Mittwoch, 18. Oktober 2017

Kaltwasser

Abschied vom Meer. Das Neunte und Letzte Abbaden. Aller Guten Dinge sind Drei Mal Drei. Das Wasser ist natürlich kalt. Anders kann man es gar nicht sagen. Läuft aber tapfer auf.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Warmwasser

Die Sonne ist stundenlang als morgenrote Scheibe am Himmel nur zu erahnen ist. Hell wird es nicht. Aber rot: Ophelia ist schuld. Der sogenannte Ex-Hurrikan. Ich dachte, es gibt nur unter Menschen Ex. Ophelia also (warum sie? ich dachte, wir leben in einem Jahr, in dem die Tiefs Shorts wie Männer tragen - oder ist die Ex kein Tief?), oder das, was von ihr übrig geblieben ist, pustet uns Saharasand und Rußpartikel von den Waldbränden in Portugal und Spanien über die Köpfe. Ich erledige, was erledigt werden muss. Heckenschönschnitt. Strauchrückschnitt. Und fülle den ersten Laubsack.

Montag, 16. Oktober 2017

Wassertemperatur

Sie ist nochmals gestiegen! Das Achte Abbaden steht vor der Tür.
Und am Abend:
18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 15. Oktober 2017

Giesswasserüberfluss

Nebel am Morgen. Sonne am Mittag. Wärme am Abend. Ich habe den ganzen Sommer über mein gesammeltes Regenwasser in der Regentonne kaum je gebraucht. Ständig hat es angeblich geregnet. Trotzdem kam ich jeden Tag trockenen Fußes an den Deich. Das kam noch nie vor, seit ich am Wattenmeer lebe. Mitte Oktober und die Regentonne, ich habe gerade ihren Deckel etwas gelüpft und nachgeguckt, ist immer noch bis oben voll. Vor dem ersten Frost sollte ich sie entleeren. Aber wie?

Samstag, 14. Oktober 2017

Wasserfahrt

Auf nach Brunsbüttel:
Jakobuskirche, 19 Uhr: Passend zum Reformationsjubiläum spielt der Heider Kantor Sebastian Schwarze-Wunderlich in seinem Orgelkonzert ein Programm unter dem Titel "Eine fest Burg". Zu hören sind Choralbearbeitungen zu Luther-Liedern sowie freie Orgelwerke aus vier Jahrhunderten von Scheidemann, Hanff, Alberti, Bach, Silcher, Mendelssohn Bartholdy und Schwarze-Wunderlich.

Freitag, 13. Oktober 2017

Fahrwasser

Freitag der Dreizehnte. Schon wieder. Den ganzen Sommer über habe ich "Peter Holtz" gehört, vom Autor selbst gelesen, jeweils am Abend zwanzig bis höchstens fünfundzwanzig Minuten lang. Der Radiosender hat die einzelnen Portionen so kurz zugeschnitten, dass die Zuhörer drei lange Sommermonate lang jeden Abend aufs Neue Peter Holtz über sein glückliches Leben berichten hören mussten. Eine Zumutung, gelinde gesagt, aber man konnte ja jederzeit abschalten. Das Geschwafel dieses Peters und seiner diversen Partner war leer und fad. Ein Buch (fast) nur aus Dialogen. Und Dialoge (fast) nur aus Floskeln wie "Du spinnst ja wohl" oder "Wie kommst Du denn darauf?" Beeindruckend!
Nun habe ich aktuell zwei Wochen lang am Morgen "Die Hauptstadt" gehört. Auch da: Plattitüden bis zum Gehtnichtmehr. TV-Duell-Sprache, talkshowmix, professionell von einem Schauspieler vorgetragen.
Bei Martin Suter irrlichtert ein rosaroter Minielefant durch die erzählte Welt (bringt immerhin Licht ins Dunkel), bei Robert Menasse ein rosarotes Hausschwein durch Brüssel (literarisch vollkommen überflüssig). Ingo Schulze hat kein Flair für Tiere (und steht dazu, Respekt!). Der diesjährige Glarner Kulturpreisträger, Perikles Monioudis hat in seiner Dankesrede vor ein paar Tagen verkündet, dass er durch "Imitation" zum Schriftsteller wurde: «Literatur hat ihre Wurzeln in der Imitation. Ein Buch kann nur schreiben wer – wann und wo auch immer – davon erfahren hat, dass es Bücher gibt. ... Ich wurde Schriftsteller durch die Anverwandlung all dessen, von dem ich mir vorstelle, es mache einen Schriftsteller aus.»
Ich bin fassungslos und kehre in meine Dunkelkammer zurück.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Weihwasser

Die hohen Wellen der Inspiration: Ich lese einen Artikel über "Die Phototopographie und ihre Anwendung auf Luftaufnahmen" von 1921! Darin wird ein drehbarer "Raumlenker" beschrieben, der die sichtbare (oder unsichtbare?) Welt in horizontale und vertikale Komponenten zerlegen kann. Und - so meine unqualifizierte Schlussfolgerung - anders, beliebig, je nach dem, je nach Auftraggeber, wieder zusammensetzt. So entsteht nicht das exakte Abbild der Welt, sondern die perfekte Projektion unserer Wünsche.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Stowasser

Stowasser ist eine Zusammensetzung von slavisch "sto" = Hundert und deutsch Wasser = Wasser. Friedrich Stowasser hat seine bürgerlichen Namen modifiziert, germanisiert, sinnstiftend ergänzt und angereichert zu Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser. Für jeden Tag der Schöpfung ein Name. Hundertwasser wollte seine oder die Kunst überhaupt in den Alltag der Menschen integrieren, nur so, sagte er, hätte sie eine Chance, die Welt zu verändern. Hundertwasser wollte mit seiner Kunst das Gleichgewicht von Mensch und Natur wiederherstellen. Die Spirale war seine Lieblingsform und sie war selten rund, oft eckig, lief um hundert verwinkelte Ecken. Hundertwasser bezeichnete seine Malerei als "vegetative Malerei" und die Malerei überhaupt als "religiöse Beschäftigung". Hundertwasser hat seinen Weg ins Paradies gefunden, die Welt noch nicht. Hundertwasser ist auf dem Wasser gestorben, wo auch sonst, an Bord der Queen Elizabeth 2 im Pazifischen Ozean, und in Neuseeland in seinem Garten der glücklichen Toten, wo auch sonst, unter einem Tulpenbaum begraben.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Wundwasser

Entwürdigt und entweiht. Nach dem schwarzen Dienstag gab es die ganze Woche Razzien in Büros diverser Frauenorganisationen Polenweit. Es wurden Computer beschlagnahmt und Dokumentationen auf Papier mitgenommen. Die Regierung kündigte an, dass Frauenprojekten, Fraueninitiativen, Frauenselbsthilfegruppen sämtliche staatlichen Gelder entzogen werden sollen. Polen wird also in naher Zukunft das einzige Land der Erde sein, wo Frauen wieder ungestraft misshandelt. vergewaltigt und umgebracht werden dürfen - egal ob in- oder außerhalb der Ehe. Egal ob von Säufern, Irren oder zölibatären geistlichen Würdeträgern.

Montag, 9. Oktober 2017

Leitungswasser

... es fließt und fließt und fließt ...
Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 8. Oktober 2017

Abwasser

Das Wort zum Sonntag: Tut mir leid um den voreiligen gestrigen Eintrag. Aber ich werde keine Selbstzensur üben und ihn nicht abändern.
Das Schmutzwasser der europäischen Ketzerei fließt nun also an Polens Grenzen ab, abgewehrt und organisiert von SOLO DIOS BASTA (Gott allein genügt). Einst liebte ich dieses Land. Mittlerweile fällt es mir schwer, es ernst zu nehmen. Tatsächlich beteiligten sich gestern landesweit "Zehntausende" an der Rosenkranz-Aktion, mit der ultrakatholische Polen mit Gebetsformeln auf den Lippen, Weihwassereimern in den Händen, Rosenkranzperlen zwischen den Fingern ihr Land verteidigen wollen.
Wer nur ein bisschen Grips im Hirn hat, weiß, dass damals die Heilige Liga den zahlenmäßig überlegenen Gegnern nur durch Zufall und mit ein bisschen moderner Technik widerstand. In der entscheidenden Phase der Schlacht wurde der Türkenadmiral Ali Pascha durch Kopfschuss hingerichtet, der Kopf vom Rumpf getrennt und als blutige Trophäe am Bug einer der Venezianischen Riesengaleeren aufgespießt. So etwas zermürbt den feindlichen Kampfesgeist. Also doch eine Art Holofernesstory.
Und die Polen frönen im 21. Jahrhundert ihrer kollektiven christlichen Psyche, glauben tatsächlich, der Aufruf von Pius V. zum Rosenkranzbeten habe 1571 dem Vormarsch der Osmanen ein so jähes und schreckliches Ende bereitet. Erstens sind sich Historiker heute einig, dass der Sieg damals politisch und militärisch "wirkungslos" war. Zweitens hat Polen aktuell keine Feinde. Weder Land noch Leute werden von außen bedroht. Teuflisches Gift und Zwietracht sprudeln aus dem Innern. SOLO KACZYNSKI BASTA.

Samstag, 7. Oktober 2017

Wassersegen

Als Kind feierte ich immer am 7. Oktober Namenstag. Das heißt gefeiert wurde nicht, nur behauptet. Ich hätte Namenstag und das war's dann. Die Helvetier sind keine Namenstagsfeierer. Dafür sind andere Nationen zuständig. Die Polen beispielsweise, bis zur Erfindung von facebook reine Namenstagsbegeher, sagen, ich hätte am 6. Mai Namenstag. Und lassen den Worten Taten folgen. Mit diversen ungetrübten Wässerchen (s.o. "Lebenswasser").
Die katholische Kirche feiert heute das Rosenkranzfest - den Sieg des Christentums über die muslimische Gefahr im Mittelmehr, der "Heiligen Liga" über die zahlenmäßig überlegene osmanische Armada bei der Seeschlacht von Lepanto im Golf von Patras am 7.10.1571. Mit diesem Gemetzel habe ich nichts zu tun.
Der Holofernesenthaupterin gedenkt die katholische Kirche, der ich als Säugling ungefragt zugeschlagen wurde, am 7. September. Vielleicht also ein weiterer Schreibfehler in meiner irdischen Existenz?

Freitag, 6. Oktober 2017

Wasseruhrzeit

Schwere Sturmböen, orkanartige Böen aus Südwest. Später aus Nordwest. Bis Bft 11. Und Dauerregen. Starkregen. Anhaltender Starkregen. Sagt die Wetterwarnung voraus. Steigendes Ungemach. Und ich soll zum Zahnarzt, auf die andere Seite der Bahnlinie. Ich verstehe nicht, warum an einem Tag wie heute, mit so konstant schlechtem Wetter, der Wind plötzlich um 90° dreht.
Ich musste mich gerade geistig mächtig anstrengen, um diesen Drehgrad zu ermitteln. Zwischen Südwest und Nordwest liegt weniger von der Erdkugel als zwischen Nord und Süd oder Ost und West.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Mondwasser

Vollmond. Forscher rätseln darüber, woher das Wasser auf dem Mond stammt und wie es dort "überleben" konnte. Denn flüssig auf der Oberfläche kommt es nicht vor. Es müsste oder würde dort auch sofort verdampfen, aufgrund der fehlenden Atmosphäre und geringen Gravitation würden die einzelnen Moleküle sofort in den Weltraum abhauen. Wasser auf dem Mond kommt also nur eingeschlossen in Gestein oder als Eis in "permanent verschatteten Regionen" vor. Wie es dorthin gelangte, weiß niemand. Trug es der Mond immer schon in sich? Kam es durch Kometeneinschläge, bevor er "ganz erstarrt" war? Oder stammt es von der Urmutter Protoerde?
Wie auch immer, potentielle Mondimmigranten könnten überleben, sie müssten nur an das Wasser herankommen und es trinken, bevor es entweicht.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Regenwasser

© Ivka Macioszek / Czarne Szmaty
3/10 - vor einem Jahr war es der schwarze Montag, heute ist es der schwarze Dienstag. Polens Frauen demonstrieren. Sie werden durch die Wochentage hindurch demonstrieren, bis es ihnen gelingt, im Regen mit Schirmen, die realitätsferne und frauenverachtende Regierung zu stürzen.
Heute schmücken sie alle Frauendenkmäler im Land mit dem schwarzen Trauerflor NIE JESTEŚ SAMA (Du bist nicht allein). Hier Toruń in grün.
#niejesteśsama
Czarne Szmaty / #czsz

Montag, 2. Oktober 2017

Mahnwasser

... es fließt und fließt und fließt ...
Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 1. Oktober 2017

Lebenswasser

Der längste Monat des Jahres beginnt. Ich höre zu früher Stunde, noch vor Sonnenaufgang eine Sendung über Whisky oder Whiskey im Radio und erfahre, lerne, was ich nicht wusste, dass das Wort aus dem Gälischen kommt und Lebenswasser heißt. So wie Aquavit. Oder Eau de vie. Oder schlicht, im slavischen Sprachraum, einfach Wodka - der dort allgegenwärtige und beliebte Diminutiv zu woda (= Wasser) also das "Wässerchen".
Der Whisky oder whiskey aber, sagt der Duden, sei eine Verkürzung aus eigentlich whiskybae. Und dies wiederum eine Nebenform von usquebaugh < gälisch uisgebeatha = Lebenswasser. Nun denn! Auf ins Wasser. Der Morgen verspricht Gutes nach der durchregneten Nacht. Flut: 09:32 Uhr. Temperatur: gleichbleibend.

Samstag, 30. September 2017

Herr Rilke

Zum Ende der Septemberherrlichkeit übergebe ich das Wort Herrn Rilke:


Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Aus: Das Buch der Bilder

Freitag, 29. September 2017

herrühren

Herr, wo rührt das her, dass natürlich irgendwann ausgerechnet die Lieblingstasse auf dem gefliesten Küchenboden in hunderttausend winzige Teilchen zersplittert, so dass alles Zähneknirschen nichts mehr hilft, sondern nur Zehenspitzen und Staubsauger vor noch Schlimmerem bewahren?
Wo rührt das her?
Nicht dass ich an Porzellan hängen würde. Ich eliminiere, was ich nur kann. Sortiere aus. Vor allem die beschriebenen Tassen. Ich mag nicht aus Wörtern trinken, schon gar nicht aus Namen, und ganz und gar nicht aus meinem eigenen Vornamen. Nur die schwarzweiße Werbetasse vom Old Royal Observatory, Greenwich war über Jahre, Jahrzehnte täglich in meiner Kaffeepause geduldet. Mit ihrer WESTERN HEMISPHERE und ihrer EASTERN HEMISPHERE. Bis gerade eben, Punkt Mittag GMT, das Universum beim schönsten Sonnenschein im Garten aus meiner Hand fiel und auf den Steinplatten zerdepperte.

Donnerstag, 28. September 2017

herreichen

Herr Eiche naht der Buche. Er reiche mir das Blatt, verlangt sie. Wozu? Er fragt empört.
Frau Buche neigt die Krone. Er reiche mir den Stift, ruft sie. Wie denn? Er schreit entsetzt.
Herr Eiche nimmt Reißaus.
Frau Buche fährt fort.

Mittwoch, 27. September 2017

Herr, es reicht!

Reif und frei liegen nah beieinander. Her(an)reifen. Befreien. Die Edelkastanie wirft die unreifen Kapseln ab. Sie sind stachelig aber blind. Ich sammle sie im Morgengrauen mit Handschuhen ein und entsorge sie. Das ist meine persönliche und eigennützige Vorsichtsmaßnahme. Sonst kann ich im nächsten Sommer nie barfuß durch das Gras laufen. Der Baum weiß genau, was noch reifen kann und was nicht. Wovon er sich jetzt sofort befreien muss, damit das andere noch gedeiht. In diesem Herbst!

Dienstag, 26. September 2017

Herr, womit?

Hab ich das verdient?
Heute Abend zum sechsten und letzten Mal Abendabbaden, ganz allein. Das Wasser ist nach wie vor milde und sanft. Still ruht die See ... Nur das Zurückkehren wird von Tag zu Tag länger, fällt von Tag zu Tag, wie das Laub, schwerer.  

Montag, 25. September 2017

(h)ermahnen

Herr, das blaue Erwachen! Oder: das böse Auge!
Ich fahre zum fünften Abbaden. Mit mir viele andere. full house am Deich. Danach erfrischt zurück zum Südermarkt:
18:00-18:30 Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 24. September 2017

herrschbegierig

Mein Sonntag beginnt und endet als stellvertretende Schriftführerin im Wahlraum des Wahlkreises 2 der Stadt Meldorf. Ich war immer schon eine Lückenbüsserin. Auf dem Marktplatz, rund um den Dom und auf dem Rathausplatz findet derweil das Meldorfer Rot-, Grün- und Weißkohlvergnügen mit u.a. einer Hutmacherin, einer Glasbläserin, einer Spinnerin, einem Ofenbauer, einem Torfbäcker, einem Drescher statt. Hier kann man, sagen die Veranstalter, "hautnah miterleben, wie die Dinge entstehen" und dabei "teilweise ... selbst Hand anlegen". Ja - wir werden heute noch unser buntes Wunder erleben!

Samstag, 23. September 2017

Herr Floh

Der Wind ist still und die Sonne scheint. Ich fahre zum vierten Abbaden. Diesen Floh hab ich mir selbst ins Ohr gesetzt. Ein Abbaden nach dem Andern. Das Wasser ist ein Grad wärmer als noch vor ein paar Tagen und ich schwimme bis zur Boje. 180 Meter, wie mir kürzlich ein Septemberschwimmer erklärte. Und wieder zurück. Nochmals 180 Meter. So etwas, sagte mir der Bojenschwimmer, würde er im Schwimmbad nie machen. Bahnenschwimmen? 360 Meter sind über 7 Bahnen! Und fasst sich an' Kopp, ich doch nicht!
Mit einem Floh im Ohr, sagt die Erklärung zur Redewendung, könne man keinen klaren Gedanken mehr fassen. Man sei besetzt, monothematisch, panisch, unruhig. Autothematisch. Automatisch. Wer sich das ausgedacht hat? Ein Floh, der im Ohr herumhüpft? Der kann sich dort doch auch stillhalten und die Konzentration auf das Wesentliche fördern!

Freitag, 22. September 2017

Herr, es ist Himmel!

Herbst am Himmel. Die Sonne steigt genau im Osten aus dem Nebel. Und wird in fast genau 12 Stunden genau im Westen untergehen. Äquinoktium. Ausgeglichenheit im Universum. Tag- und Nachtgleiche. 

Donnerstag, 21. September 2017

(ach) herrjemine

mit langgezogenem Endungs-e ... das neue Bilderbuch von Manfred Schlüter ist erschienen:

Der kleine Herr Jemine
lebte irgendwo im weiten Weltenraum
auf einem winzigen Planeten und war glücklich. Eigentlich.
Doch irgendetwas fehlte ihm. Immer, immer wieder ...
Eines Tages erkennt er, dass weniger manchmal mehr ist.

Eine Geschichte vom Glücklichsein.
Für kleine und große Menschen.

Verlag Bibliothek der Provinz
24 x 17 cm, 32 Seiten, Hardcover, 18,00 €
ISBN: 978-3-99028-682-1

ach herrjemine mit langgezogenem Endungs-e ist eine volkstümliche Verkürzung der biblisch-christlich-lateinischen Rufformel "Herr Jesu Domine". Man soll den Namen des Herrn nicht leichtfertig aussprechen, sagt die Bibel. Und der Volksmund umgeht dieses Gebot mit Zungenschlag und Zusammenzug.

Mittwoch, 20. September 2017

Herr, es ist Neumond!

Unser kontinuierliches Werden und Vergehen im Spiegel von Alfred Nobel: vor 150 Jahren ließ er sein "Sicherheitspulver", das Dynamit patentieren und wunderte sich danach sehr darüber, dass seine (zufällige oder nicht) Erfindung nicht Friedenstiftend war. In Rendsburg vor ein paar Tagen fand der Referent, Amtsrichter iR, für das gut nachbarschaftliche Verhältnis in unserern Breitengraden folgendes Gleichnis: "In Neubaugebieten werden heutzutage tonnenweise Sprengsätze verbuddelt!"

Dienstag, 19. September 2017

Herr, es ist Kohlanschnitt

Kohlanschnitt mit Habeck als Erntehelfer in Friedrichskoog. Landfrauen. Markttreiben. Krautwerkstatt. Wahlkampf. Dithmarschen feiert bis zur Bundestagswahl seine 80 Millionen Kohlköpfe. Für jeden einen!

Montag, 18. September 2017

Herr, es ist C!

Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Gestern: Großbuchstaben-Aktion vor dem AKW Gundremmingen „B-und-C-Abschalten“. Wer B sagt, muss auch C sagen:

Sonntag, 17. September 2017

herradeln

Kurzentschlossen. Nach zwei Tagen am Nordostseekanal. In einem geschlossenen Raum. Vor dessen Fenster hin und wieder Containerriesen aus aller Herren Länder so gemächlich vorbeizogen, als seien sie einem Video von Viola entstiegen. So langsam. Steige auch ich auf mein Fahrrad. Und knacke am Sonntagmittag seelenruhig die Achttausendermarke. Das Hin- und Herradeln adelt mein Herrenrad. Der Fahrradcomputer zeigt nun 8005 ge(r)adelte, gearltete Kilometer. Die Luft ist sanft, das Wasser kalt, die Strandkörbe noch da, stehen nur ver-rückt und geduckt etwas höher am Deich, die Dusche funktioniert. Nur die Mülleimer sind verschwunden, sowie das DLRG-Häuschen auf Rädern. Abgeschleppt sicherlich vor Sebastian. Und die Badenden fehlen. Ich schwimme ganz allein.

Samstag, 16. September 2017

herrücken

Man kann alles gerade rücken. Hin- und herrücken, bis der rechte Winkel stimmt. In meinem Dienst steht ein Horizontbegradiger. Nachdem ich aber den von ihm schnurgerade gezogenen Horizont auf meinem Bildschirm drei Tage und zwei Nächte wortlos betrachtet habe, rücke ich ihn nun zu vorgerückter Stunde, endlich zurück aus Rendsburg und Hägen (Herr, wo ist das?), wieder in die ursprüngliche Schräglage zurück. Und bin erlöst. Ich glaube nicht, dass der Urknall geometrisch, linear ordnend wirkte oder das Nichts je im Lot war. Womöglich begann alles mit dem goldenen Schnitt, der funktioniert aber auch, wenn er schief im Universum liegt. Ich brauche die dritte, vierte, fünfte Dimension. Nur so kann ich schlafen.

Freitag, 15. September 2017

Herrgottsfrühe

Die Herrgottsfrühe ist meine Lieblingstageszeit. Alles Wichtige, Wesentliche geschieht in aller Herrgottsfrühe. Heute hingegen ist die Herrgottsfrühe uninspiriert: ich verlasse das Bett, den Schreibtisch, das Haus, das Dach überm Kopf und laufe durch strömenden Regen in der Dunkelheit (Herr, wie lang ist's her, dass ich vor Sonnenaufgang auf der Straße war?) zum Zug.

Donnerstag, 14. September 2017

herrichten

Wir richten alles wieder her. Im schönsten Sonnenschein. Meine Nachbarn und ich. Stellen die Mülltonne erst früh vor's Haus und sammeln Äste fremder Bäume ein. Unter meinem Apfelbaum verweile ich länger, fülle einen ganzen Eimer mit unreifen Äpfeln. Die ganze diesjährige Ernte. Ich werde die grünen Früchte auf alle Fensterbretter verteilen und nachreifen lassen. Falls sie das überhaupt zulassen. Was soll ich sonst tun? Sie wieder in den Baum hängen wie Weihnachtskugeln? Ein mächtiges Teil des Baumhauses ist heruntergekracht. Auch innerhalb des Gartens. Wo kein Mensch sich aufhielt. Mit jedem Brett, das fällt, wird dieses Haus luftiger und seine Statik instabiler. Aber alle Bäume sind stehen und alle Ziegel liegen geblieben.

Mittwoch, 13. September 2017

Herr, es ist Sebastian!

Ein Schnellläufer, ein Tief, ein Sturmfeld, ein Orkantief wie damals Christian, nur eineinhalb Monate früher: der erste Herbststurm. Sebastian donnert die stachligen Kapseln meiner Edelkastanie aufs Dach. Sie trägt natürlich noch das volle Laub und ist voller Früchte. Eine Dame in der vollen Kraft ihrer Mitte. Ich hoffe, sie bleibt standhaft und elastisch, beugt sich den ärgsten Böen ohne zu brechen. Ebenso die Dachziegel. Und meine Ohren. Sebastian holt die wenigen Äpfel vorzeitig vom Baum. Mehr wurden's nicht, weil die Blüten im Frühjahr erfroren sind. Und die Birnen sind längst alle am Baum verfault. Sebastian entfernt fürsorglich jetzt schon alles dürre Gehölz aus dem Geäst. Sein Hauptwindfeld ist nun in Dithmarschen, über der Meldorfer Bucht angekommen. Top-Böen Westerhever 147 km/h, SPO 130 km/h, Büsum 124 km/h. Der Bahnverkehr ist komplett eingestellt. Auf der B5 liegen zahlreiche Bäume. Wer nicht raus muss, wird gebeten, zu Hause zu bleiben. Das Wasser läuft bis zu 2 Meter über Normal auf, Sturmflut am Abend. Landunter auf den Halligen. Am Mittwoch, dem Dreizehnten.

Dienstag, 12. September 2017

Herr: Jesaja 66,13

"Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."
Das war die Jahreslosung 2016, wie ich erst jetzt lese.
Haben wir gestern abend in der Domchorprobe geprobt. Brahms Deutsches Requiem, V.

Montag, 11. September 2017

Herr, es ist Mahnwache

Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 10. September 2017

Herr, das ist Helvetia!

Vor zwei Wochen Bergsturz, Murgänge über Bondo im Bergell. Piz Cengalo. Val Bondasca.
Heute früh Eislawine, Gletscherzungenabbruch des seit Jahren tropfenden Triftgletschers (Fließgeschwindigkeit in den letzten Tagen: 2 Meter in 24 Stunden, heute Nacht 3 Meter ...) unter dem Viertausender Weissmies über Saas-Grund. Das Dorf blieb verschont. Die Evakuierten dürfen den Sonntag in ihren unversehrten Häusern verbringen.
Und vor ein paar Tagen luchste tatsächlich der Vollmond in den Tschingelhörnern durch mein Martinsloch auf Elm:
https://www.suedostschweiz.ch/sendungen/2017-09-08/wenn-der-mond-durchs-martinsloch-scheint#.WbLgcw3SgyE.email

Samstag, 9. September 2017

Frau Nina in Wacken

Die Kassandra des 21. Jahrhunderts heißt Nina und ist technisch auf der Höhe der Zeit. Ob aber jemand ihren push-up Nachrichten glauben wird, muss der Ernstfall zeigen.
Heute ist Nina zur Probe im Einsatz. Im Kreis Steinburg, genauer: in Wacken (keine neue Ausgabe des WOA!), Hohenaspe, Hohenlockstedt, findet von 8 bis 17 Uhr  eine "Katastrophenschutz-Großübung" mit 1500 beteiligten Personen und 300 Einsatzwagen statt. Schaulustige, Voyeuristen und potentielle Katastrophentouristen werden gebeten, zu Hause zu bleiben, da sie nicht nur den Ablauf stören, sondern auch sich selbst "in dem großen Trubel" (wie es in einer Pressemitteilung des Kreises heißt), gefährden. Stattdessen kann sich jede und jeder Interessierte, auch im Nachbarkreis Dithmarschen, kostenlos Frau Nina aufs Sofa nach Hause holen: die Warn-App NINA (=Notfalls-Informations- und Nachrichten-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) aufs Smartphone oder Tablet herunterladen und alle für das Übungsszenario relevanten Meldungen in Ruhe empfangen.

Freitag, 8. September 2017

Herr, es regnet!

Mein Frosch und ich gucken aus dem Fenster: es regnet. Das Radio sagt: Dauerregen! Gestern sind wir zweimal verregnet worden. Einmal auf dem Weg zum Deich, den wir leichtsinnigerweise trotz entsprechender Warnung der Wetter-App immer noch mit dem Fahrrad zurücklegen. Und einmal bis auf die Haut abends um zehn, nach der zweiten Chorprobe in dieser Woche.
Ich hatte diesmal nur einen kurzen Heimweg, aber die Zeit reichte aus und Regen kann allmächtig sein, wenn er will, dass alles, was ich auf und bei mir trug, auch der Frosch in meinem Hals, triefte. Meine Tasche, meine Noten, der Brahms, das Requiem, das Schicksalslied und seine düsteren letzten Hölderlinworte! Viermal (nein sechsmal!) permutiert (ja, permutiert durch die Untiefen der Töne durch alle Stimmen hindurch!) auf dem tiefen a landend zuerst, dann immerhin genädiglich auf dem c "... ins Ungewisse hinab!"

Donnerstag, 7. September 2017

Frau Fröscher

Ich habe einen Frosch im Hals, seit ich denken - oder reden kann.  Immer bin ich morgens heiser, muss mich ständig räuspern. Der grüne Lurch, Herr Frosch ist mein treuester Lebenspartner! Daran hat sich auch nichts verändert, seit ich an der Nordsee lebe, auch nicht im Sommer, wenn ich täglich - jetzt gleich wieder! - mit dem Fahrrad die zwölfeinhalb Kilometer gegen steifen Wind an den Deich fahre, mindestens eine Viertelstunde im Meer schwimme und mich danach glücklich vom Rückenwind wieder nach Hause jagen lasse. Im Gegenteil! Auch auf der Hallig, wo ich sozusagen mitten in der Brandungszone lebte und ständig das "maritime Aerosol" um die Nase hatte, das so gesund und schleimlösend sein soll für die Atemwege und alle Haupt- und Nebenhöhlen, blieb die Amphibie fröhlich in meinem Hals hocken.
Dieser Frosch kommt aus dem medizinischen Fachwörterbuch und liebt mich vielleicht deshalb so heiß: "ranula" ist eine Geschwulst im Bereich von Hals oder Zunge und leitet sich ab von lat. "rana" = Frosch. Die harmlose und keine Schmerzen bereitende Geschwulst ist also ein Fröschlein, gefüllt mit Speichel, Bohnen- oder Walnussgroß. Die "ranula" in der Diagnose des HNO-Arztes, die Froschgeschwulst, verursacht Beschwerden beim Schlucken und Sprechen und wird deshalb meist operativ entfernt. Ich behalte meinen Frosch. Denn der erinnert mich an meine helvetische Studienzeit, als ich ein Dachzimmer an der Sommergasse bei Frau Fröscher bewohnte.

Mittwoch, 6. September 2017

Herr, es ist Vollmond

und das Wetter verschlechtert sich von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute vor meinem Fenster. Windwarnungen poppen up. Weil in der Nacht der Himmel zugezogen war wie sonst nur die Vorhänge, habe ich tief und fest geschlafen, erholsam geträumt und werde nun den ganzen Tag meinen Schreibtisch nicht mehr verlassen.

Dienstag, 5. September 2017

Herr Igel

Herr, es ist auch Zeit zum Singen! Die Sommerpause war sehr groß. Und als ich gestern Abend nach der ersten Chorprobe in Heide erst im Dunkeln wieder nach Hause kam, guckte mich Herr Igel in meinem Vorgarten ziemlich verdutzt an. So verdutzt wie ich ihn. Er suchte nicht das Weite, ich auch nicht. Wir warteten beide ungläubig ab. Seelenruhig. Geduldig. Wer ist denn hier zu Hause? Und wer der  oder die nächtliche Eindringling? Normalerweise bin ich um diese Zeit längst im Haus drin und nicht mehr im Vorgarten. Und wenn ich doch einmal aushäusig mich vergnüge, betrete ich zu nachtschlafener Zeit das Haus still durch den Hintereingang. Herr Igel gewann. Ich verschwand zuerst. Durch die Haustür. Und mit mir das grelle Außenlicht. Herr Igel duckte sich. Auf seine Stacheln reagiert der Bewegungsmelder nicht. Und dann zuckelte er zufrieden unter den Rhododendron. Ich guckte natürlich aus meinem Versteck zu. Der Strauch ist mächtig nachgewachsen, nachdem ich ihn nach der Blüte im Frühjahr rabiat zurückgestutzt hatte. Vor ein paar Wochen schob ich, aus lauter Not, weil ich nicht wusste, wohin mit dem vielen Zeug, ganze Berge von Samenfäden der Edelkastanie darunter. Und vergaß das ansehnliche Ensemble an der warmen Hausecke. Sehr zum Wohle der Familie Igel, nehme ich nun an. Herr Igel war bestimmt unterwegs zu Frau Igel, die gerade ihre Jungigel säugte!

Montag, 4. September 2017

Herr, es ist Mahnwachenzeit

Castor-Alarm auf dem Neckar:
Neckarwestheim:  "Das leere Transportschiff ist auf dem Weg nach Obrigheim, um dort die drei Castoren für die zweite Atommüllverschiebung auf dem Neckar zu laden. Der Castor-Transport ins marode Zwischenlager in Neckarwestheim wird also morgen oder übermorgen stattfinden. Aktive vom Bündnis „Neckar castorfrei“ sind vor Ort und schicken aktuelle Informationen über twitter oder SMS.
Am Tag X, wenn der Transport mit dem hochradioaktiven Atommüll über den Neckar geht, brauchen die Menschen vor Ort dringend Unterstützung. Mach Dich, wenn Du Zeit hast, auf den Weg und sorge dafür, dass der Protest gegen die sinnlosen und gefährlichen Castor-Transporte stark wird. Beim letzten Mal haben wenige Menschen an verschiedenen Stellen der Transportstrecke mit viel Kreativität für hohe mediale Aufmerksamkeit gesorgt – das kann auch diesmal gelingen.
Aktionsort ist diesmal Lauffen am alten Neckararm, dort sind für den Transporttag zwei Mahnwachen angemeldet. Los geht es um 10 Uhr. Wer erst später kann, ist bis 14 Uhr auf jeden Fall noch rechtzeitig. Aber auch danach kann es noch sinnvoll sein, nach Lauffen zu kommen, je nachdem, wie lange das Schiff tatsächlich braucht."
Mahnwache 1: Uferstraße am alten Neckar-Seitenarm
Mahnwache 2: Marktplatz, Rathausstraße 
Weitere Infos auf der Bündnis-Website

Heute 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Sonntag, 3. September 2017

Herr! Es ist grün

Auf facebook werde ich regelmäßig mit meinen eigenen "Erinnerungen" konfrontiert. Das heißt, irgendjemand oder irgendetwas generiert aus meinem lifestream irgendetwas, was er oder sie oder es als "erinnerungswürdig" einstuft und mir deshalb vorschlägt, ich solle meine Erinnerung erneut in die facebook-Welt posten, also sie multiplizieren, und die community so an meiner facebook-gefertigten Geschichte teilhaben lassen. Ich ärgere mich so regelmäßig darüber, wie mir die Aufforderung regelmäßig entgegentritt. Es gelingt mir nicht, dem System zu übermitteln, dass ich an seiner fürsorglichen, für mich personalisierten Vergangenheitsarchitektur kein Interesse habe. Es wird mir, in naher oder ferner Zukunft wohl nichts anderes übrig bleiben, als meinen facebook-account zu löschen, so unwiderruflich, wie es das System zulässt. 
Nun tue ich hier etwas ähnliches, betreibe aus eigenem Antrieb, höchstselbst und freiwillig Erinnerungskultur:
Ein Ausschnitt aus dem Garten vor fünf Jahren, unmittelbar nach der Rodung einer unansehnlichen Hecke und der professionellen Pflanzung von 12 rhizombildenden Bambusjünglingen. Ich erinnere mich, dass damals ein Nachbar anerkennend sagte, wir hätten ja nun viel Licht gewonnen.

Derselbe Ausschnitt heute. Die lichtdurchlässige Bambushecke präsentiert sich, von demselben Dachfenster aus gesehen, mit massivem Grüngewinn!

Samstag, 2. September 2017

"Herr, es ist Zeit"

Vor Sonnenaufgang einstellige Temperaturen. Morgennebel. Herbst! Im Titel ein wörtliches Zitat, ein lyrisches, der Weltliteratur entnommenes - deshalb entsprechend gekennzeichnet. Der Titel des deutschen Herbstgedichts per se. Es gibt auch Jahreslosungen, wie ich im Rahmen meiner Brotbackrecherchen herausgefunden habe. Und die Losungen, die Bibelstellen aus dem Neuen oder Alten Testament, werden tatsächlich per Los ermittelt. Herr es ist Zeit, ein neues Los zu werfen. Oder zu ziehen.

Freitag, 1. September 2017

Herr, es ist Herbst

Ich habe seit einiger Zeit die Tageslosungen elektronisch abonniert. Sie kommen pünktlich und zuverlässig, während ich schlafe, immer kurz nach Mitternacht. Ich brauche ab und zu einen guten Bibelspruch für die Bäckerlegenden und lasse mir mittlerweile die Anregungen kostenfrei ins Haus liefern. So einfach ist das. Heute kam Psalm 90, 1.2. "Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit." Ich frage mich sofort, wo das Wasser, die Weltmeere, vor allem aber das Wattenmeer abgeblieben sind. Und warum 2 x "wurden". So leider unzitierbar.
Das erste "wurden" könnte ohne Not zum Beispiel durch das Verb "entstanden" oder meinetwegen archaischer "erstanden" ersetzt werden. Die August-Präfixe stehen immer noch auf Abruf bereit in meinem Hirn. Es regnet heftig. Kein Morgenschwimmen.

Donnerstag, 31. August 2017

erfolgt

Mission completed. Ich fahre ein letztes Mal zum Abendschwimmen, zum Sonnenuntergangsschwimmen. Bin Mutterseelenallein. Das Wasser ist gnädig und sanft, wärmer als die Luft. Die Rückfahrt ist kalt. Sobald die Sonne weg ist, wird es tatsächlich Herbst. Der Himmel tröstet über das Wetter, bunt aufgetürmt und mehrschichtig. Was Wolken ausmachen! Nächstes Jahr fahre ich mit Bleistift und Papier zum Schwimmen, nehme ich mir vor, und schreibe ein Horizonttagebuch. Das Licht am Fahrrad funktioniert, ich habe es den ganzen Sommer über nie gebraucht. Der Abpfiff dieser entsetzlichen Präfixsammlung erfolgt kurz vor Mitternacht. Ich schlafe dann schon, mir sitzt das Fieber der Nordsee im Blut, in den Füßen, in den Waden, auf der Brust, in den Armen und im Kopf.

Mittwoch, 30. August 2017

erheischen

Ästhetisch erbauender als das Buddeln nach Eisbergen in Krankenhausarchiven und auf Friedhöfen ist das erhaschen, ersuchen, erspüren, ergreifen, errichten des Verschwindens. Die kreative Sicht auf Naturereignisse. Darüber berichtete ich bereits am 29.11.16 http://amwattenmeer.blogspot.de/search?q=glacier. Julia Calfees Requiem für den Läntagletscher. Auch im Graubünden. Aber etwa 50 km Luftlinie nordwestlich vom Pizzo Cengalo. Das von Julia Calfee gespeicherte Tröpfeln des Gletschereises ist nicht verantwortlich für den jüngsten Bergsturz über Bondo.
Es gibt weltweit mittlerweile Versuche, das Verschwinden der Gletscher zu beweinen. So wie die Barockdichter den Tod ihrer Kinder beweinten, beschwören heute Ton- und Bildkünstler die Veränderung eines Aggregatzustandes, das Tauen! Zum Beispiel Paul Walde: Requiem for a Glacier https://www.indiegogo.com/projects/requiem-for-a-glacier#/
Oder das Ensemble Tétraflûtes: Gletscher-Requiem - Requiem des glaciers
https://vimeo.com/201130259
Hier eine Vorankündigung, wer einen der beschränkten Plätze im Luzerner Gletschergarten ergattern will, kann sich heute schon anmelden:

Ein Klagelied des schmelzenden Gletschers.
Ein Multimediales Konzert mit dem Ensemble Tétraflûtes:
Dienstag, 21. November 2017 um 18:30 Uhr im Gletschergarten Luzern.
Werke von: Andreas Zurbriggen, Doina Rotaru, Dorothea Hofmann, Dai Fujikura, Joseph Lauber
Videoproduktion: Stephan Hermann
Ausführende: Ensemble Tétraflûtes
Platzzahl beschränkt, Anmeldung empfohlen. Alle Informationen im Überblick finden Sie im Flyer Gletscher-Requiem (PDF)

Dienstag, 29. August 2017

enthemmt

Gestern Nachmittag traf eine mail von "guestbooking" der DW, englischer Dienst mit dem Betreff "Television Interview Request August 28th, 2107" ein. Zukunftsvision? Nein. Jahreszahlendreher. Corey schreibt: "I am looking for the daughter in law of one or the murdered patients of Niels H."
Als erstes googelte ich Niels H., den ich leider kenne, mit dem ich aber nichts zu tun habe. Tatsächlich gab es am Vormittag eine Pressekonferenz, auf der "die Spitze des Eisberges" - 84 bis 90, je nach Quelle, von Niels H. getötete Patienten - präsentiert wurde. So etwas re-aktiviert, re-elektrisiert die gefräßige Presse immer sofort (siehe zB hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/niels-h-soll-90-patienten-getoetet-haben-der-totmacher/20250326.html).
Als zweites antwortete ich Corey: "My father-in-law has been murdered by Irene B.", und verwies auf mein Buch.
Machen Sprache, Geschlecht, Buchstaben und Initialen irgendeinen Unterschied? Nein. Eisbergspitzen gibt es überall. Man muss sie nur erkennen wollen. Genauso wie das enthemmte Töten in Kliniken an sich. Das Krankenhaus ist der perfekte Tatort der neuesten Neuzeit.
Corey ließ nicht locker. Er oder sie (als drittes googelte ich ein zweites Mal: ich wollte wissen, ob Corey ein Frauen- oder Männervorname ist - ich traue aber getreu meinem angeborenen und dankt "dieser Sache" übersteigerten Misstrauen dem Ergebnis nicht) wollte mich tatsächlich am Abend im Berliner Studio der DW an der Voltastraße haben.
Als viertes antwortete ich Corey ein zweites (und letztes, wie ich mir fest vornahm) Mal: "I'm living by the Wadden Sea, about 400 km from Berlin and this evening, during your English shows, I must swim at high tide".

Da wir hier nicht immer Wasser im Meer haben, richtet sich mein Leben seit zehn Jahren nach der Tide. Das ist meine einzige kleine Freiheit, die ich aus "dieser Sache" (wie der Vorsitzende Richter im Honeckersaal des Berliner Amtsgerichts während des Prozesses gegen Irene B. zu sagen pflegte) gewonnen habe.

Montag, 28. August 2017

Sonntag, 27. August 2017

entgletschern

Die ganze Nordflanke des Piz Kesch im Engadin ist heute entgletschert, sagen die Schweizer Permafrostforscher, und dies sei einer der Gründe für den Bergsturz 2014 gewesen. Gleichzeitig betonen sie aber, dahinter stehe genauso wie aktuell am Piz Cengalo, eine "mehrere tausend Jahre lange Entwicklung, die durch vorstoßende und abschmelzende Gletscher geprägt" sei. Irgendwann kommt jede Entwicklung zu ihrem Finale. Irgendwann ist die Entgletscherung vollzogen. Es gibt derzeit Felsbewegungen in der Moosfluh an der Flanke zum Aletschgletscher. In der Ostflanke am Jungfraujoch steigen die Permafrosttemperaturen. Beobachtet werden u.a. ständig das Matterhorn, der Schafberg bei Pontresina, der Gemsstock bei Andermatt und der Kärpf in meinem herrlichheimatlichen Glarus! Deutsche Experten sagen voraus, dass bis zum Jahr 2080 der Permafrost auf der Zugspitze verschwunden sein könnte.
Permafrost wird gefährlich ab einer Temperatur von -1,5°. Darunter kittet er den Fels, darüber löst er ihn auf. Ironie des Schicksals: Südhänge sind heute stabiler, da es dort immer schon weniger Permafrost gab. Das SLF in Davos hat eine "Permafrosthinweiskarte" erstellt, die aber wenig aussagekräftig ist, da sie auf bloßen Vermutungen basiert, weil die Untergrundtemperaturen sich ständig verändern. Eine "zuverlässige Fels-Stabilitäts-Karte herzustellen" sei ein Ding der Unmöglichkeit, sagen die Davoser Schnee- und Lawinenforscher.
Wir wissen es aus anderen Bereichen des Lebens: absolute Sicherheit gibt es nicht. Soweit das Wort zum heutigen Sonntag.

Samstag, 26. August 2017

entgeistert

Als ich vor ungefähr genau einem Jahr auf Hooge aus meinem Mammutmanuskript las, unterbrach mich mittendrin ziemlich rüde eine seit einigen Jahren auf Hooge residierende Frau. Sie fand, und drückte das auch unverblümt entgeistert so aus, was sie höre, sei "so" oder "zu" "bedrohlich". Daraufhin entspann sich erfreulicherweise eine fruchtbare Diskussion über die Aufgabe von Literatur oder Kunst überhaupt. U.a. wurde ich bzw. mein Text verteidigt von zwei zufällig auf der Hallig anwesenden Schweizer Gästen. Und der australischen Erzieherin.
Was dieser Tage in Bondo im graubündnernisch-malerischen Bergell (siehe zB hier: Bericht von gestern https://www.nzz.ch/panorama/kurzmeldungen/felssturz-im-bergell-erneuter-erdrutsch-in-bondo-ld.1312746) passiert, ist ungefähr das, was ich beschreibe: ins Tal purzelnde Dreitausender. Fürs Wattenmeer habe ich entsprechende Wasservisionen. So what?
Heute: Hafenfest im Meldorfer Speicherkoog im Rahmen der Nationalparkwoche bei idealen Wetterbedingungen. Fast windstill, die Flut läuft erst am Nachmittag auf, auch heute wieder mindestens einen halben Meter über MHW, dh die Zeit zum Schwimmen verlängert sich insgesamt um eine gute Stunde, nach meiner Prognose steht man und frau am Badestrand Elpersbüttel von 15 bis 18 Uhr brusthoch in der Nordsee!
10:00 Uhr Wattwanderung
14:00 Uhr Hafenfest für groß und klein
ab 18:30 STAY live
https://www.nordseetourismus.de/veranstaltungen/meldorf/e-meldorfer-hafenfest

Freitag, 25. August 2017

entmannen

Der Westwind ist so stark, dass das Wasser über die Badetreppe aufläuft. Schwimmen ist schwierig bei dem Wellengang, aber schaukeln schön. Zum Präfix ent- entbietet der Duden ungefähr zwei Kilometer Erklärungen. Ich zitiere hier nur die erste: "ent-: 1. drückt in Bildungen mit Verben aus, dass etwas wieder rückgängig gemacht, in den Ausgangszustand zurückgeführt wird." Punkt. Als Beispiele nennt er dazu die Alltagsverben (Hand aufs Herz, wer benützt sie nicht täglich? mein Rechtschreibprogramm hingegen beanstandet sie alle drei!) "entbürokratisieren, entnuklearisieren, entproblematisieren." Wer selbst nachlesen will, bitte hier: http://www.duden.de/rechtschreibung/ent__befreien_von
Natürlich sind heute nur Frauen ohne Männer (= entmannte Weiber?) am Badestrand Elpersbüttel anzutreffen. Und ich bin die Jüngste.

Donnerstag, 24. August 2017

entfesselt

Wenn Felsen weinen. Entfesselte Natur - Murgang, Bergsturz, Erdbeben der Stärke 3,0 am Piz Cengalo über Bondo, Graubünden:
http://www.n-tv.de/panorama/Acht-Menschen-nach-Bergrutsch-vermisst-article19999221.html
https://www.youtube.com/watch?v=tsrL1p5oxDA
Bondo before - after: https://www.youtube.com/watch?v=Ar-1KhbexvU
Die Arbeitsgruppe Naturgefahren des Kantons Bern berichet: "Wenn sich der Permafrost im Felsen zurückbildet, werden neue Trennlinien aktiv. Wenn sich Gestein ablöst, gibt es neue Fließwege für Wasser und neue Druckverhältnisse, die den Fels zusätzlich destabilisieren." Die Bürgermeisterin von Bondo sagt, die Wassermassen haben alle überrascht. Niemand habe mit soviel Wasser gerechnet, das vier Millionen Kubikmeter Gestein ins Tal geleitet. Eine weitere Million Kubikmeter Fels ist noch am Berg in Bewegung.  

Mittwoch, 23. August 2017

ermahnen

Ermahnen ist im Gegensatz zu ermannen ein weibliches Verb. Wer wagte es schon, sich als Frau zu ermannen. Ermahnen hin gegen gehört zum täglichen Brot der armen Mütter und Hausfrauen. Und ist meist kaum von dem Erfolg beschieden, den der Duden der er-Vorsilbe zuschreibt.
Heute aber ein anderes Beispiel: ein Ü-60-Sohn ermahnte seine Ü-80-Mutter, sie solle beim Baden aufpassen, die Strömung sei so stark, dass sie sie bis Büsum abtreiben könnte. Mir U-60 erzählte die Ü-80 es lachend im Wasser. Wir treffen uns seit zwei Monaten täglich beim schwimmen. Der besorgte Sohn hingegen ist ein Schönwetternachmittagsgast am Deich.

Dienstag, 22. August 2017

ermannen

Ich schlage im Duden nach, was die Vorsilbe "er-" bei der Bildung von Verben eigentlich bedeutet. Ich ersuche die Sprache, mir ihr Bauprinzip zu erklären. So wie andere sich den Prinzipien eines Baumarktes ergeben und seine Bauklötzchen mitsamt Bauanleitung erwerben. Oder wiederum andere (vielleicht auch dieselben) dem Fernsehprogramm das Recht erteilen, die Gestaltungshoheit über ihre Freizeit zu erlangen. Lauter er-Verben.
 "er-" sagt also der Duden knapp und prägnant "drückt in Bildungen mit Verben aus, dass etw. erfolgreich abgeschlossen wird, zum gewünschten Erfolg führt, dass jmd. eine Sache bekommt, erreicht: ersingen, erspurten, sich erklatschen."
Hmm. Und was ist mit erahnen? ersehnen? erhoffen? Oder was passiert, wenn ich in dem oben aus dem Duden zitierten Satz den "gewünschten Erfolg" zum erwünschten Erfolg mache? Ist er dann genauso sicher? oder sogar sicherer? Kann oder muss der Duden das auch erwähnen? Muss er meine Eigendynamik (die Ermannung, das Sichselbstermannen) nur erdulden, oder auch erlauben?
Letzteres führt mich zur Vorsilbe "ent-" und meinem Sprachspiel des laufenden Monats: warum bedeutet erlauben etwas ganz anderes als entlauben? Genauso zB erlassen - entlassen, oder eben ermannen - entmannen?

Montag, 21. August 2017

noch einmal: Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

und wieder: Neumond am Abend, der nicht zu sehen ist. Und eine totale Sonnenfinsternis, die bei uns auch nicht zu sehen ist. Am besten zu beobachten ist ihr maximaler Punkt um 18:25:32 (UTC) in Hopkinsville, Kentucky, USA.

Sonntag, 20. August 2017

Entsetzen

Das Entsetzen ist immer riesengroß. Heute früh liquidierte ich als erstes mit einem Tastendruck die Arbeit von zwei Wochen. Und da ich nicht linear schreibe, von A nach Z, sondern Wildwuchs betreibe am und im Text, ist das eine mittlere bis größere Katastrophe. In der Panik reagierte ich völlig verkehrt und schloss die Datei (in der Hoffnung, die Änderung sei noch nicht gespeichert - sie waren es aber, warum verstehe ich nicht), statt zu versuchen, den Schritt oder die Schritte rückgängig zu machen. Seither bin ich mehr oder weniger gelähmt. Starre fassungslos in den Regen und frage mich, wozu das gut ist. Für den flow, den besseren drive? Als ob ich jedes zerstreute und hinterwäldlerischste Wort nun in einem glatten Tortenguss rekonstruieren könnte. Oder aus dem Ärmel schütteln, den ich im Sommer nicht trage.

Samstag, 19. August 2017

erfrischt

Auch in Berlin und auf Maui gibt es Geburtstagskinder. All the very best, Rosy! Fresh surf from the Badewannenmeer!

Freitag, 18. August 2017

erfreut

Zum Fünfundneunzigsten Glückwünsche ins Fölmliland! Alles Gute, Gesundheit und frohe Stunden. Auf dass täglich der aufrechte Gang weitergeht im Reich der Schuhmacherinnen.

Donnerstag, 17. August 2017

ersetzen

Natürlich kann heutzutage alles ersetzt werden. Alles ist Ersatz und Versatz oder alternativ Müll und Schrott. Brauche ich eine Hausratversicherung, die zB "Diebstahl von Sachen aus Kraftfahrzeugen" umfasst, wenn ich das Kraftfahrzeug, aus dem meine Sachen gestohlen werden könnten, gar nicht besitze? Brauche ich eine Versicherung für "Diebstahl von Sachen aus Krankenzimmern, am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Studium oder im Umkleideräumen bei Sporteinrichtungen", wenn ich weder krank bin, noch einen Arbeitsplatz habe, noch studiere und beim Schwimmen an der Meldorfer Bucht keinen Umkleideraum vorfinde, sondern - wie alle anderen Frühschwimmerinnen - mich schnell entkleide und einen unordentlichen Haufen auf dem Deich hinterlasse? Brauche ich eine Versicherung für "Diebstahl von Kinderwagen" wenn ich weder Kinder noch Großkinder habe? Für "Diebstahl von Krankenfahrstühlen, Rollatoren und Gehgestellen", wenn ich noch gut zu Fuß oder zu Rad bin? Für "Räuberische Erpressung" (Himmelnochmal, wo leben wir?), "Trickdiebstahl" (was ist das denn?) oder "Gefriergutschäden bei Stromausfall", wo ich doch "Gefriergut" eher als Gefahrengut einschätze, denn als unersetzliches Gut und deshalb keine entsprechend stromfressende Truhe besitze, sondern es vorziehe, mir mein Essen täglich höchstselbst frisch zuzubereiten?

Mittwoch, 16. August 2017

entwischt

Eigentlich muss heute hier der Titel "ermordet" stehen. Vor elf Jahren wurde mein Schwiegervater ermordet. Entwischt passt aber genausogut, außerdem tönt es das gestrige erwischt klug ab. Der Kontext ist so wichtig wie der Subtext. Ein, zwei Buchstaben decodieren die Norm. Die zehn Gebote. Du sollst nicht töten. Die Mörderin wurde nicht gleich erwischt, sondern verließ die Klinik seelenruhig. Elf Jahre ist das nun her, ohne dass etwas anderes geworden wäre. Elf Jahre, seit sich eine Krankenschwester routiniert eines weiteren Patienten entledigte. Damit sie bei Dienstschluss ihr Tagessoll erledigt hatte, den Leichnam entfernt, das Zimmer entleert, das Bett erfrischt. Sie hatte Spätschicht. Es war früher Abend, so wie jetzt. Sie rechnete damit, dass sie, ehe sie nach Hause entwischen konnte, noch den Angehörigen die Hand reichen und ein Wort des Beileids aussprechen musste. Was sie selbstverständlich auch tat.
Ich fahre zum Deich, das Wasser läuft auf.

Dienstag, 15. August 2017

erwischt

Die Ameisen fliegen. Und Tausende Lach- oder Sturmmöwen. Über den Salzwiesen versuchen sie in wundersamen Kunstflügen mit vorgereckten Hälsen und in seltsamen Verrenkungen die Paarungsbereiten auf dem Hochzeitsflug zu erwischen. Und zu fressen. An der Vermehrung zu hindern. Den eigenen Hunger zu stillen. Wieviele Ameisen muss eine Möwe erwischen, um satt zu werden?
Wir baden kurz nach Sonnenaufgang auf der Höhe des Angelteichs. Und lassen uns auf dem Grasdeich trocknen. Kopulierende Jungköniginnen nutzen unsere Haut sofort als abwaschbare Unterlage. 

Montag, 14. August 2017

Sonntag, 13. August 2017

erhaben

Zur Erbauung meiner armen Seele lese ich auf dem Badewannenrand Josef Freiher von Eichendorff. Ahnung und Gegenwart. "So hatte auch heute Friedrich den ganzen Tee versalzen. Keiner konnte das künstlerische Weberschiffchen, das sonst, fein im Takte, so zarte ästhetische Abende wob, wieder in Gang bringen. Die meisten wurden mißlaunig, keiner konnte oder mochte, wie beim babylonischen Baue, des anderen Wortgepräng verstehen, und so beleidigte einer den anderen in der gänzlichen Verwirrung."

Samstag, 12. August 2017

enthoben

Im Mittelhochdeutschen bedeutete entheben befreien. Des Amtes enthoben oder von einer Aufgabe/Verpflichtung/Bedrohung (?) befreit. Der Nordsee enthoben. Niemand braucht hier übers Wasser gehen zu können. Ich sitze im Trockenen. Und warte, bis die Sonne aufgeht. In einer knapp 38 Quadratkilometergroßen Badewanne ohne Wasser. Ungefähr einen Meter unter Normalnull. Ein 8 Meter hoher Deich schützt mich und die andern vor dem natürlichen Untergang. Wenn ich baden will - es ist gerade Morgenhochwasser - muss ich über den Badewannenrand klettern.

Freitag, 11. August 2017

entfernt

Ich entferne mich (klingt absurd, ist aber grammatikalisch korrekt) und fahre auf die Insel, für die ich noch nicht reif bin. Meine Birnen faulen am Baum, eh sie reifen können. Schorf, sagt mein Gärtner des Vertrauens. Pilzsporen. Wahrscheinlich eine Folge der Witterung. Und empfiehlt: abpflücken und vernichten. Also auch entfernen.

Donnerstag, 10. August 2017

erschossen

Das war schon. Übrig bleiben Leichen. Berge. Dolche. Meuchelmörder. Die Niederungen der menschlichen Natur. Erschossen. Erdolcht. Erstickt. Erwürgt. Erdrosselt. Erhängt. Erledigt (war auch schon). Oder: verschossen. Farblos oder rot über beide Ohren. Oder geschossen. Das Foto. Verwackelt oder scharf. Mit Zoom gezielt. Das Zielfernrohr. Getroffen oder nicht. "Frank oder frei" - ging die Rede im GG, lese ich in einem furchtbaren Buch. Die Abrechnung von Niklas Frank mit seinem Vater. Jeden Tag eine halbe Stunde auf dem Deich nach dem Schwimmen. Zum Trocknen. Mehr geht nicht.

Dienstag, 8. August 2017

entrückt

Noch so ein Wort zum Verrücktwerden: entrückt. Abwesend. Gedankenverloren. Weltvergessen. Wohin en-trücken, ver-rücken, wenn der Himmel tatsächlich endlos ist und die Nordsee hoffnungslos zerwühlt?

Montag, 7. August 2017

entschieden: Meldorfer Mahnwache

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Danach wird der Mond voll und geht bei uns um 21:00 etwas "angeknabbert" auf, wie die Himmelsbeobachter voraussagen. Eine partielle Mondfinsternis findet statt, die leider auch bei klarem Himmel über Dithmarschen kaum zu sehen ist, da der Mond bei uns zu spät übern Horizont kommt. Um 21:18 tritt er bereits wieder aus dem Kernschatten der Erde, da steigt er gerade schräg vor meinem Fenster im Südosten über die Dächer der Nachbarn.
Die alles entscheidende Montagsfrage: Lohnt es sich, zum Sonnenuntergang resp. Mondaufgang an Deich fahren, um das schnelle Verschwinden eines Schattens am Himmel zu beobachten?

Sonntag, 6. August 2017

entledigt

Ich bin erledigt, aber nicht entledigt. Ich entledige mich einer Sache, eines Auftrags, meiner Sorgen usw. Meiner alten Schuhe oder einer von Läusen befallenen Zimmerpflanze.
Ich entledige mich eines Mitwissers oder einer Mitwisserin - oder ich erledige einen Mitwisser, eine Mitwisserin. Erfordert beides raffinierte, intrigante oder eben kriminelle Energie.
Bevor ich das Duell mit dem steifen Wind von West aufnehme, gucke ich in den  Duden: entledigen hat etymologisch tatsächlich mit ledig zu tun; erledigen is slightly different (if you know what I mean). Mittelhochdeutsch geht erledigen (= frei machen, in Freiheit setzen) ebenso wie entledigen (= frei machen) auf ledig zurück: einer Sache oder einer Person ledig sein = frei von etwas, besonders von Verantwortung oder von jemandem sein. Ledig sein oder bleiben. Jemanden seiner Sünden ledig sprechen. Usw.
mhd ledic ist etymologisch wahrscheinlich (sagt immer noch der Duden) verwandt mit Glied und bedeutet also eigentlich gelenkig. Flexibel würde man heute sagen. Ledig = flexibel. Es ist Zeit für mich und mein täglich Bad in der Nordsee.

Samstag, 5. August 2017

erledigt

Es gibt dumme und dümmere Sprüche. Deutschlernende haben den Vorteil, dass sie unbedarft an die ihnen fremde Sprache herangehen. Das geht anderen nicht anders mit anderen Sprachen. Risiken und Nebenwirkungen sind bekannt. Hier ein Paradebeispiel:
"Wenn man jemanden, der nicht verheiratet ist, ledig nennt, nennt man dann einen Verheirateten erledigt?" (Zitat von fb, Deutsch mit Spaß - Hervorhebung von mir, ebenso Korrektur der Grammatik.)

Donnerstag, 3. August 2017

Ergebnis

Die Ausbeute vom letzten Samstag: MEIN NAME!
ARLT als Kompilation von ART und ALPHABET!

Mittwoch, 2. August 2017

erschließen

Morgenschwimmen. Es gibt immer einen Tag in der Woche, an dem das Ritual kippt. Wenn die Flut am Abend zu spät aufläuft, kommt sie am Morgen zum Zug. Für die Tagesschwimmerinnen. Eine Frau fragt heute morgen besorgt, ob ich gestern abend wirklich ganz alleine da war: "Du könntest ja gestohlen werden ..."
Ich kann nicht gestohlen werden.
Ich kann nicht einmal ertrinken.
Der Unterschied von verbaler und nonverbaler Kunst erschließt sich mir, wenn ich die "Wort-Vitrine" love letters (2001) von Bethan Huws und das "gemalte Video" The Greeting (1996) von Bill Viola vergleiche: love letters (2001) spielt höchstens noch mit der Bedeutung des englischen Wortes "letter" (= Buchstabe oder Brief) - und hält ansonsten die Buchstaben des Alphabet hinter Glas unter Verschluss. The Greeting präsentiert die wortlose Begegnung dreier Frauen (inspiriert von Pontormos Heimsuchung Mariä aus dem Jahr 1529). Die in der realen Welt 45 Sekunden dauernde Szene hat Viola auf 10 tonlose Minuten aufgebläht. Im wahrsten Sinne des Wortes! Wir sehen die Figuren sprechen, hören sie aber nicht. Wir erfahren aus ihren Blicken und Gesten viel mehr als uns ihre Worte je vermitteln könnten. "Die genaue Bedeutung des Geschehens kreist als mehrdeutige, spekulative Geste im Raum" (Bill Viola).

Hier ein Auszug, 27 Sekunden der 10 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=Dg0IyGUVXaQ

Dienstag, 1. August 2017

ertrinken

Abendschwimmen. Seit ich die Videos von Bill Viola, va Surrender (2001), und The Messenger (1996) in den Deichtorhallen gesehen habe, gehe ich anders in die Nordsee. Heute bin ich um diese Zeit ganz allein. Seit ich gelesen habe - im Erklärungstext zu The Messenger, dass Bill Viola als Sechsjähriger fast ertrunken wäre, erschließt sich mir die Omnipräsenz, ja die Auto-, Monothematik des Wassers in seiner Kunst neu. Anders. Die "Nahtoderfahrung" soll "durchaus nicht nur schreckliche" sondern auch "unglaublich schöne" Momente enthalten haben. Die offenbar nachwirken. Durch das ganze Leben. Und das ganze Werk.

Montag, 31. Juli 2017

Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

Sonntag, 30. Juli 2017

Der Y-Überschuss

6x7=42.
Bethan Huws, untiteld.

Das Gefängnis

Statt Sonntagspredigt. Bethan Huws (*1961 in Wales), love letters. Das Gefängnis der Buchstaben (ließ sich leider nur schlecht fotografieren, da in einem Raum mit diversen Lichtquellen hinter Glas aufgehängt an einer weißen Wand). Niemand, der schreibt, gelangt über diesen mit einem Schlüssel abgeschlossenen Setzkastenrahmen hinaus.

Freitag, 28. Juli 2017

Ausflug

Ich fahre mit der Bahn eine Stunde nach Norden - nach Bredstedt. Und am Abend eine Stunde zurück nach Süden - nach Meldorf.
Die Pfuhlschnepfen, die mit Satelliten-Sendern ausgestattet sind, fliegen fast fünf Tausend Kilometer, meist non-stop, von der sibirischen Tundra bis nach Dithmarschen. Manche legen eine Pause an der Eismeerküste ein, auf der Halbinsel Taymir. Und dann 70 Stunden mit einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von 60 km/h. Die Auswerter der Daten haben auch herausgefunden, dass die Vögel im Mai auf dem Hinflug in die Brutgebiete, erstmal eine Schleife nach Osten drehten, südlich von Moskau über den Ural flogen und erst mit der Schneeschmelze den Weg nach Norden nahmen. Rückzu ist der Weg um ca 1000 Kilometer kürzer.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Dickkopffalter

Nach wie vor liebe ich Konsonantenhäufungen. Mehr als Blaubeeren. Bei Sonne baden zu gehen, ist keine große Kunst. Bei jedem anderen Wind und Wetter aber ... trifft man am Deich nur gutgelaunte Menschen, die den Ort zur Zeit des Hochwassers immer zu genießen wissen. Wolken und Regen sind im Hochsommer an der Nordsee höchst willkommene Abwechslungen! Allein deshalb lohnt es sich immer wieder, den Speicherkoog zu durchqueren. Oder der Pfuhlschnepfen wegen, die gerade einfliegen. Des blühenden Strandflieders wegen und der Dickkopffalter, die sich dort tummeln. Es gibt Rostfarbene, Gelbwürfelige, Schwarzgrauer oder Graumelierter, Steppensommer oder Spätsommer Würfel- und Komma-Dickkopffalter. Konsonantenhäufungen liebe ich mehr als jeden Punkt oder Strich, gebogen oder gerade gezogen.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Dienstag, 25. Juli 2017

Blutpflaumenmarmelade

Dienstag. Ergiebiger Dauerregen. Statt Nachmittagsschlaf (was soll man bei dem Wetter sonst machen?) verkoche ich die gestern in der Abendsonne geernteten Blutpflaumen (Prunus cerasifera) zu Marmelade. Meine erste üppige Ernte. Letztes Jahr war keine/r da, die Früchte zu pflücken. Und davor war der Baum noch zu jung. Die hungrigen Amseleltern haben sich nur über die noch unreifen Früchte hergemacht und versuchten sie ihren auf wackeligen Beinchen unter dem Baum herumhüpfenden Nachkommen in den Schnabel zu stopfen. Aber die Jungvögel spuckten alles wieder aus. Seit die Früchte dunkelrot sind (= einen hohen Anteil an Farbstoffen mit antioxidativer Wirkung haben), interessieren sich die Viecher für Anderes. Meine Gartenvögel sind überdurchschnittlich gefräßig in diesem Jahr. Von den Kirschen, Felsenbirnen, Stachelbeeren ist gar nichts übrig geblieben.
Nach der Theorie von Herrn Bach (Bachblütentherapie) soll die Pflanzenessenz der Blutpflaume uns zur Gelassenheit und Entspannung zurückführen. Nun denn. Ich diene dem Tag. Während ergiebiger Dauerregen niedergeht.

Montag, 24. Juli 2017

2/3 VETO

Pulse of Europe: Ein vorläufiger Erfolg der vielen polnischen und nicht nur polnischen Spaziergänger während der letzten Tage und Nächte europaweit:
http://www.bbc.com/news/world-europe-40703909

Hier die Erklärung des Präsidenten aus der heutigen Pressekonferenz im Original - 1 Gesetz wird/will er unterschreiben, zwei nicht:
http://wyborcza.pl/7,75398,22140423,andrzej-duda-zawetuje-ustawy-o-sadzie-najwyzszym-i-krs.html?disableRedirects=true

Mahnwachen

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

und seit gestern Abend europaweit Pulse of Europe:

Europaweite Mahnwachen für Polen am Wochenende! Alle Europa-AktivistInnen sind aufgerufen!
Sonntag, 19 Uhr und zu weiteren Zeiten, vor polnischen Konsulaten und an weiteren Orten in vielen europäischen Städten.
Mit einer spontanen Sonderaktion reagiert die Bürgerbewegung #PulseofEurope auf die massive Einschränkung der Gewaltenteilung und der bürgerlichen Freiheitsrechte durch die polnische Regierung. Vor den diplomatischen Vertretungen des Landes werden Mahnwachen auf die neuerliche Verschärfung hinweisen, mit der Warschau die Justiz“reform“ fortführt und die Gefahren für den Rechtsstaat enorm erhöht hat.
Solidarität mit der polnischen Zivilgesellschaft zeigen an diesem Wochenende viele Pulse of Europe-Orte. Mehr Infos folgen auf Facebook und Twitter.
Pulse of Europe steht für ein demokratisches, friedliches und freies Europa. Wir unterstützen die Menschen, die in diesen Zeiten friedlich für Demokratie in #Polen einstehen. Wir sind ein Europa, wir teilen alle die selben Grundwerte und Rechte. Wer die Demokratie in einem EU-Mitgliedsland angreifen will, greift uns alle an.
#ŁańcuchŚwiatła = „#ChainOfLights
#WolneSady = „#FreeCourts
#ChcemyWeta = „#WeWantaVeto


Sonntag, 23. Juli 2017

Neumond

Konfuzius zum wievielten? Zum dritten:
Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag.

Und weil Sonntag ist und es in Strömen regnet, die Straßenbeleuchtung nach zwei Nächten Totalausfall nun, als müsste sie etwas aufholen, wieder Tag und Nacht brennt, noch eine Zugabe:
"Der Herrscher muss ein Herrscher, der Minister ein Minister, der Vater ein Vater und der Sohn ein Sohn sein." 

Samstag, 22. Juli 2017

Der 22. Juli

Die Tragik historischer Daten II: vor 65 Jahren verabschiedete das polnische Parlament die Verfassung der "Volksrepublik Polen". Sie trug die Handschrift Stalins. Der 22. Juli war bis 1989 volkspolnischer "Nationalfeiertag".
Heute Nacht beschloss nach dem Sejm auch der Senat die als Justizreform die getarnte Abschaffung der unabhängigen Gerichte. Nun fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten - dann werden alle amtierenden Richter entlassen und ersetzt durch vom Justizminister ernannte Genossen der Partei, die in ihrem Namen die Wörter "Recht und Gerechtigkeit" führt.
Déjà-vu?
Am Abend hört der Regen auf und wir fahren nach Wesselburen zum Konzert der Gregorian Voices. Das sind zwar auch nur Schauspieler - oder Sänger - aus Bulgarien, die vorgeben, Mönche zu sein. Im ersten Teil singen sie wahrhaft zu Herzen gehende "einstimmige, meditative Liturgiegesänge". Im zweiten Teil sind einige in den Kirchenbänken schon etwas angetrunken und fühlen sich ermuntert, bei den "Klassikern der Popmusik" mitzumachen. Na ja. Den Sängern hätte es gut getan, in der Pause die Mönchskutten abzulegen.

Freitag, 21. Juli 2017

Der 21. Juli

Sonne. Ich erledige ein paar wichtige Dinge und fahre zur Mittagsflut an den Deich. Auf dem Rückweg kaufe ich bei Nilsson einen Gummi-Stecker IP44 schwarz. Zu Hause angekommen, stelle ich damit auf der Gartenbank ein drittes Kabel her. Heute vor einem Jahr wurde DT von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidaten gekürt.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Der 20. Juli

Die Tragik historischer Daten. In Polen beginnen die abendlichen "Spaziergänge" Hunderttausender. Lichterketten rund um die Gerichtsgebäude landesweit. In Meldorf Regen.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Nilsson

Das Morgenhochwasser läuft einen halben Meter weniger hoch auf als normal. Wir, eine Handvoll Tagesschwimmerinnen, planschen im nur knietiefen Wasser herum und fahren trotzdem erfrischt wieder nach Hause. Der Ostwind hat mich in phänomenalen 32 Minuten an den Deich gepustet, und plagt mich entsprechend auf der Rückfahrt. Pause bei meinem Lieblingsladen: Nilsson verkauft mir eine Gummi-Kupplung IP 44 schwarz und ich repariere zu Hause im Garten beide am Samstag zerschnittenen Kabel. Sie sind nun etwas kürzer, aber aus dem einen abgeschnittenen Teil wird noch ein drittes werden. Aus zwei mach drei. Ich muss nur noch einmal zu Nilsson.

Montag, 17. Juli 2017

Mahnwache in Meldorf

18:00-18:30 Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 

danach: "Hooger Nüsse" in Heide. Nicht öffentliche Lesung.

Sonntag, 16. Juli 2017

Kater

Muskelkater nach dem gestrigen Gartentag. Sommerregen in Meldorf. Ich verbringe den Sonntag im Bett und pflege meinen Schmerz. In Polen protestieren Tausende. In allen Städten. Mit jedem Tag, den die PIS länger an der Macht ist, verliere ich mehr Freunde in Polen. Das ist eine seltsame mathematische Gleichung, ohne Weltbewegende Bedeutung. Sie trifft nur meinen wunden Punkt. Nach Einbruch der Dunkelheit Kerzenketten. In Warschau rund um das Oberste Gericht. Aber auch in Bydgoszcz, Poznań, Gdynia ... und wahrscheinlich, so meine Hoffnung, an vielen anderen Orten, von denen ich nichts weiß. Hier die ersten Bilder: http://wiadomosci.gazeta.pl/wiadomosci/56,114944,22102952,lancuch-swiatla-w-calej-polsce-tysiace-osob-protestuja,,12.html

Samstag, 15. Juli 2017

Das Spiel mit dem Feuer

Ich schneide die Hecke. Schon nach 5 Minuten ist das erste Kabel durch und die Sicherung raus. Das zweite Kabel hält etwas länger, immerhin fast 3 Stunden. Die Sicherung fliegt nochmals raus, diesmal die andere, da ich rund ums Haus mehrmals das Kabel neu einstecken muss. Den Rest erledige ich mit einem Kabel des Nachbarn in panischer Angst.
Dabei hätte ich so schön nach Sylt fahren können: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Nostalgiefahrt-Mit-der-Reichsbahn-nach-Sylt,shmag47442.html

Donnerstag, 13. Juli 2017

Auto, Fleisch, Flugzeug, Kind

In alphabetischer Reihenfolge sind dies laut einer neuesten Studie die 4 Wege (wir erinnern uns an Futsi I) für jede/n Einzelne/n, ihren/seinen Anteil zur Verringerung des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes beizutragen - sprich: das Klima zu retten oder zumindest retten zu wollen:
  • nicht Auto fahren, 
  • kein Fleisch (genauer: nur Produkte pflanzlichen Ursprungs) verzehren
  • nicht fliegen
  • keine Kinder zeugen
Da komme ich persönlich ziemlich gut weg und kann guten Gewissens jetzt allein zum schwimmen aus eigener Kraft durch den Speicherkoog zum Elpersbütteler Badestrand radeln.
http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa7541

Mittwoch, 12. Juli 2017

Die Joldelunder Margarethe

Regen über Meldorf wie in Macondo ... Einsamkeit wie in der Weltliteratur. Der "Margarethenberg" zwischen Bordelum und Sönnebüll und Dörpum, den ich kürzlich auf meinem Fußmarsch links liegen ließ, ist überhaupt kein Berg. Es gibt keine Berge in Nordfriesland. Früher, als es die Todesstrafe noch gab, war dort eine Hinrichtungsstätte. Wie der Hügel damals hieß, weiß ich nicht. Den heutigen Namen bekam er seltsamerweise von der Margarethe, der Letzten, die dort öffentlich enthauptet wurde. Die Margarethe kam aus Joldelund - deshalb fasziniert sie mich! Sie war eine unbescholtene Magd, bis sie in Addebüll bei einem "Vollhufner" in Dienst trat, der sie schamlos benützte.
Und das Ende vom Lied? Sie wurde rechtmäßig als Mörderin verurteilt, denn sie hatte tatsächlich im Liebesrausch oder vor Eifersucht ganz von Sinnen der zweiten Ehefrau des Vollhufners die Kehle durchgeschnitten. Er kam ungeschoren davon. Der einzige Trost: Sein Name kennt heute niemand mehr (außer mir). Und ihr Name ist aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken.

Montag, 10. Juli 2017

Sonntag, 9. Juli 2017

孔子

Sonntagsvollmond. Die Sonne ist eben untergegangen und der Mond steht pünktlich vor meinem Fenster. Ich nehme den Mund voll. Ich bin heißhungrig. Seit der Raum wieder aufgetan ist und ich jeden Tag in der Nordsee bade. Mittlerweile schätze ich die zwölfeinhalb Kilometer, die ich hin, und die zwölfeinhalb Kilometer, die ich zurück radle. Die Fahrzeit addiert sich immer auf das mehr oder weniger selbe eindeutige Resultat: ich brauche seit Tagen, Wochen zwischen 1:06:00 und 1:18:00. Gegen- und Rückenwind heben sich in dieser Rechnung restlos auf und es ist vollkommen überflüssig, sich über Böen zu beschweren. Der Weg ist das Ziel (Konfuzius) - diese DenkArt war mir auf Hooge abhanden gekommen, ohne dass ich es gemerkt hätte. Auf der Hallig ist kein Platz für Wege. Heute habe ich unverhofft ein großes Stück geistiger Gelassenheit zurückgewonnen - so unverhofft, wie zuweilen ein Regenschauer über einen kommt - und erst in dem Moment, als die Schädeldecke sich hob und das Hirn sich die Unendlichkeit zurückholen konnte, wurde ich gewahr, was mir fast zwei Jahre lang gefehlt hatte! 孔子- Fuzzi! Der Weg ist das Ziel! Ungewollt und absichtslos. Auf halbem Weg zum bereits aufgelaufenen Wasser, ungefähr auf der Höhe des Kronenlochs. Ein Geschenk der Speicherkoogtrolle.
Der verschwundene oder "wie eine Brausetablette" aufgelöste Weg in einer zu winzig geratenen Welt bedeutet nicht, dass das Ziel vor Augen läge und mit Händen zu greifen wäre. Oh nein! Ganz im Gegenteil, es ist das Dilemma aller Schurken und Diebe, aller Ehrlosen und Gottlosen, aller Gewissenlosen und Sprachlosen, die sich in der Sackgasse um den Trugschluss, angekommen zu sein, versammeln - und weinen.

Samstag, 8. Juli 2017

"das hätte ich Dir auch erklären können"

Das sind die Kommentare, die wir lieben: sie kommen per mail und wissen immer alles besser. Niemand muss meinem lyrischen und eindeutig beschränkten Ich hier irgendetwas erklären. Ich (das andere, unpoetische, das raffiniert berechnend auf der anderen Seite des Spiegels steht) bestimme, wann es was und warum - oder warum nicht! - erfährt.
Da lob ich mir meinen Helden ohne jeden Charakter (Hervorhebungen von mir): "Am nächsten Tag sprang Macunaíma früh in die Piroge und ruderte bis zur Quelle des Rio Negro, um sein Gewissen auf der Insel Marapatá zu lassen. Er ließ es genau auf der Spitze eines zehn Meter hohen Kaktus, damit es nicht von den Blattschneiderameisen gefressen würde." (op. cit. S. 32)

Freitag, 7. Juli 2017

Dämmerungsphasen

Es gibt, was ich bis eben nicht wusste, drei "Dämmerungszeiten", oder - je nach Standpunkt - Dämmerungsphasen: die bürgerliche, die nautische und die astronomische. Die gelten - jeweils in umgekehrter Reihenfolge - sowohl für die Morgendämmerung wie für die Abenddämmerung. Die bürgerliche (oder "zivile") Dämmerung hat natürlich mit dem Bürgertum (oder der Zivilisation) zu tun: Laut Definition kann der Mensch während der bürgerlichen Dämmerung im Freien noch lesen! Sie dauert in Deutschland durchschnittlich 39 Minuten - in Meldorf heute Abend aber fast eine Stunde. Das reicht für 12 Kapitel Macunaíma auf der Gartenbank.
Die nautische oder mittlere Dämmerung setzt am Abend später ein und dauert noch länger, in ihrem Verlauf kann die Höhe der Sterne über dem Horizont bestimmt werden. Die Linie zwischen Meer und Himmel ist der "nautische Horizont" und heißt - was ich ebenfalls nicht wusste - Kimm.
Die astronomische Abenddämmerung von heute endet erst morgen - Um 1 Uhr in der Nacht. Da beginnt schon wieder die astronomische Morgendämmerung des nächsten Tages. Das ist das Geheimnis der weißen Nächte!