Samstag, 24. Juni 2017

Neumond

Gestern kam der Mond wieder in Erdnähe - was aber nichts daran ändert, dass wir ihn heute Nacht nicht sehen. Unabhöngig von der Wolkendecke. Wieder singen wir. Heute Nachmittag Monster-Generalprobe mit Tutti (= ca 150 Sängerinnen und Sänger aus ganz Dithmarschen und 1 Chorleiterin und 3 Chorleitern - da kann jede/r wieder einmal für sich deutlich spüren, welches ihr/sein Lieblingskantor ist).
Der Mond aber hatte uns am 9. Juni die kürzeste Vollmondnacht beschert, weil er damals mit 406.400 Kilometern die größte Erdentfernung überhaupt erreicht hatte. Nun ist er wieder näher herangerückt, immerhin auf 357.940 Kilometer, und erreicht in dieser Minute die Neumondposition. Das (oder Der oder Die) Neue ist erstmal nicht sichtbar.

Freitag, 23. Juni 2017

Hufe

Der Huf. Die Hufe. Laut Duden "dicke Hornschickt an den Zehenenden der Huftiere".
Aber: Die Hufe. Die ganze Hufe oder Vollhufe, die geteilte Hufe durch fortschreitende Halbierung. Die Viertelhufe. Usw. Der Bauer war der Hüfner. Vollhüfner oder Vollhufner war ein Ganzbauer. Der Halbhüfner oder Halfhufner eine Halbbauer. Es kam vor, dass es zwei Halbhüfner auf einer Hufe gab, oder einen Zweihüfner, Dreihüfner ...
Diese Hufe ist ein Flächenmaß. Ein Ackermaß. Letztlich auch ein Steuermaß. Eine Hufe Land sollte, je nach Bodengüte, eine Bauernfamilie ernähren können. Es war so viel Land, wie der Bauer mit einem Gespann Pferde jährlich bestellen konnte. Da gibt es so wunderliche Wörter wie Hakenhufe, Dorfhufe, Tripelhufe, Heierhufe, Stückhufe, Rittehufe aber auch Freihufe, Marschhufe, Moorhufe, Waldhufe, Waldsiedelhufe, Wasserhufe oder Schattenhufe - das waren fingierte Hufen für Besitzlose, die keine Realhufe besaßen!
Die enumeratio ist auch eine rhetorische Figur. Das "erschöpfende Aufzählen" oder endlose Aneinanderreihen (accumulatio) von Teilen eines übergeordneten Begriffs. Jedes Ganze wird durch fortschreitende Halbierung unendlich.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Gewitter

Der erste Sommertag. Mein Meister wäre heute 91 Jahre alt geworden. Auf fb ist ein schönes neues altes Foto aufgetaucht. Rauchende Literaten! Szymborska sagte, sie könne ohne Zigaretten keine Gedichte schreiben. Und Konwicki sagte, er rauche nur im Sitzen. Die meisten Raucher tun es heutzutage im Stehen. Im Gehen. Gehetzt vor die Tür. Mein Meister setzte sich auf eine Parkbank, nachdem das Rauchen in allen öffentlichen Innenräumen verboten war. In der wirklichen Welt Starkregen, Blitz und Donner, Sirenen und am Nachmittag schon wieder drückende Hitze. Aber da ist das Wasser in der Meldorfer Bucht bereits wieder weg.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Sonnenwende

Der längste Tag hebt an und mich versetzt mein wichtiges Werkzeug. Der Rechner blockiert meinen Schreibbeginn um fast zwei Stunden mit einem update. Und dann muss ich zum Schwimmen. Weil die Meldorfer Bucht vollläuft. Und danach das Wasser wieder weg ist. So komme ich nicht zum Arbeiten aber an die frische Luft, an einen menschen- und schafleeren grünen Deichabschnitt und in die kalte Nordsee.

Dienstag, 20. Juni 2017

Sommer

Jeder Satz hier ist gemacht. Jedes Wort Literatur und unverbindlich. Wertlos. Sinn- und Sonnenentleert. Ich fabriziere hier eine Kunstfigur und lauter Fakenews. "Ich entnehme Deinem blog, dass ..." ist absoluter nonsense. Aber solche Sätze erreichen mich immer wieder. Mündlich. Schriftlich. Zum Beispiel "... Du gut aus Warschau zurückgekommen bist." Als ob ich hier meine Gefühle auskippen und meine Gedanken aufstapeln würde.

Montag, 19. Juni 2017

Meldorfer Mahnwache

wie immer montags:
18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 18. Juni 2017

Sonntagsmatinée

Ich wurde vorhin im Dom gefragt, ob ich im blog etwas über die Orgelmatinée schreiben werde. Natürlich nicht. Nicht so, wie das der Fragende sich vielleicht wünschte oder vorstellte. Rusinek unterscheidet in seinem Buch über Szymborska das Aristotelische Verständnis von Literatur vom Platonischen. Das eine (das letztere) ist zweckgebunden in Bezug auf die Wirklichkeit, das andere ist frei von jeglichem realitätsnahen Zwang. Natürlich ist seine Chefin, vor allem im Alter, immer wieder kritisiert worden, sie sei kindlich, oder kindisch. Lange vor dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine warf ihr eine Kritikerin vor, ihr Gedicht "Identyfikacja" (Identifizierung) sei unglaubwürdig, denn wen würde schon das Schicksal ereilen, einen seiner Nächsten bei einem Flugzeugabsturz zu verlieren? Dies sei reine mediale Exotik! Nun, die Realität hat in diesem Falle das Gedicht eingeholt. Ohne die Poetin um Erlaubnis zu bitten. 
Also: Anne Michael spielte heute eine wunderbare Orgelmatinée. Von Bach bis Elgar. Sie ist eine der Bewerberinnen für die Nachfolge des noch amtierenden Meldorfer KMD und - ich gestehe es hier unumwunden - meine höchstpersönliche Favoritin für dieses Amt. Punkt. Ihre Mitbewerberin, Vera Klaiber, die vor einer Woche die sonntägliche Orgelmatinée im Dom  bestritt, ist auch ok. Fachlich wie menschlich. Aber der große Unterschied zwischen den beiden Musikerinnen ist das Kreative. Die Lust am Spiel. Der Wind! Der Mut zu einem großen oder kleinen Wurf. Wie sagte heute eine Zuhörerin: "Ich wusste gar nicht, dass die Orgel solche Töne von sich geben kann". Voilà! That's it. Die Überraschung. Etwas zu hören (oder zu sehen, zu fühlen, zu lesen ...), was man noch nicht kannte. Die Erweiterung unseres so unendlichen Horizonts über Dithmarschen.

Samstag, 17. Juni 2017

Samstag vor dem Sonntag

Wer wissen will, wie eine poetische Seele im Alltag funktioniert, dem sei das Buch des Ersten Sekretärs (einen Zweiten gab es nie!) der polnischen Nobelpreisträgerin (vor ihr gab es einen Ersten, einen Zweiten, einen Dritten, sie ist die Vierte und die Erste Frau) Wisława Szymborska empfohlen, leider derzeit nur polnisch erhältlich: Michał Rusinek, Nic zwyczajnego. O Wisławie Szymborskiej". Allein die Tatsache, dass Rusinek das Buch erst 4 Jahre nach dem Tod seiner Chefin veröffentlichte, verdient höchsten Respekt.

Freitag, 16. Juni 2017

Freitag vor dem Sturm

Die amtlichen Warnungen vor Windböen überschlagen sich. Ich habe einen neuen Gast im Garten: Bachstelzen (musste natürlich nachgucken). Vielleicht nistet sie (oder nistete) tatsächlich in meiner Halbhöhle, die seit Jahren, wie ich meinte, unbeachtet von der Vogelwelt in der Edelkastanie auf hängt. Sie trippelt im Gras herum, ziemlich aufgeregt oder unruhig, wippt ständig mit dem langen Schwanz. Schwarzes Lätzchen, vornehme Gestalt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Donnerstag davor

Ich bete um Regen. Aber natürlich erst nach der Flut. Und die kommt erst am Abend. Das neue Vordach muss abgespült werden. Ich lese am Deich im Wolkenschatten. Andern Schatten gibt es nicht. Die Haut hat sich beruhigt. Das Wasser ist nicht wärmer als die Luft, weil die Luft zu heiß ist. Szymborska unterschied zwischen Einsamkeit (samotność) und Vereinsamung (osamotnienie). Wer tut es nicht. Das eine ist ein Substantiv. Eine Tatsache. Das andere ein Verbalsubstantiv. Eine Entwicklung. Das eine ist selbstgewählt. Das andere kommt von oben. Das eine ist eine Gnade. Für uns Schreibende. Das andere ein Joch. Für alle andern. Das Gewitter kommt, der Wolkenbruch von oben, erst, als ich wieder zu Hause bin. Die Gnade. Mit Buch im Trockenen.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Mittwoch

Der Mittwoch ist immer in der Mitte. Also davor und danach gleichzeitig. Der Sommer kommt zurück. Die Handwerker werden nicht fertig. Ich schaffe es nicht zum Wasser.

Dienstag, 13. Juni 2017

Dienstag danach

Dienstag der Dreizehnte. Am Sonntag holte ich mir einen Sonnenbrand am Deich. Gestern Abend stand ich nach der Chorprobe schlotternd auf dem Heider Bahnhof. Der Wind ist bissig. Heute immer noch. Und der Regen kommt im schönen Wechsel. Mit der Sonne. Die Tischler sind da und bauen neue Fenster ein. Für den besseren Durchblick. In zwei Küchen drei Fenster. Ich schreibe über dem Klopfen und Poltern und Schleifen an meinem Bäcker. Nicht: an meinen Bäcker.

Montag, 12. Juni 2017

Montag danach

Unvernünftigerweise las ich gestern am Deich (FKK Strandabschnitt) ein polnisches Buch: Nic zwyczajnego. O Wisławie Szymborskiej - von Michał Rusinek. Darüber vergaß ich Zeit, Sprache, Sonne und überhaupt alles. Nun brennt die Haut an ziemlich allen Stellen.
Heute nicht vergessen:

18:00 - 18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonntag danach

Wir haben gestern 3 geschlagene Stunden gesungen. Und dazwischen geplappert. So dass 4 Stunden zusammenkamen. Ich habe die ganze Woche nur gesungen. Aber gestern mit Neulingen. Mit den zwei potentiellen Nachfolgerinnen und dem einen potentiellen Nachfolger des Meldorfer KMD, der aus Altersgründen sein Amt aufgeben wird. Das Verdikt der Anwesenden Sängerinnen und Sänger war eindeutig. Die Performances hätten unterschiedlicher nicht sein können. Erschreckend für mich war der Geschlechterunterschied. Wie blutjunge Leute, die noch nicht ihr Studium abgeschlossen haben, auf einen eingeschworenen Chor stoßen. Heute ist schweigen angesagt. Orgelmatinée. Und danach schwimmen. Sonne. Spargel. Auflaufendes Wasser zur besten Tageszeit. Was will ich mehr?

Samstag, 10. Juni 2017

Warschauer Nachwehen

Wer noch nie einen ersten Geiger dirigieren gesehen hat, kann ihn hier kurz erleben: Stefan Plewniak führt mit Geige und ohne Geige, traditionell mit den Händen. Der Chor ist mit seiner Körpersprache einmalig auf den Dirigenten eingestimmt. Unter ferner liefen, dh unter den übrigen Geigerinnen, spielt meine Freundin Kamila Guz. Die Solistin in rot, Natalia Kawałek, sang bei der Warschauer Juditha-Aufführung in der Kreuzkirche die Titelrolle, allerdings war sie dort golden gekleidet und hochschwanger! Dieser besondere Umstand verlieh der Juditha noch mehr weibliche Macht und Dominanz.

Freitag, 9. Juni 2017

Vollmondnachtkonzert

Die kürzeste Vollmondnacht des Jahres und Nacht der offene Kirchen. Wir laden ein zum Premieren-Konzert um 18 Uhr in die St. Jürgen Kirche, Heide:

Motetten von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein.
Mit einführenden Texten und Intermezzi auf der Orgel von Sebastian Schwarze-Wunderlich.
Es singt die neu gegründete Camerata Vocale Heide unter Leitung von Sebastian Schwarze-Wunderlich.
Eintritt frei

Danach, wenn es irgendwann dunkel wird und die Wolken wider Erwarten aufreißen, bestaunen wir die kleinste Vollmondscheibe des Jahres, den sogenannten Erdbeer-Mini-Mond. Der Mond ist auf seiner einsamen Bahn gerade am weitesten entfernt von der Erde und erreicht die geringste Höhe über dem Südhorizont.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Juditha Triumphans

Juditha Triumphans devicta Holofernis barberie - die über die Barberei des Holofernes triumphierende Judith. Dafür hat sich die Reise nach Warschau gelohnt. Um Vivaldis Oratorium live zu hören mit der excellenten Cappella dell'Ospedale della Pietà, unter der Leitung des ersten Geigers Stefan Plewniak. Auch das eine Erleuchtung (ich berichtete po polsku): das Dirigat mit dem Geigenbogen. Und: Plewniak hat vor ein paar Jahren die Capella reaktiviert, für die Vivaldi sein Werk geschrieben hat. Ich zitiere: "Vivaldi komponierte dieses Werk 1716 für die Elevinnen des Ospedale della Pietà. Deshalb sind alle Rollen, selbst die des Machos Holofernes, mit weiblichen Stimmen besetzt – und auch der Chor und das Orchester konstituierten sich damals ganz aus den Reihen der Waisenmädchen." Hier eine Aufnahme, die nicht die diabolische Energie der Warschauer Aufführung hat, aber hörbar ist:

Mittwoch, 7. Juni 2017

Regen

Lange nicht gehabt: Regen ohn Unterlass. Sturm und amtliche Warnung vor Windböen. Mein Rasen dankt es mir (dass ich ihn gestern geschnitten und gemulcht habe), bzw dem Himmel (dass er gießt). Der Bambus auch und alles Unkraut. Ich halte mich den ganzen Tag über still. Am Abend Probe. Schütz und Schein. Die Schütze sind länger als die Scheine. Allmählich klingt es.

Dienstag, 6. Juni 2017

back on duty

Puh, der Garten ist ein Dschungel. Wunderbar wildes Leben. Alles blüht auf einmal, die Margeriten sind schon da und die Vergissmeinnicht noch nicht gegangen. Das Wasser läuft auf. Flut um 11:43 Uhr. Also nach erster Wäsche, Einkaufen und Rasenmähen verdiente Pause am Deich.

Montag, 5. Juni 2017

poniedziałek - znowu w podróży

Na pożegnanie moje ulubione słowo: URZĘDOMAT.
I ulubione dopełnienie: Czynny 24 cztery godziny na dobę. Poniedziałek Zesłania Ducha Świętego. W Polsce normalny dzień pracy. Strajk taksówkarzy paraliżuje stolicę. Jednak uda mi się wyjechać w stronę Dithmarschen.


Zum Abschied mein Lieblingswort: URZĘDOMAT (von "Urząd" = Amt / Behörde + "omat" = deutsch: Amtomat. Bitte nicht verwechseln mit Automat).
Und die Lieblings-grammatische-Ergänzung: Geöffnet rund um die Uhr.
Pfingstmontag. Normaler Arbeitstag in Polen. Streik der Taxifahrer legt den Warschauer Stadtverkehr lahm. Es gelingt mir trotzdem, die Ausfahrt nach Dithmarschen zu nehmen.

Sonntag, 4. Juni 2017

niedziela, na razie ostatnia

Upał, niewyspanie, spacer nad Wisłą, koncert w Bazylice Archikatedralnej z chórem archikatedralnym, którego od dwóch tygodni regularnie co drugi dzień słyszę - podczas ich wieczornych prób. Ponieważ wszyscy dookoła słynnego dzwonka na Kanonii żyjemy, pracujemy, śpimy przy otwartych oknach, znam na pamięć niektórych z utworów zaprezentowanych podczas dzisiejszego popołudniowego występu pierwszego warszawskiego chóru kościelnego. Oprócz oczywiście IX Symfonii na organy Feliksa Nowowiejskiego. A potem nareszcie: wielka burza.

Samstag, 3. Juni 2017

sobota, parada równości

w Warszawie od godz. 16 do 21. Punkt zbioru: PKP Warszawa Sródmieście przy Alejach Jerozolimskich.
"Zapraszamy na najpiękniejsze święto równości! Po raz 17 przejdziemy ulicami Warszawy by szerzyć idee wolności, równości i tolerancji."

Partnerzy: Ambasada Norwegii w Polsce, HaH, Austriackie Forum Kultury, Polonia Palace Hotel


Patronat medialny: Enter the ROOM x G'rls ROOM, Grupa Stonewall, Krytyka Polityczna, OUTy, outfilm.pl, Queer.pl, Rainbow Star, Replika, TeczowyPoznan.pl

Freitag, 2. Juni 2017

piątek u świętego Marcina

Słynny kościół na Piwnej. Salve Regina! Wspaniały włoski zespół: sopranistka, flecista, organista.

Donnerstag, 1. Juni 2017

czwartek - polski dzień dziecka

A ja kończę tekst po niemiecku i wieczorem wybieram się na film "Piekło i niebo" w reż. Stanisława Różewicza, z muzyką niezapomnianego Kilara!
Nie jest to film dziecięcy, choć głównymi bohaterami są dziewięcioletny Piotruś - oraz jego dziadek Ignacy. Trochę film (według opisu) przypomina mi Wniebowstąpienie Konwickieg, powieści powstałej w tych samych latach 1960-tych jak Piekło i niebo, a której akcji również rozgrywa się wyłącznie w zaświatach. Zobaczymy! O 18-tej w Muzeum Literatury na Rynku Starego Miasta.