Dienstag, 12. Dezember 2017

OK Westküste

16 Uhr: Mitschnitt der Verleihung des Dithmarscher Kulturpreises an Manfred Schlüter vom 6.12.17 im Kreishaus Heide.
18 Uhr:  Mitschnitt meiner Lesung im TRaumausstatter Meldorf vom 3.11.17
OK Westküste 105,20 MHz

Samstag, 9. Dezember 2017

Samstag immer noch auf Süderoog

Foto: Holger Spreer
Damit Ihr mal eine Vorstellung habt, was das heißt, "Land unter". Der Anleger von Süderoog, gestern nachmittag kurz nach Sonnenuntergang. Es kam so viel Wasser, wie ich hier noch nie gesehen habe. Am Abend dann Heimkino: "Im Weltraum gibt es keine Gefühle". https://www.youtube.com/watch?v=UMh3AUsj2NA

Freitag, 8. Dezember 2017

Das siebte Landunter

Kommt wie das siebte Weltwunder. Nachts um vier. Ein erschrockener Erpel musste gerettet werden. Guckt etwas zerzaust, schräg und verdreckt. Am Vormittag Schneegraupel und immer noch Südwest. Ich wollte heute aufs Festland übersetzen. Geht aber nicht. Das achte Landunter ist im Anmarsch.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Sturmtief

Ich schaue aus dem Ostfenster im ersten Stock dem wütend auflaufenden Wasser zu und warte auf das sechste landunter. Die Tiere sind alle in Sicherheit auf der Warft. Die Menschen auch.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Nikolaus

Auf Süderoog. Statt Stiefel wird der Frühstückstisch gefüllt. Unsere Stiefel sind nie sauber, sondern immer in Gebrauch. Guckt BBC und ihr seht den Zehnjährigen, der vor drei Monaten seine Kamera beim Spielen am Strand in Ostengland vergessen hat. Dann hat sie die auflaufende Flut mitgenommen und nach Süderoog gebracht. Wie spricht ein Brite den Namen dieser Hallig aus? Und was ist eine Hallig in english?
Heute, gerade jetzt im Heider Kreishaus: Verleihung des Dithmarscher Kulturpreises an Manfred Schlüter. Herzlichen Glückwunsch vom andern Ende der Welt. Ich komme nicht übers Wasser.

Dienstag

Morgenhimmel wie im Bilderbuch. Die Sonne will.heute gar nicht weichen. Die gute Nachricht des Tages kommt am Abend. Der Besitzer der Kamera bzw sein Vater meldet sich endlich von der anderen Seite der Nordsee.

Montag, 4. Dezember 2017

Montag

Schon wieder. Und immer noch Süderoog. Das Wetter wechselt im Viertelstundentakt. Die Geschichte um die hier vor einem Monat angespülte Kamera zieht immer weitere Kreise.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Regenbogen

Die Farben nehmen zu. Das Licht ab. Der Regenbogen spannt sich von Pellworm bis zum Süderoogsand. Das Wasser läuft auf. Am Nachmittag wird der Mond voll.

Samstag, 2. Dezember 2017

Morgenrot

Das schönste Morgenrot, seit ich hier bin. Es gibt frische Blumen für den Hof. Winterfest. Aber nicht Hühner- und Gänsesicher. Die Viecher knabbern alles an, was leuchtet!

Freitag, 1. Dezember 2017

Adventskalender

Wer etwas über Süderoog erfahren will, like bitte die fb-Seite der Hallig Süderoog. Dort kann man ab heute Türchen öffnen:
https://www.facebook.com/halligsuederoog/?fref=ts

Donnerstag, 30. November 2017

Geburtstag

auf der Hallig und das Fernsehen ist da. Aus anderem Grund. Mit dem Morgenhochwasser angekommen auf dem Seenotrettungskreuzer. Ihr habt es bestimmt schon irgendwo gehört, gelesen oder gesehen: Die Geschichte der Kamera, die nach zweimonatiger Unterwasserreise im Spülsaum von Süderoog angespült wurde und vom Vater der Archehof-Betreibers gefunden wurde. Heute abend auf Brisant (oä) oder in irgendeiner Mediathek in irgendeinem Netz.

Mittwoch, 29. November 2017

Handwerker

auf der Hallig. Holz wird angeliefert und die zwei Rinder kommen nach dem Liebesurlaub auf dem Festland endlich wieder an die frische Seeluft zurück.

Dienstag, 28. November 2017

Das fünfte Landunter

Wie immer passiert nichts, außer dass Wasser da ist. Und kaum wird es hell, ist auch schon fast wieder weg.

Montag, 27. November 2017

Verzehrkino

am Montag auf der Hallig. Wir gucken auf der Großleinwand gebannt wie Rungholdt untergegangen sein soll:
https://www.youtube.com/watch?v=DUodQVaBuOk
Und dann die disziplinierten Jungscharen im "Kampf der Tertia"
http://www.filmportal.de/film/der-kampf-der-tertia_c0dcf034f61942eca494da6236154bb6

Sonntag, 26. November 2017

Donnerstag, 23. November 2017

Tomatenernte

Das wird keiner glauben: ich habe heute einen ganzen Eimer voller Tomaten auf Süderoog geerntet. Aus dem Gewächshaus. Bei steifem Wind aus West. Und in Gesellschaft einiger frecher und gefräßiger Pommernsenten.

Mittwoch, 22. November 2017

Fingernagelmond

Schietwetter bis eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang. Danach abnehmender Kitsch am Himmel im Westen, bis der neue Mond auftaucht.

Dienstag, 21. November 2017

Windstille

Ein Tag fast ohne Wind. Trotzdem bin ich nach Sonnenuntergang reif für die Dusche und alles, was ich am Körper trage, ist reif für die Waschmaschine. Ausgleichende Gerechtigkeit. Gut, dass es hier Wasser gibt.

Montag, 20. November 2017

Pressespiegel

Es lohnt sich allemal, zu lesen: die aktuellen Ausgaben von "National Geographic Magazine" (deutsche Ausgabe) und "Mohltied! Das Besseresser-Magazin" aus Schleswig-Holstein. Über die Süderooger und ihren Archehof, zum Thema Glück und die bedrohten Heide-Bienen mitten im Wattenmeer.

Samstag, 18. November 2017

Neumond

Ich bin zum ersten Mal auf Süderoog aufgewacht. Hab bereits zum zweiten Mal Hühner, Enten, Gänse, Schafe gefüttert. Und letztere auch gezählt. Alles ist hier in Reichweite. Auch das Wasser. Es läuft zum Mittag auf die Hallig. Wie immer. Wenn ich ankomme, folgt mir das Wasser.

Man sagt, lese ich, dass man einem Entschluss, etwas verändern oder neu tun zu wollen, möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden folgen sollte - weil die angesammelte frische Energie sonst schnell wieder verpufft im Alltagstrott. Und hin ist hin.

Freitag, 17. November 2017

Süderoog

Ich packe warme Sachen ein und sonst nichts. Mein mächtig gewachsener Maronenbaum hat freundlicherweise gestern die letzten Blätter abgeworfen. Der Meldorfer Garten geht in Winterruhe und ich fahre nach Nordstrand, wo ich mit dem Mittagshochwasser abgeholt werde.
Hallig Süderoog: 54° 27′ 48″ N, 8° 33′ O
ca 1 km lang, ca 800 m breit ergibt ca 6 ha. 1 Warft = höchste Erhebung
Viele Schafe, Gänse, Hühner und Vögel.
 

Donnerstag, 16. November 2017

Donnerstag der Letzte

im November zu Hause. Ich bin am Packen und Aufräumen. Wie immer. Erledige ein paar liegengebliebene Sachen und lasse derweil andere Sachen liegen. Wie immer. To-do-Listen sind bei mir ein Martyrium. Kompetenzstreit zwischen Bleistift und Zettel. Kopf und Fuß. Widerspruchsgeist und Vorfreude.

Mittwoch, 15. November 2017

Mittwoch in der Monatsmitte

Laubberge, Sonnenschein. Der Rasenmäher streikt. Ich wollte ihn zum Laubhäkseln einsetzen. Aber es liegt knietief und ich brauche den Rechen und die Hände.
Mit Verlaub hat nichts mit dem Herbstlaub zu tun. Die Blätter meiner Edelkastanie werden von Jahr zu Jahr größer. Nicht nur mehr, sondern größer. Verlaub ist eine Nebenform zu erlauben, veraltet verlauben. Zu Mittelniederdeutsch mit vorlōve und verlöven = erlauben.
Dann Dienstbesprechung. Was sein muss, muss sein.

Dienstag, 14. November 2017

Dienstag der Vierzehnte

Licht und Wärme am Himmel. Ein glutroter Tagesanfang. Die Farbe wird gleich schwinden, sobald die Sonne aufgeht. So ist das immer.
Nachtrag zum gestrigen Dreizehnten. Der Zug nach Hause hatte natürlich Verspätung. Aber: der geheizte Warteraum am Heider Bahnhof schließt jetzt nicht mehr um 21 Uhr (oder war es 21:30 Uhr? - egal. Er war immer zu, wenn ich von der Probe kam). Sondern bleibt (hopefully) wenigstens den kalten Winter über offen bis zur Einfahrt des letzten Zuges.

Montag, 13. November 2017

Montag der Dreizehnte

Kaum war ich in Heide dem Zug entstiegen und in die Gehstraße eingebogen, fiel der Strom in der Innenstadt komplett aus. Es war stockdunkel wie auf der Hallig. Die Leute ließen sich von den Smartphones den Weg weisen. Ich hatte Licht am Fahrrad. Wir versammelten uns zur Probe im düsteren Flur und warteten. Dann kam das Licht wieder.

Meldorfer Mahnwache

Montag der Dreizehnte.

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Danach Probe für das Adventskonzert in Heide. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Nach dem Totensonntag kommt Vorweihnachten. Wir sind musikalisch der Zeit immer ein gutes Stück voraus. Die Stimme ist mir gestern im Dom abhanden gekommen und ich hoffe sie heute Abend in St. Jürgen wiederzuerlangen. 

Sonntag, 12. November 2017

Ein deutsches Requiem

Wir singen heute in vorauseilendem Gehorsam (wahrscheinlich aufgrund von Terminkollisionen) das Konzert zum Ewigkeitssonntag:
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45, Schicksalslied op. 54.
Zur Einstimmung spielt das Ochester die Tragische Ouvertüre op. 81
Mit:
Hanna Zumsande (Sopran)
Klaus Mertens (Bariton)
Meldorfer Domchor
Lübecker Sinfonietta
Leitung: Paul Nacekievill
Meldorfer Dom, Beginn: 19:30 Uhr
Einführung in das Werk: 18:45 Uhr Pastorin Inken Wöhlbrandt
Restkarten für Kurzentschlossene sind an der Abendkasse erhältlich.

Samstag, 11. November 2017

abgelegt

Mehrere Glühbirnen erlöschen gleichzeitig. Ich stehe auf wackeligen Füßen. 11.11. 11 Uhr Generalprobe im Dom. Dort ist es nicht wärmer als 16°, das haben die Domrestauratoren so festgelegt, damit die alten Fresken nicht wieder anfangen zu schimmeln. Wir werden mindestens 4 Stunden mit Mützen und Handschuhen singen.

Freitag, 10. November 2017

aufgeregt

Regen, Nebel, krank. Besuch aus Pellworm. Mehrmals, wie sich das gehört an so einem Tag, nass geworden. Vor Sonnenuntergang nochmals im Hagelschauer mit dem Laubbesen ums Haus. Was sein muss, muss sein. Den Rest des Tages verbringe ich im Bett.

Donnerstag, 9. November 2017

flachgelegt

Ich wache mit Halsschmerzen und Schnupfen auf. Genauer gesagt, wache ich nicht auf, weil ich gar nicht schlafen konnte.
Trotzdem will ich heute abend zur Lesung von Mareike Krügel ("Sieh mich an") im TRaumausstatter (20 Uhr), weil ich nicht wissen möchte, was ein "bemerkenswert unliterarischer" (Heiner Egge, Lüüd 10/11 2017) Roman ist. Ende der Zitate. Ich kann heute nicht selbstständig denken.

Mittwoch, 8. November 2017

lahmgelegt

Die seismischen Wellen, der Wind, die Raubvögel oder andere mutwillige Hände haben eine Oberleitung heruntergerissen zwischen Elmshorn und Tornesch. Wieder liegt der Bahnverkehr den halben Tag lahm an der Westküste.

Dienstag, 7. November 2017

November

Ja, und? Frostig am Morgen. Aber die klare Luft schärft den Geist. Wohl deshalb mag ich nicht hören, was am Morgen im Radio vorgelesen wird. Ich registriere ganz andere seismische Wellen.

Montag, 6. November 2017

Meldorfer Mahnwache

Am Morgen: Bodenfrost. Der erste?
Am Vorabend: 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 
Am Abend: Brahms, Deutsches Requiem, letzte Domchorprobe vor Generalprobe + Konzert

Sonntag, 5. November 2017

Sonntag

Der Sonntag ist in meinem Manuskript der Putztag. Die Protagonistin reinigt und ölt ihren Nussknacker. Heute treffe ich im Spam-Ordner das Angebot eines "genial" sortierten professionellen Werkzeugsets im Koffer auf Rollen an. Muss ich nun damit vereisen? Der Inhalt soll aus Chrom-Vanadium-Stahl gefertigt sein! Wer auch immer mich ausspäht, er hat endlich meine Vorliebe für präzise Materialbezeichnungen erkannt und bedient sie. Danke!

Samstag, 4. November 2017

Vollmond

Gestern las die Halligschreiberin in dem schönen Veranstaltungsraum in Meldorf, der TRaumausstatter heißt. Das war einst ein Raumausstatter und nun werden dort Träume feilgeboten. In den "Hooger Nüssen" der Halligschreiberin kommt das Wort "Nutella" einmal vor. Sie las vor vollem Saal. Ganz zur Zufriedenheit aller Anwesenden.
Gerade eben, eine Viertelstunde nachdem der Mond noch in der Nacht voll wurde, kam in meinem Spam-Ordner ein Angebot für ein "Nutella-Probierpaket" an. So etwas hatte ich noch nie. Denn die Rasterfahnung nach potentiellen Nutellafrühstückerinnen erfasst keine Ü50.

Freitag, 3. November 2017

Die Halligschreiberin liest

Herzliche Einladung - Heute 20 Uhr, im TRaumausstatter, Süderstr. 9, Meldorf

„Der Handschlag der Tide regelt das Leben der Frau im Watt. Auf Was­ser kann sie sich verlassen. Der Tidenstrom pendelt wie eine Stockuhr durch ihre Pfahlbauhütte. Unverwüstlich. Höflich mit Handkuss. Stur im Auf und Ab. Der Sonnenaufgang hinge­gen ist launisch und Seenebel sind hinterlistig.
Oonagh hört den Stillstand der Gezeit und presst Faschinen zwischen die brusthohen Pfähle. Sie befestigt sie mit Spanndraht. Die Alltagswellen beruhigen sich an den Lahnungen und verrennen sich nicht in die Halligkante. Das Springhochwasser ist ein Durchzügler wie der Steinwälzer. Sobald die Flut gesättigt ist, löst die Ebbe sie ab. Anders der Mond. Die Halligfrau wacht über störungsanfällige Koloniebrüter. Bei Seichtwassertide seihen die Löffler das flache Wasser mit pendelnden Kopfbewegun­gen. Oft verschwindet das Licht unvermutet aus dem Tag. Nie aber fehlt der Schei­telpegel, oder zu Ostern die gefräßigen Ringelgänse. Auch Goldregenpfeifer und Grünschenkel erscheinen pünktlich zum Appell auf der Salzwiese.“ (© Judith Arlt 2017)

Das Jahr 2016 verbrachte ich als Halligschreiberin auf Hallig Hooge und schrieb dort an meiner topologischen Autobiografie „Handschlag der Tide“. Dies ist ein langangelegtes Prosaprojekt, das sich nur am Schauplatz des Er­lebten orientiert und fast ganz ohne handelnde Personen auskommt. Zwei entgegen­gesetzte Landschaften bilden das Zentrum des Textes: die Glarner Alpen und das Wattenmeer. Der Mensch existiert darin höchstens als ein randständiges, wetter­leuchtendes Element.

Eintritt: 8 €, ermäßigt 4 €, im Vorverkauf 7 € bzw. 3,50 €
Vorverkauf: 04832 – 4104
Veranstalter: Peter Panter Buchladen und Unternehmen Leselust – Förderverein der Stadtbücherei Meldorf e.V.

Donnerstag, 2. November 2017

Sonne!

Puh! Was für ein Tag! Frühling, Licht, Leben. Ich arbeite wie ein Ochse. Und draußen dieses gleißende Licht, das einen im Winter am Wattenmeer so kribbelig macht. Pure Sonne. Schreiben ist ständig Zeitschinderei. Abwägen. Jetzt oder nie. Das Singen (Brahms, Meldorf) hingegen wirkt wie ein Blockheizkraftwerk. Dazwischen Zahnarzt. Fahrradausflug 1. Kaffee und Kuchen. Fahrradausflug 2. Manchmal ist es kaum zu glauben, was alles in einen einzigen Tag passt.

Mittwoch, 1. November 2017

Dienstag, 31. Oktober 2017

Refowasser

Zum Reformationspoetryslam lädt der Kirchenkreis Dithmarschen heute ab 17 Uhr in die St. Jürgen-Kirche Heide ein. Der Eintritt ist frei.

Einige der bekanntesten Poetry-Slammer Deutschlands – unter ihnen Mona Harry („Lieberklärung an den Norden“) und die Berliner Slam-Legende Micha Ebeling –  kommen auf Einladung des Kirchenkreises in die Dithmarscher Kreisstadt. Moderiert wird der Wettstreit von Björn Högsdal, selbst bekannter Slam-Poet und erfahrenster Veranstalter Schleswig-Holsteins. „Die Künstler haben große Freiheiten“, sagt Propst Crystall, „es gibt keine Zensur. Das würde der Errungenschaft der Gewissensfreiheit widersprechen, die Luther uns geschenkt hat.“ Inhaltlich sollen sie sich allerdings mit den Themen Religion, Glaube, Reformation oder Luther beschäftigen. Propst Crystall: „Martin Luther soll einmal gesagt haben: `Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!` Das passt gut zum Format Poetry-Slam. Wir sind sehr gespannt, was die Slammer uns in Heide präsentieren werden.“

Montag, 30. Oktober 2017

Brückenwasser

Brückentag. Montag zwischen Sonntag und Feiertag. Ich komme leichter aus dem Bett. Steigbügeltag. Und an den Schreibtisch.

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 29. Oktober 2017

Winterwasser

Herwart hat gute Arbeit geleistet. Es ist ruhig geworden und wieder lauter. Die Straßen sind sauber, das gefallene Laub weggepustet. Ich lag die halbe Nacht wach und lauschte dem leichten Donnern über meinem Kopf und sehnte mich nach meinem Zimmer auf Hooge, nach dem nicht aufhören wollenden Rollen und Grollen und Kommen und Gehen. Nach dem Landunter. Und Landüber. Ich weiß nicht warum. Im Sommer hab ich mich nie nach der Hallig gesehnt. 

Samstag, 28. Oktober 2017

Rekordregenmengen

Der letzte Tag der Sommerzeit. Im Garten werkelt Sturmtief Grischa, der dümpelt noch herum. Im Westen scharrt schon ungeduldig mit den Füßen Herwart. Und irgendwo im Süden zaudert Hoch Vera. Hier schön zu sehen, aufbereitet von der FU-Berlin: 

http://www.met.fu-berlin.de/de/wetter/maps/Analyse_20171028.gif
Wegen Rekordregenmengen der letzten Tage und Wochen warnen Waldexperten und Wetterfrösche vor Sonntagsspaziergängen. Der Boden sei aufgeweicht "wie ein Pudding", vollgesogen "wie ein Schwamm", an vielen Stellen (wie in meinem Garten) stehe das Wasser noch obendrauf. Gestern konnte ich, trotz Sonnenschein und wolkenlosem Himmel, nur in Gummistiefeln meine Wäscheleine bestücken. Die Standfestigkeit der Bäume sei stark herabgesetzt, das Feinwurzelwerk könne die Stämme nicht mehr halten, "Halbgelockertes" drohe jetzt endgültig umzukippen. Ich habe eben noch drei Äpfel geerntet und halte mich des weiteren still am Schreibtisch.

Freitag, 27. Oktober 2017

Taufwasser

Wider Erwarten blauer Himmel und Sonnenschein. Mild wie im Frühling. Mein Tauftag. Ich war also gute drei Wochen alt, als mich Eltern und Taufpaten sowie der diensthabende Pfarrer in Liestal ungefragt der katholischen Kirche übergaben. Es dauerte fünfundvierzig Jahre, bis ich, mündig geworden, im Vollbesitz meiner geistigen und moralischen Kräfte, auf dem Amtsgericht Mitte in Berlin den Austritt erklärte. Gründe gab und gibt es wahrlich genug.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Im Regen zu Hause

Der Kopf ist überlastet und tut den ganzen Tag weh. Zum Glück ist Laub gefallen während meiner Abwesenheit. Zum Glück wird im Morgengrauen die grüne Tonne geleert. Zum Glück hört der Regen irgendwann auf. Zum Glück haben die Hände etwas zu tun, während der Kopf leidet. Zum Glück kommt unerwartet Besuch. Zum Glück hab ich auf meiner Reise eine Packung Antep Fistikli Lokum geschenkt bekommen. Lokum mit Pistazienkernen. Zum Glück vom besten türkischen Confectioner. Haci Bekir. Zum Glück können wir etwas aus der Welt räumen.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Poznań 3

Alles spult sich zurück. Zum Abschied Frida Kahlo und Diego Riviera im Centrum Kultury Zamek in Poznań, dann mit leichter Verspätung über die Oder, nach einem kurzen talk am Hbf über die Spree, über die Elbe mit ein bisschen Licht im Westen am Himmel, dann in tiefster Nacht über den Nordostseekanal. Und zu Fuß nach Hause!

Dienstag, 24. Oktober 2017

Poznań 2

Persönlich: Słowo do Rolfa. Ich zitiere aus meinem eigenen Text: "...Wszystkie moje dzisiejsze słowa skierowane do Ciebie, Rolfie, są zmyślone. Są kreacją post factum, fikcją może post traumy, ale nie bez nadziei, bo chwilami, tak mi się wydaje, przebite promykami poetyckimi.::"

Montag, 23. Oktober 2017

Poznań 1

Offiziell: Fortsetzung vom Essen gestern Abend. Ich sehe alte und neue Bekannte nach Jahren wieder. Nun also hebt der Festakt zu Verleihung der Ehrendoktorwürde der UAM (Uniwersytet Adama Mickiewicza) an meinen Doktorvater an. Ein bisschen absurd. Er wiederum hat nun bereits den dritten Doktorvater, obwohl er längst Prof. Dr. hab und mittlerweile emeritus ist. Die Herrern und Damen des Senats erscheinen in bunten Togen. Jede Fakultät hat ihre Farbe. Sagt man mir. Ein bisschen barock. Und ein bisschen theatralisch. Und trotzdem rührend.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Ausflug übers Wasser

Die Losung für heute:
Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein! (1.Chronik 22,16)

Also mache ich mich auf und fahre mit Sonnenaufgang los. 2 Stunden früher als geplant. Bauarbeiten und Zugausfälle stehen auf der Strecke. Mein Nachbar bringt mich mit dem Auto zum Bahnhof. Wofür ich ihm danke! Ich fahre nach Süden, dann nach Osten. Über den Nordostseekanal. Über die Elbe. Über die Spree. Über die Oder. Kurz vor Ankunft geht die Sonne unter. Und dann kommt der Regen. So lange bin ich unterwegs.

Samstag, 21. Oktober 2017

Zu Hause im Regen

Ich bleibe drin. Schreibe. Räume. Packe.

Ausflug ans Wasser

Dasselbe Wasser. Und doch ganz anders. Dieselbe Bucht. Und doch ganz anders. Derselbe Himmel. Und doch ganz anders. Im Wesselburener Koog. Vor Hillgroven. Müsste eigentlich der Hillgrovener Koog sein. Er regnet und hellt sich auf, während wir im alten Schulhaus sitzen und über schöne Sachen reden.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Neumondwasser

Deshalb lief das Wasser gestern so hoch auf. Weil der Mond heute neu ist! Und ich kann es nicht lassen. Also aller guten Dinge sind drei mal drei plus 1! Ich war nochmals drin. Kein Mensch weit und breit. Die Sonne blass und müde. Ich ritzte mir zum Abschied den Fußrücken auf und blutig, weiß der Himmel wie und womit. Dieses Mal nehme ich mit in den Winter.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Kaltwasser

Abschied vom Meer. Das Neunte und Vorläufig Letzte Abbaden. Aller Guten Dinge sind Drei Mal Drei. Das Wasser ist natürlich kalt. Anders kann man es gar nicht sagen. Läuft aber tapfer auf.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Warmwasser

Die Sonne ist stundenlang als morgenrote Scheibe am Himmel nur zu erahnen ist. Hell wird es nicht. Aber rot: Ophelia ist schuld. Der sogenannte Ex-Hurrikan. Ich dachte, es gibt nur unter Menschen Ex. Ophelia also (warum sie? ich dachte, wir leben in einem Jahr, in dem die Tiefs Shorts wie Männer tragen - oder ist die Ex kein Tief?), oder das, was von ihr übrig geblieben ist, pustet uns Saharasand und Rußpartikel von den Waldbränden in Portugal und Spanien über die Köpfe. Ich erledige, was erledigt werden muss. Heckenschönschnitt. Strauchrückschnitt. Und fülle den ersten Laubsack.

Montag, 16. Oktober 2017

Wassertemperatur

Sie ist nochmals gestiegen! Das Achte Abbaden steht vor der Tür.
Und am Abend:
18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 15. Oktober 2017

Giesswasserüberfluss

Nebel am Morgen. Sonne am Mittag. Wärme am Abend. Ich habe den ganzen Sommer über mein gesammeltes Regenwasser in der Regentonne kaum je gebraucht. Ständig hat es angeblich geregnet. Trotzdem kam ich jeden Tag trockenen Fußes an den Deich. Das kam noch nie vor, seit ich am Wattenmeer lebe. Mitte Oktober und die Regentonne, ich habe gerade ihren Deckel etwas gelüpft und nachgeguckt, ist immer noch bis oben voll. Vor dem ersten Frost sollte ich sie entleeren. Aber wie?

Samstag, 14. Oktober 2017

Wasserfahrt

Auf nach Brunsbüttel:
Jakobuskirche, 19 Uhr: Passend zum Reformationsjubiläum spielt der Heider Kantor Sebastian Schwarze-Wunderlich in seinem Orgelkonzert ein Programm unter dem Titel "Eine fest Burg". Zu hören sind Choralbearbeitungen zu Luther-Liedern sowie freie Orgelwerke aus vier Jahrhunderten von Scheidemann, Hanff, Alberti, Bach, Silcher, Mendelssohn Bartholdy und Schwarze-Wunderlich.

Freitag, 13. Oktober 2017

Fahrwasser

Freitag der Dreizehnte. Schon wieder. Den ganzen Sommer über habe ich "Peter Holtz" gehört, vom Autor selbst gelesen, jeweils am Abend zwanzig bis höchstens fünfundzwanzig Minuten lang. Der Radiosender hat die einzelnen Portionen so kurz zugeschnitten, dass die Zuhörer drei lange Sommermonate lang jeden Abend aufs Neue Peter Holtz über sein glückliches Leben berichten hören mussten. Eine Zumutung, gelinde gesagt, aber man konnte ja jederzeit abschalten. Das Geschwafel dieses Peters und seiner diversen Partner war leer und fad. Ein Buch (fast) nur aus Dialogen. Und Dialoge (fast) nur aus Floskeln wie "Du spinnst ja wohl" oder "Wie kommst Du denn darauf?" Beeindruckend!
Nun habe ich aktuell zwei Wochen lang am Morgen "Die Hauptstadt" gehört. Auch da: Plattitüden bis zum Gehtnichtmehr. TV-Duell-Sprache, talkshowmix, professionell von einem Schauspieler vorgetragen.
Bei Martin Suter irrlichtert ein rosaroter Minielefant durch die erzählte Welt (bringt immerhin Licht ins Dunkel), bei Robert Menasse ein rosarotes Hausschwein durch Brüssel (literarisch vollkommen überflüssig). Ingo Schulze hat kein Flair für Tiere (und steht dazu, Respekt!). Der diesjährige Glarner Kulturpreisträger, Perikles Monioudis hat in seiner Dankesrede vor ein paar Tagen verkündet, dass er durch "Imitation" zum Schriftsteller wurde: «Literatur hat ihre Wurzeln in der Imitation. Ein Buch kann nur schreiben wer – wann und wo auch immer – davon erfahren hat, dass es Bücher gibt. ... Ich wurde Schriftsteller durch die Anverwandlung all dessen, von dem ich mir vorstelle, es mache einen Schriftsteller aus.»
Ich bin fassungslos und kehre in meine Dunkelkammer zurück.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Weihwasser

Die hohen Wellen der Inspiration: Ich lese einen Artikel über "Die Phototopographie und ihre Anwendung auf Luftaufnahmen" von 1921! Darin wird ein drehbarer "Raumlenker" beschrieben, der die sichtbare (oder unsichtbare?) Welt in horizontale und vertikale Komponenten zerlegen kann. Und - so meine unqualifizierte Schlussfolgerung - anders, beliebig, je nach dem, je nach Auftraggeber, wieder zusammensetzt. So entsteht nicht das exakte Abbild der Welt, sondern die perfekte Projektion unserer Wünsche.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Stowasser

Stowasser ist eine Zusammensetzung von slavisch "sto" = Hundert und deutsch Wasser = Wasser. Friedrich Stowasser hat seine bürgerlichen Namen modifiziert, germanisiert, sinnstiftend ergänzt und angereichert zu Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser. Für jeden Tag der Schöpfung ein Name. Hundertwasser wollte seine oder die Kunst überhaupt in den Alltag der Menschen integrieren, nur so, sagte er, hätte sie eine Chance, die Welt zu verändern. Hundertwasser wollte mit seiner Kunst das Gleichgewicht von Mensch und Natur wiederherstellen. Die Spirale war seine Lieblingsform und sie war selten rund, oft eckig, lief um hundert verwinkelte Ecken. Hundertwasser bezeichnete seine Malerei als "vegetative Malerei" und die Malerei überhaupt als "religiöse Beschäftigung". Hundertwasser hat seinen Weg ins Paradies gefunden, die Welt noch nicht. Hundertwasser ist auf dem Wasser gestorben, wo auch sonst, an Bord der Queen Elizabeth 2 im Pazifischen Ozean, und in Neuseeland in seinem Garten der glücklichen Toten, wo auch sonst, unter einem Tulpenbaum begraben.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Wundwasser

Entwürdigt und entweiht. Nach dem schwarzen Dienstag gab es die ganze Woche Razzien in Büros diverser Frauenorganisationen Polenweit. Es wurden Computer beschlagnahmt und Dokumentationen auf Papier mitgenommen. Die Regierung kündigte an, dass Frauenprojekten, Fraueninitiativen, Frauenselbsthilfegruppen sämtliche staatlichen Gelder entzogen werden sollen. Polen wird also in naher Zukunft das einzige Land der Erde sein, wo Frauen wieder ungestraft misshandelt. vergewaltigt und umgebracht werden dürfen - egal ob in- oder außerhalb der Ehe. Egal ob von Säufern, Irren oder zölibatären geistlichen Würdeträgern.

Montag, 9. Oktober 2017

Leitungswasser

... es fließt und fließt und fließt ...
Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 8. Oktober 2017

Abwasser

Das Wort zum Sonntag: Tut mir leid um den voreiligen gestrigen Eintrag. Aber ich werde keine Selbstzensur üben und ihn nicht abändern.
Das Schmutzwasser der europäischen Ketzerei fließt nun also an Polens Grenzen ab, abgewehrt und organisiert von SOLO DIOS BASTA (Gott allein genügt). Einst liebte ich dieses Land. Mittlerweile fällt es mir schwer, es ernst zu nehmen. Tatsächlich beteiligten sich gestern landesweit "Zehntausende" an der Rosenkranz-Aktion, mit der ultrakatholische Polen mit Gebetsformeln auf den Lippen, Weihwassereimern in den Händen, Rosenkranzperlen zwischen den Fingern ihr Land verteidigen wollen.
Wer nur ein bisschen Grips im Hirn hat, weiß, dass damals die Heilige Liga den zahlenmäßig überlegenen Gegnern nur durch Zufall und mit ein bisschen moderner Technik widerstand. In der entscheidenden Phase der Schlacht wurde der Türkenadmiral Ali Pascha durch Kopfschuss hingerichtet, der Kopf vom Rumpf getrennt und als blutige Trophäe am Bug einer der Venezianischen Riesengaleeren aufgespießt. So etwas zermürbt den feindlichen Kampfesgeist. Also doch eine Art Holofernesstory.
Und die Polen frönen im 21. Jahrhundert ihrer kollektiven christlichen Psyche, glauben tatsächlich, der Aufruf von Pius V. zum Rosenkranzbeten habe 1571 dem Vormarsch der Osmanen ein so jähes und schreckliches Ende bereitet. Erstens sind sich Historiker heute einig, dass der Sieg damals politisch und militärisch "wirkungslos" war. Zweitens hat Polen aktuell keine Feinde. Weder Land noch Leute werden von außen bedroht. Teuflisches Gift und Zwietracht sprudeln aus dem Innern. SOLO KACZYNSKI BASTA.

Samstag, 7. Oktober 2017

Wassersegen

Als Kind feierte ich immer am 7. Oktober Namenstag. Das heißt gefeiert wurde nicht, nur behauptet. Ich hätte Namenstag und das war's dann. Die Helvetier sind keine Namenstagsfeierer. Dafür sind andere Nationen zuständig. Die Polen beispielsweise, bis zur Erfindung von facebook reine Namenstagsbegeher, sagen, ich hätte am 6. Mai Namenstag. Und lassen den Worten Taten folgen. Mit diversen ungetrübten Wässerchen (s.o. "Lebenswasser").
Die katholische Kirche feiert heute das Rosenkranzfest - den Sieg des Christentums über die muslimische Gefahr im Mittelmehr, der "Heiligen Liga" über die zahlenmäßig überlegene osmanische Armada bei der Seeschlacht von Lepanto im Golf von Patras am 7.10.1571. Mit diesem Gemetzel habe ich nichts zu tun.
Der Holofernesenthaupterin gedenkt die katholische Kirche, der ich als Säugling ungefragt zugeschlagen wurde, am 7. September. Vielleicht also ein weiterer Schreibfehler in meiner irdischen Existenz?

Freitag, 6. Oktober 2017

Wasseruhrzeit

Schwere Sturmböen, orkanartige Böen aus Südwest. Später aus Nordwest. Bis Bft 11. Und Dauerregen. Starkregen. Anhaltender Starkregen. Sagt die Wetterwarnung voraus. Steigendes Ungemach. Und ich soll zum Zahnarzt, auf die andere Seite der Bahnlinie. Ich verstehe nicht, warum an einem Tag wie heute, mit so konstant schlechtem Wetter, der Wind plötzlich um 90° dreht.
Ich musste mich gerade geistig mächtig anstrengen, um diesen Drehgrad zu ermitteln. Zwischen Südwest und Nordwest liegt weniger von der Erdkugel als zwischen Nord und Süd oder Ost und West.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Mondwasser

Vollmond. Forscher rätseln darüber, woher das Wasser auf dem Mond stammt und wie es dort "überleben" konnte. Denn flüssig auf der Oberfläche kommt es nicht vor. Es müsste oder würde dort auch sofort verdampfen, aufgrund der fehlenden Atmosphäre und geringen Gravitation würden die einzelnen Moleküle sofort in den Weltraum abhauen. Wasser auf dem Mond kommt also nur eingeschlossen in Gestein oder als Eis in "permanent verschatteten Regionen" vor. Wie es dorthin gelangte, weiß niemand. Trug es der Mond immer schon in sich? Kam es durch Kometeneinschläge, bevor er "ganz erstarrt" war? Oder stammt es von der Urmutter Protoerde?
Wie auch immer, potentielle Mondimmigranten könnten überleben, sie müssten nur an das Wasser herankommen und es trinken, bevor es entweicht.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Regenwasser

© Ivka Macioszek / Czarne Szmaty
3/10 - vor einem Jahr war es der schwarze Montag, heute ist es der schwarze Dienstag. Polens Frauen demonstrieren. Sie werden durch die Wochentage hindurch demonstrieren, bis es ihnen gelingt, im Regen mit Schirmen, die realitätsferne und frauenverachtende Regierung zu stürzen.
Heute schmücken sie alle Frauendenkmäler im Land mit dem schwarzen Trauerflor NIE JESTEŚ SAMA (Du bist nicht allein). Hier Toruń in grün.
#niejesteśsama
Czarne Szmaty / #czsz

Montag, 2. Oktober 2017

Mahnwasser

... es fließt und fließt und fließt ...
Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 1. Oktober 2017

Lebenswasser

Der längste Monat des Jahres beginnt. Ich höre zu früher Stunde, noch vor Sonnenaufgang eine Sendung über Whisky oder Whiskey im Radio und erfahre, lerne, was ich nicht wusste, dass das Wort aus dem Gälischen kommt und Lebenswasser heißt. So wie Aquavit. Oder Eau de vie. Oder schlicht, im slavischen Sprachraum, einfach Wodka - der dort allgegenwärtige und beliebte Diminutiv zu woda (= Wasser) also das "Wässerchen".
Der Whisky oder whiskey aber, sagt der Duden, sei eine Verkürzung aus eigentlich whiskybae. Und dies wiederum eine Nebenform von usquebaugh < gälisch uisgebeatha = Lebenswasser. Nun denn! Auf ins Wasser. Der Morgen verspricht Gutes nach der durchregneten Nacht. Flut: 09:32 Uhr. Temperatur: gleichbleibend.

Samstag, 30. September 2017

Herr Rilke

Zum Ende der Septemberherrlichkeit übergebe ich das Wort Herrn Rilke:


Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Aus: Das Buch der Bilder

Freitag, 29. September 2017

herrühren

Herr, wo rührt das her, dass natürlich irgendwann ausgerechnet die Lieblingstasse auf dem gefliesten Küchenboden in hunderttausend winzige Teilchen zersplittert, so dass alles Zähneknirschen nichts mehr hilft, sondern nur Zehenspitzen und Staubsauger vor noch Schlimmerem bewahren?
Wo rührt das her?
Nicht dass ich an Porzellan hängen würde. Ich eliminiere, was ich nur kann. Sortiere aus. Vor allem die beschriebenen Tassen. Ich mag nicht aus Wörtern trinken, schon gar nicht aus Namen, und ganz und gar nicht aus meinem eigenen Vornamen. Nur die schwarzweiße Werbetasse vom Old Royal Observatory, Greenwich war über Jahre, Jahrzehnte täglich in meiner Kaffeepause geduldet. Mit ihrer WESTERN HEMISPHERE und ihrer EASTERN HEMISPHERE. Bis gerade eben, Punkt Mittag GMT, das Universum beim schönsten Sonnenschein im Garten aus meiner Hand fiel und auf den Steinplatten zerdepperte.

Donnerstag, 28. September 2017

herreichen

Herr Eiche naht der Buche. Er reiche mir das Blatt, verlangt sie. Wozu? Er fragt empört.
Frau Buche neigt die Krone. Er reiche mir den Stift, ruft sie. Wie denn? Er schreit entsetzt.
Herr Eiche nimmt Reißaus.
Frau Buche fährt fort.

Mittwoch, 27. September 2017

Herr, es reicht!

Reif und frei liegen nah beieinander. Her(an)reifen. Befreien. Die Edelkastanie wirft die unreifen Kapseln ab. Sie sind stachelig aber blind. Ich sammle sie im Morgengrauen mit Handschuhen ein und entsorge sie. Das ist meine persönliche und eigennützige Vorsichtsmaßnahme. Sonst kann ich im nächsten Sommer nie barfuß durch das Gras laufen. Der Baum weiß genau, was noch reifen kann und was nicht. Wovon er sich jetzt sofort befreien muss, damit das andere noch gedeiht. In diesem Herbst!

Dienstag, 26. September 2017

Herr, womit?

Hab ich das verdient?
Heute Abend zum sechsten und letzten Mal Abendabbaden, ganz allein. Das Wasser ist nach wie vor milde und sanft. Still ruht die See ... Nur das Zurückkehren wird von Tag zu Tag länger, fällt von Tag zu Tag, wie das Laub, schwerer.  

Montag, 25. September 2017

(h)ermahnen

Herr, das blaue Erwachen! Oder: das böse Auge!
Ich fahre zum fünften Abbaden. Mit mir viele andere. full house am Deich. Danach erfrischt zurück zum Südermarkt:
18:00-18:30 Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 24. September 2017

herrschbegierig

Mein Sonntag beginnt und endet als stellvertretende Schriftführerin im Wahlraum des Wahlkreises 2 der Stadt Meldorf. Ich war immer schon eine Lückenbüsserin. Auf dem Marktplatz, rund um den Dom und auf dem Rathausplatz findet derweil das Meldorfer Rot-, Grün- und Weißkohlvergnügen mit u.a. einer Hutmacherin, einer Glasbläserin, einer Spinnerin, einem Ofenbauer, einem Torfbäcker, einem Drescher statt. Hier kann man, sagen die Veranstalter, "hautnah miterleben, wie die Dinge entstehen" und dabei "teilweise ... selbst Hand anlegen". Ja - wir werden heute noch unser buntes Wunder erleben!

Samstag, 23. September 2017

Herr Floh

Der Wind ist still und die Sonne scheint. Ich fahre zum vierten Abbaden. Diesen Floh hab ich mir selbst ins Ohr gesetzt. Ein Abbaden nach dem Andern. Das Wasser ist ein Grad wärmer als noch vor ein paar Tagen und ich schwimme bis zur Boje. 180 Meter, wie mir kürzlich ein Septemberschwimmer erklärte. Und wieder zurück. Nochmals 180 Meter. So etwas, sagte mir der Bojenschwimmer, würde er im Schwimmbad nie machen. Bahnenschwimmen? 360 Meter sind über 7 Bahnen! Und fasst sich an' Kopp, ich doch nicht!
Mit einem Floh im Ohr, sagt die Erklärung zur Redewendung, könne man keinen klaren Gedanken mehr fassen. Man sei besetzt, monothematisch, panisch, unruhig. Autothematisch. Automatisch. Wer sich das ausgedacht hat? Ein Floh, der im Ohr herumhüpft? Der kann sich dort doch auch stillhalten und die Konzentration auf das Wesentliche fördern!

Freitag, 22. September 2017

Herr, es ist Himmel!

Herbst am Himmel. Die Sonne steigt genau im Osten aus dem Nebel. Und wird in fast genau 12 Stunden genau im Westen untergehen. Äquinoktium. Ausgeglichenheit im Universum. Tag- und Nachtgleiche. 

Donnerstag, 21. September 2017

(ach) herrjemine

mit langgezogenem Endungs-e ... das neue Bilderbuch von Manfred Schlüter ist erschienen:

Der kleine Herr Jemine
lebte irgendwo im weiten Weltenraum
auf einem winzigen Planeten und war glücklich. Eigentlich.
Doch irgendetwas fehlte ihm. Immer, immer wieder ...
Eines Tages erkennt er, dass weniger manchmal mehr ist.

Eine Geschichte vom Glücklichsein.
Für kleine und große Menschen.

Verlag Bibliothek der Provinz
24 x 17 cm, 32 Seiten, Hardcover, 18,00 €
ISBN: 978-3-99028-682-1

ach herrjemine mit langgezogenem Endungs-e ist eine volkstümliche Verkürzung der biblisch-christlich-lateinischen Rufformel "Herr Jesu Domine". Man soll den Namen des Herrn nicht leichtfertig aussprechen, sagt die Bibel. Und der Volksmund umgeht dieses Gebot mit Zungenschlag und Zusammenzug.

Mittwoch, 20. September 2017

Herr, es ist Neumond!

Unser kontinuierliches Werden und Vergehen im Spiegel von Alfred Nobel: vor 150 Jahren ließ er sein "Sicherheitspulver", das Dynamit patentieren und wunderte sich danach sehr darüber, dass seine (zufällige oder nicht) Erfindung nicht Friedenstiftend war. In Rendsburg vor ein paar Tagen fand der Referent, Amtsrichter iR, für das gut nachbarschaftliche Verhältnis in unserern Breitengraden folgendes Gleichnis: "In Neubaugebieten werden heutzutage tonnenweise Sprengsätze verbuddelt!"

Dienstag, 19. September 2017

Herr, es ist Kohlanschnitt

Kohlanschnitt mit Habeck als Erntehelfer in Friedrichskoog. Landfrauen. Markttreiben. Krautwerkstatt. Wahlkampf. Dithmarschen feiert bis zur Bundestagswahl seine 80 Millionen Kohlköpfe. Für jeden einen!

Montag, 18. September 2017

Herr, es ist C!

Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Gestern: Großbuchstaben-Aktion vor dem AKW Gundremmingen „B-und-C-Abschalten“. Wer B sagt, muss auch C sagen:

Sonntag, 17. September 2017

herradeln

Kurzentschlossen. Nach zwei Tagen am Nordostseekanal. In einem geschlossenen Raum. Vor dessen Fenster hin und wieder Containerriesen aus aller Herren Länder so gemächlich vorbeizogen, als seien sie einem Video von Viola entstiegen. So langsam. Steige auch ich auf mein Fahrrad. Und knacke am Sonntagmittag seelenruhig die Achttausendermarke. Das Hin- und Herradeln adelt mein Herrenrad. Der Fahrradcomputer zeigt nun 8005 ge(r)adelte, gearltete Kilometer. Die Luft ist sanft, das Wasser kalt, die Strandkörbe noch da, stehen nur ver-rückt und geduckt etwas höher am Deich, die Dusche funktioniert. Nur die Mülleimer sind verschwunden, sowie das DLRG-Häuschen auf Rädern. Abgeschleppt sicherlich vor Sebastian. Und die Badenden fehlen. Ich schwimme ganz allein.

Samstag, 16. September 2017

herrücken

Man kann alles gerade rücken. Hin- und herrücken, bis der rechte Winkel stimmt. In meinem Dienst steht ein Horizontbegradiger. Nachdem ich aber den von ihm schnurgerade gezogenen Horizont auf meinem Bildschirm drei Tage und zwei Nächte wortlos betrachtet habe, rücke ich ihn nun zu vorgerückter Stunde, endlich zurück aus Rendsburg und Hägen (Herr, wo ist das?), wieder in die ursprüngliche Schräglage zurück. Und bin erlöst. Ich glaube nicht, dass der Urknall geometrisch, linear ordnend wirkte oder das Nichts je im Lot war. Womöglich begann alles mit dem goldenen Schnitt, der funktioniert aber auch, wenn er schief im Universum liegt. Ich brauche die dritte, vierte, fünfte Dimension. Nur so kann ich schlafen.

Freitag, 15. September 2017

Herrgottsfrühe

Die Herrgottsfrühe ist meine Lieblingstageszeit. Alles Wichtige, Wesentliche geschieht in aller Herrgottsfrühe. Heute hingegen ist die Herrgottsfrühe uninspiriert: ich verlasse das Bett, den Schreibtisch, das Haus, das Dach überm Kopf und laufe durch strömenden Regen in der Dunkelheit (Herr, wie lang ist's her, dass ich vor Sonnenaufgang auf der Straße war?) zum Zug.

Donnerstag, 14. September 2017

herrichten

Wir richten alles wieder her. Im schönsten Sonnenschein. Meine Nachbarn und ich. Stellen die Mülltonne erst früh vor's Haus und sammeln Äste fremder Bäume ein. Unter meinem Apfelbaum verweile ich länger, fülle einen ganzen Eimer mit unreifen Äpfeln. Die ganze diesjährige Ernte. Ich werde die grünen Früchte auf alle Fensterbretter verteilen und nachreifen lassen. Falls sie das überhaupt zulassen. Was soll ich sonst tun? Sie wieder in den Baum hängen wie Weihnachtskugeln? Ein mächtiges Teil des Baumhauses ist heruntergekracht. Auch innerhalb des Gartens. Wo kein Mensch sich aufhielt. Mit jedem Brett, das fällt, wird dieses Haus luftiger und seine Statik instabiler. Aber alle Bäume sind stehen und alle Ziegel liegen geblieben.

Mittwoch, 13. September 2017

Herr, es ist Sebastian!

Ein Schnellläufer, ein Tief, ein Sturmfeld, ein Orkantief wie damals Christian, nur eineinhalb Monate früher: der erste Herbststurm. Sebastian donnert die stachligen Kapseln meiner Edelkastanie aufs Dach. Sie trägt natürlich noch das volle Laub und ist voller Früchte. Eine Dame in der vollen Kraft ihrer Mitte. Ich hoffe, sie bleibt standhaft und elastisch, beugt sich den ärgsten Böen ohne zu brechen. Ebenso die Dachziegel. Und meine Ohren. Sebastian holt die wenigen Äpfel vorzeitig vom Baum. Mehr wurden's nicht, weil die Blüten im Frühjahr erfroren sind. Und die Birnen sind längst alle am Baum verfault. Sebastian entfernt fürsorglich jetzt schon alles dürre Gehölz aus dem Geäst. Sein Hauptwindfeld ist nun in Dithmarschen, über der Meldorfer Bucht angekommen. Top-Böen Westerhever 147 km/h, SPO 130 km/h, Büsum 124 km/h. Der Bahnverkehr ist komplett eingestellt. Auf der B5 liegen zahlreiche Bäume. Wer nicht raus muss, wird gebeten, zu Hause zu bleiben. Das Wasser läuft bis zu 2 Meter über Normal auf, Sturmflut am Abend. Landunter auf den Halligen. Am Mittwoch, dem Dreizehnten.

Dienstag, 12. September 2017

Herr: Jesaja 66,13

"Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."
Das war die Jahreslosung 2016, wie ich erst jetzt lese.
Haben wir gestern abend in der Domchorprobe geprobt. Brahms Deutsches Requiem, V.

Montag, 11. September 2017

Herr, es ist Mahnwache

Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 10. September 2017

Herr, das ist Helvetia!

Vor zwei Wochen Bergsturz, Murgänge über Bondo im Bergell. Piz Cengalo. Val Bondasca.
Heute früh Eislawine, Gletscherzungenabbruch des seit Jahren tropfenden Triftgletschers (Fließgeschwindigkeit in den letzten Tagen: 2 Meter in 24 Stunden, heute Nacht 3 Meter ...) unter dem Viertausender Weissmies über Saas-Grund. Das Dorf blieb verschont. Die Evakuierten dürfen den Sonntag in ihren unversehrten Häusern verbringen.
Und vor ein paar Tagen luchste tatsächlich der Vollmond in den Tschingelhörnern durch mein Martinsloch auf Elm:
https://www.suedostschweiz.ch/sendungen/2017-09-08/wenn-der-mond-durchs-martinsloch-scheint#.WbLgcw3SgyE.email

Samstag, 9. September 2017

Frau Nina in Wacken

Die Kassandra des 21. Jahrhunderts heißt Nina und ist technisch auf der Höhe der Zeit. Ob aber jemand ihren push-up Nachrichten glauben wird, muss der Ernstfall zeigen.
Heute ist Nina zur Probe im Einsatz. Im Kreis Steinburg, genauer: in Wacken (keine neue Ausgabe des WOA!), Hohenaspe, Hohenlockstedt, findet von 8 bis 17 Uhr  eine "Katastrophenschutz-Großübung" mit 1500 beteiligten Personen und 300 Einsatzwagen statt. Schaulustige, Voyeuristen und potentielle Katastrophentouristen werden gebeten, zu Hause zu bleiben, da sie nicht nur den Ablauf stören, sondern auch sich selbst "in dem großen Trubel" (wie es in einer Pressemitteilung des Kreises heißt), gefährden. Stattdessen kann sich jede und jeder Interessierte, auch im Nachbarkreis Dithmarschen, kostenlos Frau Nina aufs Sofa nach Hause holen: die Warn-App NINA (=Notfalls-Informations- und Nachrichten-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) aufs Smartphone oder Tablet herunterladen und alle für das Übungsszenario relevanten Meldungen in Ruhe empfangen.

Freitag, 8. September 2017

Herr, es regnet!

Mein Frosch und ich gucken aus dem Fenster: es regnet. Das Radio sagt: Dauerregen! Gestern sind wir zweimal verregnet worden. Einmal auf dem Weg zum Deich, den wir leichtsinnigerweise trotz entsprechender Warnung der Wetter-App immer noch mit dem Fahrrad zurücklegen. Und einmal bis auf die Haut abends um zehn, nach der zweiten Chorprobe in dieser Woche.
Ich hatte diesmal nur einen kurzen Heimweg, aber die Zeit reichte aus und Regen kann allmächtig sein, wenn er will, dass alles, was ich auf und bei mir trug, auch der Frosch in meinem Hals, triefte. Meine Tasche, meine Noten, der Brahms, das Requiem, das Schicksalslied und seine düsteren letzten Hölderlinworte! Viermal (nein sechsmal!) permutiert (ja, permutiert durch die Untiefen der Töne durch alle Stimmen hindurch!) auf dem tiefen a landend zuerst, dann immerhin genädiglich auf dem c "... ins Ungewisse hinab!"

Donnerstag, 7. September 2017

Frau Fröscher

Ich habe einen Frosch im Hals, seit ich denken - oder reden kann.  Immer bin ich morgens heiser, muss mich ständig räuspern. Der grüne Lurch, Herr Frosch ist mein treuester Lebenspartner! Daran hat sich auch nichts verändert, seit ich an der Nordsee lebe, auch nicht im Sommer, wenn ich täglich - jetzt gleich wieder! - mit dem Fahrrad die zwölfeinhalb Kilometer gegen steifen Wind an den Deich fahre, mindestens eine Viertelstunde im Meer schwimme und mich danach glücklich vom Rückenwind wieder nach Hause jagen lasse. Im Gegenteil! Auch auf der Hallig, wo ich sozusagen mitten in der Brandungszone lebte und ständig das "maritime Aerosol" um die Nase hatte, das so gesund und schleimlösend sein soll für die Atemwege und alle Haupt- und Nebenhöhlen, blieb die Amphibie fröhlich in meinem Hals hocken.
Dieser Frosch kommt aus dem medizinischen Fachwörterbuch und liebt mich vielleicht deshalb so heiß: "ranula" ist eine Geschwulst im Bereich von Hals oder Zunge und leitet sich ab von lat. "rana" = Frosch. Die harmlose und keine Schmerzen bereitende Geschwulst ist also ein Fröschlein, gefüllt mit Speichel, Bohnen- oder Walnussgroß. Die "ranula" in der Diagnose des HNO-Arztes, die Froschgeschwulst, verursacht Beschwerden beim Schlucken und Sprechen und wird deshalb meist operativ entfernt. Ich behalte meinen Frosch. Denn der erinnert mich an meine helvetische Studienzeit, als ich ein Dachzimmer an der Sommergasse bei Frau Fröscher bewohnte.

Mittwoch, 6. September 2017

Herr, es ist Vollmond

und das Wetter verschlechtert sich von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute vor meinem Fenster. Windwarnungen poppen up. Weil in der Nacht der Himmel zugezogen war wie sonst nur die Vorhänge, habe ich tief und fest geschlafen, erholsam geträumt und werde nun den ganzen Tag meinen Schreibtisch nicht mehr verlassen.

Dienstag, 5. September 2017

Herr Igel

Herr, es ist auch Zeit zum Singen! Die Sommerpause war sehr groß. Und als ich gestern Abend nach der ersten Chorprobe in Heide erst im Dunkeln wieder nach Hause kam, guckte mich Herr Igel in meinem Vorgarten ziemlich verdutzt an. So verdutzt wie ich ihn. Er suchte nicht das Weite, ich auch nicht. Wir warteten beide ungläubig ab. Seelenruhig. Geduldig. Wer ist denn hier zu Hause? Und wer der  oder die nächtliche Eindringling? Normalerweise bin ich um diese Zeit längst im Haus drin und nicht mehr im Vorgarten. Und wenn ich doch einmal aushäusig mich vergnüge, betrete ich zu nachtschlafener Zeit das Haus still durch den Hintereingang. Herr Igel gewann. Ich verschwand zuerst. Durch die Haustür. Und mit mir das grelle Außenlicht. Herr Igel duckte sich. Auf seine Stacheln reagiert der Bewegungsmelder nicht. Und dann zuckelte er zufrieden unter den Rhododendron. Ich guckte natürlich aus meinem Versteck zu. Der Strauch ist mächtig nachgewachsen, nachdem ich ihn nach der Blüte im Frühjahr rabiat zurückgestutzt hatte. Vor ein paar Wochen schob ich, aus lauter Not, weil ich nicht wusste, wohin mit dem vielen Zeug, ganze Berge von Samenfäden der Edelkastanie darunter. Und vergaß das ansehnliche Ensemble an der warmen Hausecke. Sehr zum Wohle der Familie Igel, nehme ich nun an. Herr Igel war bestimmt unterwegs zu Frau Igel, die gerade ihre Jungigel säugte!

Montag, 4. September 2017

Herr, es ist Mahnwachenzeit

Castor-Alarm auf dem Neckar:
Neckarwestheim:  "Das leere Transportschiff ist auf dem Weg nach Obrigheim, um dort die drei Castoren für die zweite Atommüllverschiebung auf dem Neckar zu laden. Der Castor-Transport ins marode Zwischenlager in Neckarwestheim wird also morgen oder übermorgen stattfinden. Aktive vom Bündnis „Neckar castorfrei“ sind vor Ort und schicken aktuelle Informationen über twitter oder SMS.
Am Tag X, wenn der Transport mit dem hochradioaktiven Atommüll über den Neckar geht, brauchen die Menschen vor Ort dringend Unterstützung. Mach Dich, wenn Du Zeit hast, auf den Weg und sorge dafür, dass der Protest gegen die sinnlosen und gefährlichen Castor-Transporte stark wird. Beim letzten Mal haben wenige Menschen an verschiedenen Stellen der Transportstrecke mit viel Kreativität für hohe mediale Aufmerksamkeit gesorgt – das kann auch diesmal gelingen.
Aktionsort ist diesmal Lauffen am alten Neckararm, dort sind für den Transporttag zwei Mahnwachen angemeldet. Los geht es um 10 Uhr. Wer erst später kann, ist bis 14 Uhr auf jeden Fall noch rechtzeitig. Aber auch danach kann es noch sinnvoll sein, nach Lauffen zu kommen, je nachdem, wie lange das Schiff tatsächlich braucht."
Mahnwache 1: Uferstraße am alten Neckar-Seitenarm
Mahnwache 2: Marktplatz, Rathausstraße 
Weitere Infos auf der Bündnis-Website

Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 3. September 2017

Herr! Es ist grün

Auf facebook werde ich regelmäßig mit meinen eigenen "Erinnerungen" konfrontiert. Das heißt, irgendjemand oder irgendetwas generiert aus meinem lifestream irgendetwas, was er oder sie oder es als "erinnerungswürdig" einstuft und mir deshalb vorschlägt, ich solle meine Erinnerung erneut in die facebook-Welt posten, also sie multiplizieren, und die community so an meiner facebook-gefertigten Geschichte teilhaben lassen. Ich ärgere mich so regelmäßig darüber, wie mir die Aufforderung regelmäßig entgegentritt. Es gelingt mir nicht, dem System zu übermitteln, dass ich an seiner fürsorglichen, für mich personalisierten Vergangenheitsarchitektur kein Interesse habe. Es wird mir, in naher oder ferner Zukunft wohl nichts anderes übrig bleiben, als meinen facebook-account zu löschen, so unwiderruflich, wie es das System zulässt. 
Nun tue ich hier etwas ähnliches, betreibe aus eigenem Antrieb, höchstselbst und freiwillig Erinnerungskultur:
Ein Ausschnitt aus dem Garten vor fünf Jahren, unmittelbar nach der Rodung einer unansehnlichen Hecke und der professionellen Pflanzung von 12 rhizombildenden Bambusjünglingen. Ich erinnere mich, dass damals ein Nachbar anerkennend sagte, wir hätten ja nun viel Licht gewonnen.

Derselbe Ausschnitt heute. Die lichtdurchlässige Bambushecke präsentiert sich, von demselben Dachfenster aus gesehen, mit massivem Grüngewinn!

Samstag, 2. September 2017

"Herr, es ist Zeit"

Vor Sonnenaufgang einstellige Temperaturen. Morgennebel. Herbst! Im Titel ein wörtliches Zitat, ein lyrisches, der Weltliteratur entnommenes - deshalb entsprechend gekennzeichnet. Der Titel des deutschen Herbstgedichts per se. Es gibt auch Jahreslosungen, wie ich im Rahmen meiner Brotbackrecherchen herausgefunden habe. Und die Losungen, die Bibelstellen aus dem Neuen oder Alten Testament, werden tatsächlich per Los ermittelt. Herr es ist Zeit, ein neues Los zu werfen. Oder zu ziehen.

Freitag, 1. September 2017

Herr, es ist Herbst

Ich habe seit einiger Zeit die Tageslosungen elektronisch abonniert. Sie kommen pünktlich und zuverlässig, während ich schlafe, immer kurz nach Mitternacht. Ich brauche ab und zu einen guten Bibelspruch für die Bäckerlegenden und lasse mir mittlerweile die Anregungen kostenfrei ins Haus liefern. So einfach ist das. Heute kam Psalm 90, 1.2. "Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit." Ich frage mich sofort, wo das Wasser, die Weltmeere, vor allem aber das Wattenmeer abgeblieben sind. Und warum 2 x "wurden". So leider unzitierbar.
Das erste "wurden" könnte ohne Not zum Beispiel durch das Verb "entstanden" oder meinetwegen archaischer "erstanden" ersetzt werden. Die August-Präfixe stehen immer noch auf Abruf bereit in meinem Hirn. Es regnet heftig. Kein Morgenschwimmen.

Donnerstag, 31. August 2017

erfolgt

Mission completed. Ich fahre ein letztes Mal zum Abendschwimmen, zum Sonnenuntergangsschwimmen. Bin Mutterseelenallein. Das Wasser ist gnädig und sanft, wärmer als die Luft. Die Rückfahrt ist kalt. Sobald die Sonne weg ist, wird es tatsächlich Herbst. Der Himmel tröstet über das Wetter, bunt aufgetürmt und mehrschichtig. Was Wolken ausmachen! Nächstes Jahr fahre ich mit Bleistift und Papier zum Schwimmen, nehme ich mir vor, und schreibe ein Horizonttagebuch. Das Licht am Fahrrad funktioniert, ich habe es den ganzen Sommer über nie gebraucht. Der Abpfiff dieser entsetzlichen Präfixsammlung erfolgt kurz vor Mitternacht. Ich schlafe dann schon, mir sitzt das Fieber der Nordsee im Blut, in den Füßen, in den Waden, auf der Brust, in den Armen und im Kopf.

Mittwoch, 30. August 2017

erheischen

Ästhetisch erbauender als das Buddeln nach Eisbergen in Krankenhausarchiven und auf Friedhöfen ist das erhaschen, ersuchen, erspüren, ergreifen, errichten des Verschwindens. Die kreative Sicht auf Naturereignisse. Darüber berichtete ich bereits am 29.11.16 http://amwattenmeer.blogspot.de/search?q=glacier. Julia Calfees Requiem für den Läntagletscher. Auch im Graubünden. Aber etwa 50 km Luftlinie nordwestlich vom Pizzo Cengalo. Das von Julia Calfee gespeicherte Tröpfeln des Gletschereises ist nicht verantwortlich für den jüngsten Bergsturz über Bondo.
Es gibt weltweit mittlerweile Versuche, das Verschwinden der Gletscher zu beweinen. So wie die Barockdichter den Tod ihrer Kinder beweinten, beschwören heute Ton- und Bildkünstler die Veränderung eines Aggregatzustandes, das Tauen! Zum Beispiel Paul Walde: Requiem for a Glacier https://www.indiegogo.com/projects/requiem-for-a-glacier#/
Oder das Ensemble Tétraflûtes: Gletscher-Requiem - Requiem des glaciers
https://vimeo.com/201130259
Hier eine Vorankündigung, wer einen der beschränkten Plätze im Luzerner Gletschergarten ergattern will, kann sich heute schon anmelden:

Ein Klagelied des schmelzenden Gletschers.
Ein Multimediales Konzert mit dem Ensemble Tétraflûtes:
Dienstag, 21. November 2017 um 18:30 Uhr im Gletschergarten Luzern.
Werke von: Andreas Zurbriggen, Doina Rotaru, Dorothea Hofmann, Dai Fujikura, Joseph Lauber
Videoproduktion: Stephan Hermann
Ausführende: Ensemble Tétraflûtes
Platzzahl beschränkt, Anmeldung empfohlen. Alle Informationen im Überblick finden Sie im Flyer Gletscher-Requiem (PDF)

Dienstag, 29. August 2017

enthemmt

Gestern Nachmittag traf eine mail von "guestbooking" der DW, englischer Dienst mit dem Betreff "Television Interview Request August 28th, 2107" ein. Zukunftsvision? Nein. Jahreszahlendreher. Corey schreibt: "I am looking for the daughter in law of one or the murdered patients of Niels H."
Als erstes googelte ich Niels H., den ich leider kenne, mit dem ich aber nichts zu tun habe. Tatsächlich gab es am Vormittag eine Pressekonferenz, auf der "die Spitze des Eisberges" - 84 bis 90, je nach Quelle, von Niels H. getötete Patienten - präsentiert wurde. So etwas re-aktiviert, re-elektrisiert die gefräßige Presse immer sofort (siehe zB hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/niels-h-soll-90-patienten-getoetet-haben-der-totmacher/20250326.html).
Als zweites antwortete ich Corey: "My father-in-law has been murdered by Irene B.", und verwies auf mein Buch.
Machen Sprache, Geschlecht, Buchstaben und Initialen irgendeinen Unterschied? Nein. Eisbergspitzen gibt es überall. Man muss sie nur erkennen wollen. Genauso wie das enthemmte Töten in Kliniken an sich. Das Krankenhaus ist der perfekte Tatort der neuesten Neuzeit.
Corey ließ nicht locker. Er oder sie (als drittes googelte ich ein zweites Mal: ich wollte wissen, ob Corey ein Frauen- oder Männervorname ist - ich traue aber getreu meinem angeborenen und dankt "dieser Sache" übersteigerten Misstrauen dem Ergebnis nicht) wollte mich tatsächlich am Abend im Berliner Studio der DW an der Voltastraße haben.
Als viertes antwortete ich Corey ein zweites (und letztes, wie ich mir fest vornahm) Mal: "I'm living by the Wadden Sea, about 400 km from Berlin and this evening, during your English shows, I must swim at high tide".

Da wir hier nicht immer Wasser im Meer haben, richtet sich mein Leben seit zehn Jahren nach der Tide. Das ist meine einzige kleine Freiheit, die ich aus "dieser Sache" (wie der Vorsitzende Richter im Honeckersaal des Berliner Amtsgerichts während des Prozesses gegen Irene B. zu sagen pflegte) gewonnen habe.