und amtliche Warnung vor Windböen. Mein Rasen dankt es mir (dass ich ihn gestern geschnitten und gemulcht habe), bzw dem Himmel (dass er gießt). Der Bambus auch und alles Unkraut. Ich halte mich den ganzen Tag über still. Am Abend Probe. Schütz und Schein. Die Schütze sind länger als die Scheine. Allmählich klingt es.

Dienstag, 6. Juni 2017

back on duty

Puh, der Garten ist ein Dschungel. Wunderbar wildes Leben. Alles blüht auf einmal, die Margeriten sind schon da und die Vergissmeinnicht noch nicht gegangen. Das Wasser läuft auf. Flut um 11:43 Uhr. Also nach erster Wäsche, Einkaufen und Rasenmähen verdiente Pause am Deich.

Montag, 5. Juni 2017

poniedziałek - znowu w podróży

Na pożegnanie moje ulubione słowo: URZĘDOMAT.
I ulubione dopełnienie: Czynny 24 cztery godziny na dobę. Poniedziałek Zesłania Ducha Świętego. W Polsce normalny dzień pracy. Strajk taksówkarzy paraliżuje stolicę. Jednak uda mi się wyjechać w stronę Dithmarschen.


Zum Abschied mein Lieblingswort: URZĘDOMAT (von "Urząd" = Amt / Behörde + "omat" = deutsch: Amtomat. Bitte nicht verwechseln mit Automat).
Und die Lieblings-grammatische-Ergänzung: Geöffnet rund um die Uhr.
Pfingstmontag. Normaler Arbeitstag in Polen. Streik der Taxifahrer legt den Warschauer Stadtverkehr lahm. Es gelingt mir trotzdem, die Ausfahrt nach Dithmarschen zu nehmen.

Sonntag, 4. Juni 2017

niedziela, na razie ostatnia

Upał, niewyspanie, spacer nad Wisłą, koncert w Bazylice Archikatedralnej z chórem archikatedralnym, którego od dwóch tygodni regularnie co drugi dzień słyszę - podczas ich wieczornych prób. Ponieważ wszyscy dookoła słynnego dzwonka na Kanonii żyjemy, pracujemy, śpimy przy otwartych oknach, znam na pamięć niektórych z utworów zaprezentowanych podczas dzisiejszego popołudniowego występu pierwszego warszawskiego chóru kościelnego. Oprócz oczywiście IX Symfonii na organy Feliksa Nowowiejskiego. A potem nareszcie: wielka burza.

Samstag, 3. Juni 2017

sobota, parada równości

w Warszawie od godz. 16 do 21. Punkt zbioru: PKP Warszawa Sródmieście przy Alejach Jerozolimskich.
"Zapraszamy na najpiękniejsze święto równości! Po raz 17 przejdziemy ulicami Warszawy by szerzyć idee wolności, równości i tolerancji."

Partnerzy: Ambasada Norwegii w Polsce, HaH, Austriackie Forum Kultury, Polonia Palace Hotel


Patronat medialny: Enter the ROOM x G'rls ROOM, Grupa Stonewall, Krytyka Polityczna, OUTy, outfilm.pl, Queer.pl, Rainbow Star, Replika, TeczowyPoznan.pl

Freitag, 2. Juni 2017

piątek u świętego Marcina

Słynny kościół na Piwnej. Salve Regina! Wspaniały włoski zespół: sopranistka, flecista, organista.

Donnerstag, 1. Juni 2017

czwartek - polski dzień dziecka

A ja kończę tekst po niemiecku i wieczorem wybieram się na film "Piekło i niebo" w reż. Stanisława Różewicza, z muzyką niezapomnianego Kilara!
Nie jest to film dziecięcy, choć głównymi bohaterami są dziewięcioletny Piotruś - oraz jego dziadek Ignacy. Trochę film (według opisu) przypomina mi Wniebowstąpienie Konwickieg, powieści powstałej w tych samych latach 1960-tych jak Piekło i niebo, a której akcji również rozgrywa się wyłącznie w zaświatach. Zobaczymy! O 18-tej w Muzeum Literatury na Rynku Starego Miasta.

Mittwoch, 31. Mai 2017

środa, ostatni dzień miesiąca

Skończyłam książkę, powieść. Czytam po niemiecku. Piszę po niemiecku. Pod względem języka nie ma mnie w tym kraju. Skończyłam w sercu Warszawy lekturę tak zwanego "Heimatroman", a może "Entwicklungsroman" - powieści inicjacjnej - czyli Gustawa Frenssena Jörn Uhl. Późniejszy Frenssen jest nie do czytania, nie do strawienia, dlatego wymazują jego nazwisko z topografii wszystkich wsi i miasteczek w Dithmarschen. A ten pierwszy jego wielki utwór z roku 1901, całkiem staromodny z dzisiejszej perspektywy, oddaje klimat tamtych stronach i czasach. Autor wtedy odniósł taki sukces, że przestał być pastoren i został wolnym twórcą. Może lepiej by było, gdyby do końca życia spełnił funkcję Sługi Boży. Wychodzę na spacer odpoczynkowy.

Dienstag, 30. Mai 2017

wtorek bez burzy

Choć zapowiadana była. Obiecana. Temperatura odczuwalna ponad 30°. Ktoś dziś zapytał mnie tu przed domen, czyli w samym sercu Starego Miasta, jak dojść do Dworca Gdańskiego. Nie wiem! Odparłam skonsternowana. A on na to, że ktoś inni mu powiedział, że to tylko "dwa kroki stąd". Nie wierzę! Kiwałam głową. Zdezorientowana. A teraz patrzę na plan miasta, i rzeczywiście można iść Miodową a potem Bonifraterską i już człowiek prawie stoi tam na peronie. Muszę to jutro sprawdzić spacerkiem.

Montag, 29. Mai 2017

poniedziałek z dopełnieniem

Wczorajsze bis: premiera "Gaude" prowadzone przez samego twórcę, hiszpańskiego kompozytora Octavio Vazquez. Czyli współczesny utwór po barokowym oratorium. Bardzo ciekawe, mityczne, pełno dobrych wiosennych energii. A zapowiadany na 5 minut, czyli krótki jak to bis.

Sonntag, 28. Mai 2017

niedziela nad Wisłą

Powrót do porannego tai chi.

A wieczorem udam się do Bazyliki św. Krzyża na jedyne oratorium Vivaldiego "Juditha Triumphans" w wykonaniu orkiestry i chóru Cappella dell'Ospedale della Pietà:
Natalia Kawałek – mezzosopran (Juditha)
Wanda Franek – contralt (Holofernes)
Dorota Szczepańska – sopran (Vagaus)
Stefan Plewniak – prowadzenie i skrzypce

"Bardziej niż którekolwiek z wielu dzieł Vivaldiego, Juditha Triumphans, jest w całości skoncentrowana na promowaniu Republiki Weneckiej, która w sojuszu wojskowym z Austrią i papiestwem walczyła przeciwko imperium osmańskiemu. Juditha triumphans jest dziełem symbolizującym walkę o obronę wyspy Korfu na Adriatyku, i zwycięstwo nad Turkami. Juditha - wdowa z Bethulii reprezentuje Republikę Wenecji, Holofernes - najeźdźców otomańskiego imperium. Juditha jest niezwykle barwnym dziełem. Vivaldi odsłania przed nami cały wachlarz swojego kunsztu i fantazji, a niedawna rocznica 300 lat od powstania dzieła daje okazję by ujrzeć go w nowej odsłonie, jako niezwykłe widowisko muzyczne, na miarę czasów Vivaldiego i jego fantastycznej orkiestry. Judyta triumfująca, zwycięska nad barbarzyńcami Holofernesa, to oratorium Antonio Vivaldiego napisane w 1716 roku dla Ospedale della Pietà w Wenecji na podstawie biblijnej Księgi Judyty. Koncertowe wykonanie jedynego oratorium Vivaldiego Juditha Triumphans jest unikatowym programem, który przeniesie publiczność w niezwykły świat weneckich pałaców, sal koncertowych, teatrów operowych, krętych uliczek i gondolierów opowiadających historie podróżnym ukrywającym swe oblicza pod maskami i woalem wachlarzy. Ta barwna podróż będzie opowiedziana głosem fantastycznych wokalistek Natalii Kawałek, Doroty Szczepańskiej i Wandy Franek."
http://www.kapitula.org/pictures/2017/MFMS/2805.pdf

Samstag, 27. Mai 2017

sobota na cmentarzu

Ku pamięci Mistrza spotkałyśmy się o jedenastej u Bliklego, by stamtąd po godzinie pojechać na Powązki. Z białą oraz z czerwoną różą.

Freitag, 26. Mai 2017

piątek w Pałacu Kultury

Wypiłyśmy kawę w Bar Studio, na zewnątrz w przyjemnym chłodzie, patrząc na przytulny skwerek i na młodych ludzi, którzy coś tam majstrowali. A potem ni stąd, ni zowąd prawie zemdlałam.

Donnerstag, 25. Mai 2017

czwartek z Szymborską

Księżyc będzie w nowiu dokładnie o godzinie 21:44:28 - a więc mam czas na Szymborską: 

Oda do starości - Wisława Szymborska

Co to za życie bywa w MŁODOŚCI !?
Nie czujesz serca ...wątroby ...kości ...
Śpisz jak zabity, popijasz gładko ...
i nawet głowa boli cię rzadko.

                   ***
Dopiero człeku twój wiek DOJRZAŁY!
Odsłania życia urok wspaniały ...
Gdy łyk powietrza, z wysiłkiem łapiesz...

Rwie Cię w kolanach ...
Na schodach sapiesz ...
Serce jak głupie szybko ci bije ...
Lecz w każdej chwili czujesz że ŻYJESZ !
Więc nie narzekaj z byle powodu
Masz teraz wszystko ,czego za młodu
nie doświadczyłeś. Ale DOŻYŁEŚ!

                  ***
Więc chociaż czasem w krzyżu cię łupie
Ciesz się dniem każdym!

Miej wszystko w DUPIE!!!

Mittwoch, 24. Mai 2017

środa u fryzjera

Nareszcie! Pan Robert mnie strzyże. Burza popołudniu. A pierogi ze szpinakiem wieczorem w Antrakcie na tyłach Teatru Wielkiego.

Dienstag, 23. Mai 2017

wtorek w mieście

Oj, jaki hałas, jaki upał, jaki chaos w głowie i pod językiem. Wieczorem w Muzeum Literatury na koncercie pieśni filomatów.

Montag, 22. Mai 2017

poniedziałek w podróży

do Warszawy!
Montag unterwegs. Nach Warschau.

Für die Dagebliebenen:
18:00 - 18:30 Uhr Südermarkt, Meldorf
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 21. Mai 2017

sunday morning on the beach

Statt Kirche schwimmen. Meldorfer Bucht. Bei schon ablaufendem Wasser. Trotzdem Rutschgefahr. Ein Mann verschiebt mit einer Schubkarre Strandkörbe. Vom FKK-Strand zum Textilstrand. Eine Frau ist im Wasser. Sonst kein Mensch weit und breit.

Samstag, 20. Mai 2017

Rendsburg 2

Eis am Stiel. Die Anreise ist heute beschwerlicher. Und kostet dreimal soviel. Mit einem Zug, der zwar pünktlich ab Meldorf losfährt, aber auf dem am Bahnhof ausgehängten Fahrplan nicht existiert. Das Wundern kennt kein Ende. Mal ist es so rumn. Die Züge fahren, ohne auf dem Plan zu stehen. Mal ist es andersrum. Die Züge fahren nicht, obwohl sie auf dem Plan stehen. Die Rückfahrt wieder easy mit dem Bus. Ich döse vor mich hin und in die Landschaft hinein. Leiste mir in Heide beim Umsteigen das erstes Eis der Saison.

Freitag, 19. Mai 2017

Rendsburg

Zwei Tage ohne Meer. Nachdem gestern abend die Flut wärmer auflief als die Luft am Deich. Nun steht mir eine Reise mit dem Bus quer durchs Land bevor. Fortbildung Schiedsamt. Besonderheiten der obligatorischen Streitschlichtung. Sühneverfahren. Mediative Techniken.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Hooger Nuss

die wievielte? Ich bin ein unpolitischer Mensch, immer schon gewesen. Ich erledige nur meine vaterländischen Pflichten. Immer schon. In der Schweiz gebe ich mindestens 4 x pro Jahr meine Stimme(n) ab. "In der Schweiz" ist hierbei als Anachronismus zu verstehen. Ich sitze an meinem Schreibtisch am Wattenmeer und gebe meine Stimme per Mausklick im Kanton Basel ab. In Meldorf tue ich es, wann immer mich der Deutsche Staat dazu auffordert. Erstmals bei der Landtagswahl vorletztes Wochenende war es mir ganz und gar unmöglich meine Stimme einer bestimmten Partei zu geben. Auf Hooge habe ich hautnah erlebt, wie der von dieser Partei dominierte Gemeinderat mit seinen und nicht seinen Leuten umgeht. Das werde ich bis ans Ende meiner Tage nicht mehr vergessen. Das heißt: fürs Leben lernen!
Aber: hier die offiziellen Ergebnisse. Und: politische Erdbeben geschehen ganz ohne mein Zutun. Hooge liegt im landesweiten Trend. Der amtierende Gemeinderat hat keinen Rückhalt in der Halligbevölkerung.
Von 89 Wahlberechtigten auf Hallig Hooge haben 75 ihre Stimme wie folgt abgegeben (1 = Erststimme, 2 = Zweitstimme):

34 (1) - 31 (2) CDU
19 (1) - 22 (2)  SPD
10 (1) - 8 (2) Grüne
4 (1) - 4 (2) FDP
4 (1) - 3 (2) SSW
4 (1) - 5 (2) Die Linke
0 (1) - 1 (2) Piraten

Eine Zweitstimme muss leer abgegeben worden sein, das ist möglich und macht die Erststimme nicht ungültig.

Quellen:
http://online.nordfriesland.de/WAHLEN/Landtagswahl2017/WK2-Erststimme.html
http://online.nordfriesland.de/WAHLEN/Landtagswahl2017/WK2-Zweitstimme.html

Mittwoch, 17. Mai 2017

Hexameter

Homer schrieb seine Ilias in formal geordneten Hexametern. Der Hexameter ist ein Versmaß. Die Hexameter-Verszeile ist in sechs rhytmische Einheiten aufgeteilte. Bei Homer sind es sechs Daktylen. Also sechs Füße - Versfüße, von denen jeder aus einer langen (oder betonten) und zwei kurzen (oder unbetonten) Silben besteht. Dák-ty-los - ist das sprechende Beispiel für einen Daktylos.
Plinius der Ältere bringt Homers Ilias, bzw. die geografischen Koordinaten des Trojanischen Krieges, in nuce - in einer Nussschale unter.
Deshalb schreibe ich neuerdings in Nüssen, in runzligen, rauen, harten Walnussschalen und verzichte ganz auf den epischen Überbau (das Geschwafel). Ich konzentriere mich auf das Wesen einer Sache. Fractalisiere die dargestellte Welt inhaltlich geordnet. Bringe den goldenen Kern meiner Erkenntnisse sicher in einer Nussschale auf den Weg. Aber wohin?

Dienstag, 16. Mai 2017

Hexenjagd

Ich komme nur noch spät nach Hause. Hexenjagd. Von Arthur Miller. In der Meldorfer Erheiterung. Eine in allen Farben, aber vor allem (weshalb?) in blau-gelb schillernde Inszenierung. Und trotzdem, oder gerade deshalb zappenduster. Das Prinzip, nach dem die Hexenverfolgungen und -verbrennungen in Salem 1692 vonstatten gingen (natürlich nicht nur dort!), erlebt gerade wieder sein in allen Schattierungen brillierendes weltweites revivel. 

Montag, 15. Mai 2017

Die kalte Sophie

Die fünfte und letzte und einzige weibliche Eisheilige. Die einzige, die im Volksmund immer mit dem Adjektiv "kalt" versehen auftritt: die Sophia von Rom, die am 15.5.304 n.Chr. als jungfäuliche Märtyrerin starb. Oder die vewitwete Sophia aus Mailand, die um das Jahr 130 durch Enthauptung starb und drei Töchter Pistis, Elpis und Agape (Glaube, Hoffnung, Liebe, siehe 1 Kor 13,13) hinterließ. Von der einen gibt es kaum Darstellungen. Es ist auch nicht überliefert, welcher Art ihr Martyrium war. Die andere wird vor allem in der Ostkirche verehrt und tritt meist mit ihren drei Tugenden/Töchtern auf.
Durch die warmen Eisheiligennächte explodiert mein Garten. Der Edelkastanie treibt Blätter aus und der Apfelbaum lässt bereits seine weißen Blütenblätter fallen. Sieht aus wie Schnee im Morgengrauen.

Und, nicht vergessen: 18:00 - 18:30 Uhr auf dem Südermarkt:
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 14. Mai 2017

Bonifatius von Tarsus

Der vierte Eisheilige. Bonifatius von Tarsus. Namensgleich aber nicht zu verwechseln mit dem wichtigsten Kirchenreformer im Frankenreich, dem sog. "Apostel der Deutschen", u.a. Gründer des Klosters Fulda, Bonifatius Wynfreth.  
Bonifatius der Eisheilige war kein Christ, sondern lebte, wie es heißt, "in Sünde" mit der reichen und schönen Römerin Aglae, die ihn schließlich in den Tod schickte. Indem sie ihn beauftragte, Reliquien christlicher Märtyrer von Tarsus nach Rom zu holen. In Tarsus, der heutigen Türkei, wurde Bonifatius Zeuge der Christenverfolgungen und ließ sich "aus Empathie", wie es weiter heißt, taufen. Zum Dank wurde er mit siedendem Pech hingerichtet. Diese und andere herzzerreißende Legenden stammen aus der Feder des Simeon Metaphrastes, der in Konstantinopel als Beamter am Hofe des Kaisers wirkte und offenbar viel Zeit für "romanhafte Erbauungserzählungen" hatte.
Ganz im Sinne meines armen Bonifatius war ich heute Nachmittag aus Empathie und in Sünde (nackt, nicht einmal ein Handtuch hatte ich dabei) bei schätzungsweise 13° Wasser- und 19° Lufttemperatur anbaden in der Meldorfer Bucht. Überlebt!

Samstag, 13. Mai 2017

Servatius

Samstag der Dreizehnte. Der dritte Eisheilige: Servatius, Bischof von Tongern, stammte aus Armenien, war als Enkel der Emeria (= Schwester Annas, die wiederum die Oma von Jesus war) Angehöriger der Heiligen Sippe. Wurde der Legende nach am 13. Mai 384 mit einem Holzschuh erschlagen. Andere Quellen datieren sein Leben in die Mitte des 5. Jahrhunderts. Aber so oder so scheint die Verwandtschaft mit Jesus zeitlich weit hergeholt.
In Dithmarschen steigen die Temperaturen rasant. Sie sind auch nachts mittlerweile zweistellig. Ich arbeite in der Morgenfrische im Garten. Denn schon beginnt man die Mittagshitze zu fürchten. Lege Sickerschläuche schlangenförmig im Bambusbeet aus. Es wird immer schwieriger, da der Bambus inzwischen dicht und unangreifbar steht. Trotzdem stutze ich ihn um den blühenden Apfelbaum zurecht. Es gibt auch in einem Garten so etwas wie Anciennität. Der Apfelbaum wurde gepflanzt, nachdem das Haus gebaut war. Und der Bambus zog mit uns eine Generation später ein. Erste neue faustdicke Triebe treiben aus dem Boden. Das ist meine Zuversicht, die keiner mehr untergraben kann.
Henryko: zdrowia, pomyślności, wytrzymałości!

Freitag, 12. Mai 2017

Pankratius

Der zweite Eisheilige. Pankratius wurde am 12. Mai 304, erst vierzehnjährig, auf Befehl des Kaisers Diokletian öffentlich enthauptet. Seines (kindlichen?) christlichen Glaubens wegen. Andere Quellen sagen, dies sei bereits 257 unter Valerian geschehen. Aus desselbem Grunde. Wie auch immer: ein Verbrechen an einem Minderjährigen. Der Leichnam wurde angeblich den Hunden zum Fraß vorgeworfen.
In Deutschland begann der Pankratiuskult erst ca 500 Jahre später, nachdem Kaiser Arnulf von Kärnten am 12. Mai 896 Rom erobert und diesen Sieg natürlich dem Beistand des Tagesheiligen - dem heiligen Pankratius - zugeschrieben hatte. Der Name Pankratius bedeutet nämlich "Der Alles Besiegende".
Ich liebe Pankratius aus ganz anderen Gründen. Er ist nämlich der Patron der jungen Saat! Und der Patron gegen Meineid und falsches Zeugnis! Ein Negativ-Patron also! Ich liebe die Aufrichtigkeit! Über alles! Außerdem ging der christliche Märtyrer als Pankraz der Schmoller in die helvetisch geprägte Weltliteratur ein. Dazu sehr lesenswert und immer noch aktuell (auch nach vollendeter Präsidentenwahl in den USA): Luise F. Pusch: Schmollende Männer einst und jetzt http://literaturkritik.de/id/22470

Donnerstag, 11. Mai 2017

Mamertus

Der erste Eisheilige. Die Nacht war sanft mit 4 Grad über Null. Meine Kürbis-, Zucchini- und Tomatenpflanzen trotzen den Temperaturen auf dem Gartentisch. Heute kommen sie, entgegen aller Bauernregeln, in die Erde.
Die Bauern stellten ihre Regeln vor der Kalenderreform auf, als noch der Julianische Kalender galt. Zeit ist auch nur ein Kompromiss des sozialen Mit- oder Gegeneinanders. Die Daten sind längst aus dem Küchenlatein weggelaufen. Die Eisheiligen müssten heute in Dithmarschen ungefähr Ende Mai nachts an die Türen klopfen. Aber wann soll ich dann mein bescheidenes Beet bestellen? Es gibt nichts Trägeres im Universum als christliche Heiligenverehrung! Mamertus war ein katholischer Bischof und starb am 11. Mai 477 n. Chr. in Gallien. Also vor eintausendfünfhundertvierzig Jahren. Er soll Wunder vollbracht haben und in der Lage gewesen sein, Feuer zu löschen. Deshalb wird er gerne bei Fieber, Dürre und Erkrankungen der Brust um Beistand angerufen. Das hat irgendwie alles nichts mit der Eiseskälte im Mai zu tun.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Meldorfer Vollmond

Da wir gerade ständig in Heide Schütz und Schein singen, kam ich heute Abend auf der Heimfahrt in den Genuss des schönsten Maivollmondes über Meldorf. Meine monatliche Vollmondinfo verkündet die hohe Kunst des Gedankenloslassens. Einmal nicht (oder nichts?) denken! Keine Angst vor der Kopfleere haben! Es wird, verspricht sie, an nichts fehlen. In diesem Sinne: Gute Nacht!

Dienstag, 9. Mai 2017

Meldorfer Apfel

Ich habe gerade den letzten Apfel aus meinem Garten zum Frühstück verspeist. Die Vögel haben von der letztjährigen Ernte ihren guten Teil abbekommen. Mäuse waren keine zu Besuch im Winter. Entweder haben die Katzen sie vertrieben. Oder es war nicht kalt genug und sie mussten sich nicht in meine Apfellagerstätten schleichen. Ich habe monatelang einen Apfelkuchen nach dem anderen gebacken. Und jeden Tag einen Apfel gegessen. Bis heute. Und der Baum fängt gerade wieder an zu blühen.

Montag, 8. Mai 2017

Sonntag, 7. Mai 2017

Meldorf

Landtagswahl. Das Ergebnis lässt sich blicken. Den Denkzettel haben die bekommen, die ihn verdient haben. Ich saß den ganzen Tag im Wahllokal meines Wahlkreises als Beisitzerin und zählte bis eben abgegebene gültige und ungültige Stimmen nach Parteien aus. 90 % der Wählerinnen und Wähler beklagten sich über das Format des Stimmzettels. Und über die überflüssigen Binde-Striche im Amts-Deutsch der Wahl-Benachrichtigung zur Land-Tags-Wahl. Wer sich für Brief-Wahl entscheidet, muss einen Wahl-Schein beantragen und darf dann nicht mehr persönlich im Wahl-Lokal wählen. Nicht alles haben das verstanden. Die meisten, die persönlich erschienen, kannte ich. Es sind meine Nachbarn. Zu Hause ist man dort, wo man wählen darf. Ich darf hier und dort wählen. Also unterwerfe ich mich der Steigerung: zu Hause bin ich dort, wo ich in einen Wahlvorstand berufen werde.

Samstag, 6. Mai 2017

Gartenzaun

Zu Hause muss zuerst aufgeräumt werden. Am Nachmittag kommt die Sonne und ich mähe Rasen. Vorne und hinten. Dazwischen (der Akku muss laden) erzählt mir am Gartenzaun eine Nachbarin, was sie gestern abend im Fernsehen gesehen hat. Ich wundere mich immer wieder, was die Leute sich antun nächtelang. Ihr letzter Satz lässt mich ratlos zurück: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du mir ihr gut ausgekommen bist." Sagte meine Meldorfer Nachbarin zu mir, nachdem ich aus Nordfriesland zu Fuß zurückgekommen bin. Sie hat etwas oder jemanden im Fernsehen gesehen oder gehört und zieht daraus Schlüsse auf mein Leben. Das ist schon ziemlich irre. Ich verbringe den Abend in der Sauna.

Freitag, 5. Mai 2017

Stinkestiefel

Zurück am Wasser und in der Waldlosigkeit. Der Wind hat eine ganz andere Stimme in den Bäumen. Eine ganz andere Kraft am Deich.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Högel

Die Sonne geht über dem Högelfeld auf. Kein Muskelkater. Keine Blasen an den Füßen. Traumlos geschlafen.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Joldelund

Zurück auf dem Festland. Ich wandere durch Nordfriesland. Laufe von Bredstedt über Dörpum, den Mergelschächten entlang, an der Mühle vorbei über Hogelund nach Joldelund. Überall blüht der Löwenzahn. Überall bläst der Wind steif von Ost, Nordost. Überall scheint die Sonne. Überall arbeiten Windräder. Hogelund, Joldelund, Goldelund, Haselund, Ladelund ... was bedeutet die Endung - lund?

Dienstag, 2. Mai 2017

Hooger Nüsse 2

Heute, nach dem Baden, Ketelswarf, Langeness:

"Im Hauptberuf bin ich Aerokartografin und werte Luftaufnahmen von Profi- und Hobbyfotografen aus. Dazu muss ich verwackelte und schräg aufgenommene Fotos so lange umformen, bis sie horizontale Eigenschaften bekommen. Ich arbeite mit Einbildinstrumenten in der Dunkelkammer. Und diese Leute sitzen beim größten Wintersturm in zweimotorigen Erkundungsmaschinen. Fliegen mit erfahrenen Piloten durch Hagelschauer übers Wattenmeer auf einer minimalen Höhe, die keinem anderen Flugzeug gestattet wird. Nur um den maximalen Hochwasserzeitpunkt nicht zu verpassen und aus einer geöffneten Luke im Cockpit Hunderte Bilder zu schießen. Zu mir kommt nur eines, das Beste. Ich entzerre die falschen Winkel und verleihe dem Foto Glaubwürdigkeit.
So kommt Hooge eines Tages vor mein Auge. Hooge bei Tageslandunter auf einem Luftbild. ..."  (© Judith Arlt 2017)

Sonntag, 30. April 2017

Der Sonntag

Der letzte Sonntag des Monat. Der erste Sonntag ohne Regen. Trotzdem sitzen wir den ganzen Nachmittag in einem Raum und singen Werke von Schütz und von Schein. Der Plural von Schütz ist Schützen. Der von Schein Scheine.

Samstag, 29. April 2017

Der Hauptberuf

Ich habe mir endlich, nach so vielen Jahren, einen Hauptberuf verpasst: ich bin Aerokartografin. Ansonsten bleibt alles in meinem Leben wie bisher.

Freitag, 28. April 2017

Hooger Nüsse


"Auf Hooge gibt es keine Nüsse, außer man bringt sie – wie ich – vom Festland mit. Wer – wie ich – Nüsse einpackt, hat immer ein konkretes Ziel und legt deshalb auch den Nussknacker dazu. Zwar kann mit jedem scharfen Messer, von denen es genug auf der Hallig gibt, die harte Schale der Walnuss – denn um diese geht es hier – am Nahtschluss auch geöffnet werden, aber dieses Vorgehen ist mit Risiken verbunden. Gelingt es zu leicht, war die Naht nicht richtig geschlossen. Dann ist der Kern womöglich nicht mehr zum Verzehr geeignet. Vertrocknet oder durch eingedrungene Feuchtigkeit, etwa auf der Überfahrt, bereits verdorben. Gelingt das Öffnen der Nuss hingegen nicht leicht, ..." (© Judith Arlt 2017)

Mehr heute abend, bei der Kultur-Lüüd mit Musik, Text und Tanz, ab 19:30 Uhr in der Ditmarisa, Süderstr. 16, Meldorf

Es treten auf:
  • Boris Guckelsberger und Balettmeisterin Jutta Warnecke: Flamenco.
  • Minne Rössler: Aphorismen zu Lebensstationen.
  • Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a der Gemeinschaftsschule: wie klingt Meldorf?
  • Heiko Kroll: Gedanken op Platt
  • Judith Arlt: Hooger Nüsse
  • Sebastian Schwarze-Wunderlich: Crossover auf dem Steinway
  • Carol Guckelsberger und Roland Baartz: Folk aus Schottland und Irland
  • Guido Goh spielt auf seinem selbst gebauten Saiteninstrument „Sisa“
  • Bhakti: Harmonium, Gesang
Besondere Gäste: Holzskulpturen von Monika Tiedemann
Moderation. Gabriele Hotsch

Donnerstag, 27. April 2017

Das Maß

Das Maß ist ein Dutzend Gros, also: 12 x 12 x 12. Oder wer lieber anders rechnet: zwölf hoch drei. Das mathematisch korrekte Ergebnis ist gleichbleibend 1728. Einheiten. Säcke. Was auch immer. Mein Bedarf an Nüssen ist ins Maßlose gestiegen.
Gros ist eine alte Maßeinheit die bis heute im Wort Grossist oder Großhändler steckt. Im Gegensatz zum Einzelhändler, dem Detaillisten, der en détail bestellt. Nicht en gros.

Mittwoch, 26. April 2017

Der Neumond ...

... bringt Hoffnung auf frische Energie und neues Licht. Schon wieder Nachtfrost. Bodenfrost. Der wievielte in Folge? Die Zilpzalps verziehen sich zitternd in die Hecke. Möge der Himmel endlich ein Einsehen haben!

Dienstag, 25. April 2017

Der Schnee

Schnee, Graupel, Hagel, kaum zu unterscheiden. Es ist mehr als Regen, was vom Himmel fällt. Alles Lamentieren hilft nichts.

Montag, 24. April 2017

Sonntag, 23. April 2017

Die Stippvisite ...

... auf Sylt: Der Schwarzbrauenalbatross bewegt sich schwerfällig im Rantrumbecken inmitten von Eiderenten, dreht ein paar Ehrenrunden, landet wie ein Tolpatsch und putzt sein Gefieder. Er gehört da nicht hin, ist zu groß, zu schwer, zu allein, ein Irr- oder Ausnahmegast, brütet auf den Falkland-Inseln am Südkap, rund um die Arktis. Seit ein paar Jahren sichten ihn schwedische und finnische Ornithologen. Auf Helgoland soll er auf den Vogelklippen am Lummenfelsen thronen und die Basstölpel beäugen, dann pendelt er über die Nordsee nach Sylt, gleitet weiter nach Skagen, bis hoch in den Norden Schwedens und Finnlands. Die Fachleute sind sich einig, dass es immer derselbe Vogel ist. Ein Einzelgänger. Auf der Suche nach einer Einzelgängerin? Stippvisite hier. Stippvisite dort. Aber immer auf der falschen Seite der Erdkugel.

Samstag, 22. April 2017

Der Blitzbesuch ...

... auf Hooge und Langeneß dauert bis tief in die Nacht. Bei Wind und Wetter. Lief ich bei Tage abseits des Trubels über den Deich. Fror und zählte. Schritte und Gänse. Das Wasser kam erst zur Rücküberfahrt wieder. Und spuckte uns in Schlüttsiel ins Gesicht. Nach Hause zurück bringt mich nun Gottseidank das Auto der Meldorfer Delegation. Ein Meldorfer Schüler hat beim Malwettbewerb den dritten Platz geholt! Diesmal waren nur Dithmarscher Kinder unter den Preisträgern! Ich schlafe auf dem Rücksitz ein. Am Mittag lag das Watt so trocken vor mir am Hooger Nullpunkt, dass ich Kopfnüsse knacken konnte. "Ein Meister verfügt über Wissen", hatte ich auf der Seeadler gelesen. In einem Interview mit dem Philosophen Byung-Chul Han vom Herbst 2014. Damals sagte er: "Heute leben wir mit einem Terror des Dilettantismus." Und heute? frage ich heute, zweieinhalb Jahre später unter dem freien Himmel mitten im Wattenmeer. Heute? Heute haben wir uns so sehr an Terror gewöhnt, dass der Dilettantismus daneben verblasst.

Freitag, 21. April 2017

Das Tohuwabohu

Auch das Tohuwabohu kam mit Luther in die deutsche Sprache. Moses 1, 2 in seiner Übersetzung: "Und die Erde war wüst und leer". Hebräisch "tohu wa bohu", wörtlich: Wüstheit (tohu) und (wa) Leere (vohu). Andere übersetzten mit "wüst und wirr", was poetisch gehaltvoller wirkt durch die beiden Anlaut-w's. Buber spricht von "Irrsal und Wirrsal", hier führt der Reim - aber wohin?
Wann der Sinneswandel stattfand, ist mir nicht bekannt. Heute meint das Tohuwabohu das genaue Gegenteil von "Und die Erde war wüst und leer" - Und die Erde läuft über. Vor Ekel. Zivilisationsmüll. Chaos. Gift. Parallelwelten. Virtualität. Virilität. Alternativen Fakten. Gier. Eitelkeit.

Donnerstag, 20. April 2017

Die Hummel 2

Meine Gartenhummelkönigin hat auch die letzten beiden Frostnächte überstanden und erfreut sich gerade im frühmorgendlichen Sonnenschein an den Birnbaumblüten.
Heute Abend im Keller des Dom Café: Familie Hummel auf ihrere Reise durch Mitteldithmarschen. Lesung und Buchvorstellung durch die Autorin Ingeborg Münch und den Herausgeber Horst-Walter Roth, Vorsitzender des Vereins region: meldorf aktiv eV. Beginn: 19:30 Uhr.

Mittwoch, 19. April 2017

Die Walnussschale

Ich bin wieder einmal auf einer Zielgeraden und da treten plötzlich Dinge in den Vordergrund, von denen ich bisher nicht einmal ahnte, dass es sie gibt. Geschweige denn, dass ich sie je brauchen würde: Walnussschalenschmuck! Was für ein wunderbar runzliges Wort. Wie mein Gesicht in ungefähr fünfzehn bis zwanzig Jahren. Optimismus pur! Wie ein Vormittagshimmelblau über dem Wattenmeer!

Dienstag, 18. April 2017

Der Semmelstoppelpilz

Der Semmelstoppelpilz ist essbar und die haute cuisine nennt ihn pied de mouton - so taucht er auch auf deutschen Speisekarten auf: als Schafsfußpilz. Klingt nicht appetitlicher als Semmelstoppel. Wichtiger als der klingende Name auf dem Teller ist aber die Funktion des Pilzes im Wald. Als Mykorrhizapilz versorgt er Buchen, Tannen, Fichten, Eichen, Kiefern usw mit Nährstoffen, die das Wurzelgeflecht der Bäume alleine aus dem Boden nicht zu lösen in der Lage ist. Die Bäume versorgen umgekehrt die Mykorrhizapilze mit Photosyntheseprodukten, die die Pilze selbst nicht in der Lage herzustellen sind. Symbiose heißt das und kommt auch in anderen Kombinationen vor. So lebt im Mürtschental die bewimperte Alpenrose mit ihrem Wurzelpilz oder am Wattenmeer der Einsiedlerkrebs mit seiner Seeanemone - wie in der Kröpeliner Senke der Semmelstoppelpilz mit seinen Buchen und Eichen.

Montag, 17. April 2017

Der Hagel

Ostermontag. Keine Mahnwache. Kein Singen. Ein fauler Tag zu Hause. Es waren 10 Stunden Sonnenschein angekündigt! Und es hat alle 2 Stunden heftig gehagelt. In einer Hagelpause las ich ein weiteres Kapitel aus 4321. Auf der Bank im Garten unter einer dicken Decke. Allmählich geht mir die vervierfachte (na ja, ab einem gewissen Punkt die verdreifachte und dann nur noch verdoppelte) Adoleszenz des Protagonisten auf die Nerven. Auster hat nicht nur einen Zettelkasten ausgekippt, sondern ihrer vier oder vierundvierzig, vierhundervierundvierzig, viertausendvierhundert.... Gleichbleibend in allen Varianten ist ein ungestörtes Muttersöhnchenglück. Ich frage mich, ob es eigentlich in den über 800 Seiten um die Darstellung der idealen Mutter, einer Art Ur-Mutter geht. Was wiederum angesichts des gerade zu Ende gehenden christlichen Feiertags eine schwer zu verdauende Kost wäre. Der Wind dreht auf Ost und wird eiskalt. Der nächste Hagelschauer vertreibt mich schließlich aus dem Garten aller freien Wünsche und Vorstellungen.

Sonntag, 16. April 2017

Die Ente

Heute wäre der Hase an der Reihe, aber eine Ente kreuzt seinen Weg und drängt sich schnatternd in den Vordergrund. Eine Zeitungsente. Eine Quietscheente. Eine Fernsehente. In Wirklichkeit aber ein Huhn! Eines der fortpflanzungswilligen schwarzen Teichhühner, die schon länger am Fething auf Ockenswarft Wohnrecht haben, als meine ehemaligen Nachbarn, die nicht mehr meine Nachbarn sind, weil ich weggezogen bin. Wer mit knapp 20, nach einem freiwilligen Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer auf Hooge, beschließt, den Rest des Lebens auf der Hallig zu verbringen, weiß, was er oder sie tut, und muss sich mit nachtaktiven Vögeln nicht nur zu Ostern arrangieren. Pünktlich zum Mittag kommt aus Rom der Segen urbi et orbi.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Hallig-Hooge-Naturparadies-sucht-neue-Einwohner,dasx10450.html