Mittwoch, 22. November 2017

Fingernagelmond

Schietwetter bis eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang. Danach abnehmender Kitsch am Himmel im Westen, bis der neue Mond auftaucht.

Dienstag, 21. November 2017

Windstille

Ein Tag fast ohne Wind. Trotzdem bin ich nach Sonnenuntergang reif für die Dusche und alles, was ich am Körper trage, ist reif für die Waschmaschine. Ausgleichende Gerechtigkeit. Gut, dass es hier Wasser gibt.

Montag, 20. November 2017

Pressespiegel

Es lohnt sich allemal, zu lesen: die aktuellen Ausgaben von "National Geographic Magazine" (deutsche Ausgabe) und "Mohltied! Das Besseresser-Magazin" aus Schleswig-Holstein. Über die Süderooger und ihren Archehof, zum Thema Glück und die bedrohten Heide-Bienen mitten im Wattenmeer.

Samstag, 18. November 2017

Neumond

Ich bin zum ersten Mal auf Süderoog aufgewacht. Hab bereits zum zweiten Mal Hühner, Enten, Gänse, Schafe gefüttert. Und letztere auch gezählt. Alles ist hier in Reichweite. Auch das Wasser. Es läuft zum Mittag auf die Hallig. Wie immer. Wenn ich ankomme, folgt mir das Wasser.

Man sagt, lese ich, dass man einem Entschluss, etwas verändern oder neu tun zu wollen, möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden folgen sollte - weil die angesammelte frische Energie sonst schnell wieder verpufft im Alltagstrott. Und hin ist hin.

Freitag, 17. November 2017

Süderoog

Ich packe warme Sachen ein und sonst nichts. Mein mächtig gewachsener Maronenbaum hat freundlicherweise gestern die letzten Blätter abgeworfen. Der Meldorfer Garten geht in Winterruhe und ich fahre nach Nordstrand, wo ich mit dem Mittagshochwasser abgeholt werde.
Hallig Süderoog: 54° 27′ 48″ N, 8° 33′ O
ca 1 km lang, ca 800 m breit ergibt ca 6 ha. 1 Warft = höchste Erhebung
Viele Schafe, Gänse, Hühner und Vögel.
 

Donnerstag, 16. November 2017

Donnerstag der Letzte

im November zu Hause. Ich bin am Packen und Aufräumen. Wie immer. Erledige ein paar liegengebliebene Sachen und lasse derweil andere Sachen liegen. Wie immer. To-do-Listen sind bei mir ein Martyrium. Kompetenzstreit zwischen Bleistift und Zettel. Kopf und Fuß. Widerspruchsgeist und Vorfreude.

Mittwoch, 15. November 2017

Mittwoch in der Monatsmitte

Laubberge, Sonnenschein. Der Rasenmäher streikt. Ich wollte ihn zum Laubhäkseln einsetzen. Aber es liegt knietief und ich brauche den Rechen und die Hände.
Mit Verlaub hat nichts mit dem Herbstlaub zu tun. Die Blätter meiner Edelkastanie werden von Jahr zu Jahr größer. Nicht nur mehr, sondern größer. Verlaub ist eine Nebenform zu erlauben, veraltet verlauben. Zu Mittelniederdeutsch mit vorlōve und verlöven = erlauben.
Dann Dienstbesprechung. Was sein muss, muss sein.

Dienstag, 14. November 2017

Dienstag der Vierzehnte

Licht und Wärme am Himmel. Ein glutroter Tagesanfang. Die Farbe wird gleich schwinden, sobald die Sonne aufgeht. So ist das immer.
Nachtrag zum gestrigen Dreizehnten. Der Zug nach Hause hatte natürlich Verspätung. Aber: der geheizte Warteraum am Heider Bahnhof schließt jetzt nicht mehr um 21 Uhr (oder war es 21:30 Uhr? - egal. Er war immer zu, wenn ich von der Probe kam). Sondern bleibt (hopefully) wenigstens den kalten Winter über offen bis zur Einfahrt des letzten Zuges.

Montag, 13. November 2017

Montag der Dreizehnte

Kaum war ich in Heide dem Zug entstiegen und in die Gehstraße eingebogen, fiel der Strom in der Innenstadt komplett aus. Es war stockdunkel wie auf der Hallig. Die Leute ließen sich von den Smartphones den Weg weisen. Ich hatte Licht am Fahrrad. Wir versammelten uns zur Probe im düsteren Flur und warteten. Dann kam das Licht wieder.

Meldorfer Mahnwache

Montag der Dreizehnte.

18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg

Danach Probe für das Adventskonzert in Heide. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Nach dem Totensonntag kommt Vorweihnachten. Wir sind musikalisch der Zeit immer ein gutes Stück voraus. Die Stimme ist mir gestern im Dom abhanden gekommen und ich hoffe sie heute Abend in St. Jürgen wiederzuerlangen. 

Sonntag, 12. November 2017

Ein deutsches Requiem

Wir singen heute in vorauseilendem Gehorsam (wahrscheinlich aufgrund von Terminkollisionen) das Konzert zum Ewigkeitssonntag:
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45, Schicksalslied op. 54.
Zur Einstimmung spielt das Ochester die Tragische Ouvertüre op. 81
Mit:
Hanna Zumsande (Sopran)
Klaus Mertens (Bariton)
Meldorfer Domchor
Lübecker Sinfonietta
Leitung: Paul Nacekievill
Meldorfer Dom, Beginn: 19:30 Uhr
Einführung in das Werk: 18:45 Uhr Pastorin Inken Wöhlbrandt
Restkarten für Kurzentschlossene sind an der Abendkasse erhältlich.

Samstag, 11. November 2017

abgelegt

Mehrere Glühbirnen erlöschen gleichzeitig. Ich stehe auf wackeligen Füßen. 11.11. 11 Uhr Generalprobe im Dom. Dort ist es nicht wärmer als 16°, das haben die Domrestauratoren so festgelegt, damit die alten Fresken nicht wieder anfangen zu schimmeln. Wir werden mindestens 4 Stunden mit Mützen und Handschuhen singen.

Freitag, 10. November 2017

aufgeregt

Regen, Nebel, krank. Besuch aus Pellworm. Mehrmals, wie sich das gehört an so einem Tag, nass geworden. Vor Sonnenuntergang nochmals im Hagelschauer mit dem Laubbesen ums Haus. Was sein muss, muss sein. Den Rest des Tages verbringe ich im Bett.

Donnerstag, 9. November 2017

flachgelegt

Ich wache mit Halsschmerzen und Schnupfen auf. Genauer gesagt, wache ich nicht auf, weil ich gar nicht schlafen konnte.
Trotzdem will ich heute abend zur Lesung von Mareike Krügel ("Sieh mich an") im TRaumausstatter (20 Uhr), weil ich nicht wissen möchte, was ein "bemerkenswert unliterarischer" (Heiner Egge, Lüüd 10/11 2017) Roman ist. Ende der Zitate. Ich kann heute nicht selbstständig denken.

Mittwoch, 8. November 2017

lahmgelegt

Die seismischen Wellen, der Wind, die Raubvögel oder andere mutwillige Hände haben eine Oberleitung heruntergerissen zwischen Elmshorn und Tornesch. Wieder liegt der Bahnverkehr den halben Tag lahm an der Westküste.

Dienstag, 7. November 2017

November

Ja, und? Frostig am Morgen. Aber die klare Luft schärft den Geist. Wohl deshalb mag ich nicht hören, was am Morgen im Radio vorgelesen wird. Ich registriere ganz andere seismische Wellen.

Montag, 6. November 2017

Meldorfer Mahnwache

Am Morgen: Bodenfrost. Der erste?
Am Vorabend: 18:00-18:30 Meldorf, Südermarkt
Meldorfer Mahnwache für den sofortigen Atomausstieg 
Am Abend: Brahms, Deutsches Requiem, letzte Domchorprobe vor Generalprobe + Konzert

Sonntag, 5. November 2017

Sonntag

Der Sonntag ist in meinem Manuskript der Putztag. Die Protagonistin reinigt und ölt ihren Nussknacker. Heute treffe ich im Spam-Ordner das Angebot eines "genial" sortierten professionellen Werkzeugsets im Koffer auf Rollen an. Muss ich nun damit vereisen? Der Inhalt soll aus Chrom-Vanadium-Stahl gefertigt sein! Wer auch immer mich ausspäht, er hat endlich meine Vorliebe für präzise Materialbezeichnungen erkannt und bedient sie. Danke!

Samstag, 4. November 2017

Vollmond

Gestern las die Halligschreiberin in dem schönen Veranstaltungsraum in Meldorf, der TRaumausstatter heißt. Das war einst ein Raumausstatter und nun werden dort Träume feilgeboten. In den "Hooger Nüssen" der Halligschreiberin kommt das Wort "Nutella" einmal vor. Sie las vor vollem Saal. Ganz zur Zufriedenheit aller Anwesenden.
Gerade eben, eine Viertelstunde nachdem der Mond noch in der Nacht voll wurde, kam in meinem Spam-Ordner ein Angebot für ein "Nutella-Probierpaket" an. So etwas hatte ich noch nie. Denn die Rasterfahnung nach potentiellen Nutellafrühstückerinnen erfasst keine Ü50.

Freitag, 3. November 2017

Die Halligschreiberin liest

Herzliche Einladung - Heute 20 Uhr, im TRaumausstatter, Süderstr. 9, Meldorf

„Der Handschlag der Tide regelt das Leben der Frau im Watt. Auf Was­ser kann sie sich verlassen. Der Tidenstrom pendelt wie eine Stockuhr durch ihre Pfahlbauhütte. Unverwüstlich. Höflich mit Handkuss. Stur im Auf und Ab. Der Sonnenaufgang hinge­gen ist launisch und Seenebel sind hinterlistig.
Oonagh hört den Stillstand der Gezeit und presst Faschinen zwischen die brusthohen Pfähle. Sie befestigt sie mit Spanndraht. Die Alltagswellen beruhigen sich an den Lahnungen und verrennen sich nicht in die Halligkante. Das Springhochwasser ist ein Durchzügler wie der Steinwälzer. Sobald die Flut gesättigt ist, löst die Ebbe sie ab. Anders der Mond. Die Halligfrau wacht über störungsanfällige Koloniebrüter. Bei Seichtwassertide seihen die Löffler das flache Wasser mit pendelnden Kopfbewegun­gen. Oft verschwindet das Licht unvermutet aus dem Tag. Nie aber fehlt der Schei­telpegel, oder zu Ostern die gefräßigen Ringelgänse. Auch Goldregenpfeifer und Grünschenkel erscheinen pünktlich zum Appell auf der Salzwiese.“ (© Judith Arlt 2017)

Das Jahr 2016 verbrachte ich als Halligschreiberin auf Hallig Hooge und schrieb dort an meiner topologischen Autobiografie „Handschlag der Tide“. Dies ist ein langangelegtes Prosaprojekt, das sich nur am Schauplatz des Er­lebten orientiert und fast ganz ohne handelnde Personen auskommt. Zwei entgegen­gesetzte Landschaften bilden das Zentrum des Textes: die Glarner Alpen und das Wattenmeer. Der Mensch existiert darin höchstens als ein randständiges, wetter­leuchtendes Element.

Eintritt: 8 €, ermäßigt 4 €, im Vorverkauf 7 € bzw. 3,50 €
Vorverkauf: 04832 – 4104
Veranstalter: Peter Panter Buchladen und Unternehmen Leselust – Förderverein der Stadtbücherei Meldorf e.V.

Donnerstag, 2. November 2017

Sonne!

Puh! Was für ein Tag! Frühling, Licht, Leben. Ich arbeite wie ein Ochse. Und draußen dieses gleißende Licht, das einen im Winter am Wattenmeer so kribbelig macht. Pure Sonne. Schreiben ist ständig Zeitschinderei. Abwägen. Jetzt oder nie. Das Singen (Brahms, Meldorf) hingegen wirkt wie ein Blockheizkraftwerk. Dazwischen Zahnarzt. Fahrradausflug 1. Kaffee und Kuchen. Fahrradausflug 2. Manchmal ist es kaum zu glauben, was alles in einen einzigen Tag passt.

Mittwoch, 1. November 2017